Tribünengespräch 015 zu Depression im Fußball


#1

Immer wieder ein merkwürdiges Gefühl, mehrere Wochen Vorbereitung in zwei Stunden Sendung zu packen. Wie hat sie euch gefallen?


#2

Beste Rasenfunksendung ever!

Ihr habt es meiner Ansicht nahc geschafft, die Hörer für das Thema zu sensibilisieren ohne die Depressionen zu dämonisieren. Dieser schmale Grad ist schwer einzuhalten


#3

Kleiner Kritikpunkt meinerseits: mich hat es etwas gestört, dass ihr nicht nochmal auf die Unterschiede zwischen Psychiatern, Psychologen und Psychotherapeuten eingegangen seid. Zumindest ich kann mir das nämlich nie merken und hatte dann an manchen Stellen kleinere Probleme dem Gespräch zu folgen, weils eben wichtig gewesen wäre, die Unterschiede zu kennen.

[Edit]: ein tolles, faszinierendes und (für mich) aufklärendes Gespräch über eine (unterschätzte?) Krankheit.


#4

Einfach nur stark!!! Wenn die Hälfte der Sportjournalisten auch nur halbwegs so engagiert und investigativ wären wie du es bist, dann hätten wir ein klasse Niveau. Aber so gilt weiterhin, Max ist und bleibt spitzenklasse. Danke für die tolle Folge.


#5

Nun bin ich seit ein paar Wochen bzw. Monaten Hörer und nach dem einhören möchte ich auch mal was beitragen. Allgemein kann ich nur sagen: Hut ab. Was hier regelmäßig auf die Beine gestellt wird ist wirklich beeindruckend.

Ich habe selbst Depressionen und ich fand es schön, dass klar angesprochen wurde das sich viele gesunde Menschen da kaum hineinversetzen können. Das Beispiel mit dem unfähig sein die Sporttasche zu packen und zum Training zu fahren passt da sehr gut. Das macht doch für viele sicher keinen Sinn, aber das Gewicht, welches da plötzlich auf den Schultern eines Betroffenen lastet und der überlastet Kopf, welcher nur damit beschäftigt ist eine Fassade aufrecht zu halten, machen einen handlungsunfähig.
Hinzufügen würde ich nur, dass eben mit der Thematik das häufige “reis dich zusammen, das wir schon wieder” nur mehr Druck erzeugt und es einen noch weiter runterzieht, da das Gefühl vermittelt wird, dass man sich gehen lässt und es keine Krankheit ist.

Mit der Einordnung der Schweregrade und dem eher positiven Ausblick, dass es meiste eine einmalige Krankheitsphase ist tue ich mich etwas schwer, liebt aber vielleicht an mir selbst. Ich finde es hilfreicher, wenn man sich darauf einstellt länger dagegen vorzugehen. So fällt man bei einem Rückfall oder einem neuen Tief nicht so weit runter und kann evtl. früher gegensteuern.


#6

Danke für deinen Kommentar! Ich glaube, sobald es eine Diagnose gibt, ist es eh vorbei mit den Pauschalaussagen. Jeder Mensch ist anders, jede Depression ist anders. Die pauschalen Aussagen benötigt man zur Einordnung und besseren Greifbarkeit dieser Krankheit, aber im Grunde ist jeder Verlauf individuell.

Die Zahlen sprechen aber glücklicherweise für eine einmalige Krankheitsphase in der Mehrzahl der Fälle. So kommt es auch zur Aussage.


#7

Natürlich braucht man eine Ausgangsbasis. Die beiden Gäste haben ja auch sehr gut die Unterschiede dann ausgeführt.

Ich finde es auch immer interessant wie die Leute damit umgehen. Viele ältere Generationen können mit diesen psychischen Erkrankungen nichts anfangen, sehen das wohl auch einfach als Schwäche. Wenn das dann auch noch im “Männersport” Fußball vorkommt sind einige scheinbar total überfordert. Sind aber meist auch Leute mit denen ich mich sowieso nicht gern über Fußball unterhalten möchte :wink:


#8

Ich schließe mich dem Lob an, das hier ein vermintes Themengebiet mit Respekt und Augenmaß betreten wurde. Sehr schön! Ich kann zudem noch einmal wenigstens etwas Licht bringen in die Begriffsverwirrung rund um alle Berufsbilder mit Psych*:
PSYCHOLOGEN sind grundsätzlich erst einmal Menschen, die Psychologie studiert haben (ich z.B.).
PSYCHIATER sind Mediziner mit einer Facharzt-Ausbildung in Psychiatrie.
PSYCHOTHERAPEUT ist kein geschützter Begriff. Sieht man auf einem Praxisschild nur dieses Wort, sollte man sich dessen bewusst sein. Es kann sich auch z.B. um einen Heilpraktiker handeln, dessen Qualifikation zur Behandlung psychischer Erkrankungen zumindest suspekt sein darf). Grundsätzlich darf sich jeder Psychotherapeut nennen.
Geschützt sind hingegen folgende zwei Arten der Psychotherapeuten:
PSYCHOLOGISCHE PSYCHOTHERAPEUTEN: Das sind (in der Regel) Psychologen mit einer darauf aufbauenden Therapieausbildung (dauert 3-5 Jahre und ist ähnlich wie eine Facharzt-Ausbildung bei Medizinern). Dieser Begriff ist wie gesagt geschützt und darf nur von Personen mit dieser Ausbildung geführt werden. Therapien bei diesen PPT werden von der Krankenkasse bezahlt, wenn sie einen der knappen Kassensitze ergattert haben.
Es gibt hier drei unterschiedliche von der Kasse bezahlte Therapieformen: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische PT, analytische PT
Mehr dazu z.B. unter:
https://www.therapie.de/psyche/info/fragen/wichtigste-fragen/was-bezahlt-die-krankenkasse/
MEDIZINISCHE PSYCHOTHERAPEUTEN: Das sind wiederum Mediziner mit einer Psychotherapieausbildung.

Die beste Anlaufstelle hängt jeweils auch von der Erkrankung ab. Eine gute Variante ist oft die Kombi aus Hausarzt und Ps. Psychotherapeuten. Beide arbeiten idealerweise eng zusammen, vor allem bei Fragen der Medikation (die der Ps. PT nicht verschreiben darf; das dürfen nur Mediziner (also Hausärzte oder Psychiater).
Ein weites Feld, sehr verwirrend, vor allem wenn man betroffen ist und damit oft nicht so ohne Weiteres in der Lage, den Dschungel selbständig zu durchdringen.


#9

Eine ganz hervorragende Sendung. Die konstruktive und ernsthafte Gesprächsatmosphäre wurde dem Thema voll und ganz gerecht. Schön, wie die Gesprächspartner sich gegenseitig unterstützt und ergänzt haben. Schon allein für so eine Sendung lohnt es sich den Rasenfunk zu unterstützen. Weiter so.


#10

M. E. der erste Rasenfunk in dem Ihr Euch nicht durchgängig duzt? Passt aber zum Thema.

Ich hab mich lange vor diesem TG gedrückt, aus familiärer Vorbelastung.
Zweifellos ist Euch ein hörenswerter Beitrag zum Thema gelungen, nicht nur unter fußballerischen Gesichtspunkten. Danke dafür!

Mein Vater litt unter Depressionen, lange her. Das hat unser Familienleben deutlich geprägt. An eine erbliche Belastung habe ich gelegentlich gedacht, diese ist aber zum Glück nie eingetreten. Bisher zumindest, und ich bin über sein damaliges Alter inzwischen weit hinaus.