ein paar lose Ansätze, die ihr aufnehmen, oder es bleiben lassen könnt:
Tops:
- Siebert hat nicht nur eine sehr stabile Bundesligasaison gepfiffen (u.A. das direkte Abstiegsduell am letzten Spieltag), sondern hat sich auch international rehabilitiert. Nachdem er 2021 unerwartet mit zur EM durfte, hat er innerhalb von einem Jahr viele Highlights bekommen und konnte dem Druck nicht standhalten. In Erinnerung bleibt wie er bei der WM von Uruguay aufgefressen wurde und das Spiel Atletico-City in der CL, wo ihn keine Seite ansatzweise respektiert hat. Sich von solchen Desasterspielen zu erholen und es in ein CL-Finale zu schaffen, ist absolut respektabel. Gräfe und Aytekin haben sich bspw von vergleichbaren Rückschlägen international nicht erholen können und es nie wieder in die absolute Elite geschafft.
- In Sieberts Windschatten hatte Jablonski diese Saison seinen internationalen Durchbruch und wurde in seiner Debutsaison gleich vier Mal in der CL eingesetzt. National hat er sein zweites Bayern-Dortmund Topspiel gepfiffen und bekommt das Pokalfinale.
- Brand hat eine durchweg saubere Buli Saison gepfiffen und es Anfang des Jahres endlich auf die FIFA Liste geschafft. Aufgrund seines Verletzungspechs wurden ihm mit Schröder, Jöllenbeck und Badstübner in den Jahren zuvor (aus meiner Sicht) drei weniger talentierte Kollegen vorgezogen, weshalb es für ihn schwer werden dürfte, es international noch sehr weit zu bringen.
- Aytekin, Willenborg, Welz und Ittrich haben den Absprung zum richtigen Zeitpunkt geschafft, bevor es leistungsmäßig nicht mehr reicht. Sie können jeweils auf ihre eigene Art auf eine respektable Karriere zurückblicken. Zu Ittrich hatte ich vor zwei Spieltagen einen kleinen “Nachruf” geschrieben (auch wenn er danach noch ein Spiel bekommen hat
) #33 Euer Input für die Männer Spieltagsbesprechung 33. Spieltag - #2 von Kaer
Flops:
- Gerach und Braun erreichen partout kein Bundesliganiveau. Sie bekommen ausschließlich die tendenziell dankbaren Spiele aber selbst dort wackeln sie.
- Welz verlässt die Bühne nach einem groben Patzer im Pokalhalbfinale.
- Zwayer hat in jedem seiner CL-Gruppenspiele den VAR benötigt und in der Konsequenz kein einziges KO-Spiel bekommen. Bei der WM hat er nun die Chance, seine Saison zu retten. Insofern die englischen Medien nicht wieder die alten Geschichten ausgraben

- Badstübner + VAR Dingert mit dem Regelbruch im Eröffnungsspiel und die zähe Aufarbeitung des DFB.
Führungslosigkeit:
Größtenteils kann ich mich @strassenkicker anschließen. Die Kommunikation bleibt die Baustelle der Schiedsrichterabteilung. Aus meiner Sicht aber nicht nur nach Außen, sondern auch nach Innen. Der DFB hat Knut Kircher von einem Führungsposten in der Privatwirtschaft raus gekauft, in der Hoffnung, eine gewisse Stringenz in die Abteilungsleitung zu bekommen. Nach zwei Saisons kann man so langsam das Fazit ziehen, dass sich nichts geändert hat. Es wird weiter geschlingert.
Mal heißt es, die Entscheidung auf dem Feld solle mehr Gewicht haben. Für einige Spieltage traut sich kaum ein VAR noch einzugreifen, egal wie krass die Fehlentscheidung war. Dann heißt es, man wolle die gesundheitsgefährdenden Fouls härter sanktionieren. Auf einmal werden Standbiler analysiert und rote Karten vergeben, ohne die Bewegungsdynamik zu berücksichtigen.
Mal wird am Spieltag eine Entscheidung als Fehler benannt, mal braucht es tagelangen Druck der Medien bevor eine Einschätzung der Schiedsrichterabteilung kommt. Der Verdacht bleibt nicht aus, dass Günstlinge geschützt werden, während unliebsame Schiris vor den Bus geworfen werden. In Summe sehe ich einen verunsicherten Kader, wo niemand so genau weiß, was der Chef eigentlich von ihnen erwartet. Kircher muss man insofern in Schutz nehmen, dass er nur mit dem Kader arbeiten kann, den Fröhlich, Fandel und Krug ihm übergeben haben. Zur Miss- und Vetternwirtschaft der vorangegangen Generationen wurde ausreichend geschrieben.
Förderung:
Letztendlich ist das Schiedsrichterniveau in der Bundesliga ein Spiegel der (nicht) getätigten Investitionen. Mein Lieblingsvergleich ist, dass die DFL-Vereine jedes Jahr hunderte Millionen in ihre NLZs investieren, um frühzeitig die besten Spieler zu finden, binden und entwickeln. In die Schiedsrichterförderung fließt aber nahezu kein Cent. Die Ausbildung, Förderung und Leistungsselektion findet zu 99% im Breitensport und im Ehrenamt statt. Erst ab der dritten Liga (bei den Frauen zweite Liga) ist der DFB zuständig. Wer dort auf welchem Niveau ankommt, hat mindestens genau so viel mit Zufall, Vitamin B und Sportpolitik zu tun, wie mit Leistung oder Talent.
Der Status Quo ist absolut verständlich. Warum sollte ein DFL-Verein bspw 500k € pro Saison investieren um die Bedingungen für die Schiriausbildung an der Basis zu verbessern, damit in 15 Jahren bessere Schiris in der Bundesliga ankommen, wenn man das Geld ebenso in einen dritten Linksverteidiger stecken kann, der dir eventuell den Klassenerhalt sichert, falls sich die anderen zwei verletzten? Das wäre aus Sicht des jetzt handelnden Personals vollkommen unvernünftig.
Etwas weiter ausgeholt war das ja auch einer der Streitpunkte zwischen DFB und FBL bezüglich der Gründung des neuen Ligaverbandes. Der DFB wollte einen Teil der Investitionssumme in die Schiedsrichterinnenausbildung stecken, während die Vereine das Geld zur sofortigen Verfügung haben möchten. Das ist sogar noch verständlicher als bei den Männern. Die FBL Vereine zahlen für die Schiris nämlich aktuell schon auf Drittliganiveau (ca 5000€ pro Spiel) und bekommen dafür Leistungen auf (maximal) Oberliganiveau. Aber selbst wenn der DFB dieses Geld sinnvoll einsetzt und in Zukunft viel bessere Schiedsrichterinnen den Weg nach Oben schaffen, würden perfiderweise die FBL Vereine kaum etwas davon haben. Denn die sehr guten Schiedsrichterinnen würden von der DFL abgegrast werden, die sich dann auf Kosten der FBL mit einer tollen Frauenquote schmückt. Aus Sicht der FBL Delegation kann dieser Vorschlag also nur als Affront interpretiert werden.
Umgekehrt gehe ich sogar davon aus, dass das Schiedsrichterthema beim Rahmenvertrag zwischen FBL und DFB erneut auf den Tisch kommt, weil die Vereine für ihre 5000€ pro Spiel jetzt sofort mehr Qualität haben möchten und nicht erst in X Jahren sobald die Investitionen fruchten, die der DFB gerne auf den Nacken der FBL Vereine tätigen würde.