Rasenfunk Royal 18/19 - Saisonrückblick Bayern

#1

Wir nehmen zwischen dem 20. und 29. Mai den nächsten Rasenfunk Royal auf.

Hier ist der Ort, an dem ihr eure Fragen und Anmerkungen dazu los werden könnt. Wie jedes Jahr bringt der Gast fünf Aspekte mit, die ihr oder ihm wichtig zur Beschreibung der vergangenen Saison war. Gerne könnt ihr eure eigenen Vorschläge oder auch Fragen an den Gast hier posten.

Die Zusatzfrage für alle Gäste dieses Jahr lautet: Welches Gericht beschreibt die Saison deines Vereins gut?

Knüpft an das Küchenutensil aus dem Winter an. Erfahrungsgemäß freuen sich die Gäste besonders bei der Zusatzfrage um Tipps aus der Community.

#2

Frage an den Gast: Teilst du die Einschätzung, dass die Spieler des FC Bayern oft den Eindruck erweckt haben, Kovacs Strategie nicht umsetzen zu wollen?

Vorschlag für ein Gericht: Tofu (Nicht Fisch, nicht Fleisch :wink: Also nicht überragend wie die letzten Jahre, aber auch nicht wirklich schlecht)

#3

Ich starte hier schon mal einen Versuch vor dem letzten Spiel, also stand 14.05.2019.

Das für mich, als Bayernfan, wichtigste ist, dass mit dem Ende von Robbery (und Rafinha) eine Ära endgültig zu Ende geht, Robben meiner Meinung nach einer der besten Bundesliga Spieler, die ich je gesehen habe.

Als erstes möchte ich etwas auf dieses ob-Kovac-bleibt-Thema eingehen. Ich persönlich glaube nicht, dass er bleibt. Und das wäre aus meiner Sicht auch das Beste für den Club und seine sportliche Entwicklung. Mir fehlt hier einfach das Konzept in der Offensive, wobei man kreative Spieler wie Thiago und James zu Verfügung hat. Auch Hummels und Boateng sind ja was das angeht keine Blinden. Insgesamt einfach eine zu hohe Qualitität, als dass man so spielen sollte wie man es tut. Dieses ewige Geflanke geht mir tierisch auf den Zeiger, besonders, da man im Laufenden Spiel meist nur Lewa vorne hat, ab und zu Goretzka/Martinez, die mit einer Flanke was anfangen können.
Man darf mit diesem Kader eigentlich keine Punkte gegen diesen FCN lassen oder zweimal gegen den SCF. Durch derartige Spiele hat der FCB normalerweise seinen Vorsprung, weil er gegen die vermeintlich kleineren nicht patzt.
Defensiv war die erste Hälfte der Saison teilweise furchtbar, ob das am Trainer liegt, kann ich nicht wirklich sagen. Aber ich würde im die Stabilisierung zur RR anheften. Dort war man in der CL die einzige Mannschaft, die in Anfield nicht verloren hat, wobei man dann im Rückspiel ganz komisch aufgetreten ist.
Insgesamt fände ich es persönlich schade, wenn NK gehen würde, da ich in sympathisch finde. Allerdings glaube ich nicht, dass er bleibt, zum Einen wegen der Äußerungen der Vereinsoberen und zum Anderen finde ich ihn sportlich zwar gut, aber nicht auf dieser oberen Ebene, wie es der FCB benötigen würde.
Wer folgen könnte, weiß ich nicht. Hoffe auf Ten Haag und dass man die Finger von irgendwelchen Contes oder Mourinhos lässt.

Personelles:

