Die Krise des SV Darmstadt

Der SV Darmstadt steht - völlig zu Recht - am Ende der Tabelle. Die vier ergatterten Punkte wurden gegen Teams geholt, die sich ebenfalls in der unteren Hälfte der Tabelle finden (Bielefeld und Kiel), wobei der Heimsieg gegen die Arminen glücklich war . Besonders furchtbar war der Auftritt gegen Kaiserslautern, wo man mit 0-3 unterging. Selbst das jüngste 1-5 in Wolfsburg wirkte nicht so schlimm, wie die Niederlage auf dem Betzenberg. Vielleicht wiegt derzeit am stärksten, dass selbst nach sechs Meisterschaftsspielen keine Spielidee erkennbar ist. Vom möglichst dominanten Auftreten der letzten Saison ist nichts übrig, die Mannschaft wirkt zunehmend verunsichert. Führungsspieler tauchen in Phasen unter, in denen es Führung bräuchte. Oftmals verhungerten die Mittelstürmer aufgrund des mangelhaften Aufbaus (Lee, Smit). Haarsträubende Fehler im Spielaufbau (besonders durch Vukotic), unkoordiniertes hohens Anlaufeb (Hier wird Hornby’s Verlust besonders augenfällig) und fehlende Abstimmung außen runden das Bild ab. Zuletzt patze sogar der ansnsten einzige stabile Spieler Schuhen beim Gegentor durch Damar.

Vor der Saison entschied man sich bewusst für einen großen Umbruch, der auch vom Präsidium gewollt war. Den Verein verließen Maglica (Kocaelispor), Lopez ( FC Granada), Klaasen (Grazer AK), Will (SpVgg Greuther Fürth), Hornby (Wolfsburg) , Holland (Karrierende), Schmidt (nach Leihe zurück zu Toulouse), Boetius (Waalwijk), Richter (der kürzlich ablösefrei zurückkehrte), Lidberg (M’gladbach), Güler (SF Siegen), Bialek (Wieczysta Krakau) und Corredor (Nantes). Dies bedeutet den Verlust von 40 Toren und 24 Assists (Richter ausgenommen), bzw. sieben Stammspielern ! Hierbei sind besonders die Transfers von Maglica und Lopez kritisch zu betrachten. Maglica konnte sich unter Kohfeld einen Stammplatz erkämpfen und den bis dahin stabilen Vukotic verdrängen, was diesen enorm belastete. Zudem war der Spieler fast nie verletzt und ist mit 27 Jahren in einem guten Fußballeralter. Abgesehen von manchen Fehlern im Aufbauspiel gegen Ende der Hinrunde/Beginn der Rückrunde stabilisierte er die Verteidigung enorm und war darüber hinaus sehr Torgefährlich, er bestach durch hervorragende defensive Zweikampfstärke. Zudem war er bei Standards eine echte Waffe. Nach dem geplatzten Wechsel zum 1.FC Kaiserslautern wurde er für kolportierte 400.000 Euro in die Türkei transferiert. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als der SVD zumindest nah an einem Vereinsrekord hinsichtlich Transfererlöse war. Für mich wurde der Spieler sehr deutlich unter Wert verkauft, selbst wenn man beachtet, dass er sich offenbar im letzten Vertragsjahr befand. Verständlicherweiße entschied man sich früh dafür, Vukotic neben Pfeiffer verteidigen zu lassen. Nach Maglica’s geplatztem Wechsel in die Pfalz wäre ich mit dem Spieler anders verfahren: Er hätte die Chance bekommen, sich durch Trainigsleistungen wieder in die Elf zu spielen mit der Option, im Winter den Verein verlassen zu können. Im Idealfall hätte er seinen Stammplatz zurück erobert und möglicherweiße hätte sein auslaufender Vertrag dann sogar verlängert werden können. Hätte, hätte, Fahrradkette ! In meinen Augen ist die kolportierte Ablösesumme ein schlechter Witz, besonders unter dem Gesichtspunkt, dass keinerlei Einnahmedruck bestand. Der Verein war seit Jahren Grundsolide und ist es weiterhin. Lopez wurde oft dahingehend kritisiert, dass er defensive Schwächen hätte. Jedoch betonte Kohfeld bei jeder Gelegenheit zu Recht den offensiven Wert Lopez’ . Fünf Assists sprechen für ihn, er war ebenfalls Stammspieler . Für ihn wurde der defensiv vermeintlich stärkere Lannert aus Bielefeld geholt , der jedoch bezüglich seines Defensivverhaltens bisher sehr schwankend gespielt hat. Das Spiel gegen Wolfsburgs Reese hat seine Grenzen deutlch aufgezeigt: Phasenweise und immer dann, wenn es darauf ankam wirkte es so, als ob Lannert gegen einen gestandenen Bundesligaspieler verteidigen würde, er war hoffnungslos unterlegen, genau wie Petretta auf der linken Seite gegen Bernhardson. Im Gedächtnis blieb mir zudem ein Gegentor im ersten Heimspiel gegen Kiel, als er dem Gegenspieler zu viel Platz zum Flanken ließ. Eigenartigerweiße wurde Mikelbrencis ebenfalls für die rechte Aussenbahn verpflichtet, der ein sehr ähnliches Profil wie Lopez mit Stärken in der Offensive hat. Es stellt sich daher die Frage, weshalb Lopez zuvor abgegeben wurde. Bei ihm wusste man, was man hat und zudem hat Kohfeld bewiesen, dass er Spieler stärker machen kann (Maglica, Marseiler, Vukotic) .

Es scheint ein hausgemachter vorläufiger Niedergang ohne Not zu sein. Es herrschten einfach keine Herthaner Verhältnisse, wo Ernst, Cuisance, Eichhorn, Reese und weitere verkauft werden MUSSTEN. In Nürnberg hingegen widerstand man einem 20 Millionen - Angebot für Zoma und kompensierte den Verlust der kompletten Viererkette ohne Qualitätsverlust. Mich als langjährigen Beobachter der 98er beschleicht zudem immer mehr das Gefühl, dass Kohfeld nicht dazu in der Lage sein wird, die Probleme auf Dauer zu lösen. Daher gehe ich davon aus, dass wir am Ende der Saison einen anderen Coach auf der Bank sehen werde, wenngleich ich FK grundsätzlich sehr schätze. Ferner stelle ich mich auf einen harten Kampf gegen den drohenden Abstieg ein, der sehr lange andauern wird. Dies wirft die Frage auf, ob die Charaktere und unsere Spielweise dafür gemacht sind, diesen erfolgreich zu bestehen . Etwas Hoffnung setze ich in die USA - Reise, darauf, dass eine sichtbare Wirkung sich möglichst schnell auf dem Platz spiegeln wird. Auf der anderen Seite weiß ich, den Zustand des Teams vor Augen, beim besten Willen nicht, wen wir in nächster Zeit schlagen sollten. Der nächste Gegner ist Cottbus, die ans Böllenfalltor reisen werden. Der SV Darmstadt steuert sehr unruhigen Zeiten entgegen. Inanbetracht dessen, was in den letzten Jahren aufgebau wurde, wäre der Gang in die dritte Liga ein Jammer !

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