TSG - BVB aus Hoffenheimer Sicht (starke Fanbrille, absolut delusional, nicht alles ernst nehmen)
Es sind häufig Spiele gegen den BVB die mir am Ende das Herz brechen, auch heute war das wieder der Fall. Am Ende bleibt das Gefühl, dass das Team viel richtig gemacht hat, ganz viel reingeworfen hat und sich dabei zumindest bei mir ganz viel Liebe erspielt hat. Das Gefühl, das man einem Team was Teil von Europas Spitzenteams ist, auch diese Saison wieder Vizemeister werden wird und individuell auf jeder Position (außer dem Tor) stärker besetzt ist, große Aufgaben gestellt hat. Hoffenheim hatte ganz häufig in diesem Spiel das Momentum und man hätte dieses auch so nutzen können, dass man das am Ende gewinnt. Niemand wird bestreiten, dass man in der ersten Stunde das bessere Team war und auch danach gab es ja Chancen, das noch zu ziehen. Der entscheidende Punkt ist aber für mich natürlich kurz vor dem Anschlusstreffer zum 2:0, als Daghim die Möglichkeit zum 3:0 vergibt. Von einem 3:0 kommt Dortmund nicht mehr zurück, da bin ich ziemlich sicher, bei 100% waren die ja nämlich auch nicht alle.
Insgesamt ist es ja noch ein Zeitpunkt in der Saison, wo man speziell auf die Neuzugänge schaut und Daghim löst wirklich ganz viele Emotionen in mir aus, positiv wie negativ, in diesem Sinne ein absolut würdiger Touré Nachfolger. Ist schnell, kann Fußball spielen - und trifft aber in vielen Situationen wo sich Torchancen draus ergeben können nicht die richtige Entscheidung. Ist auch klar, wenn er auch noch das hätte dann wäre das schnell ein 60-70 Millionen Mann und dann kauft Hoffenheim ihn nicht ein, will ich ihm gar nicht vorwerfen. Dass sich das aber so doll und so direkt rächt wie in diesem Spiel ist hart zu verarbeiten. Gab mit ihm ja mehrere Szenen wo man sich ärgern kann, dass da nicht mehr draus wird. Kurz zu den anderen Neuzugängen: Rots hat mich zu 100% überzeugt. Natürlich nicht in jeder Aktion perfekt aber ich sehe genau, was man mit ihm haben wollte, der kann uns noch viel Freude bereiten. In der Vorbereitung war mir das oft etwas zu stürmisch bei ihm, heute auch oft Sachen klug ausgespielt. Patrick Wimmer hat mir leider nicht gefallen heute, da sind die bisherigen Spiele ein ziemliches Up-and-Down.
Ich weiß, dass man auf Dortmunder Seite nicht ausschließlich zufrieden mit diesem Spiel sein wird (das ist übrigens einer der Sachen die ich an Spielen gegen Dortmund hasse, wenn man gegen die verliert und die Fans da trotzdem noch mehr meckern als man selbst darüber dass das alles nicht gut genug war, grr, freut euch doch einfach), möchte aber trotzdem einige Sachen am BVB explizit loben. Wie gesagt, meinem Eindruck nach war trotz der Niederlage das Momentum zu recht großen Teilen dieses Spiels auf Hoffenheimer Seite, man hatte lange Phasen wo man selbst eher die Initiative hatte, daraus resultierend irre viele Szenen wo man recht nahe an einer großen Chance dran war aber ein paar cm gefehlt haben (die xG trügen daher für mich auch ein bisschen). Aber am Ende hatten alle Defensivspieler bei Dortmund einige Aktionen dabei, wo die individuell Situationen sehr schlau lösen, insbesondere Anton hat finde ich ein sehr starkes Spiel gemacht, Ryerson auch in beide Richtungen des Spielfelds überzeugend, Bellingham hatte kein super Spiel aber dann halt auch eine irre gute Grätsche, die verhindert, dass man sich eine Großchance rausspielt. Das man beinahe mit einem 0:0 in die Kabinen geht obwohl man hier die ganze Zeit optisch unterlegen ist war hier auch eine Qualität. Und nach 90 Minuten sieht man das, was man bei Spielen gegen Teams die individuell besser besetzt sind halt oft sieht - man braucht ganz häufig das Momentum und ein bisschen Glück, um Tore zu erzielen, der Gegner braucht nicht ganz so oft das Momentum, um einem Tore einzuschenken. Ich glaub mit so einer Leistung spielt man andere Bundesligisten, bei denen das nicht so geht, ziemlich gegen die Wand, und das macht natürlich Hoffnung.
