Kurzer Hinweis noch zu Dešić, wo ihr spekuliert habt, dass sie ja durch ihr Aufwachsen und ihre Karriere im Süden Deutschlands keine besondere Abneigung zum HSV haben dürfte: Bei der Vorstellungs-PK hat sie berichtet, dass ihr Freund Bremer und Werder-Fan „durch und durch“ sei. Dementsprechend identifiziert sie sich mit Werder sicherlich mehr als ein gewöhnlicher Neuzugang.
Kurz zusammen gefasst: keinerlei gezielte Werbung durch den VfL. Ich bleibe dabei: Wolfsburg ist seit langem das mit Abstand am schlechtesten geführte Fußballunternehmen in Deutschland. Bei den Herren wird Jahr um Jahr Geld im achtstelligen Bereich verbrannt und Fußball gespielt der schwer anzusehen und bestenfalls mittelmäßig erfolgreich ist. Und die jahrzehntelang dominante Frauensparte verhungert am langen Arm.
Freiburg-Frankfurt:
Mir hat nicht so gut gefallen, dass bei der Besprechung dieses Spiels Freiburg sehr kurz gekommen ist.
Klar habt Ihr einen Frankfurt-affinen Gast und da wäre es schade, wenn er nicht auch mal ein wenig mehr zur SGE erzählen darf. Doch ging dies meines Empfinden nach sehr zu Lasten von Freiburg. Wenn ich Freiburg-Fan wäre und mich vorfreuen würde auf Euren Beitrag zum Spiel, das man mit 3:2 gewonnen hat…
Vielleicht könnt Ihr da in Zukunft eine bessere Balance finden zwischen „den eigenen Verein kommentieren“, aber auch den anderen Verein nicht vergessen.
Ich glaube Frau Dešić ist nicht schlau genug, die Tragweite ihrer Aktion zu verstehen. Ich denke sie überblickt nicht, welches Gewaltpotenzial zwischen den Fanlagern dieser beiden Vereine herrscht. Ab einer gewissen Stufe wird auch nicht mehr zwischen Männern und Frauen unterschieden. Seit Jahren, eigentlich seit Jahrzehnten, versuchen die Offiziellen beider Seiten deeskalierend zu wirken. Jedes Spiel aufs Neue. Weil sie wissen, was da für ein Vulkan brodelt.
Und dann kommt Dešić und macht eine Aktion in die völlig entgegengesetzte Richtung. Obendrauf kommt noch, dass niemand bei Bremen meint, dass das nicht in Ordnung ist. Sie scheint sich ja über den Shitstorm zu wundern, den sie hinterher abbekommen hat. Wenn es „nur“ bei Hasskommentaren bleibt, können wir eigentlich alle noch froh sein.
Übrigens, Dešić ist mir bereits während des Spiels negativ aufgefallen. Sie wirkte da schon „drüber“ auf mich. [EDITIERT VON MAX]
Naja, hoffen wir mal, dass es Anfang Dezember nicht noch negative Nachwirkungen haben wird.
Ich habe aus deinem Kommentar eine Passage entfernt, die ich gegenüber Desic als beleidigend empfand. Bitte sei sensibler bei deinen Formulierungen, egal ob du alte Trainer von dir zitierst oder nicht.
Ich denke, wer regelmäßig bei Nordderbys der Männer zugegen ist, dürfte ziemlich zügig zu dem Schluss kommen, dass potenzielle Gewalt dort wirklich nicht von Menschen ausgeht, die sich durch ein von einer Spielerin hochgehaltenen Kackhaufen-Emoji in die eine oder andere Richtung irgendwie beeinflussen lassen.
Ich fands im ersten Moment lustig, weil es zur Derby-Stimmung passte, hätte das Ganze nach kurzem drüber Nachdenken auch nicht wirklich gebraucht. Es war ne unkluge Aktion, aber weder eine diskriminierende, noch gegen eine bestimmte Person Beleidigung, insofern überrascht mich die ganze moralische Entrüstung die es nach sich zieht dann doch einigermaßen.
Soweit ich weiss, ist das Stillhalteabkommen zwischen Werder und dem HSV immer noch in Kraft. Man hat sich nach dem Tod von Adrian Maleika zusammengesetzt, um die Gewalt aus den Nordderbys zu vertreiben. Du kannst ja gerne mal die Nordderbys der letzten 40 Jahre durchgehen und schauen, ob da irgendjemand in offizieller Vereinsfunktion eine vergleichbare Aktion durchgeführt hat. Das, was Dešić getan hat, sollte eben nicht zu einem Nordderby dazugehören.
Es geht eben nicht nur um ein wenig necken, die Dimension ist potenziell viel größer.
Ich glaube nicht, dass hier nur irgendjemand so entspannt lachen würde, wenn ein Dortmund-Spieler nach einem Derby gegen Schalke mit so einer Fanutensilie durchs Stadion und vor die Fankurve von Schalke liefe.
