Rasenfunk Royal - Saisonrückblick 17/18 VfB Stuttgart


#1

Es ist wieder soweit. Zwischen dem 14. Mai und dem 23. Mai zeichne ich die Royal-Segmente zu allen Bundesligisten auf. Wie immer in einer völlig undurchschaubaren Reihenfolge.

Ich freue mich auch diesmal über Fragen und Input eurerseits. Wie ihr wisst, ist alles rund um den Royal mit hohem Aufwand verbunden - von euch unterstützt zu werden bei der Vorbereitung, hilft mir da sehr.

Folgende Dinge sind für mich interessant:

Welche Spiele waren für den Verein besonders wichtig in der Saison (wie war der Saisonverlauf)?
Wie hat sich der Kader bewährt, mit Blick auf Neuverpflichtungen zu Beginn der Saison und generell?
Gab es wichtige Themen abseits des Platzes?
Wie war die Stimmung bei Fans und Umfeld?
Die Gäste werden wieder eigene Stichpunkte mitbringen, anhand derer wir uns durch die Saison hangeln. Da könnt ihr gerne auch Vorschläge machen, vielleicht schaut der/die ein oder andere hier ja vor seiner/ihrer Aufzeichnung rein.

Die Bonusfrage ist dieses Mal: Die Saison deines Vereins als Seriencharakter - wer ist es und warum?

Da die Bonusfragen immer sehr knifflig sind, freuen sich die Gäste hier sicher auch über Vorschläge. Es bleibt dann ihnen überlassen, ob sie sich daran orientieren oder nicht.

Danke für eure Mithilfe!


#2

Ich glaube, es war Jonas Friedrich in der Schlusskonferenz zum 31. Spieltag, der sagte, Stuttgart sei nie ernsthaft in Abstiegsnot gewesen.
Hinterher ist man immer schlauer, aber für Stuttgart sah es einige Wochen und Monate sehr düster aus. Die Mannschaft hat zwar in der Vorrunde sehr häufig Heimspiele gewonnen, hatte aber gerade mal einen einzigen Auswärtspunkt einsammeln können. Die Niederlagen gegen Mainz im DFB-Pokal im Dezember und in der Liga bei Rückrundenbeginn zeigten, dass es so nicht weiter gehen konnte, wenn man sich nicht in Liga 2 wiederfinden will.
Der bei den Fans beliebte Trainer Wolf wurde gegangen und Tayfun Korkut installiert. Ein Kandidat, der sehr schnellfertig ausgewählt erschien, und bei Fans sowie Experten Entsetzen bzw. Kopfschütteln provozierte.
Korkuts erstes Spiel, in Wolfsburg am 3. Februar, scheint die Wende gebracht zu haben. Bzw. die zweite Hälfte jenes Spieles. Nach einer uninspirierten ersten Halbzeit und 0:1-Rückstand brachte er erstmals Ginczek neben Gomez, und das Spiel wurde sogleich mutiger und wuchtiger. Endlich konnte Stuttgart offensiv wieder etwas zugetraut werden!
Und das war wohlgemerkt erst der zweite Stuttgarter Auswärtspunkt der Saison.
Von nun an ging’s - anders als von Hilde Knef besungen - bergauf!
Der Gomez-Transfer zur Rückrunde ist voll aufgegangen. Besser geht’s fast nicht.
Auch Tommy war sogleich eine Verstärkung für’s Team.
Die Verantwortlichen, namentlich der viel kritisierte Reschke, haben da offenbar durchaus einige entscheidende Dinge richtig gemacht (und auch der Umgang mit der U23 bzw. U21 scheint - nach einigem Zögern - auf einem guten Weg zu sein).
Ginczeks Gesundheitszustand scheint endlich stabil zu sein. Und dass Korkut konstant dabei blieb, diese Doppelspitze aufzubieten, war sicher auch eine gute Entscheidung.
Und vielleicht können in solch einer guten Stimmung Leistungsträger wie Pavard gehalten werden?
Gentner war sicher eine besondere Figur in der Mannschaft dieser Saison. Zum einen als Hoffnungsträger und Identifikationsfigur, als er nach seiner schweren Gesichtsverletzung in der Hinrunde gegen wolfsburg unerwartet früh wieder zurückkam. Dann - Gerüchten zufolge - womöglich beim Abschied von Wolf mitentscheidend. Und schließlich durch Korkut auf eine neue Position gesetzt und dort sehr wirkungsvoll.

