Wenn es um Fortuna geht, muss ich hier natürlich spawnen (Puff, Rauchwolke, Gelächter). 
Eine schöne Folge zu den Krisenherden, natürlich muss man uns aktuell da ganz klar auch aufführen. Not so Fun Fact: In 3,5 Jahren Thioune haben wir nie mehr als zwei Spiele am Stück verloren, das ist nun trainerübergreifend bereits geschehen.
Euren Analysen zu uns sind aus meiner Sicht gut und zutreffend, ich wollte zu Euren Punkten noch etwas Kontext liefern.
Der Trainerwechsel wurde von Vielen – auch von uns – menschlich total bedauert. Daniel Thioune ist ein Riesen-Typ, in rund 30 Jahren Fan-Dasein habe ich kaum einen sympathischeren Coach erlebt. Da fühlt sich Anfang ehrlicherweise schon wie ein Downgrade an, nicht nur auf den PKs. Auch bei Thioune gab es Phrasen, aber die waren rhetorisch ziemlich gut verpackt.
Die Vergangenheit Anfangs, Stichwort Impfpass, wird geflissentlich von Seiten Fortunas nicht adressiert, das hatte man in Lautern, wie ich von dort gehört habe, geschickter und offener kommuniziert. Zweite Chancen hat jeder verdient, ich glaube, da sind wir uns grundsätzlich einig, insbesondere, wenn man sich reumütig zeigt, was im Falle Anfangs definitiv der Fall gewesen ist und meines Wissens nach ist er bezüglich der Impfpassgeschichte auch nicht mehr durch seltsame Aussagen danach aufgefallen. Dennoch bleibt da eine gewisse Skepsis, aber bisher kann ich nichts Negatives über sein Auftreten bei uns sagen. Ich finde ihn sogar etwas respektvoller und zurückhaltender als insbesondere früher in K*ln (Wort lässt sich auf meiner Tastatur leider nicht schreiben
) oder Bremen.
Sportlich ist aufgrund der angesprochenen kurzen Verweildauern durchaus auch ein gewisser Zweifel da, da habe ich aus Lautern aber ebenfalls von mehreren Seiten sehr viel Positives zu Anfang gehört. In den Ergebnissen hat sich das noch nicht bisher bei und gezeigt, die Leistung in Berlin lässt aber zumindest hoffen. Am Ende haben wir eh keine andere Wahl, als ihm eine Chance zu geben. Seine doch sehr unterschiedliche Spielidee im Vergleich zu Thioune (Mehr Ballbesitz, früheres, aktiveres Pressing, weniger Ausrichtung nach dem Gegner) ist sicherlich ein Ansatz, wenn man sagt, wir wollen hier eine Veränderung der Spielweise. Das ist alles in allem aber keine unerhebliche Veränderung und erklärt vielleicht den bisher in Ergebnissen nicht sichtbaren Trainereffekt. Die Verunsicherung insbesondere in Heimspielen hat er gegen Braunschweig noch nicht lösen können, da geben die Spiele gegen Freiburg und (ausgerechnet) Kaiserslautern vermutlich mehr Aufschluss.