Im Tor könnte sich in 2-3 Jahren was tun, vielleicht früher. Neuer hat (so fürchte ich) wohl den Zenit überschritten, obwohl es natürlich sein kann, dass er in der nächsten Saison wieder aufblüht, wenn er gesunde bleibt.
Boateng wird, vermutlich gehen, ist ein guter Typ, wünsche ihm alles Gute, er war unter Guardiola wohl der einer der besten IV, den wir in den letzten 20 Jahren hatten. Ich hoffe inständig, dass man Mai eine Chance gibt, der Junge hat viel Potential, ob man da noch wen holt, gerade mit Blick auf Pavard oder Hernandez, weiß ich nicht.
Zudem bin ich der Meinung, dass man Kimmich zum Kapitän machen sollte.
Im Mf muss man um Thiago rum bauen, vielleicht noch einen (spielstarken) 6er, sonst sehe ich keinen Bedarf, gerade mit sehr vielversprechenden Spielern wie Tolisso und Goretzka.
Auf der 10 weiß ich nicht, was ich schreiben soll. Aus rationalen und fußballästethischen Gründen ist es verrückt Müller einem James vorzuziehen, der ja wohl gehen wird. Wenn er geht, weil er sich in DE oder MÜ nicht wohl fühlt und/oder lieber im Süden leben will, ist das völlig nachvollziehbar. Wenn er geht, weil NK in nicht einbauen kann oder will, ist das aus fußballerischer Sicht voll fatal. Andererseits hat er diese außergewöhnlichen Fähigkeiten am Ball in dieser Saison zu selten gezeigt, warum kann man hier nur schwer ergründen.
Müller wird bleiben, wobei ich es für Trainer unter Strafe stellen würde, wenn man ihn auf rechts außen aufstellt. Gerade in der RR hat er wieder seine Qualitäten und sein starkes Zusammenspiel mit Lewa gezeigt.
Letzter bleibt vermutlich auch, wobei man da vielleicht auch über einen Umbruch nachdenken sollte (in 1-2 Jahren), falls man Jovic bekommen sollte, vielleicht sogar früher als später. Aber generell hat Lewa eine sehr gute Saison gespielt, zwar etwas weniger Tore in der Liga, dafür mannschaftdienlicher.
Auf Außen lasse ich Robbery bewusst weg. Gnabry hat mich stark überrascht, starker Zug zum Tor. Auch einer der sehr gut werden kann, hat eine starke erste Saison gespielt. Coman hatte leider wieder viel Pech mit Verletzungen, trotzdem hat er diese Dribbelfähigkeiten, wieder kaum ein anderer im Team oder der Liga. Ihm fehlt leider die Präzision in den Abspielen oder Abschlüssen, wenn er die bekommt, ist er welklasse. Hier muss ja jemand kommen, wie groß der Name wird weiß ich nicht, das sind angeblich wieder hunderte Namen im Gespräch, mal schauen wer es wird. Gerüchte diskutieren bringt da erstmal wenig, dass mache ich vielleicht, wenn die Saisonvorbereitung kommt. Ich hoffe nur auch hier, dass man Davies und andere vielversprechende Jugendspieler nicht vergisst.
Zudem sage ich hier den Durchbruch des Fiete Arp voraus :wink:

Insgesamt befürchte ich, dass die Saison zu sehr an den Titeln gemessen wird und nicht an dem Spielerischen.

Mein Gericht ist kein Spezielles, sondern das Lieblingsgericht, dass man etwas zu oft gegessen hat und mal eine neue Note benötigt.

#4

Bayern 2018/2019 ist für mich wie Labskaus. Hausmannskost aus alten/konservierten Zutaten (Spieler), das wahrlich nicht schön aussieht, aber letztenendes auf lange Sicht den Hunger (nach Erfolg) besser als so manches Fancy Food stillt. Auf Dauer ist es allerdings dann doch schwer zu ertragen.

Die Uneinigkeit der Verantwortlichen könnte sich so langsam als endgültiger Genickbruch auf internationaler Ebene erweisen. Letztes Jahr hat man Tuchel zu lange hingehalten und dieses Jahr kann man sich bis zum 34. Spieltag nicht auf eine Zukunft von Kovac einigen. Klar kann man ihn davon abhängig machen, ob er einen oder zwei Titel holt. Aber international ist man durch diese Zauderei doch massiv im Hintertreffen. Außerdem sind die bisher getätigten Transfers bei weitem keine Garantie für neue Erfolge. Pavard ist in der vergangenen Saison doch deutlich mehr Abstiegskampf als WM-Finale gewesen. Mit Hernandez einen aktuell verletzten Spieler für 80 Mio zu holen, ist ungewöhnlich riskant. Zudem sehe ich in ihm nicht den fehlenden Baustein wie zB Virgil Van Dijk bei Liverpool, der eine derartige Summe gerechtfertigt.

Hoeneß tönt natürlich mit einigen Transfer-Aussagen, aber ich sehe auch nicht, dass Timo Werner oder Hudson-Odoi Bayern offensiv wieder auf ein Top-Level bringen. Alle anderen sind entweder unkonstant (Gnabry, Müller, James), verletzungsanfällig (Coman, Thiago) oder über der 30-Grenze (Lewandowski, Müller, Martinez).

Für die Liga reicht es natürlich. Aber warum dann die Uneinigkeit über den Trainer? Da hat er wirklich beachtliche Arbeit geleistet. Die Definition über die Titel ist natürlich logisch, aber wo ist die Verschlechterung zur Vorsaison? Heynckes war im Halbfinale, hatte aber mit Besiktas und Sevilla viel leichtere Gegner als Kovac.

Uli und Kalle wirken wirklich wie ein Ehepaar, was sich jeden Tag drum streitet, was es zu essen gibt. Solange das nicht endlich mal gelöst wird, wird Bayern ewig stagnieren.

#5

Die Bayern-Saison ist eine ordentliche Portion Bratkartoffeln, die vom schusseligen Kellner nach langer Wartezeit gebracht wird. Und nachdem man in der Erwartung eines Gourmet-Drei-Gänge-Menüs das Restaurant betreten hat.

Also total geil. Aber trotzdem enttäuschend.