Was für ein “Turnaround”! Der sich rein punktemäßig in den letzten Spielen sogar nochmal weiter zum Positiven steigerte. In so einer Form fährt man sogar gar nicht mal allzu ungern nach München zum letzten Spieltag, in der heimlichen Hoffnung…? Na…? :wink:

Die Saison des VfB als Seriencharakter? Im Moment muss ich noch passen, vielleicht fällt mir noch was ein. Zur Rolle von Korkut in diesem Gefüge fällt mir jedoch spontan der “Pupparo” in “Allein gegen die Mafia” ein. Ein paar geschickt gezogene Strippen, und schon laufen die Marionetten wieder, wie sie sollen und sie es eigentlich auch können…? :wink:


#3

Eine verrückte Saison für den VfB. Da war so gut wie alles drin was der Fußball an Geschichten und Ereignissen so bieten kann. Im Guten wie im Schlechten, aber zum Glück mit Mega-Happy End :blush:. Wobei ich mit Happy End den Klassenerhalt meine und nicht den wahrscheinlichen Platz für die Europa-League-Qualifikation.

Für mich hat die Saison mit einer riesen Enttäuschung begonnen und zwar mit dem Rauswurf von Jan Schindelmeiser :cry:, über deren Gründe bis heute nur gemutmaßt werden kann (leider). Für mich stand Herr Schindelmeiser, in Kombination mit Hannes Wolf als Trainer, für einen neuen VfB. Für einen VfB, der einen anderen Weg geht wie die meisten seiner Konkurrenten und der für viele Fans ein sehr hohes Maß an Identifikation mit dem Verein erzeugt hat. Ohne Herr Schindelmeiser hätte der Vereinspräsident, Herr Dietrich, niemals die Ausgliederung letztes Jahr nach dem Wiederaufstieg in die 1. Liga bei den Fans durchbekommen. Gerade die Art und Weise des Rauswurfs, die nicht offen gelegten Gründe für die Trennung, haben mich schwer enttäuscht :frowning_face:. Herr Reschke war als Nachfolger schnell installiert, viel zu schnell für meinen Geschmack. Das sah alles nicht nach einer spontanen Aktion von Herr Dietrich aus, sondern eher wie von langer Hand geplant und vorbereitet.

