#08 - Euer Input für Schlusskonferenz 246

Montag Vormittag nehmen wir mit Schwerpunkt Gladbach auf. Freue mich auf euren Input für die Sendung!

Bayern:
Ich bin völlig ratlos. Mich erschreckt nicht nur die Ideenlosigkeit im Spiel nach Vorne, sondern am meisten die fehleranfällige Defensive. Fällt ihnen jetzt nochmal der Hummels-Transfer auf den Kopf?
Ich finde nicht mal, dass es in der Diskussion um die Punkteausbeute gehen sollte, sondern um die Frage, ob Bayern so auf Dauer spielen möchte. Die Diskussion um Kovac ist meines Erachtens nach berechtigt. Zumindest muss man sich die Frage stellen, ob er die, Bayern nochmal so zurecht coacht, dass man eine klare Spielidee erkennen kann und man wieder so dominieren kann, wie vor seiner Zeit.
Wenn Rummenigge Mourinho holen wollen würde, muss er sich beeilen, Tottenham lauert auch schon auf „The Special One“.

Wolfsburg:
Gefällt mir richtig gut. Glasners Handschrift ist zu erkennen, der Fußball unter ihm ist sehr interessant. Leider fehlt ihnen mit Schlager ein Schlüsselspieler, mit dem sie noch besser waren als im Moment. Die Aufgabe muss auf lange Sicht sein, die Abhängigkeit von gewissen Spielern (Weghorst, Schlager) nicht zu groß werden zu lassen.

Mainz:
Für mich unerklärlich, warum man so wenig punktet. Für mich ist der Kader klar verbessert worden, die Ausrichtung passt eigentlich zur Mannschaft, Sandro Schwarz ist ein guter Trainer. Das müsste man wirklich mal genau analysieren, was da gerade schief läuft.
Ist die Abhängigkeit von Mateta so groß, dass es an seiner Abwesenheit liegt?

Bayern:
Ich verstehe, dass die Transfer-Strategie („Domino-Effekt“) es nicht erlaubt mit neu erworbenen Schlüsselspielern eine ausreichende Vorbereitung zu spielen. Wie lange muss man dem Trainerteam noch Zeit geben, um spielstarke Formationen zu entwickeln? Kann ein Trainerteam mit den vielen Optionen, die die Spieler jeweils spielen könnten, überfordert sein?

Werder vs Hertha:

Werder die klar bessere Mannschaft. Aber leider nicht konsequent vor dem Tor. Im Gegensatz zum Spiel gegen die Eintracht viel weniger lange Bälle dafür wurde mehr „Fußball gespielt“. Das 1:1 ist dann eben ein typisches Fußballergebnis wenn das eine Team seine Chancen nicht nutzt. Ein großes Problem von Werder ist, dass sie inzwischen nicht nur bei Standards insbesondere Ecken schlecht verteidigen (egal ob in der Luft oder am Boden) sondern die eigenen Standards völlig belanglos sind. Sahin hat heute (mal wieder) alle Ecken getreten und wie so oft sind diese überhaupt nicht torgefährlich. Da fragt man sich schon wie sowas trainiert wird und warum nicht mal ein anderere Spieler schießen darf.
Warum Kohfeldt nicht gewechselt hat bzw. erst so spät verstehe ich auch nicht. Gut die Alternativen auf der Bank sind im Moment auch eher mau, aber Goller hat im Spiel gegen die Eintracht auch schon für nochmal ordentlich kreative Elemente gesorgt. Ihn hätte man z.B. für Bittencourt bringen können, der zwar viel Einsatz zeigt und auch gute Szenen hat aber in meinen Augen viel zu oft die „falsche Entscheidung“ trifft oder sich festläuft. Erinnert mich so ein bißchen an Kainz zur Werderzeit.
Im heutigen Spiel hat man auch einfach gesehen, dass uns a) ein Stürmer wie Füllkrug fehlte und b) Friedl offensiv einfach deutlich schwächer ist als Augustinsson oder Theo. Letzteres hat man daran gesehen, das kaum Angriffe über die linke Seite eingeleitet wurden.

