SGE: Kommt nach Dino die Eiszeit?

Wir haben mit Christopher Michel (Chefreporter bei Absolut Fussball sowie Buchautor, Instagram, Twitter) über die Lage bei der SGE gesprochen. Paar Themenblöcke sind leider nicht mehr zur Sprache gekommen, weil wir beide noch Termine hatten, aber ich hoffe dennoch, dass euch die Folge gefallen hat!

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Props für den Titel (ohne die Folge gehört zu haben)!

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Sehr gute Folge.

Christopher Michel kommt, durch @GNetzer s - wie immer - großartige Recherchen, darauf basierenden Ausführungen und Fragen, sehr gut zur Geltung und kann sein Wissen rundum die Eintracht anzapfen und somit zu einer hervorragenden Folge beitragen. Ist auch der beste SGE-Journalist, dessen PK-Fragen immer zu den tiefgründigsten und interessanten zählen.

Das merkt man auch daran, dass mehrere Themen nicht oder nur sehr kurz besprochen wurden (z.B. Wahi, 6er) nicht mehr abgedeckt werden konnten, was sehr schade ist, jedoch lieber in diesem Modus die anderen Themen sehr sauber und ausführlich beleuchtet.

Was die Trainerkosten angeht: Falls ein Trainerteam a la Mourinho wirklich für 50, 60, 70 Euro zu haben ist, sollte die SGE das machen :wink: Lustiger Versprecher. Die Beleuchtung des Kostenrahmens war jedoch ebenfalls superspannend. Danke auch dafür.

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Sich bei einem knapp zweistündigen Schwerpunkt rechtfertigen, dass nicht alles abgehandelt wurde ist spätestens dann etwas witzig, wenn der nächste Schwerpunkt schon in der Mache ist und grade eine ~4 Stunden Schlusskonferenz (darf man das noch so nennen?) rauskam :sweat_smile:

Mein Feedback dazu wäre, dass ich zu vielen Vereinen gar keine RaFu-Schwerpunkte hören muss, die länger als 90 Minuten sind. Die einzigen Ausnahmen wären Vereine, wo ich selbst einen emotionalen Bezug habe und welche, wo sich durch die Konstellation grade eine besonders hohe Brisanz ergibt, das könnte man bei der SGE grade schon so behaupten.

Interessant fand ich natürlich, dass Hoffenheim als Referenzwert benutzt wird wenn es darum geht, dass Spieler nicht zwangsläufig Preisschilder haben müssen, ehrlich gesagt muss ich da klar widersprechen, auch in der Provinz ist das angekommen, insbesondere bei jungen Offensivspielern. Bei Asllani ging es schon vor der Saison um Interessenten, wo auch immer direkte Summen in den Medien waren. Als er dann 2-3 Tore gemacht hat, saß sein Berater in Interviews und hat relativ genau die Summe einer Ausstiegsklausel verraten. In einigen Fankreisen (insbesondere bei jüngeren) wird bei B. Touré schon länger drüber spekuliert, ob er jetzt ein 40, 60 oder 80 Millionen Transfer wird, gerne mit dem Beisatz, dass man ihn doch bitte nicht zu günstig abgeben sollte. Moerstedt hatte ebenfalls schon Preisschilder umgehangen, lange bevor er sein erstes Bundesligator gemacht hat. Vielleicht sind hier die entscheidenden Berater gar nicht die Krösches, Eberls und Schickers, sondern die Romanos, Wittmanns und Internetportale wie tm und den Communitys, dessen Diskussionen um prognostizierte Marktwerte immer mehr Seiten füllen?

Finde aber das sind jetzt bei 2 Stammspielern bei Hoffenheim so.

Und nicht bei fünf wie in Frankfurt.

Aber natürlich hat Frankfurt auch Spieler wie Kristensen oder Doan die nicht sofort weg gekauft werden wie die Hoffenheimer Außenverteidiger.

Sehr spannende Folge. Vielen Dank an euch beide, für ein sehr interessantes und kurzweiliges Gespräch. Obwohl ich kaum Bezug zur Eintracht habe, konnte ich nicht nur folgen, sondern fühlte mich durchgehend gut unterhalten.

Eine Frage hat sich bei mir schon relativ am Anfang ergeben:

Wir sind uns nicht nur hier im Forum wahrscheinlich alle sehr einig, dass der Zufall im Fussball eine sehr grosse Rolle spielt, sondern ich bin sicher, dass auch Markus Krösche dieser Aussage sofort zustimmen würde. Ihr geht dann am Anfang kurz darauf ein, dass der Zufall nur leicht anders ausschlagen muss und die Eintracht startet mit 7 Punkten statt 2 Punkten aus drei Spielen in das neue Jahr.

Denkt oder wisst ihr, ob da intern noch andere Metriken als KPI benutzt werden ausser Ergebnisse und Bauchgefühl? Also insbesondere bei “modernen Managern” a la Krösche.