Manche sagen „der Zweck heiligt die Mittel“, manche sind vielleicht geblendet von Platz 7 zum Saisonabschluss. Für mich unterscheidet sich der VfB aktuell nicht wesentlich von den meisten anderen Vereinen. Vielleicht bin ich da zu kritisch, da noch immer enttäuscht und/oder liegt es auch daran, dass ich die HERREN Reschke und Dietrich aus verschiedenen Gründen nicht sympathisch finde und einfach nicht mag. So ist meine Stimmung, trotz der doch sehr erfreulichen (Ergebnis-)Entwicklung der Mannschaft und dem sehr guten Saisonabschluss, eher Verhalten und nicht euphorisch (dabei bilde ich aber inzwischen wahrscheinlich nur noch eine Minderheit der Fans ab).
Wenn ich die Saison so für mich Revue passieren lassen, fällt mir auch gleich ein Serienname dazu ein. Für mich passt ganz gut „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, wobei man für die Saisonverlauf 2017/2018 in Bezug auf den VfB eigentlich „Schlechte Zeiten, gute Zeiten“ sagen müsste. Die erste Saisonhälfte bzw. bis zum 20. Spieltag waren ergebnistechnisch unsere schlechten Zeiten. Ab diesem Zeitpunkt sind, verbunden mit der Entlassung von Hannes Wolf (und damit meiner zweiten riesen Enttäuschung diese Saison) und der Übernahme des Traineramtes durch Tayfun Korkut, ergebnistechnisch die guten Zeiten angebrochen und haben sich bis Saisonende gehalten bzw. gesteigert.
Solange unser Trainer Hannes Wolf hieß, war unser Motto (ergebnistechnisch) „Zuhause hui, Auswärts pfui“. Mit nur einem Punkt auswärts fand man sich bis Ende Januar am unteren Tabellendrittel wieder und war auch nicht mehr weit weg von den Abstiegsplätzen. Dazu kam das Aus gegen Mainz im Pokal und ein paar Ligaspiele, bei denen ich meiner Mannschaft ein ganz schlechtes Zeugnis ausstellen müsste, wenn man mich denn fragen würde. Gerade die verlorenen Spiele gegen und in Mainz, zuerst im Pokal (19.12.), dann in der Liga (20.01.), aber schon vorher in Hoffenheim (13.12.) und danach in Stuttgart gegen Schalke (27.01.) haben gezeigt, da stimmt was nicht mehr. Nicht nur weil man verloren hat, sondern die Art und Weise wie man verloren hat. Und das über einen längeren Zeitraum. Das wir mit Hannes Wolf einen sehr jungen Trainer verpflichtet haben, der sich natürlich noch entwickeln und dazulernen muss, war den meisten Fans klar und auch so akzeptiert. Die Unmutsäußerungen in dieser schwierigen Phase der Saison gingen von den meisten Fans nicht gegen den Trainer, sondern gegen die Mannschaft. Fehlendes Engagement einiger wichtiger Spieler auf dem Platz war augenscheinlich. Ich möchte es nicht nur an Christian Gentner festmachen, aber gerade vom Kapitän war ich in dieser Phase sehr enttäuscht (Hinweis: Wer mehr zum Rauswurf von Hannes Wolf und den Gründen erfahren möchte, dem empfehle ich die Folge BT041 aus dem BrustringTalk mit George Moissidis vom Kicker als Gast). Das da Herr Reschke den einen oder anderen Spruch in der Presse bzw. TV rausgehauen hat, war in dieser Situation nicht hilfreich. Im Gegenteil. Ich glaube, dass Herr Schindelmeiser in dieser Situation seinen Trainer gestärkt, und nicht geschwächt hätte. Gerade in so einer schwierigen Phase wäre notwendig gewesen, dass man Hannes Wolf den Rücken stärkt und als Manager auch mal kritisch den einen oder anderen Spieler sich zur Brust nimmt. Hannes Wolf ist so ein ehrlicher Mensch, so loyal, so vorbildlich, der bietet auch noch seinen Rücktritt an und entbindet den Präsidenten Dietrich von seinem Wort, dass er Hannes Wolf nicht entlassen würde. Und wie vermisse ich die Pressekonferenzen von Hannes Wolf.