Brych und sein Team haben viel laufen lassen was ich bis auf drei Szenen auch in Ordnung fand.

  1. Der vermeintliche Elfer gegen Ibisivic. Im Livespiel gab es bei Sky ganz kurz eine Perspektive zu sehen in der es so aussah als ob Pavlenka den Ball berührt. Diese wurde danach nicht mehr gezeigt. Auch in der Sportschau nicht. Aber da frage ich mich schon warum da kein VAR eingegriffen hat. Ich kann die Hertha schon verstehen, dass sie da nicht einverstanden waren.

  2. Vermeintliches Handspiel von Hertha im Strafraum in Halbzeit zwei. Muß so um die 70 Minute gewesen sein. Ein Herthaspieler wird von Bittencourt (glaube ich) angeschossen. In der ersten Einstellung sieht es so aus als ob er den Ball an den angelegten Ellbogen bekommt. In der zweiten sieht man, dass der Ball an die ausgestreckte Hand des anderen Arms geht. Meinem Verständnis der neuen Regeln nach ein Elfmeter. Sah auch der (sonst recht maue) Sky Kommi dann so. Auch da frag ich mich, warum da kein VAR eingreift. Zumal wenn Bargfrede wenige Mintuen später Gelb wegen Handspiel bekommt.

  3. Taktisches Foul an Rashica, dessen Freistoß schnell ausgeführt wird und zu einer Torchance führte. Das war die Szene in der MEggestein Rashica etwas beseite stößt um schnell auszuführen. Das ist in meinen Augen eine klare gelbe Karte für den Herthaner, die hat Brych einfach vergessen :roll_eyes:

Abgesehen von Lewandowski hat es Bayern, auch meiner Meinung nach, an der wohl sensibelsten Stelle getroffen, sollte sich Süles Verletzung als wirklich schwerwiegend entpuppen.

BVB - BMG

Dortmund machte einen deutlich robusteren Eindruck als in den vergangenen Spielen, hat sich aber wieder viel zu häufig hinten rein drücken lassen. Speziell die letzten Minuten wirkten wie eine Blaupause des Bremen/Frankfurt/Freiburg Spiels. Zudem hatte der BVB in einigen Situationen mächtig Glück, siehe Akanjis Zweikampf im Strafraum und Hummels weggerätschten Herrmann. Die beiden Abseitstore wurden zurecht abgepfiffen, obwohl Abseitstor Nummer 1 schon echt hart war.

Dortmund hat ein 0-0- oder 1-1-Spiel mit 1-0 über die Zeit gebracht. Mittlerweile eine Seltenheit, aber umso schön, dass es mal wieder geklappt hat.

Bürki und Hitz hatten einen bockstarken Tag erwischt, während Sommer gut angefangen hatte, aber sowohl beim 1-0 als auch beim bereits aberkannten 1-0 nicht die beste Figur machte.

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Kleine Beobachtung aus Union gegen Freiburg:
Die Schwolow Verletzung sah sehr unglücklich aus. Nach den guten Spielen bisher hoffe ich, dass es nicht zu schlimm ausfällt und er bald wieder kann.
Aber auch ein Lob an Thiede, hat einen sehr sicheren und routinierten Eindruck gegeben, war auch ins Spiel eingebunden, wirkte nicht wie ein Fremdkörper in der Abwehr. Und hat ja auch ein paar gute Paraden gezeigt.

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SGE-B04

In den ersten 20/25 Minuten war das Einbahnstraßenfußball. Da hätte es gut gerne auch 3:0 oder 4:0 stehen können (erinnert sei an die wilde Szene vor dem 2:0 oder das Abseitstor von Kostic) ehe Leverkusen, den ersten Ball auf das Tor von Rønnow (der sich in der zweiten Halbzeit ein Sonderlob verdient (schlecht war Rønnow gegen Bremen schon nicht)) kam.

Die Leverkusener (inkl. Bosz) wirkten alle samt planlos, wie sie diesem massiven Anfangsdruck was entgegensetzten kann. Es ist ja nichts unbekanntes, dass die Eintracht in den ersten Minuten (gerade zu Hause) versucht ein oder zwei Tore vorzulegen. Hat Bosz (durch seinen Plan A) dafür keinen Plan B, einfach weil man das nicht gewohnt ist? Gefühlt hat man Leverkusen in diesem Spiel mit den eigenen Mitteln geschlagen.