#6

Für mich hat Niko Kovac die Saison noch erstaunlich gut gerettet. Titel hin oder her, die Rückrunde war deutlich besser als die Hinrunde.
Die wichtigste Frage ist aber trotzdem die nach dem Trainer: Kann Kovac die Mannschaft und auch jeden Spieler einzeln weiterentwickeln? Diese Saison hatte ich nicht das Gefühl, dass man sich in irgendeiner Weise weiterentwickelt hat.
Bayern braucht einen Coach der neue Ideen mitbringt und die Mannschaft damit vor neue Herausforderungen stellt. Nur so gibt es Fortschritt in der Mannschaft. Kann das Kovac auf diesem Niveau? Wenn nein, muss er m.E. im Sommer Platz machen, damit ein Ten Haag oder jemand ähnliches die komplette Vorbereitung nutzen kann und nicht innerhalb der Saison gewechselt werden muss!

#7

Ich habe Angst, dass der Tweet der lieben Tanja (@fschmidt77) sonst verloren geht und füge zur Frage nach dem Gericht ihren Tweet hier ein:

Wenn beim FC Bayern nicht “Bundesverfassungsgericht” genannt wird, bin ich enttäuscht.

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#8

Ich bin hin und her gerissen was das Saisonende betrifft. Einerseits bin ich froh, dass ich dieses gegurke bald nicht mehr sehen muss, andererseits befürchte ich, dass es nächste Saison so weitergeht.
In der Offensive fehlt der nötige Plan, wie man die kompakten Defensivreihen der Gegner bespielen kann. Mit Glück und Unvermögen der Gegner kommen dann mal Kantersiege raus, aber das ist ja eher die Ausnahme.
Ansonsten wird der Ball in schöner Regelmäßigkeit nach außen getragen wo dann Kimmich die Flankenbatterie anwirft. Das kann ja nicht der Anspruch sein, unter Pep oder Jupp hat man das ja auch spielerisch lösen können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kovac plötzlich einen Masterplan entwickelt (neues System, umstellen während der Partie).
Andere große Vereine, wie Barcelona, Liverpool, Man City usw haben ja auch das Problem, dass die Gegner hinten den Bus parken. Und die kommen das trotzdem spielerisch durch, auch wenn nicht jeder einen Messi haben kann.
Ich wünsche mir einen Trainer der mutiger spielen lässt und ein System erkennen lässt, was ich bisher wie erwähnt bei Kovac vermisse.
Und die ganzen gehandelten Neuzugänge: Werner, Sané, Havertz, um nur drei zu nennen, unter Kovac sind die meiner Meinung nach verschenkt.

Die Saison würde ich als Rosenkohl bezeichnen, ungenießbar.

#9

Das ist natürlich extrem bitter :smiley:

#10

Ich glaube, ich frage hier jedes Jahr etwas zu der aktuellen Situation im Nachwuchs. Und immer noch dürfte Alaba der letzte echte Jugendspieler sein, der es wirklich geschafft hat. Dieses Jahr Platz 4 in der A-Jugend hinter Stuttgart, Mainz und Ingolstadt. Ist das aktuell das Leistungsvermögen, da war man ja in den letzten Jahren besser. Ist da demzufolge weiterhin nichts zu erwarten? Während eines Umbruchs wäre ja noch eher die Chance als wenn sich irgendwelche Topstars festgespielt haben.

#11

Nochmal ein Nachtrag: mir geht dieses öffentliche hin und her auf die Nerven. Ich verstehe diese ständigen öffentlichen Statements nicht, gerade in dieser Zeit. Ich glaube, wenn man sich einfach mal die letzten 1-2 Monate der Saison ruhig verhalten hätte, dann wäre eine etwaige Entscheidung auch nicht mit einem derartigen Chaos verbunden gewesen.
Insgesamt finde ich, dass der FCB auch auf der Führungsebene frischen Wind brauch, bei allem Respekt vor UH und KHR, aber ich freue mich schon fast auf Oliver Kahn und danach womöglich auch eine Ablösung von UH.
Als Fan zucke ich immer schon zusammen, wenn ich irgendwas von UH lese. Zu einem harten Umbruch gehört mMn nicht nur der, auf der Ebene der Spieler, sondern auch der in der Führungsriege.
Könnte spannend werden beim FCB - nicht dass es das jemals nicht war.

#12

Ich möchte hier mal den Versuch einer Kaderanalyse unternehmen. Dabei sollte zuerst betont werden, dass der Kader natürlich von den Vorstellungen des (möglicherweise neuen) Trainers abhängig ist und auch zwingend sein muss. Da aber immer noch nicht klar ist, für welche offensive Spielidee Kovac stehen will und ob er nächste Saison noch Trainer ist, muss dieser Punkt hier etwas ausgeklammert werden.

