Die Diskussion um Fritzi Kromp fand ich interessant. Ich glaube auch nicht, dass sie wechseln würde, aber eine gewisse Durchlässigkeit wäre schon wünschenswert in der Zukunft. Es gibt ja auch sehr viele männliche Trainer in der Frauenbundesliga.
Als Neuling sage ich hier erstmal höflich Guten Tag. Ich bin im November zum Rasenfunk gestoßen und singe mein erstes Danke!
Ganz konkret Danke Max und Euch für die Worte und auf den Punkt gebrachten Überlegungen zum Rassismus-Vorfall. Speziell die Passage zum Lernprozess der Gesellschaft, die Diskussion weg von der persönlichen Verantwortung (die es selbstverständlich gibt) hin zum Erkennen und zur unaufgeregten Aufarbeitung der diskriminierenden Strukturen zu führen und der in diesem Sinne verpassten Chance fand ich sehr pointiert und hat mich bei Euch ein Stück weiter ankommen lassen.
Das empfinde ich auch als eine Entschuldigung, die nicht relativiert oder die Schuld auf andere abschiebt (“… wenn sich jemand davon angegriffen gefühlt hat…”). Da könnte sich manche/r Politiker/in eine Scheibe abschneiden…
Ich finde den Gedanken durchaus begrüßenswert, dass auch mal eine Frau als Trainerin in Frage kommt. Speziell auf den Fall Fritzi Kromp und Bremen finde ich es aber aus verschiedenen Gründen problematisch:
Fritzi Kromp ist sicherlich eine tolle Trainerin. Allerdings hat sie noch nicht so sehr viel Erfahrung auf Profi Niveau. Zur Zeit läuft es alles sehr gut bei den Frauen. In der Männermannschaft braucht es aber mMn jemanden, der/die auch schon Erfahrung in schwierigen Situationen gesammelt hat. Diese Erfahrungswerte fehlen Fritzi Kromp noch, denke ich.
Ich weiß nicht, ob es ihrer Karriere wirklich dienlich wäre. Sie hat eigentlich nichts zu gewinnen und viel zu verlieren. Wenn Bremen mit ihr absteigt, dürfte das ihrer Karriere einen herben Dämpfer verpassen denke ich. Bei den Frauen ist es genau andersrum. Mit dem Abstieg dürfte sie wohl nichts zu tun haben. Aber wenn sie es schafft Bremen in den Europapokal zu führen…
Was für ein Zeichen wäre es denn sowohl vereinsintern als auch nach außen, wenn man die Cheftrainerin zu den Herren beordert? Damit würde man ja allen vermitteln, dass die Frauen auch weiterhin höchstens die zweite Geige spielen! So nach dem Motto: “Frauenfußball ist ja ganz nett. Aber wenns drauf ankommt, dann ist es uns egal. Hauptsache bei den Männern läufts einigermaßen!”
Der Gedanke ist naheliegend und würde in der Öffentlichkeit denke ich auch so rezipiert werden.
Für Leute, die im Fußballgeschäft arbeiten, gilt aber glaube ich exakt das Gegenteil. Das du im Männerfußball (aktuell) mehr Aufmerksamkeit und Geld bekommst, ist ja sowieso jedem klar. Aber das Signal, dass man es bei Bremen über gute Arbeit bei der Frauenmannschaft auf einen der 18 begehrtesten Trainerstühle Deutschlands schaffen kann, würde die Attraktivität der Frauenabteilung für kompetente Mitarbeiter zukünftig massiv aufwerten. Aktuell meiden viele kompetente Leute den Frauenfußball nicht nur weil dort schlechter bezahlt wird, sondern auch weil der Wechsel zurück in den Männerfußball nahezu unmöglich ist.
Als prominentes Beispiel musste Thomas Wörle, der die Bayern Frauen zur ersten Meisterschaft geführt hat, sich nach seinem Wechsel in den Männerbereich von der Regionalliga neu hoch arbeiten, weil sein Erfolg im Frauenbereich im Lebenslauf quasi nix wert war.
Für Leute, die im Fußballgeschäft arbeiten, würde so ein Schritt also keine Geringschätzung, sondern eine große Wertschätzung der Frauenabteilung signalisieren.
Ich finde beide Gedanken sind valide. Persönlich bin ich bei @Kaer Am Ende sollte es egal sein, wo man sich die Sporen verdient hat. Die klassifizierte Bewertung wie Frauen vs. Männer hilft da glaube ich nicht weiter. Mag sein, dass es eben der gleiche Verein ist in dem Fall, aber ich sehe da keinen Unterschied, ob sie zu einem größeren Frauenverein wechselt oder zu einer Männermannschaft. Finde die Diskussion aber spannend und Danke für Euren Input
Ich hab mich (als Werder-Fan) in den letzten Tagen darüber geärgert, wenn andere Fans gefordert haben, dass Fritzy Kromp (mit Y übrigens, nicht mit I) das Männerteam übernehmen sollte. Oft kam das nämlich von Leuten, die die Werder-Frauen nur wenig verfolgen und dann hatte die Forderung für mich mit wenig Wertschätzung für die Leistung der Werder-Frauen zu tun. Im Weserfunk habe ich mich darüber auch kurz echauffiert: #BOdenlos – Weserfunk
Darum konnte ich in der Folge auch eher bei Sandras Einschätzung mitgehen, warum der Fußball der Männer denn immer als größtes Ziel gesehen werden muss. Für mich wirkt es dann schnell so, als würde der Fußball der Frauen eben nicht so richtig wertgeschätzt.
Aber klar, ihr habt hier auch ein paar valide Punkte angeführt, die zu einer umfassenden Diskussion dazugehören.
Fritzy Kromp ist im Frauenfußball sehr gut vernetzt und hat die U 17 als Co-Trainerin und auch als Cheftrainerin zu mehreren Titeln geführt. Mara Albers Leihe beispielsweise ist darauf zurückzuführen, dass die beiden sich schon länger gut kennen.
Da frage ich mich, was sie bei den Männern soll, wenn sie doch im Frauenfußball vernetzt ist, der ja im Zuge der Professionalisierung sich als eigenes Ökosystem entwickeln soll (s. Strategiepapier)?
Die vorherrschende Denkweise ist aber nach meiner Wahrnehmung eine andere, nicht die eines eigenes Ökosystems. Der Frauenfußball liegt zumeist als untergeordnete Abteilung im Bereich des Geschäftsbereiches der Männer. Da braucht man sich nur mal die Struktur und Hierarchie in den Bundesligavereinen anzusehen. Bei Werder ist das exemplarisch. Clemens Fritz, aktuell in starker Kritik, ist der Vorgesetzte von Birte Brüggemann.
In dieser Struktur ist die Logik, dass man eine Trainerin aus dem eigenen Geschäftsbereich nach oben zu den Männern zieht naheliegend. Mir wäre eine andere Sichtweise lieber. Die Frauen als gleichgestellten Geschäftsbereich neben dem der Männer, nicht als untergeordneter Bereich, und entsprechend Birte Brüggemann gleichgestellt zu Clemens Fritz. Das wäre eine andere Basis für Gedankenspiele, wie die, dass Fritzy Kromp die Männer vom SV Werder vor dem Abstieg retten könnte