Natürlich ist dieses System riskant, aber interessant ist, dass das System mit der Hereinnahme von Touré nochmals eine vollkommen neue Note bekommen hat, auch weil man mit den Päärchen auf den Außenbahnen da Costa (Durm)/Touré auf der rechten Seite und Kostic/Hinteregger (NDicka) auf links sich die Arbeit teilen. Zu dem hat man auf den Flügeln stets eine Absicherung in der Verteidigung und kann nach vorne anschieben.

In der zweiten Halbzeit hat man - aus Frankfurter Sicht - auf den entscheidenden Konter/die entscheidende Aktion gewartet. Der erste Konter - der übrigens trotz des Abseits von Dost - überragend ausgespielt war. Und dann kam am Ende noch ein typisches Dost-Tor.

Zu Rønnow: Für ihn könnte es das „Durchbruchsspiel“ gewesen sein. Es ist für ihn in Frankfurt extrem unglücklich gelaufen: angeschlagen zum neuen Verein, der sich (komplett) neu erfinden musste und dann hast du in einem „besseren“ Testspiel halt ein paar Unsicherheiten. Dann wird Trapp aus Paris losgeeist (2x) und jedes mal vorgesetzt. Dass dann am Anfang Skepsis von Fans und lokalen Medien geben, ist natürlich logisch. Das Spiel wird ihm hoffentlich den nötigen Auftrieb geben und - und das ist nicht ganz unwichtig - für seine Vorderleute.

Noch einen weiteren Einschub möchte ich zu Dingert machen:

Ich fand die Leistung rund um gut. Alle kritischen Entscheidungen (Handspiele und ahndungswürdigen Fouls) wurden passend zur Linie von Dingert bewertet (ok, Hinteregger hätte gelb bekommen können in der 2.Hz bei einem Einsatz gegen Harvertz), weshalb die Partie - trotz Schnelligkeit (gerade in der ersten Halbzeit) aber auch Körperlichkeit immer im Rahmen war. Das vermeintliche Fernandes-Handspiel war für Dingert fies (und dort hat man gesehen wie wichtig der VAR sein kann und vor allem funktionieren sollte). Ohne das Zeitlupen-Wissen (Lieblingswort der Erben) hätte ich auch auf Elfmeter entschieden. Für mich war das eine (wenn ich die) beste Leistung eines Schiedsrichter in den ersten Spielen.

Getreue dem Motto: Credits were credits are due…

Auch wie die kuriose (Nerd-)Szene bei dem eingelaufenen Auswechselspieler in der zweiten Halbzeit gelöst wurde, fand ich elegant (Einsatz der VARs zur Prüfung des „Tatorts“) und nicht einen auf „Besserwisser“ gemacht. Zumal das Spiel in einer Phase war, wo das Spiel zu kippen drohte (ein Tor auf der einen (zur endgültigen Entscheidung) oder auf der anderen Seite zum Anschluss).

FCA-FCB

Als Bayern-Fan würde mir die Abwehr echt Sorgen machen - zumal mit dem Sühle Ausfall. Hinzukommen die Nebenkriegsschauplätze (wie z.B. Müller-Degradierung) und die Transferpolitik.

These (gerne auch zur Diskussion)

Am Ende der Saison wird eine Mannschaft (außer Dortmund, Bayern oder Leipzig), der jetzt noch nichts davon weiß.

Dortmund – Gladbach:
Laut Bela Rethy im ZDF-Sportstudio stand dem VAR keine kalibrierte Linie für das Spiel in Dortmund zur Verfügung. Abseitsentscheidung nach Augenmaß.

SGE vs B04

Das war wohl das bislang stärkste Spiel der Eintracht in diesr Saison. Es haben alle Mannschhaftsteile ineinander gegriffen und man konnte deutlich erkennen das die Mannschaft einen Plan hat und diesen auch konsequent verfolgt.