Herr Reschke hat dann schnell Herr Korkut als neuen Trainer präsentiert, der von vielen Fans sehr kritisch gesehen worden ist. Das lag aber nur zum Teil selber an Herr Korkut und seiner eher durchwachsenen Bilanz als Trainer in seinen vorherigen Stationen (und wer kann es da einem Fan verübeln, dass man bei einem Punkteschnitt von knapp über 1,0 pro Spiel nicht skeptisch ist). Nein, es war hauptsächlich das Verhalten bzw. Gebaren der HERREN Dietrich und Reschke Hannes Wolf gegenüber.
Ob Herr Korkut die sogenannten wichtigen und richtigen Stellhebel der Mannschaft gefunden hat, oder ob die Mannschaft in Folge der Kündigung von Hannes Wolf sich in der Pflicht gesehen hat, man wird sehen. Auch wenn wir ergebnistechnisch seit dem Trainerwechsel sehr erfolgreich sind, hoffe ich doch, dass ich diese Art von Fußball auf Dauer beim VfB nicht sehen muss :neutral_face:. Bis auf wenige Spiele, und dazu gehört zu allererst das Spiel gegen Bayern München :joy:, ist die Art von Fußball für mich nicht besonders sehenswert und auch nicht mitreisend (dazu gehört aber auch fairerweise der Hinweis, dass die Spiele unter Hannes Wolf jetzt auch nicht so sehr viel sehenswerter waren).
Die Zeit, die man/ich einem Hannes Wolf gegeben hätte, die muss ich natürlich auch Tayfun Korkut zugestehen um eine Mannschaft weiter zu entwickeln. Und wer weiß, vielleicht gibt es über die Sommerpause tatsächlich eine Entwicklung hin zu einem sehenswerten und mitreisenden Fußball.

Zum Kader bzw. zu den Transfers noch ein paar Worte. Mein Transfer der Saison war bzw. ist Erik Thommy :ok_hand:, der zur Winterpause aus Augsburg kam. Spielfreude, Einsatz, Körpersprache, Selbstvertrauen, da stimmt so viel. Der hat uns richtig gut getan. Auch einen Andi Beck, wurde zum Saisonstart verpflichtet, sehe ich zum Saisonende viel positiver als noch zum Jahresanfang. Ich finde, er hat sich trotz aller Kritik an seiner Person sehr positiv entwickelt :+1:. Das Mario Gomez wieder zurück ins Lände gekommen ist, war natürlich auch ein (der) Hammer :raised_hands:. Er hat uns auch sehr gut getan, nicht nur durch seine Tore. Zum Gomez-Transfer selber wollte ich noch anmerken, dass diesen Transfer auch andere Manager hätten eintüten können. Bei Mario Gomez waren die persönlichen Wechselwünsche wohl so stark vorhanden, dass ich diesen Transfer nicht unbedingt einem Herr Reschke alleine zuschreiben möchte.
Im Allgemeinen haben wir besonders im Spiel nach vorne, an den Außenbahnen, noch Handlungsbedarf. Auch an der Position des rechten Verteidigers und im zentralen Mittelfeld sollten wir noch etwas tun. Ich bin gespannt, was sich da jetzt alles tun wird. Die ersten Namen kursieren da ja schon.

Mein besonderer Dank diese Saison gilt unserem alten Trainer Hannes Wolf (der einem Trainerwechsel selbstlos angeboten hat) und unserem neuen Trainer Tayfun Korkut. Vor allem Herr Korkut wünsche ich nun, dass er einen guten Start in die Saison schafft und das ihm eine mögliche frühe Trainerdiskussion erspart bleibt :pray:.

Bonusfragen meinerseits. Wie wird eine mögliche Europa-League-Qualifikation gesehen? Wie gilt es den Kader allgemein zu verstärken? Wie wird das Spiel unter Trainer Korkut gesehen? Gilt es eine andere Art von Fußball spielen zu lassen? Haben wir bald mit den Spielern Gomez und Gentner ein ähnliches Problem wie Bayern München mit Robben und Ribery?

Euch viel Spaß beim Aufnehmen und vorab schon mal vielen Dank dafür. Ich bin schon wieder voller Vorfreude und kann es kaum abwarten bis der neue Rasenfunk-Royal online steht :smiley:.


#4

Puh. Was für eine Saison. Nach der Ausgliederung im vergangenen Sommer muss man eigentlich sagen, dass der Klassenerhalt Pflicht war. Du kannst nicht den Mitgliedern vorgaukeln “Ja zur VfB AG heißt Ja zum Erfolg” und dann absteigen.

