Zum Folgentitel und eurer Besprechung:
Ihr habt ja - wie auch einige hier im Forum - eher die Meinung vertreten. Der Kader ist unrund, viele Spieler sind individuell gesehen in schlechter Form und dafür steht die Eintracht echt gut da. Ich versuche jetzt auch ein wenig bewusst mal eine Gegenseite einzunehmen, weil ich das Gefühl hatte, dass die fast gar nicht dargestellt wurde oder halt als nicht valide gesehen wurde.
Toppmöller kam vor 2,5 Jahren mit dem Ziel die Mannschaft weiterzuentwickeln, gut das würde wahrscheinlich erstmal jeder als Ziel aussprechen. Aber insbesondere wollten die SGE und Krösche es schaffen, ein wenig mehr Spielkontrolle, Ballbesitz und Gegenpressing zu entwickeln. Und zusätzlich wahrscheinlich noch junge Spieler weiterentwickeln, damit man sie teuer verkaufen kann, obwohl das wahrscheinlich schon vorher fester Bestandteil war.
Dementsprechend war man, oder zumindest ich, im ersten Jahr durchaus geduldig. Man merkte, dass die Mannschaft kein Ballbesitzspiel gewohnt war. Ohne Kolo Muani, einem verletzten Kalajdzic und aus Fitness-Gründen nicht spielbereiten Ékitiké lahmte das Offensivspiel aus vertsändlichen Gründen. Toppmöller hat es in der schwierigen Lage geschafft individuell Spieler wie Marmoush, Pacho oder Larsson so voranzubringen, dass man bei schelchtem Fußballspiel irgendwie in die Euro League gestolpert ist.
Das schaffte er auch in der Folgesaioson wieder (nochmal Marmoush, Heki, Collins, Brown). Der Spielstil ging aber schon wieder weg vom Ballbesitz-Ansatz, nach meiner Interpretation zugeschnitten auf die damals noch vorhandenen Stürmer. Alle Verstärkungen in der Abwehr haben sofort gezündet.
Zur aktuellen Saison waren dann beide Stürmer erwartungsgemäß weg und man bekam qualitativ sehr hochwertigen Ersatz mit ausgereiften und Bundesliga-erfahrenen Spielern, zudem leider einen Totalausfall mit Wahi. Meine Kritik würde dann folgende Punkte aufzählen:
Hat sich die Mannschaft als Kollektiv in den gesamten 2,5 Jahren irgendwie weiterentwickelt?
Ballbesitz: Ja hat man mehr, aber vor allem weil Mannschaften wissen, dass Frankfurt strukturell nicht wirklich gefährlich wird. Man hat weniger Pässe im letzten Drittel als St Pauli oder Mainz, es werden kaum Steckpässe an den Mann gebracht (Platz 12 der Liga). Die tollen Sequenzen, welche Deniz so hervorgehoben hat, sind eigentlich kaum vorhanden. Ich würde sogar sagen, dass in dieser Saison nicht einmal das Ballbesitzspiel von Frankfurt lobend erwähnt wurde im Rasenfunk. Aber das habe ich jetzt nicht nochmal alles nachgehört.
Spielkontrolle: Ein Spiel “kalt” zu stellen ist der Eintracht eigentlich nur gegen absolut iddenlose St. Paulianer gelungen. Ansonsten kann man auch bei einer 6:0 Führung keine Stabilität erkennen. Die gesamte Verteidigung ist verunsichert und ich sehe nicht, dass es einen guten “Plan” gibt, auf den die Spieler zurückfallen können, sollten sie mal individuell verunsichert sein. Wie Constantin Eckner bspw. auch schon festgestellt hat, ist das Herausrücken aus der 3er/5er Kette schlecht getimed und Lücken dahinter werden oft nicht geschlossen.
Gegenpressing/Pressing: Vom PPDA Wert liest es sich gar nicht so schlecht. Aber wer die Spiele sieht hat das Gefühl, dass es total zahnlos wirkt. Auch beim Pressing kann ich mich nicht erinnern, dass da irgendwann mal positiv hervorgehoben wurde im Rasenfunk - und zurecht. Es wird eigentlich nie einheitlich angegriffen. Kleinere Grüppchen von 2/3/4 Spielern setzen die gegnerische Mannschaft unter Druck, welche sich entweder befreit oder selbst wenn sie den Ball verlieren ist die Ausgangssituation überhaupt nicht gefährlich, weil der Rest der Mannschaft gar nicht in Position ist, um einen schnellen Abschluss einzuleiten. Man ist bei der Umwandlung von hohen Ballgewinnen zu Abschlüssen abgeschlagen auf dem letzten (!) Platz.
Zusammenfassend kommt dabei eine Saison raus, in der Frankfurt Spiele gewinnt, weil sie einfach indiduell auf vielen Positionen besser besetzt sind als der Gegner (beispiel Mainz, Bremen) und Toppmöller es wieder geschafft hat einen Spieler weiterzuentwickeln mit Uzun. Und trotzdem ist kein Spiel souverän oder gut runtergespielt. Was passiert, wenn man auf Augenhöhe oder leicht unterlegen ist sieht man dann oft in der Champions League (zweitmeisten Gegentore) oder gegen RB/Leverkusen. Da hat die Mannschaft keine Strukturen, um sich einen Vorteil herauszuspielen. Frankfurt hat sich vom Personalaufwand in die Top 5 der Bundesliga gearbeitet, hinkt jedoch mannschaftlich hinterher. Nach 2,5 Jahren gibt es da einfach viel zu wenig Weiterentwicklungen auf dieser Ebene und man ist von Einzelkönnern abhängig, welche das Team schnell verlassen können.
Letzter Punkt zur Aussage: “Ja, nenn mir doch einen besseren Trainer”. Ihr hättet Bayern auch zu Kompany, Stuttgart zu Hoeness, Leverkusen zu Alonso, dem BVB zu Kovac geraten? Nein ich kenne mich nicht auf dem Trainermarkt aus. Wenn ich mir die Bundesliga so anschaue, dann hätte ich persönlich nur einen Trainer, der für mich eine Mannschaft in den besprochenen Kernpunkten sehr gut weiterenwickeln kann und realistisch zur Eintracht wechseln könnte. Aber dieser ist noch am Millerntor gebunden.
So, ich habe fertig. Liest ja eh kaum einer ![]()
Liebe Grüße ![]()