In der Defensive hat man deutlich besser gestanden als in den vorherigen Spielen und weniger Situationen zugelassen, in denen der Gegner über die Halbpositionen zwischen Kostic/Hinteregger bzw DaCosta/Toure durchbrechen konnte.

Im zentralen Mittelfeld ist man keinem Zweikampf aus dem Weg gegangen, ist nach vorne konsequent nachgerückt um zweite Bälle zu erobern und hat nach hinten enorm viele Räume zugelaufen. Hier muss man vor allem Rode hervorheben, der einen scheinbar endlosen Motor zu haben scheint. Insgesamt hat das Dreieck Rode - Fernandes - Sow mir sehr gut gefallen. Rode und Sow auf der 8 ergänzen sich gut, der ein kommt v.a. über seine Power, der andere ist technisch etwas stärker. Und dahinter hat Fernandes eben alles abgeräumt.

Offensiv hat man gemerkt wie gut Kostic die Länderspielpause getan hat und man musste fast schon Mitleid mit seinen Gegenspielern -insbesondere Weiser- haben, die seine zahllosen Attacken über den linken Flügel verteidigen mussten. Beachtlich ist hier auch, dass trotz des hohen Krauftaufwands kaum eine Flanke „blind“ geschlagen wird. Immer ist der Kopf oben und der Zielspieler im Strafraum wird gesucht.
Auf der rechten Seite hat auch Da Costa wieder ein besseres Spiel gemacht, der Pass zum 1:0 war überragend, und kann sich hoffentlich langsam wieder in die Form der letzten Saison spielen.

Im Sturm lässt sich feststellen, dass man zwar an individueller Qualität verloren hat, aber zum aktuellen Stand nicht unbedingt an Torgefahr. 11 Stürmertore nach 8 Spielen ist dann doch recht ordentlich, insbesondere wenn man bedenkt, wie spät ein Silva und ein Dost erst zu dem Team gestoßen sind. Gerade einem Dost hat man angemerkt, dass er sich immer mehr den 100% nähert und eine Art Haller-light mimt. Er lässt viele Bälle prallen (siehe 1. Tor) und ist insgesamt unbequem zu verteidigen.

Achja und dann ist ja auch noch Rönnow erwähnen! Für ihn kann man sich eigentlich nur freuen, nach all dem Pech welches er bislang in Frankfurt hatte. Dieses Spiel wird ihm weiter Selbstvertrauen geben und ich mache mir deutlich weniger Sorgen für den restlichen Verlauf der Hinrunde.

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BVB-BMG

Wenn man sich an den Gladbacher Auftritt in Dortmund im Dezember zurückerinnert, war dieses Spiel ein gewaltiger Schritt nach vorn. Damals war es ängstlich, zögerlich und zu respektvoll, dieses Mal das Gegenteil.

Über die 0:1-Niederlage müssen sich die Gäste sehr ärgern. Nicht nur wegen des klaren Hummels-Fouls, der quasi mit Herrmanns Bein den Ball am Tor vorbeibefördert hat. Das Foul an sich - von hinten nur die Beine getroffen - ist ja schon eine Rote Karte wert. Vom Ort des Geschehens mal ganz zu schweigen.

Dass sich Stegemann die Szene nicht mal selbst anschaut, ist nicht zu glauben. Möglicherweise spielte eine Rolle, dass sich die Gladbacher und allen voran Herrmann nicht groß beschwerten, sondern gleich den Eckstoß ausführen wollten. Eigentlich vorbildlich, aber dadurch ließ sich der Schiedsrichter davon beeinflussen.

Strafstoß hätte es auch schon in der ersten Halbzeit geben können, als Akanji sich ungeschickt auf der linken Abwehrseite angestellt hat. Und Delaney hätte das Ende des Spiels wie Hummels nicht auf dem Platz erleben dürfen, so oft, wie er in Kramer reingesprungen ist.

Ein Plus an 100-prozentigen Torchancen hat eine Gast-Mannschaft in Dortmund sehr selten (zweimal Embolo, Lainer, Herrmann, Neuhaus), insofern hat Gladbach gestern mindestens einen Punkt liegen lassen.