Wie schon angesprochen hat mich die Schindelmeiser-Entlassung schockiert, aber irgendwie auch nicht, denn beim VfB wird seit dem Amtsantritt von Dietrich wieder der klassische Topdown-Ansatz in der Ansprache gewählt (ich hab mich da mal länger im Blog drüber ausgelassen). Spätestens mit der Entlassung von Hannes Wolf war eigentlich klar: Beim VfB hat sich, was die Kontinuität angeht, nichts geändert. Anstatt dem Trainer den Rücken zu stärken, wird er beim kleinsten Anzeichen von Krise entlassen. Dass man Korkut am Anfang mit Skepsis begegnet ist, halte ich angesichts seiner bisherigen Bilanz immer noch für vertretbar. Und schließlich ist der jetzt erreiche siebte Platz vor allem das Ergebnis eines typischen Laufs einer Mannschaft, die einen Feuerwehrmann als Trainer kriegt…nur eben ins Extreme getrieben.

Und damit komm ich von den Themen abseits des Platzes zum Saisonverlauf. Eine gute Abwehr hatten wir schon das ganze Jahr, da unterschieden sich Wolf und Korkut nicht groß. Korkuts großer Verdienst ist sicherlich, statt einem nur zwei Stürmer aufzustellen und Christian Gentner aus der Doppelsechs herauszuziehen auf den Flügel, wo er seit jeher eigentlich besser aufgehoben ist. Ja, und wenn Du dann in der Rückrunde das nötige Glück hast, regelmäßig früh in Führung zu gehen und dann irgendwann auch noch lernst zu kontern, dann kommt halt so etwas absurdes wie dieser Saisonverlauf raus. Ich wäre ja schon mit einem sicheren Mittelfeldplatz vollkommen zufrieden gewesen.

Insofern kann man da eigentlich kein Spiel wirklich herausheben. Das 2:1 gegen Dortmund war sicher gut für die Stimmung, die Niederlage Anfang der Rückrunde in Mainz der Tiefpunkt, nachdem man einen Monat vorher da schon im Pokal rausgeflogen ist.

Die wichtigsten Verpflichtungen waren mit Sicherheit Ascacíbar, Gomez, Zieler und Thommy. Beck hat sich im Laufe der Saison gesteigert, ebenso wie Aogo, als er auf die sechs gewechselt ist (als Außenverteidiger war er häufig überfordert). Zieler hat eine überragende Saison abgeliefert, ihn als Konkurrenz zu Langerak zu holen war genau richtig. Aber Spieler der Saison ist für mich Benjamin Pavard. Was eine unglaubliche Entwicklung der genommen hat.

Es wird interessant sein zu sehen, wie Korkut und Reschke die Mannschaft jetzt für die neue Saison aufstellen, auch mit der möglichen Europapokalteilnahme. Denn noch einmal wird das nicht so funktionieren wie in dieser Saison, da kam schon sehr viel zusammen.

Seriencharakter? Puh. So ziemlich jede Serie, wo der Hauptcharakter langsam immer mehr in den Schlamassel rutscht und plötzlich über sich hinauswächst und am Ende glücklich in den Sonnenuntergang reitet.

Ok, nachdem ich meinen Text geschrieben habe, sehe ich, dass wir uns ziemlich einig sind. Bin mal gespannt auf den Gast (wer ist es denn?).