Torwart: Mit Manuel Neuer hat man einen ehemaligen Weltklasse-Torwart, der aber mittlerweile weit von der ehemaligen Form entfernt ist. Am klügsten wäre es, sich schon im Sommer nach einer neuen Nummer 1 umzuschauen. Der Torwartmarkt wird in diesem Sommer nach den vielen Wechseln auf dieser Position im letzten Sommer günstiger als im Vorjahr sein. Top-Kandidat scheint ja Alexander Nübel zu sein. Mein persönlicher Favorit wäre aber Alphonse Areola, der immer wieder sein hervorragendes Potenzial zeigte, aber bei PSG im nächsten Jahr wohl immer noch um Platz 1 mit Buffon und möglicherweise sogar Trapp kämpfen muss. Zuletzt war sogar zu hören, dass PSG Areola abgeben will. Hier muss man eigentlich zuschlagen. Areola ist aktuell besser als Nübel und hat ein mindestens gleich hohes Potenzial.
Bei einer Neuerwerbung im Tor dürfte wohl auch Sven Ulreich den Verein verlassen. Hinter einem neuen Torwart und Neuer wäre er nur die Nummer 3 und würde wohl kaum noch Spiele absolvieren. Vielleicht entwickelt er sich auch ähnlich wie Tom Starke, aus seinen Aussagen in den vergangen Jahren und den Leistungen während der Neuer-Verletzungen schließe ich aber eher, dass er durchaus noch eine weitere Herausforderung annehmen könnte.
Aus der Jugend kommen mit Christian Früchtl und Ron-Thorben Hoffmann noch zwei Talente hoch. Früchtl gilt schon länger als eines der größten deutschen Torwarttalente. Es wird nun entscheidend, ihm Spielpraxis per Leihe zu verschaffen. Angeblich waren ja bereits Bundesligisten wie Augsburg oder Düsseldorf an ihm interessiert. Hoffmann war hinter Früchtl in den Jugendmannschaften und der zweiten Mannschaft eher zweite Wahl. Auch bei ihm sehe ich das Bedürfnis nach Spielpraxis in der zweiten oder dritten Liga. Ob er es jemals bei Bayern schafft, wage ich aber zu bezweifeln.
Anstelle einen neuen Torwart zu verpflichten, könnte man auch versuchen, Früchtl als nächsten Stammtorwart zu etablieren. Dafür müsste Neuer wohl noch ein paar Jahre die Nummer 1 bleiben, während Früchtl verliehen wird und Spielpraxis sammelt. Diese Variante ist aber deutlich risikoreicher. Es ist noch nicht klar, wie Früchtl sich weiterentwickelt und mit ein wenig Pech durch Verletzungen oder einigen schwachen Leistungen kann man besonders als Leihspieler schnell auf der Bank landen und eben keine Spielpraxis sammeln. Gleichzeitig könnte man die Gelegenheit verpassen große Talente wie Nübel oder Areola für einen relativ günstigen Preis zu verpflichten. Des Weiteren lässt sich die Frage stellen, ob man mit Neuer noch internationale Titel (das ist ja immer noch das Ziel Bayerns) holen kann.

Verteidigung:
Normalerweise würde ich hier noch zwischen Links-, Innen- und Rechtsverteidiger unterscheiden. Da die Defensive in der kommenden Saison aber von einigen sehr polyvalent einsetzbaren Spielern besetzt wird, kann hier keine klare Einstufung erfolgen. Zunächst muss hier die geringe Kadertiefe genannt werden. Aktuell stehen nur sechs Verteidiger im Kader. Mit Rafinha wird einer sicher den Verein im Sommer verlassen. Auch Boateng scheint im Sommer zu gehen. Somit bleiben nur noch vier Verteidiger übrig. Durch die Transfers von Lucas Hernandez und Benjamin Pavard steigt die Zahl der Verteidiger wieder auf sechs. Zudem können Lucas und Pavard sowohl als Innenverteidiger als auch Links-, bzw. Rechtsverteidiger agieren. Auch wenn polyvalente Spieler im Kader vorhanden sind, wäre eine höhere Breite wünschenswert. Dies ergibt sich auch aus der Verletzungsanfälligkeit von Hummels, Alaba und Lucas. Auch Pavard fiel immer mal wieder kurzfristig aus. Auch die Systemfrage lässt sich stellen. Spielt man mit Dreier- oder Viererkette? Für die Dreierkette fehlt wohl tatsächlich die Breite (es müssten immer 5 von 6 Verteidigern spielen) und es würden Kaderplätze für die Offensivspieler verloren gehen, dafür würde die Dreierkette den Stärken der Spieler vielleicht besser zu Gute kommen. Lucas könnte seine offensiven Stärken als linker Innenverteidiger einer Dreierkette durch aggressives Andribbeln ausnutzen. Auch Kimmich könnte ich mir in der Dreierkette vorstellen. Das wäre eine sehr offensive Dreierkette, aber vor allem gegen defensiv eingestellte Gegner wäre dies ein gutes Mittel.
Am wahrscheinlichsten ist aber wohl die Vierekette. Hierbei könnte ich mir Kimmich und Alaba sehr gut als im Spielaufbau einrückende Außenverteidiger vorstellen. Beide haben bereits als Sechser/Achter gespielt und bringen die notwendigen Qualitäten mit, um diese Rolle zu spielen. Lucas Hernandez und Benjamin Pavard wären in diesem Fall die Back-Ups für die Außenverteidiger-Postionen. Beide verfügen über einen eher direkteren, klassischeren Spielstil für einen Außenverteidiger. In der Innenverteidigung wird Lucas wohl als linker Innenverteidiger gesetzt sein, während Süle die Rolle als rechter Innenverteidiger übernimmt. Dieses Duo würde mir aber durchaus noch Sorgen in der Spieleröffnung machen. Hummels hat genau hier seine Stärken und wird auch noch in der kommenden Saison wichtig sein, wenn sich Lucas und Süle nicht in der Spieleröffnung verbessern oder man eine systematische Lösung findet, die von den beiden nicht verlangt, das Spiel alleine aufzubauen (z.B. einrückende Außenverteidiger). Pavard wäre auch hier Ersatz.
Aus der Jugend könnten noch ein paar Spieler in den nächsten Jahren durchkommen. Hierbei gilt sich aber erneut die Frage zu stellen, ob man sie versucht, direkt in den Kader zu integrieren oder ihnen Spielpraxis per Leihe verschafft. Zudem muss auch der Trainer bedacht werden. Kovac rotierte zuletzt kaum noch, was jungen Spielern eher schadet. Jonathan Meier stand letzte Saison bereits ein paar Mal im Kader, als Alaba im verletzt ausfiel, blieb aber ohne Einsatzminuten. Der Linksverteidiger ist ein gutes Talent und sollte in der kommenden Saison den Schritt raus aus der Jugend machen. Ich halte ein Linksverteidiger-Back-Up für Alaba für sehr wichtig. Ist hier nur Lucas eingeplant, der wahrscheinlich aber auch als Stammspieler in der Innenverteidigung eingeplant ist, müsste bei einer Alaba-Verletzung nicht nur dessen Linksverteidiger-Position neu besetzt werden, sondern auch eine Innenverteidiger-Position. Besonders in der Verteidigung sind solche Personalrochaden eigentlich eher unerwünscht. Traut man Meier nicht zu, hier eine kleinere Rolle in der Saison zu spielen (5-10 Spiele), sollte man ihn verleihen und möglicherweise sogar noch einen Linksverteidiger-Back-up verpflichten. Zwei Innenverteidiger aus der Jugend gefallen mir ebenfalls. Lars Lukas Mai bekam in den vergangenen Spielzeiten bereits einige wenige Einsätze und könnte vielleicht ab der kommenden Saison zum Profiteam gehören. Ihm ist aber auch eine Leihe zu einem Bundesligaklub zuzutrauen. Josip Stanisic ist Kapitän der U19, steht in der Entwicklung noch leicht hinter Mai. Die Optionen für ihn sind aber ähnlich. Ich würde gerne einen der Jugendspieler in der kommenden Saison in der ersten Mannschaft sehen. Allerdings gibt es auch berechtigte Zweifel, dass dies nicht geschehen wird.