Ich finde es immer wieder wild, wie lange es im Fussball total üblich war, dass sehr wichtige Entscheidungen auf Grundlage von Daten getroffen wurden, die massiv von Glück oder Pech beeinflusst werden. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Proficlubs inzwischen riesige Unternehmen mit nicht selten über 1.000 Mitarbeitern und Umsätzen jenseits von 100 Mio. Euro sind. Der CEO eines vergleichbar grossen Energiekonzerns würde doch auch nicht die Besetzung von Schlüsselpositionen davon abhängig machen, ob in einem Quartal zufällig mehr Sonnenschein zu einem höheren Anteil an Solarstrom geführt hat. Die schauen doch auch auf ganz andere KPI - in meinem Beispiel wahrscheinlich: Zubau von Paneelen, Gewinnung von Neukunden oder ähnliches - deren Erreichen eben von der Performance des Mitarbeiters abhängt. Natürlich wird es, sowohl im Fussball als auch in der Industrie usw., immer auch weiche Faktoren geben (Mitarbeiter- oder Kundenzufriedenheit als Paradebeispielen in beiden Bereichen), aber bei den “harten Fakten” wird man doch auf solche schauen, die so wenig zufallsgeprägt sind wie möglich.

Metriken wie xG sind zwar nicht perfekt, aber immerhin besser geeignet. Ich nehme auch an, dass diese sicher angeschaut werden, um komplette “Freakspiele” aus der Wertung zu nehmen. Aber mich würde interessieren, wie stark das Ergebnis und der Tabellenplatz eine Rolle spielen und wie tief man in andere Metriken eintaucht, um einen Trainer zu bewerten.

Ich fände es sehr spannend, wenn ein Verein das konsequent probieren und durchziehen würde. Wirklich völlig unabhängig von Ergebnissen und auf besser messbare Werte abstellen und auch dann am Trainer festhalten, wenn die Ergebnisse schlecht sind, weil man davon ausgehen kann und muss, dass es ohnehin eine Regression zur Mitte geben wird. Zumal man dann sogar überlegen kann, welche Werte die eigentlich spannenden sind. Steht bei einem Verein wie der Eintracht, die Spielerentwicklung über dem xG oder andersherum? Und wie misst man die? Usw.

Der hier im Forum schon öfter mal zitierte Christoph Biermann (‘Die Tabelle lügt immer’ - absolut lesenswert) würde Dir sofort zustimmen, hat aber in einem Interview auch mal (sinngemäß) gesagt, dass er das Problem sieht, dass man mit dem Verweis auf den Zufall als Grund einer schlechten Serie allen Beteiligten ein großes Stück Motivation wegnimmt. Hätten Toppmöller oder Krösche gegenüber der Mannschaft die höchstwahrscheinlich richtige Aussage getroffen “entspannt euch mal, ist nur Zufall - was ihr macht ist egal, irgendwann glättet sich die Statistik wieder” dann hätten sich die Spieler halt alle entspannt. Gleichzeitig wäre der Trainer teilweise entmachtet worden, denn es ist eh der Zufall, der die Krise bewältigen wird und nicht der schlaue Taktiker am Spielfeldrand. Beides (Tiefenentspannung und Autoritätsverlust) kann kein Trainer oder Sportdirektor wollen. Also handelt man, denn damit gibt man der Situation einen Sinn und Struktur, was wir alle lieber haben als chaotischen Zufall. Also kurz zusammengefasst: es ist die Psychologie. Krösche wird das wahrscheinlich wissen.

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Puh, wenn das wirklich so ist, finde ich es eigentlich noch schlimmer, als wenn die Beteiligten wenigstens vom Sinn der Handlungen überzeugt wären.

Bitte versteh mich nicht falsch: ich bin absolut nicht dafür, dass man den Spielern sagt, es sei alles nur Zufall und ihre Leistungen wären egal. Das stimmt ja auch nicht. Aber auch gegenüber den Spielern kann (und sollte) man offen kommunizieren und sagen, was gut gelaufen ist und nur durch Pech nicht funktioniert hat und was schlecht gelaufen ist und vielleicht durch Glück trotzdem geklappt hat.

Ich habe lange Juniorenteams im halbwegs ambitionierten Bereich trainiert und weiss, wie schwer es ist Spielern zu vermitteln, dass das Ergebnis nicht alles und nunmal zufallsabhängig ist. Aber selbst mit denen und ohne OptaDaten und ähnliches, konnten wir konsistentere Metriken einführen anhand derer wir die Leistungen bewertet haben.

Wenn du in einem Spiel nur eine Chance hast, die aber reingeht, während der Gegner 5 Aluminiumtreffer sammelt, dann war es trotz Sieg keine überzeugende Leistung und hat massiven Einfluss auf die Gestaltung des nächsten Trainings.

Zurück zur Eintracht: Handeln, nur um zu Handeln fände ich sehr fragwürdig und kontraproduktiv. Wenn man einen Trainer, von dessen Leistung man eigentlich überzeugt ist, entlässt, nur weil man glaubt, dass andere Leute nicht verstehen, wie gross der Einfluss von Zufall ist, dann sollte man doch vielleicht eher über die Kommunikationsstrategie (nach Innen und Aussen) nachdenken.