#5

Ganz einig sind wir uns nicht, denke ich. Wenn ich dich richtig verstehe, hättest du lieber Wolf behalten. Für mich war nach der Situation im Dezember und Januar aber klar, dass sich grundlegend was ändern musste. Die Auswärtsschwäche (nur ein Punkt in der Vorrunde!) hatte ich schon angesprochen. Es war aber auch so, dass der VfB gefühlt kein einziges Spiel hatte drehen können. Sie haben oft gut mitgespielt, dann aber ein Gegentor gekriegt, und dann war klar, der VfB verliert. Aber als “0:1-König” hältst du eben keine Liga.
Korkut hat dann sehr richtig erkannt, dass es insbesondere am mutlosen Auftritt in der Offensive lag, und das sehr gut - und konsequent - geändert. Hatte dabei natürlich auch das Glück, dass Ginczek unverletzt blieb.
Aber er hat nicht nur Glück gehabt, sondern auch wirklich Dinge verändert. Galt Wolf als Fürsprecher der Jungen, hat Korkut eher auf die Älteren gebaut. Die dann womöglich wieder ernsthafter mitgezogen haben (Fahne hat ja in diesem Zusammenhang richtig auf das interessante Hintergrund-Interview mit George Moissidis im Brustringtalk hingewiesen).
Das kann man nun unsympathisch finden oder auch wenig nachhaltig in Hinblick auf die weitere Zukunft. Aber wir wissen alle, dass Stuttgart nicht Freiburg ist, und dass einem in Stuttgart nicht so viel Zeit gegeben wird, um erfolgreich zu sein. Und ein erneuter Abstieg wäre sicher fatal gewesen.
Insofern meine ich, dass es letztendlich sehr gut gelaufen ist, noch viel besser als man sich es erhoffen konnte.
Auch ich hätte den Platz 7 nicht gebraucht, und womöglich zerschießt einem eine Euroleague-Qualifikation die Vorbereitung. Aber andererseits kann eine mögliche Teilnahme am Europapokal bei manchem Spieler Interesse wecken, den man sonst nicht kriegen (oder auch behalten?) könnte. Ich hoffe in diesem Fall darauf, dass die Verantwortlichen einen schlagkräftigen und ausreichend großen Kader zusammenstellen. Wie ich schon angedeutet habe, bin ich der Meinung, dass Reschke durchaus etwas kann und schon einige entscheidende Dinge richtig gemacht hat. So bin ich da durchaus ein Stück weit zuversichtlich.


#6

Ich denke, es wird spannend sein zu sehen, wie flexibel Tayfun Korkut ist. Sein Konzept, den VfB unten rauszuführen, hat ja wunderbar geklappt: Kompakt stehen, aggressiv im Mittelfeld, und dann mit einfachen, einstudierten Spielzügen kontern. Das hat natürlich vor allem in den letzten 3 Spielen gegen LEV, HOFF und BAY funktioniert, sprich: gegen spielstarke, überlegene Mannschaften, die gerne den Ball haben. Gegen Hamburg und Hannover allerdings nicht. Dazu kommt wirklich viel Spielglück unter Korkut - so geriet man nur in 3 der 14 Spiele in Rückstand, ansonsten spielte der Spielverlauf meist dem VfB-System perfekt in die Karten: Früh in Führung gehen, und dann hinten dicht machen. Das wird nicht immer so weitergehen.

Eine Alternative zum doch recht statischen Korkutsystem der Spieltage 22 bis 33, in denen immer die nahezu identische Startelf auf dem Platz stand und auch immer nahezu identischen Fußball gespielt hat, hat sich dann tatsächlich bei 4:1 in München ergeben. Denn in Stuttgart haben trotz der tollen Ergebnisse viele Fans gebruddelt, weil Akolo und Donis so wenig Einsatzzeiten bekommen haben und der Fußball zwar Kämpferherzen erfreut hat, ansonsten aber recht unansehnlich war. Die beiden haben, genau wie Mangala gezeigt, dass man sie durchaus öfter bringen kann. Sollte sich der VfB tatsächlich für die Europa League qualifizieren, ist das natürlich gut zu wissen.

Ansonsten ist für mich der Spieler der Saison Santiago Pavard bzw. Benjamin Ascacibar. Die Ruhe und Übersicht und Spielintelligenz von Pavard ist so herausragend wie seine Zweikampfführung, und ich hoffe, der Reschke hat jetzt schon einen Plan, wie er ihn ersetzt, wenn er im Sommer 2019 für 65 Millionen zu PSG geht. Ascacibar hingegen ist für mich die Personifikation dessen, wieso keiner in dieser Saison gerne gegen den VfB spielen wollte: Der nimmt dir einfach den Ball, den Platz, den Spaß am Spiel. Und nach vorne hat er auch viel mehr drauf, als gemeinhin gewürdigt wird. Klare, einfache Pässe, die ankommen und die Basis für die Angriffe legen.