Zentrumsspieler:
Hier wollte ich nicht genauer in Sechser, Achter und Zehner unterteilen, da die personelle Besetzung von der Formation abhängt. Egal welche Formation genutzt wird, werden drei Zentrumsspieler eingesetzt. Nur die Aufteilung ist unterschiedlich (1 Sechser und 2 Achter oder 2 Sechser und 1 Zehner). Mit Javi Martinez steht ein Sechser zur Verfügung, der sich zuletzt vor allem durch seine zerstörerischen Fähigkeiten auszeichnete und dadurch wieder in die erste Elf rückte. Ich halte ihn immer noch für einen Spieler, der einer Mannschaft durch seine Spielweise sehr weiterhelfen kann, auch wenn er nicht zwingend ein Stammspieler sein muss. Thiago kann ebenfalls als Sechser spielen und stellt die spielstärkere Alternative dar. Für mich ist Thiago immer noch der beste Spieler der Bundesliga und ein Spieler, der seiner Mannschaft den Stempel aufdrücken kann. Mit Goretzka, Tolisso und Renato Sanches verfügt man über drei sehr dynamische Achter, die sich in ihrem Spielstil etwas zu ähnlich sind. Ob man drei Spieler mit sehr ähnlichem Spielstil braucht, bezweifle ich. Sanches wäre logischerweise der Spieler, der hier rausfällt. Ich würde ihn trotzdem nicht verkaufen, sondern erneut, diesmal aber sinnvoll, verleihen. Das Potenzial ist immer noch vorhanden (siehe das Spiel gegen Benfica), aber das Selbstbewusstsein und die Spielpraxis ist weg. Auf der Zehn ist noch James da. Dieser wird den Verein aber wohl verlassen. Mit Müller bleibt noch ein weiterer Zehner, der aber das komplette Gegenteil zu James darstellt. Er bekam zuletzt zwar auch immer wieder Kritik, besonders in den letzten Wochen zeigt er im Zusammenspiel mit Lewandowski aber wieder seinen Wert. Trotzdem ist die Frage nach der Besetzung der Zehnerposition essentiell. Spielt man ohne einen kreativen Zehner wird der so bekannte Flügelfokus der Bayern bestehen bleiben. Spielt man dagegen neben Thiago und Goretzka/Tolisso noch mit einem kreativen Achter/Zehner könnte man auch mehr Chancen durchs Zentrum kreieren. Das zuvor oft kritisiere Kombinationsspiel könnte verbessert werden. Das Problem kann aber auch so gelöst werden, dass ein Flügelspieler immer wieder den Zehnerraum füllt. Nicolas Pepe tat dies in dieser Saison sehr gerne, während der eigentliche Zehner Jonathan Ikone auf den rechten Flügel auswich. Ich möchte gar nicht beurteilen, welche Variante die beste ist (das hängt auch von der Umsetzung ab). Ich halte es aber für wichtig noch einen stilistischen Ersatz für James zu verpflichten, der ähnlich spielt, um sich diese Alternative offen zu halten.
Auch fürs Zentrum sollen noch ein paar Hoffnungen aus der Jugend genannt werden. Meritan Shabani durfte in den beiden vergangenen Spielzeiten jeweils ein Bundesligaspiel bestreiten. Seine Position ist wohl am ehesten als Zehner zu bezeichnen, wobei er auch im rechten Mittelfeld agieren kann. Im Alter von mittlerweile 20 Jahren wird es für ihn nun wichtig Spielpraxis zu sammeln, am besten per Leihe. Paul Will durfte die Saisonvorbereitung bei den Profis verbringen, spielte dann in der zweiten Mannschaft, fiel am Ende der Saison aber länger verletzt aus. Er ist ein spielintelligenter Sechser/Achter, der mit ähnlichen Vorzeichen wie Shabani in die kommende Saison geht. Es sollte zudem erwähnt werden, dass die zweite Mannschaft Bayerns aktuell um den Aufstieg in die dritte Liga spielt. Gelingt dieser, kann man jungen Talenten selber Spielpraxis in einer noch höheren Liga bringen, was sehr wichtig wäre. In der U19 spielt derweil Angelo Stiller (Jahrgang 2001), den ich für einen herausragenden spielgestaltenden Sechser halte. In der kommenden Saison wird er wohl erstmal den Schritt in die zweite Mannschaft (dann hoffentlich auch in Liga 3) machen. Für die Zukunft sollte man sich seinen Namen aber auf jeden Fall merken. Gleiches gilt übrigens auch für den 2003 geborenen Thorben Rein, der diese Saison bereits durch starke Leistungen als Stammspieler der U17 (er könnte noch U16 spielen) auf sich aufmerksam machte.