:point_up_2:
puh, die Analyse ist jetzt schon ziemlich durch die Fanbrille. Glaube Gladbach kann sich nicht über den Schiedsrichter beschweren.

BVB - BMG

Bis zur 80ten Minute war das Spiel von uns eigentlich ganz gut und wir sind immer mal wieder durch schöne Kombinationen vors Tor gekommen. Das erste Abseitstor von Hazard war richtig schön rausgespielt und die Aberkennung umso ärgerlicher. Vor allem wenn die Entscheidung tatsächlich nicht auf den kalibrierten Linien, sondern auf Kamerabildern beruht (Perspektive und so).

Noch ein Wort zur Aufstellung, ich hatte tatsächlich erst gehofft, dass wir mal mit einem 433 spielen und was Neues ausprobieren, aber das wird wohl erstmal nicht passieren.

Ansonsten die altbekannten Probleme,

  • Ab einem gewissen Punkt hat die Mannschaft gefühlt Angst, dass der Ausgleich wieder fallen wird und spielt auch so
  • Akanji ist momentan ein wenig von der Rolle. Ihn in der Situation auf eine unbekannt Position zu stellen, ist natürlich mutig

Ps. Ich fand Schulz hat unserem Spiel sehr gut getan. Gut, dass er wieder fit ist.

Naja, über die Hummels-Grätsche kann’s ja keine zwei Meinungen geben. Die letzten 20 Minuten in Unterzahl und mit sehr wahrscheinlich aus dem Strafstoß resultierendem Ausgleich wären sehr unangenehm für den BVB gewesen.

Daher war es ein spielentscheidender Fehler des Schiri-Gespanns.

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Danke für euren Input, Aufzeichnung der Sendung beginnt bald.

Die beiden Abseitstore wurden zurecht abgepfiffen, obwohl Abseitstor Nummer 1 schon echt hart war.

Also nein, da halte ich es mit Arndt Zeigler. Wie kann ein millimeterabseits (extra klein geschrieben) mehrere Spielphasen zuvor noch als beeinflussend gesehen werden??? Und dann noch auf unklarer Faktenlage.

Vielleicht deshalb den klaren Elfer gegen Hummels als ausgleichende Gerechtigkeit (passt das zeitlich überhaupt zusammen?) nicht gegeben?

Ich bin immer noch fassungslos! Und zwar über viele Punkte, da ist das Unentschieden in Augsburg der kleinste!

Vor circa achtzehn Monaten fiel irgendwann die Entscheidung auf Nico Kovac. Das ewige Betteln in die Richtung von Jupp Heynckes führte dazu, dass einige andere Möglichkeiten langsam vom Markt verschwanden. Ein Tuchel wäre zu haben gewesen. Dann kam Kovac.

Die Trainer, die in den letzten 25 Jahren beim FC Bayern Erfolg hatten, waren Hitzfeld, Heynckes und Guardiola. Trappatoni und van Gaal waren ebenfalls wichtig, nur nicht so lange so erfolgreich wie gewünscht. Vor allem die drei erstgenannten Trainer einte unter anderem ein sehr selbstischerer Auftritt, eine klare Linie bzw. Philosophie und sie konnten mit Führungsspielern umgehen. Und sie waren alle vorher CL-Sieger, ein Umstand, der einem bei der schwierigen Kabine ein paar Respektsprozente einbringt.

Nichts davon kann Kovac vorweisen. Weder CL-Erfolg (nicht ganz so schlimm), noch eine klare Linie und schon gar keine Philosophie. Der Umgang mit so einem Kader war ihm vorher auch nicht vergönnt gewesen.

Seine Erfolge in Frankfurt sind aller Ehren wert gewesen. Der Pokalsieg gegen die Bayern war nicht unverdient, aber auch glücklich zustandegekommen. Viele Sterne standen günstig. Eine taktische Offenbarung war schon damals nicht zu erkennen.