Ich wollte noch zu Thiounes Demission ergänzen, dass dies ein längerer Prozess der Unzufriedenheit im Umfeld war, der schon letzte Saison nach dem guten Start und dem sukzessiven Abrutschen in der Tabelle danach einsetzte. Thiounes tendenziell kompakter Ansatz sorgte nicht mehr für die Stabilität wie in den Vorjahren, die Balance zwischen Offensive und Defensive fehlte und nüchtern betrachtet war das letzte Saison ein ziemliches Gegurke, immer aber mit den Gedanken im Hinterkopf, dass man solch eine Relegation wie im Sommer zuvor erst einmal mental wegstecken musste. Diesen Sommer waren die Hoffnungen dann groß, mit einigen Veränderungen und guten Transfers erfolgreich ganz oben angreifen zu können. Die Veränderungen in der Hierarchie (Kapitän Hoffmann und Vize-Kapitän Sobottka weg) und die lange Eingewöhnungsphase vieler Spieler an die Liga (hat Eva bei uns vor der Saison richtig gecallt), auch bedingt durch einen sehr unglücklichen Start und schon jetzt sehr viele Verletzte, haben uns in diese Negativspirale geführt. Am Ende wurde es unter Thioune dann spielerisch kaum noch erträglich und das Team zeigte sich nur phasenweise als Mannschaft, bedingt durch all diese Faktoren und den Druck, den man sich durch Aufstiegs-Aussagen vor der Saison und Leistungen, die damit nicht im Ansatz mithalten konnten, selbst gemacht hatte (sieht man auch bei Hertha, dass so was nicht förderlich ist). Gegen Nürnberg schien die Lage dann so verkorkst und überhaupt kein Fortschritt mehr erkennbar, dass der Trainerwechsel durchaus unumgänglich schien. Mit wirklich schwerem Herzen!
Abschließend noch zu Klaus Allofs. Seine Aufstiegs-Aussage ist einerseits ehrlich gewesen, andererseits hat er den Druck aber wohl auch unterschätzt. Das wiederholte sich in Bezug auf Thioune, wo er eigentlich sehr ehrlich kommunizierte und ihn in die Pflicht nahm, dies im Entertainment Business der dieses Jahr „vielleicht nicht allerbesten 2. Liga aller Zeiten“ medial natürlich dankbar aufgegriffen wurde und zu einer sehr unangenehmen Berichterstattung vor Thiounes vermeintlichen Endspiel in Bochum führte. Sportlich ist er natürlich auch für diesen Kader, der sich bislang so schwertut, verantwortlich. Da hat er in den letzten Jahren wirklich gute Transfers mitverantwortet (Tzolis, Jóhannesson als prominenteste Beispiele), zwar gab es auch Flops (Ginczek etc.), aber das ist eine normale Bilanz und da muss man auch realistische Erwartungen haben. Als Vorstand zeichnet er sich aber auch für den Bereich Kommunikation verantwortlich und da knirschte es zuletzt schon ein wenig im Gebälk. Vom Aufstiegsziel, das schnell zum Bumerang wurde, und er dann sogar als von Außen durch die Medien herangetragen kritisierte, was nachweislich Quatsch ist, über den Nicht-Transfer von Shon Weissman bis hin zum öffentlichen Umgang mit Thioune (s.o.), auch bei seiner Entlassung, wo die Öffentlichkeit im Grunde schon zwei Tage Bescheid wusste, bevor der Trainer die Info bekam, weil man meinte, das nicht zu kommunizieren, bevor der Nachfolger feststand (Okay, eine PK statt zwei spart immerhin Kosten). Das fühlte sich ziemlich respektlos gegenüber Thioune an. Auch das Impfpassthema bei Anfang nicht wenigstens einmal offensiv anzusprechen und dann abzuhaken, halte ich persönlich für falsch. Der kommunikative Bereich ist aus meiner Sicht hier eigentlich stärker zu kritisieren, das hat mir alles gar nicht gefallen. Spannend wird das Thema Allofs aber so oder so noch, sein Vertrag läuft nämlich zum Saisonende aus. Und eigentlich galt hinter vorgehaltener Hand der Aufstieg als klares Zeil innerhalb der Laufzeit. Etwas, über das man, wie Ihr auch sagt, aktuell nun wirklich nicht mehr nachdenken muss.
Sorry, bei uns Gebrabblern wird es immer lang!
Ich hoffe aber, dass ich noch ein paar ergänzende Aspekte auch zur aktuellen Stimmungslage beisteuern konnte. Eure Prognose, dass wir eigentlich genug Substanz haben, um nicht ganz unten reinzurutschen, teile ich auch. Aber das haben auch schon andere gedacht, darum ist die Situation gerade durchaus ernst, aber sicherlich auch nicht hoffnungslos. Wir Rheinländer sind ja grundsätzlich positive Menschen.
Rot Weiße Grüße
Thorsten