Flügel:
Nach den Abgängen von Robben und Ribery bleiben aktuell Gnabry und Coman für die Flügelpositionen sowie die Nachwuchshoffnungen Alphonso Davies und Woo-yeong Jeong. Davies wird nach seinem Winterwechsel aus der MLS noch etwas Eingewöhnungszeit und vor allem die ganze Vorbereitung benötigen, dann sollt er aber als Ersatz direkt in der ersten Mannschaft bleiben. Jeong durfte zum Saisonende immer mal wieder in den Kader. Da nun aber wohl noch ein neuer Flügelspieler verpflichtet wird, würde ich eine Leihe für ihn empfehlenswert finden. In der U19 befindet sich mit Oliver Batista-Meier noch ein großes Talent, das aber einige Zeit verletzt ausfiel. Somit konnte er noch nicht wie erhofft, mal in einen Spieltagskader hereinschnuppern. Am wahrscheinlichsten ist aktuell wohl eine Saison bei der U23 in der kommenden Saison. Danach könnte er dann durchaus schon weit genug sein, um in den Kader der ersten Mannschaft hereinzudrängen. Die größte Frage ist wohl, welcher Spieler für die Flügelposition verpflichtet werden sollte. Callum Hudson-Odoi ist nach der Transfersperre von Chelsea wohl keine Option mehr. Aus den Verhandlungen um Nicolas Pepe zieht man sich wohl aufgrund des geforderten Preises ebenfalls zurück. Ich mag Pepe zwar sehr, aber für einen Preis von über 70 Millionen Euro würde ich auch nicht mitgehen. Somit bleiben aktuell vor allem die Gerüchte um Leroy Sane und Federico Chiesa. Sane wäre definitiv die Königslösung und nach der für ihn persönlich enttäuschenden Rückrunde wohl auch nicht so unrealistisch. Chiesa wäre nach der schwachen Saison der Fiorentina wohl eine günstigere Alternative. Sollte man Timo Werner verpflichten (dazu später mehr) könnte auch dieser auf dem Flügel spielen. Eigentlich müsste man mit allen genannten Spielern zufrieden sein. Am wichtigsten ist eh zunächst die notwendige Breite wieder herzustellen. Anschließend kann man die Spieler auch aufgrund des Spielstils, für den man stehen will, bewerten. Da dieser aber noch nicht klar ist, kann dies jetzt noch nicht passieren.