Was mir auf Anhieb ohne Nachdenken einfällt aus den 20 Jahren, in denen ich zu Derbys gehe:
Tim Wiese (Vollpfosten) sitzt mitm Megafon aufm Zaun und brüllt “Scheiß HSV”
Werder tweetet “Glückwünsche” zum Nichtaufstieg an den HSV
Männer-Mannschaft feiert im Zweitligajahr den Derbysieg im Volkspark, indem sie ein Werder-Trikot über die Eckfahne (mit HSV-Wappen) hängt und diese vor dem Gästeblock schwenkt
Lina Hausicke posiert mit “eroberter* Eckfahne mit HSV-Wappen vorm Gästeblock, später wird auch da ein Werder-Trikot drüber gehängt
Ich glaube wirklich nicht, dass es ohne irgendeine dieser Aktionen in den letzten 20 Jahren auch nur eine Busentglasung in Stellingen, eine Klopperei im Viertel oder einen gebrochenen Arm im Stadionumlauf weniger gegeben hätte. Persönlich finde ich übrigens alles davon signifikant unsportlicher als ein fucking KackhaufenEMOJI. Ausgerechnet die Aktion vom Dešic mit dem Mord an Adrian Maleika auch nur in einem Atemzug zu nennen, empfinde ich als nahezu unanständig.
Der entscheidende Punkt ist aber nicht, dass Desic eigenhändig die Aggressionsspirale aus dem Männerfußball noch weiter nach oben geschraubt hätte (da den Fall Maleika zu nennen, finde ich wirklich arg drüber), sondern dass selbst diese vergleichsweise kleine Aktion im Frauenfußball recht unüblich ist und nur selten dem Ton entspricht, der dort allgemein sonst herrscht.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Männer-HSV-Ultras beim nächsten Derby übergriffig werden mit dem gebrüllten Motto „Das hier ist für die Aktion von Desic!!“
Wenn’s nach mir geht, sollen diese ganzen Rivalitäten und die ganzen normalisierten Aggressionen schön im Männerfußball bleiben. Vor dem Hintergrund fand ich das Hochjazzen des Nordderbys von vornherein etwas fragwürdig, weil es diese Rivalität der Frauenteams nun mal de facto bisher noch gar nicht geben konnte, nach dem ersten Pokalspiel war es nun das erste Ligaspiel.
Deshalb fand ich die Einstellung von Max und Frank in dieser Folge da etwas nachvollziehbarer, dass die Aktion unüblich und unnötig war. Aber wo Desic sich nun auch sogar dafür entschuldigt hat, ist es dann aber auch mal gut.
Das Stillhalteabkommen zwischen Werder und dem HSV war kein Pakt gegen Humor. Es entstand nach dem Mord an Adrian Maleika, um Gewalt aus den Stadien zu verbannen – nicht, um jede Form von Rivalität moralisch zu ächten. Wer Desićs Kackemoji-Schild in diese Dimension rückt, verwechselt Provokation mit Eskalation.
Natürlich war das Schild geschmacklich grenzwertig, aber es bleibt, was es ist: ein emotionaler, übermütiger Moment nach einem Derby. Kein Aufruf zu Hass, keine Verhöhnung eines Opfers, keine Rückkehr in dunkle Zeiten. Gerade die Berufung auf Maleika wirkt hier deplatziert – sie instrumentalisiert eine Tragödie, um einen symbolischen Streich als Skandal aufzublasen.
Der Fußball darf Rivalität nicht nur in Hochglanzkampagnen feiern und sie dann im echten Leben sanktionieren. Leidenschaft ist kein Problem, solange sie nicht in Gewalt kippt. Und solange das so bleibt, ist ein Kackemoji nichts anderes als das, was es sein sollte: ein derber Scherz in einem Spiel, das von Emotionen lebt.
Wie erwartet hat das DFB Sportgericht nun auch ein Verfahren gegen Desic eingeleitet und von ihr eine Stellungnahme eingefordert. Dürfte also noch eine Geld- und/oder Spielstrafe für sie geben.
Finde diese Diskussion mehr als merkwürdig. Es gibt 2 Probleme die zu Eskalationen zwischen Fussballfans führen. Derbys oder nicht.
Das erste ist Alkohol. Auf dem Weg ins Stadion, im Stadion und nach dem Spiel in der jeweiligen Stadt oder auf den Reisewegen.
Das zweite sind Männer.
Und jetzt wird eine wilde Diskussion losgetreten ob ein kindisches Emoji Schild im Grunde ein Aufruf zur Gewalt ist. Es wird doch nicht daran liegen, dass es von einer Frau hochgehalten wurde ? Ich finde die Aktion auch albern und überflüssig, aber die Reaktionen darauf noch lächerlicher.
Wenn ich mir das Verhalten von Trainern und Spielern im Männerfussball so anschaue, speziell bei Derbys, die Provokationen, Unsportlichkeiten, Fouls, Rudelbildungen. Meist zwei Nummern drüber und kurz vor einer Schlägerei. Aber das sind ja Emotionen, die dazu gehören und nicht überbewertet werden dürfen.
Man stelle sich vor, Guido Burgstaller hätte nach dem 4:4 gegen den BVB in Dortmund ein solches gemaltes Schildchen hochgehalten. Die Nation hätte Tränen gelacht und ihn für seinen Humor und die Kreativität gefeiert.
Die Diskussion zur roten Karte gegen Wolfsburg irritiert mich erneut. Viel klarer kann eine Notbremse kaum sein. Wenn ich eine Spielerin, die unbedrängt mit dem Ball am Fuß in den Strafraum läuft, am Trikot festhalten darf und das ist keine Notbremse, was ist dann überhaupt noch eine Notbremse?