Als Seriencharakter wäre der VfB der Drache Viserion aus Game Of Thrones: abgeschossen, abgestürzt, totgesagt, aber dann vom neuen Herren wiederbelebt und am Ende ein furchteinflößendes Comeback hingelegt. (Wobei ich hoffe, dass Korkut nicht der “Night King” des VfB wird…)


#7

Was für ein guter Vergleich mit Viserion :slight_smile:


#8

Nach meinem Eindruck schwankt das Publikum in Stuttgart zwischen zwei Extremen. Es wird gerne gebruddelt (Schwäbisch für meckern) und dann neigt es gerne mal zu einer euphorisch überzogenen Erwartungshaltung. Es hat mich schon überrascht, wie schnell nach einer überragenden Stimmung während letzten Saison, am Anfang dieser Saison wieder Unruhe in den Verein kam. Danach drehte die Stimmung schnell und im Rasenfunk wurde die Mannschaft schon am 12 Spieltag wieder in die Champions League gelobt. Nur 8 Spieltage später wurde der Trainer entlassen. Jetzt scheint der VfB mal wieder an einem Punkt angekommen zu sein, an dem man glaubt einer glorreichen Zukunft stünde nichts mehr im Wege. Es würde mich daher interessieren, wie nachhaltig der aktuelle Erfolg ist? Und wie belastbar die Vereinsstrukturen während Krisen sind?

Der Wechsel von Wolf zu Korkut schien auch eine Tendenz zu erfahrenen Spielern anzudeuten. Unter Korkut kamen Talente wie Asano, Mangala oder Özcan kaum noch zum Einsatz, gleichzeitig wurden aber für die kommende Saison ausschließlich junge Talente von außen geholt. Wie soll die Strategie für die nähere Zukunft aussehen?


#9

Danke für euren tollen Input! Richtig klasse. Aufzeichnung findet heute Abend statt.


#10

Echt? Wann war denn die Erwartungshaltung in Stuttgart überzogen? Als man sich den Klassenerhalt gewünscht hat?

Könnte vielleicht daran liegen, dass der Präsident unmittelbar vor Saisonbeginn den Sportvorstand ausgetauscht hat, weil der ihm persönlich nicht in den Kram passte.

Hör dir die Folge nochmal an. Es war ein Scherz von Desiree.

Wenn eine Fanszene in den letzten fünf Jahren ihre Erwartungshaltung in den Keller runtergeschraubt hat, dann die des VfB.


#11

Generell hätte ich gerne einen Trainer mal behalten und stattdessen die Mannschaft zur Verantwortung gezogen, mal ganz unabhängig von der Person Wolfs. Scheinbar brauchten die Spieler aber mal wieder den neuen Impuls. Bin gespannt, wie lang es bei Korkut dauert, sollte es kommende Saison nicht laufen.


#12

Hi Lennart,

Natürlich ist es schwierig, Stimmungen zu quantifizieren. Letztlich ging es mir darum, dass auf- und ab mit Beispielen zu veranschaulichen. Wenn du beispielweise den Zeitpunkt der Rasenfunkfolge als ‚Stimmungshoch‘ nimmst, und die Entlassungen des Sportvorstands und später des Trainers als ‚Stimmungstief‘, dann passt es besser, als wenn du dich an dem Begriff Champions League festbeißt. Genaugenommen spielt es bei meiner Frage auch keine Rolle, warum beispielsweise der Sportvorstand entlassen wurde, ich möchte ja wissen, wie belastbar die aktuellen Strukturen sind. Ich meine schon, da um die Mitgliederversammlung viele Spannungen wahrgenommen zu haben, deshalb finde ich interessant zu hören, wie das denn jetzt aussieht.