Sturm:
Robert Lewandowski verpasste diese Saison zwar auch ein paar etwas einfachere Chancen, gehört aber immer noch zu den besten Stürmern der Welt. Trotzdem braucht es ein Back-Up. Anscheinend wird ein Werner-Transfer immer wahrscheinlicher. Davon wäre ich persönlich kein Fan. Dafür gibt es einige Gründe: Zum Einen würde man einen von Werner oder Lewandowski auf die Bank setzten müssen. Dies wäre eher Werner, was dann wiederum auch eine ziemliche Geldverschwendung wäre. Zum Anderen (und noch wichtiger) fehlen mir bei Werner noch die essentiellen Qualitäten, um als alleiniger Stürmer in einer Ballbesitzmannschaft zu agieren. Zum aktuellen Zeitpunkt passt er, denke ich, einfach nicht in das Konstrukt Bayern hinein. Eine Option als Back-Up wäre Jan-Fiet Arp. Noch ist nicht klar, ob er ein weiteres Jahr beim HSV bleibt oder schon im Sommer zum FCB geht. Entscheidend wird, wie viel Spielzeit er unter dem neuen HSV-Trainer bekommt. Bekommt er wieder keine Spielzeit, kann er auch bei Bayern auf der Bank sitzen, um sich im Optimalfall hinter Lewandowski weiterzuentwickeln. In der Jugend befindet sich mit Joshua Zirkzee (Jahrgang 2001) noch ein weiteres Talent. Der Niederländer gefiel mir sehr gut und wurde auch schon von der U19 in der zweite Mannschaft hochgezogen. Der Schritt in den Kader der ersten Mannschaft kommt wohl zu früh, aber in einem Jahr könnte er diesen durchaus tätigen.

Trainer:
Um nochmal kurz über Niko Kovac zu sprechen: Für mich hat er diese Saison wenig getan, um eine weitere Anstellung zu rechtfertigen. Die Ergebnisse wurden zwar besser, aber ein taktisches Konzept konnte man nur selten erkennen. Vor allem im internationalen Wettbewerb kann man so nicht mehr mithalten. Zudem könnte es im Sommer ja einige interessante Trainer auf dem Markt geben. Mauricio Pocchetino deutete bereits an, dass er bei einem möglichen Champions-League-Sieg die Spurs verlassen könnte. Erik ten Hag und Mark von Bommel leisten gute Arbeit in der Eredivisie und würden sogar den “Stallgeruch” mitbringen. Auch, wenn ich bei van Bommel noch etwas vorsichtiger wäre (bisher nur 2 Jahre Erfahrung als Cheftrainer), wäre jeder dieser drei wohl eine Verbesserung zu Kovac.

Ich bin gespannt, wie man sich in der kommenden Saison weiterentwickelt. Nun steht endlich tatsächlich der Umbruch im Kader tatsächlich an. Zudem werden die nächsten Jahren entscheidend, da auch ein Umbruch in der Führungsetage fällig ist. Auch der neue Campus für die Jugendarbeit wird aufgrund der Arbeit der kommenden Jahre bewertet werden. Es gibt wieder einige Talente, denen ich den Schritt in den Kader der ersten Mannschaft zutrauen würde, allerdings bleibt die Frage, ob man auch die notwendigen Bedingungen schafft, um das zu gewährleiste.

#13

Gerichtsvorschlag (nicht frei von Klischees): Zünftige Schweinshaxe, anderswo eine echte Besonderheit weil es nicht jedes Jahr auf den Tisch kommt. Aber in München hat man sich schon so sehr daran gewöhnt, dass es quasi Alltag ist. So richtig zufrieden ist man damit auch nicht wirklich, weil es international nicht für den Guide Michelin reichte.
Der Chefkoch wird dann wohl auch früher oder später gehen müssen (warum auch immer).

#14

Hallo, ich würde gerne einige Aspekte für die Diskussion einbringen, vielleicht ist ja was spannendes dabei:

Die Bayern-Erwartungen „vor Saisonstart“:

Ich vermute, die Erwartung war in etwa wie folgt: „Wir haben eine gute Abwehr und bekommen mit Niko Kovac einen Trainer, der für Stabilität und Einsatzwillen steht. Damit sollte zum einen die – ohnehin beste – Abwehr der Bundesliga stabil bleiben. Zwar ist unser Kader etwas älter, aber mit einem Trainer, der zielstrebiger spielen lässt, ist vielleicht der ein oder andere neue Impuls da.“

Der Blick auf die Mannschaftsteile dürfte also vermutlich wie folgt ausgefallen sein:

  • Torwart – keine Probleme

  • Innenverteidiger – keine Probleme

  • Außenverteidiger – sollte reichen

  • Mittelfeld – steht, außerdem kommen mit Goretzka/Sanches neue Impulse dazu (aber Tolisso fehlt)

  • Außenstürmer – 2 alte plus 2 junge, sollte reichen

  • Sturm – Lewa und Müller reichen und sind nie verletzt

Fazit: „Meisterschaft sollte eine sichere Sache sein, Pokal erst recht (wir haben den Pokal-Sieger-Trainer), CL hängt von der Auslosung ab, mal sehen was geht.“

Reality Check zur Winterpause:

  • Die Abwehr inklusive Torwart über weite Strecken eine Katastrophe (gemessen an dem, was die Spieler leisten können), inklusive unerklärlicher individueller Patzer

  • Die Offensive war mit dem Ausfall von Coman nach 45 gespielten Minuten im ersten Spiel nicht mehr durchschlagskräftig genug

  • Das Mittelfeld unausgewogen, die Spieler und Positionen harmonieren nicht

Meiner Meinung nach nicht so sehr die Offensive (mit dem das „Rentnerduo“ Robbery) dem FCB den souveränen Durchmarsch in der Meisterschaft gekostet, auch nicht unbedingt der Stil- und Spielsystemwechsel unter Kovac, sondern der völlig ungeplante Leistungseinbruch in der Defensive. (Auch der könnte mit Kovac zusammenhängen, aber dazu fehlt mir das Trainerwissen). Nicht zuletzt deswegen, davon bin ich fest überzeugt, war man schon im Winter entschlossen, massiv in die Verteidigung zu investieren.