Vor zwölf Monaten machten die Bayern die gleichen Fehler auf dem Feld, wie sie es in den letzten Wochen machten. Eine Überlegenheit ist zwar wahrzunehmen, aber sie ist fast nie erdrückend, sie ist fast nie substanziell oder konzeptionell. Sie beruht nicht auf Vorgaben von Kovac. Sie beruht nicht darauf, dass die Bayern den Gegner zu Beginn „totpressen“, nicht zum Atmen kommen lassen. Unter Guardiola war dies selbstverständlich. Die Überlegenheit zeigt sich aufgrund der individuellen Klasse! Mehr nicht.

Kovac wollte schon ein paar Mal das 4-1-4-1-System durchdrücken und ist bis dato mit diesem Vorhaben gescheitert. Bayern spielt seit gut zehn Jahren ein 4-2-3-1, es ist quasi zur DNA geworden. Bei Pep wurden die alten und völlig neue Systeme jedoch so gemixt, dass der Gegner sich auf nichts mehr großartig einstellen konnte. Er hat es nicht geschafft, eine weitere taktische Komponente einfließen zu lassen.

Kovac weiß auch nicht, diesen Kader zu moderieren. Wann sollen Perisic oder Müller spielen, wenn nicht gegen ein verunsichertes Augsburg nach einer Länderspielpausr, wenn nicht gegen ein verunsichertes Hoffenheim, wenn man vorher in London gespielt hat? Jeder Spieler wüsste um seine Wertigkeit. Man könnte Load Management betreiben. Es würde mehr Ruhe herrschen, mehr Spieler hätten einen Rhythmus.

Kovac wird zudem gerne ausgecoacht. Unter anderem von Favre, Klopp, ten Haag (letzte Saison), Covic und Nagelsmann in dieser Spielzeit. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, bei dem Kovac der Schachspieler war.

Es fehlt anscheinend auch die Fähigkeit, die Spannung so hoch zu halten, dass eben eine konzentrierte Leistung in Augsburg, gegen Hoffenheim oder Hertha abgerufen wird, um klar und souverän zu gewinnen. Selbst die Siege gegen Mainz oder Köln waren trotz hoher Siege keine Glanzleistungen. Es fehlt die Seriosität, der Spielwitz, eine klares Spielsystem. Das System Lewandowski hat bekanntlich seine Grenzen, die ihm zu gerne im Frühjahr in Europa aufgezeigt werden. Es gibt keine klaren Laufwege, keine einstudierten Stafetten, kein erkennbares Muster. Das Alles kennt man aus dem letzten Jahr. Das gleiche Strickmuster. Die gleichen handelnden Personen.

Im Sommer hätte man handeln müssen. Die Titel waren das Ergebnis individueller Stärke, eines gewissen Stolzes, eines Manuel Neuers im Pokalfinale und Dortmunder Unzulänglichkeiten. Im Sommer hätte sich Rummenigge durchsetzen müssen. Ein Ten Haag war möglich, eine Nachfrage bei Pochettino hätte versucht werden können, van Bommel wurde gehandelt. Dass man sich selbst einen Trainer „ranzüchtet“, daran wagt man gar nicht zu denken. Klose? Noch zu früh! Scholl? Das hat man irgendwie vermasselt. Tobias Schweinsteger? Vergrault!

Um abschließend mal nur einen Punkt aus der 2:2–Niederlage gegen Augsburg zu beleuchten, damit man sieht, wie wenig taktische Rafinesse geboten wurde. Da spielt mit Coman wohl einer der schnellsten Außenstürmer Europas gegen Lichtsteiner, der ihm zu keinem Zeitpunkt halten hätte können. Gefühlt einen einzigen Sprint zog der Franzose in der ersten Hälfte an. Warum? Warum nutzte man dieses Mismatch nicht zehnmal aus, bis Augsburg doppelt, um dann eine schnelle Spielverlagerung anzustreben (ganz neues Konzept)? Von dem fehlenden Händchen bei den Auswechslungen ganz zu schweigen.

Vielleicht kann man halbwegs erahnen, dass ich der Meinung bin, dass die Zeit von Kovac endgültig abgelaufen ist. Die Fehler der letzten 18 Monate müssen korrigiert werden. Herr Rummenigge, handeln sie endlich!

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