Und vieles wird denke ich auch noch besser werden, wenn die Offensive besser eingespielt ist. Da werden die vielen Pflichtspiele in den nächsten Monaten hoffentlich auch ein bisschen helfen. Es gab recht viele so 4v4, 5v5 o.ä. Situationen, wo grade die beiden Adams sich gerne noch etwas schlauer verhalten dürfen aber auch Wimmer, das war nicht immer nur Dortmunder Stärke. Ich gebe an dieser Stelle der Saison einfach mal noch den Benefit des Zweifelns, dass das keine grundsätzliche Unfähigkeit ist, sondern einfach Zeit braucht. Man darf nicht vergessen, dass die Genannten alle in der letzten Saison keine Minuten für Hoffenheim hatten, auch der eingewechselte Conté nicht. Uneingeschränkt loben möchte ich Lemperle, da hat man richtig gemerkt dass der am 1. Spieltag gefehlt hat. Selbst wenn er kein Tor macht macht der ein klasse Spiel, der macht einfach ganz viel richtig mit und gegen den Ball. Jürgen Klopp, du weißt Bescheid.
Wo ich aktuell noch Fragezeichen hab ist natürlich bei der Stabilität, alles andere wäre nach zwei 2:3 Niederlagen mit so vielen verspielten Führungen komisch. In der letzten Saison hatte man irgendwann mal einen Modus, wo man Führungen ganz gut runterspielen konnte, grade Avdullahu hat da ganz viel Stabilität ausgestrahlt, grade gibt er leider eher das Gegenteil, das gleiche gilt für Hajdari. Wenn man wieder regelmäßig Bundesligaspiele gewinnen will dann ist das die erste Baustelle, man braucht einfach mehr Phasen wo man sicher steht, damit so Situationen wie das 2:2 gar nicht erst entstehen können, die Abstände da verstehe ich nicht. Bei dem 3:2 sind es dann leider auch die beiden jungen Kosovaren die unglücklich agieren, tut mir natürlich auch extrem leid für beide, steht halt grade ein Stück weit stellvertretend für die TSG, Avdullahu hatte jetzt in 180 Minuten schon deutlich mehr Aussetzer als für einen Sechser in der Bundesliga eigentlich normal wären, sorry, da muss er sich einfach steigern.
MVP (Hoffenheim): Lemperle, wie oben beschrieben, extrem wertvoll für das Team in allen Spielphasen. Hätte ich gerne noch ein zweites Mal im Team, damit er das auch mit englischen Wochen immer genau so machen kann wie heute. Auf Dortmunder Seite wahrscheinlich Ryerson, ist auf jeden Fall der Spieler, der mich mit Fanbrille am meisten genervt hat.
Unsung Hero (Hoffenheim): Ozan Kabak. Steht für vieles, was Hoffenheim aktuell ist und auch für das, was man heute definitiv besser gemacht hat als der BVB: Durchsetzungsfähigkeit. Gewinnt vor der 2:0 das Kopfballduell, ohne die diese Chance gar nicht erst entsteht.
Moment des Spiels: Irgendwann nach einer Viertelstunde oder so hat Kabak den Ball tief in der gegnerischen Hälfte und dribbelt erfolgreich Maxi Beier aus. Ich weiß, das Kabak auch mit dem Ball am Fuß was kann, und das Beier auf der anderen Seite kräftiger ist als man es ihm auf den ersten Blick ansieht, sah trotzdem lustig aus wenn der (schätzungsweise) 4x breitere Spieler den anderen filigran austanzt.