Es ist Kovac und dem Team durchaus anzurechnen, dass er die Mannschaft auf Erfolgskurs bringen konnte, einige neue Stützen eingebaut bzw. stabilisiert hat (Gnabry, Süle, Kimmich als Dauerläufer, Alaba wurde ebenfalls wieder deutlich besser bzw. versteht sich in der Rückrunde besser mit Coman, Müller ebenfalls in der Rückrunde, m.E. Lewandowski und Thiago, die auch vorher selten richtig schlecht waren), das Standardspiel verbessert und die Verletzungsanfälligkeit reduziert hat (!). Sicher ging diese Entwicklung einher mit einer Abkehr bislang gewohnter (oder liebgewonnener?) Spielelemente, aber ob das ein Fort- oder ein Rückschritt ist – darüber lässt sich meiner Meinung nach kein endgültiges Urteil fällen. Was mich zum zweiten Punkt führt: der

Philosophie des FC Bayern:

Die Diskussion darum kam vor allem vor der Winterpause auf, als die Ergebnisse ausblieben. Stichworte „Underdog-Fußball“ vs. „gepflegtes Ballbesitz-Spiel“. Oft beklagt wurde, dass sich der FC Bayern von seiner Spielphilosophie abwenden würde. Hier würde ich gerne ein wenig ausholen:

Als Fixpunkt der Diskussion um die Spielphilosophie des FCB dürfte wahrscheinlich das mittlerweile berühmte SZ-Interview von Philipp Lahm gelten. Seither schien es, als ob der FCB versucht, durch eine gewisse Kontinuität auf dem Trainerposten – über van Gaal, Heynkes, Guardiola – eine bestimmte Art des Fußballs, eben das genannte Ballbesitz-System in holländischer bzw. katalanischer Tradition, zu implementieren. Meiner Meinung nach war dies aber weniger Plan, sondern auch ein gehöriges Maß Zufall. Denn die Philosophie des FCB lässt sich eben nicht, wie etwa bei Ajax oder dem spanischen FCB, auf ein bestimmtes System festlegen. Die Philosophie des FCB speist sich meiner Meinung nach aus zwei anderen Aspekten:

  • dem reinen, nackten Erfolg, und

  • der Gier danach.

Kurz: Wer siegt hat recht, gleichzeitig ist jeder Sieg nur ein Zwischenstopp zum nächsten Sieg.

Mit dieser Philosophie im Hinterkopf ist auch erkärbar, warum bei Bayern selbst erfolgreiche Trainer kühl abserviert werden, wenn es nach Meinung der Verantwortlichen mit ihnen nicht mehr weitergeht (Magath, Hitzfeld), und warum nicht (ausreichend) erfolgreiche Trainer nur dann überleben können, wenn sie einen „Schutzschirm“ haben (Heynkes) oder eine Entwicklung versprechen, die künftige Erfolge sehr, sehr wahrscheinlich macht (Guardiola). Und mit dieser Einstellung ist auch klar, warum Niko Kovac trotz Erfolgen um seinen Job bangen muss, selbst wenn er neben Meisterschaft den Pokal holt.

Möglicherweise kommen die Verantwortlichen beim FCB zu der Meinung, dass Kovac der richtige ist, mit einem neuen Kader „sein“ System noch erfolgreicher spielen zu können. Möglicherweise beschreiten sie sogar bei der Trainerposition den Weg, den sie auch bei den Spielern immer häufiger einschlagen: Junge, entwicklungsfähige Spieler kurz unter Weltklasseniveau zu verpflichten und selbst zu Topstars zu entwickeln. Wer weiß, vielleicht darf auch Kovac bei Bayern zum Weltklassetrainer „reifen“? Und sei es nur, weil Alternativen für das Haifischbecken FCB noch weniger geeignet (Nagelsmann, ten Haag, auch: Favre!) oder ebenfalls eine Wundertüte (Rose, Wagner) wären. Möglicherweise sogar so lange, bis Tuchel / Klopp / Löw frei sind (ohne sagen zu wollen, dass die drei genannten eine Alternative oder gar Verbesserung zu Kovac wären, alle drei haben meiner Meinung nach Schwächen, die sie für den FCB disqualifizieren). Denn wenn man Niko Kovac eines zugutehalten muss, dann sicher, dass er seine Spieler – wie zu Beginn versprochen („ich werde meine Spieler niemals betonieren“) – niemals individuell kritisiert hat, offensichtlich als anständiger Kerl geschätzt wird und sie auch immer wieder motivieren konnte. Keine Selbstverständlichkeit, wie es sogar Ancelotti erfahren musste …

#15

Danke, die Aufzeichnung ist abgeschlossen!