Ich habe mich beim Dortmund und Frankfurt Segment gefragt, welche seltsame Erwartungshaltung manche Fans und Journalisten an diese Vereine haben. Die hatten jetzt dir dritte englische Woche hintereinander. Für die Nationalspieler sogar die fünfte. Und trotzdem sollen sie noch bitte den tollen Offensivfußball spielen und gut defensiv organisierte Gegner auseinanderspielen? Das haben ja nicht mal die Bayern geschafft. Real Madrid hat vergangenes Wochenende auch nur Unentschieden gespielt. Arsenal ebenso. Die Belastung ist einfach extrem hoch. Das wird doch auch immer wieder angesprochen. Bei Doan zum Beispiel, der sichtlich überspielt war und gegen Neapel eine Pause bekam. Was sich, wie man gesehen hat, gelohnt hat. Oder Uzun, nach dessen Verletzung explizit angesprochen wurde, dass man das durch Belastungssteuerung vermeiden wollte. Guirassy und Bensebaini reisen beide nicht zur Nationalelf aus Belastungsgründen. Also sehr viel deutlicher kann man ja eigentlich nicht kommunizieren ohne es direkt anzusprechen.
Manchmal hab ich das Gefühl, dass die Leute denken, die Aufgabe vom Trainer ist, einfach nur irgendwie das nächste Spiel zu gewinnen. Eddy (Eintracht Fan) von Bohndesliga hat sich zum Beispiel darüber beschwert, dass gegen Heidenheim Burkardt nicht gestartet ist. Ein Spieler, der bekanntermaßen verletzungsanfällig ist. Wenn man den nicht mal gegen Heidenheim schonen kann, wann dann? Wenn’s dann am Ende nicht reicht für einen Sieg, ist das blöd. Aber doch immer noch besser als, wenn man die Spieler komplett verschleißt und wie Dortmund letzte Saison nur noch Jugendspieler in der Abwehr hat.
Die Aufgabe von Kovac ist es dafür zu sorgen, dass der BVB nach 34 Spieltagen mindestens unter den Top 4 steht. Idealerweise unter den Top 2. Und den DFB-Pokal gewinnt als Bonus. Und da steht er aktuell voll im Soll. Die Aufgabe von Topmöller ist es, dass Frankfurt sich für die internationalen Plätze qualifiziert und dabei 1-3 Spieler entwickelt, die den Verein im Sommer für eine mittlere Millionensumme verlassen können. Auch da steht man noch im Soll. Ich kann verstehen, dass man die Art nicht mag. Als Fan will man eigentlich immer alles und jeden dominieren und 5 Tore schießen. Aber ich kann den pragmatischen Ansatz beider Trainer vollkommen nachvollziehen. Vielleicht liegt’s auch an mir. Ich bin auch Mourinho-Fanboy. Und deswegen verteidige ich beide so leidenschaftlich wie eine Löwenmama, weil in meinen Augen die beiden zu Unrecht so hart kritisiert werden.
Ich mein, was sollen sie den auch realistisch anders machen? Bei Mainz habt ihr es doch angesprochen, wie schwierig es ist, weil man nahezu keine Möglichkeit mehr hat ausgiebig zu trainieren. Warum sollte es bei Frankfurt und Dortmund anders sein? Da kann man vielleicht die Transferpolitik kritisieren, weil beim BVB und der SGE wichtige Spieler erst spät dazu gestoßen sind. Glaubt ihr, dass ein neuer Trainer bei den beiden Mannschaften jetzt plötzlich eine krasse Offensivstruktur etablieren könnte? Ich nämlich nicht. Außerdem ist die aktuelle Phase auch nichts neues. Gefühlt hat der BVB doch jedes Jahr um diese Zeit eine Schwächephase, nur um dann in der Rückrunde wieder eine Aufholjagd zu starten.