Zu Niko Arnautis kann man geteilter Meinung sein. Vor eineinhalb Jahren stand er auf dem ersten Tabellenplatz und in Frankfurt träumte man von der Meisterschaft. Diese war in Reichweite, es fehlte dann allerdings in der Rückrunde an der Kadertiefe um auf ganzer Strecke mit Wolfsburg und dem FC Bayern mithalten zu können.
Aber Arnautis hat das schon gut gemanaged, es war toller und erfolgreicher Fußball und wäre im Vorstand der Eintracht ein bisschen mehr Bereitschaft vorhanden gewesen noch mehr Tiefe in der Kader zu holen, dann würden wir heute vielleicht von Arnautis als Meisterschaftstrainer sprechen.
Man hat jedoch nach dieser Saison 24/25 im Vorstand das Gegenteil gemacht und von einer “auserzählten Geschichte” gesprochen. Ich halte das damalige Vorgehen des Vorstandes für einen der Hauptgründe, dass es viele Spielerinnen zu anderen Vereinen gezogen hat und noch immer zieht. Sophia Kleinherne war eine der ersten, dazu Wamser, Dunst, Prasnikar, Pawollek, … und ein Jahr später setzt sich das fort.
Meiner Ansicht spielt der Vorstand in dieser Dynamik eine wichtige Rolle.
Das zeigt sich ja auch exemplarisch bei der Stadionfrage. Das Stadion am Brentanobad ist meines Erachtens nach schon passender mit einer “auserzählten Geschichte” beschrieben, die Cateringprobleme dort, die fehlende Rasenheizung, … . Dort wird spürbar, welche Bedeutung die Frauen im Verhältnis zu den Männern bei der Eintracht haben.
Mir würde bei den Problemen der Eintracht nicht als erstes Niko Arnautis einfallen. Gleichwohl sehe ich, wenn man den Strategiewechsel akzeptiert, dass es eine größere Notwendigkeit für die Eintracht gibt, Talente zu entwickeln und ihnen dafür Spielzeit zu geben. Auch wenn man dann die CL-Qualifikation bzw. den dritten Tabellenplatz gefährdet.
Die Kaderplanung ist in dieser Hinsicht widersprüchlich. Doorsoun zurückzuholen hat geholfen in der Rückrundentabelle den 2. Platz mit vier Punkten Vorsprung auf Wolfsburg zu erreichen und damit wieder Platz Drei insgesamt zu sichern, aber Jella Veit als Talent hat entsprechend reagiert und ihren Vertrag auslaufen lassen.
Es ist für mich eine Art von Wischi-Waschi. Hätte man zum Start der letzten Saison etwas mehr Kadertiefe gehabt, besonders in der Verteidigung, dann wäre Platz Zwei möglich gewesen, das zeigt ja die Rückrundentabelle, oder man setzt konsequent auf Talente und gibt ihnen mehr Spielzeit und Vertrauen, und kalkuliert mit ein, dass Fehler passieren und akzeptiert Rückschläge auch in der Tabelle.
Diese strategische Ambivalenz geht meines Erachtens nach nicht von Niko Arnautis aus. Im Gegenteil, wenn man zukünftig auf Talente setzen möchte, möchte dass diese mehr Spielzeit bekommen und auf deren Entwicklung setzt, dann hat man den falschen Trainer behalten und hätte mit Fritzy Kromp die richtige Trainerin im Verein gehabt.
Jetzt warte ich mal ab, wie sich die Kaderplanung in diesem Sommer ausbildet. Und dann gibt es eine Einschätzung für die kommende Saison.
Schwierig für die Eintracht ist der frühe Zeitpunkt der 2. CL-Quali-Runde in Turnierform. Ich denke, dass interessierte Spielerinnen mit ihrer Wechselentscheidung den Ausgang dieses Turniers abwarten könnten.
Ergänzend noch eine Anmerkung zur Konkurrenz der Eintracht. Hoffenheim und Leverkusen verkörpern im Grunde die Strategie, die der Vorstand bei der Eintracht letzten Sommer ausgerufen hatte. RaBa entsprechend, Freiburg ähnlich und Werder Bremen im Spiegelbild.
Im Grunde machen all diese Vereine nicht wirklich ernst mit dem professionellen Frauenfußball, es fehlt nach meiner Wahrnehmung eine gewisse Konsequenz darin.