Der Rasenfunk und "Corona"

Max hat in den Sendungen der letzten Monate oft und ziemlich persönlich öffentlich mit der Frage gehadert, wie er als Person und der Rasenfunk als Marke mit der Situation umgehen soll, kann und will.

Offenlegung: Ich persönlich war mehr als einmal angefixt, ihm hier zuzurufen: „Scheißegal, mach wie Du denkst, das kannst nur Du beurteilen und dann wird das schon.“ Ich hab mir das jeweils verkniffen, weil das auch keinen weiterbringt und ich darüber hinaus auch keine Antworten parat hatte.

Heute ist mit dem souveränen Überstehen der Relegation seitens des Clubs diese lange Saison endlich (endlich) vorbei, und jetzt scheint mir die richtige Zeit, dahingehend ein Fazit zu ziehen:

Wie empfindet Ihr den Umgang des Rasenfunks mit der Situation? Ihr ganz persönlich, jede/r für sich selbst: Wie hat Euch das im Nachhinein gefallen oder nicht gefallen?

Max war diesbezüglich so oft so offen und transparent; ich finde, wie alle schulden ihm ein ehrliches Feedback.

Ich fang mal an:

Für mich ganz persönlich als Hörer war der Umgang damit herausragend positiv. Ich fand diese Transparenz und das öffentliche Hadern immer einleuchtend, immer wohl begründet und immer menschlich nachvollziehbar. Eher teilweise zu nachvollziehbar (Stichwort „Kinderbetreuung“), wo es mich eigentlich einen Scheißdreck angeht - aber die Entscheidung, was mir mitgeteilt wird und was nicht, geht mich ebenfalls einen Scheißdreck an.

So blöd das klingt, aber für mich ist der Rasenfunk ein ganz klarer Krisengewinnler: Exakt so geht man mit einer solchen Krise um. „Es ist für uns alle unsere erste Pandemie.“ Da ist nichts angebrachter als öffentliches Hadern und öffentliches Nachdenken. Und am Ende hatte der Rasenfunk einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass ich an mir selber mit einer gewissen Verblüffung beobachten konnte, dass ich diese Geisterspiel-Bundesliga mit sehr viel mehr Interesse verfolgt habe, als ich erwartet hätte.

Gleichzeitig gewann ich durch die einfache Herumfrage bei Fans aller Bundesligisten, wie dort Verein, Stadt und Fans mit der Situation umgehen, Erkenntnisse, von denen ich vorher nicht mal wusste, dass ich sie gerne haben will (inklusive Anschluss-Diskussionen). Dies kann man aus meiner Sicht gar nicht hoch genug hängen: Das war Live-Journalismus in einer für mich wichtigen Frage, die ich abseits dieses - mit Verlaub - journalistisch doch eher kleinen Formats nirgendwo sonst gesehen habe.

Um also für mich die Ausgangsfrage zu beantworten: Mir hat daran im Grunde alles gefallen.

Daneben Gewinner für mich übrigens die finanziellen Unterstützer des Rasenfunks: Ich hab den Rasenfunk-Teil des Saisonrückblicks noch nicht gehört. Aber ich gehe wohl recht in der Annahme, zwischen den Zeilen gehört zu haben, dass die Unterstützung in der Situation nie relevant eingebrochen ist. Ich hab es schon öfter gesagt und sag es gern nochmal: Es ist besser, von 1000 Leuten 1 € zu kriegen als von 1 Menschen 1000 €. Wahnsinnig schön zu sehen, dass sich das in dieser Lage bewahrheitet hat.

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Ich fand den Umgang genau richtig. Das liegt sicher auch daran, dass ich viel von dem mit dem Max gehadert, kritisert etc. hat genauso oder zumindest ähnlich sehe. Trotzdem ist es ihm gelungen da eine gewisse Balance zu schaffen zwischen der „normalen“ Rasenfunkberichterstattung und der Möglichkeit über das Medium seine Haltung zu kommunizieren bzw. Themen fernab der Spieltage zu wählen, die vielleicht den ein oder anderen Hörer dazu angeregt haben ihren Blickwinkel mal zu ändern.

Aufhorchen ließ mich nur, was man jetzt im „Kein Royal“ auch hören könnte, wenn Max sich dahingehend geäußert hat, dass ihm auf verschiedenen Ebenen die Lust verloren geht Fußball zu schauen. Das in Kombination mit der Pandemiebedingten Situation, auch auf privater Ebene (ohne die zu kennen, aber nur eine leiseste Miniahnung reicht da schon irgendwie), fand ich dann schon sehr schade…bedenklich… :thinking: ich finde das richtige Wort nicht… jedenfalls für Max und nicht für den Rasenfunk; auch wenn das direkt zusammenhängt.

Jetzt hab ich mich verzettelt… deswegen schreibe ich nur noch, dass ich es wirklich unverständlich fand, wenn berichtet wurde, dass es teilweise heftige Kritik für diesen Weg von Hörern gab. Da sollte sich der/die ein oder ander mal hinterfragen, aber das ist wohl zu viel verlangt am Ende.

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Das ist gerade eine „super“ Gelegenheit, als Spätberufener RaFu-Hörer oder -Hörerin die ganzen alten Kurzpässe und Tribünengespräche aufzusaugen.
Insbesondere die Kurzpässe über den Tellerrand nach Italien, Spanien, England und in die 2. BL. rund um den 23. Spieltag waren aktuell interessant.
Aber das große Plus am RaFu ist ja auch, dass man die alten Tribünengespräche auch nach 2, 3 Jahren hören kann. In diesem Sinne übrigens: @americanarena (;
Deswegen möchte ich einen Kiesel in die positive Waagschale werfen und sagen: Mir hat der RaFu über die ansonsten sehr eintönige und für Manche in der Tat trostlose Zeit sehr geholfen!

Ich fand den Umgang mit der Situation auch richtig gut.

Die Karten lagen quasi offen auf dem Tisch und die Qualität der Schlusskonferenzen war wie gewohnt hoch. Auch die Folgen in der spielfreien Zeit (zB mit Broich und Polenz, aber auch die mit Gunesch und Schuppan) fand ich genial. Gerade Ralle könnte ich stundenlang zuhören, wenn er von seiner aktiven Zeit erzählt. Immer wieder hörenswert.

Dass Max zum Schluss nur noch wenig Freude an den Fußballspielen hatte, finde ich mehr als verständlich. Es ist eben immernoch ein Unterschied, ob man sich die Spiele freiwillig anschaut, oder sie anschauen muss, weil man mit der Berichterstattung seine Brötchen verdient.
Die aktuelle Pause hat er sich wirklich verdient und ich bin ihm auch nicht böse, wenn er bis zum Beginn der nächsten Saison keine neue Folge veröffentlicht. Ich könnte es nur zu gut verstehen. Aktuell gibt es bei ihm sicherlich genügend andere Baustellen.

Dass die finanzielle Unterstützung durch die Zuhörer:innen in der ganzen Zeit nicht merklich eingebrochen ist, finde ich genial. Und auch zu sehen, dass die erste Auflage des Rasenfunk-T-shirts schon ausverkauft war, bevor man dafür überhaupt großartig Werbung machen konnte, finde ich bemerkenswert.

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