Das kann man so sehen, finde ich durchaus, aber die Handelnden sind ja auch von der Sehnsucht getrieben, ihrem Handeln einen Sinn zu geben. Insofern ist es halt sehr menschlich, dem Zufall keine ausschlaggebende Rolle zuzuschreiben. Zu Krösche: ich denke er hat es verdeckt angesprochen, indem er das Bild des ‘sich Verhakens’ von Mannschaft und Trainer bemühte. Da steckt eine Menge, ‘die sind eigentlich alle gut, aber ein unvorhersehbares Detail im Schicksal hat ihre Bemühungen untergraben’ drin. Ich würde das alles aber nicht überhöhen - es sind schon so viele gute Trainer von der SGE weggegangen, mit oder ohne guten Grund - die einzige Sache, die wirklich zählt, ist, wer der Nachfolger wird. So, jetzt muss ich aber erstmal die Folge anhören, bevor ich hier weiter Platz verbrauche,

Ich möchte kurz einen kleinen fun fact einstreuen:

Im Kapitel “Fehlender Teamgeist” redet Christopher sich leicht in einen Rausch, aufregende Spiele gegen (vor allem) Dortmund, Niederlagen gegen Bochum&Kiel.

Insbesondere in Bochum (aber auch immer wieder mal daheim) hat die Eintracht sich häufig schwer getan.

Aber die letzte Niederlage gegen Kiel?

Berlin, Preussen-Stadion auf dem Tempelhofer Feld, 01.06.1930, Viertelfinale deutsche Meisterschaft, 4:2

Also seit fast 100 Jahren hat die Eintracht nicht gegen Holstein verloren :smile:

Es gab übrigens auch nur 6 Duelle.

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Einfach noch einmal ganz herzlichen Dank an Max und Christopher für diesen sehr informativen Eintracht-Schwerpunkt, den ich mir gerne bei Gelegenheit noch einmal anhöre.

Ich hatte mir im Vorfeld die Frage gestellt, ob man nicht vielleicht mit der Sendung noch bis “nach Baku” oder bis zur Bekanntgabe des neuen Trainers hätte warten sollen. Der Ansatz, lieber einmal in Ruhe die gesamte Toppmöller-Ära auf bestimmte wiederkehrende Muster hin zu analysieren, erwies sich aber als sehr passend. “Nach Baku” stellt sich die Frage “Kommt nach Dino die Eiszeit?” jedenfalls mit noch mehr sorgenvollen Gedanken im Hinterkopf. Ebenso die Frage des Timings der Trainerentlassung erst(?) nach drei Spielen im neuen Jahr und ungeachtet des eng getakteten Spielplans. Dass die Eintracht zufällig auch im CL-Spiel in der Schlussphase wieder einbrach und eine Führung nach 78 Minuten nicht ins Ziel retten konnte, bestätigte die beschriebenen Muster.

Alles kein Zufall. Sicher, was wäre gewesen, wenn beim Auftaktspiel der Eintracht gegen den BVB die Großchance zum 3:3 in der Nachspielzeit durch eine spektakuläre Torwartparade oder eine Millimeter-Abseitsentscheidung das Glück auf Seiten der Eintracht gewesen wäre? Die Welt wäre eine andere gewesen und Toppmöller heute noch Eintracht-Trainer. Es kam anders. Da selbst vor Ort weiß ich wie Himmel und Hölle sich im Kopf in Sekundenschnelle ein Stelldichein geben. Das ist Fußball. Zufall ist es aber jedenfalls nicht, wenn sich Muster dann immer und immer wiederholen.

Wenn der neue Trainer jetzt kommt, ist es möglicherweise schon zu spät. Der Rucksack ist noch drückender geworden. Aber wer weiß? Arnaud Kalimuendo machte in der Vorstellungs-PK gestern alles andere als einen deprimierten Eindruck. Und warum sollte die Eintracht nicht wieder so spielen können wie gegen den BVB? Möglich ist alles. Wenn auch nicht wahrscheinlich.

Ich fand’s einen großartigen Schwerpunkt. Wann kommt Teil 2 mit all den Themen, die nicht besprochen wurden :wink:

Ich würde ja Karl Marius Aksum von Mjälby feiern. Mit einem Außenseiterteam drei Tage vor Saisonende die Meisterschaft gewonnen und in Schweden ist ja gerade zwischen den Saisona.

In der Sendung hat Christopher Michel den neuen Wunschtrainer beschrieben.
Jetzt habe ich nach dem heutigen Spiel gerade das kurze Video hier angeschaut:

Wenn ich jetzt die gewünschten Eigenschaften so höre und überlege wer das sein könnte, so fällt mir kein deutscher Trainer ein.

Krass wie das jetzt Formen an nimmt. Bei der Eintracht ging es seit 2018 immer nach oben. Und jetzt kommt eine größere Delle.

Alles gute :crossed_fingers: und Bruno Labbadia wäre frei :slight_smile: .

Aus meiner Sicht war Toppmöller der perfekte Trainer für das Krösche Geschäftsmodell:
Er hat nachgewiesener Weise junge Spieler eingebunden und wertvoller gemacht und klaglos akzeptiert, dass die wertvollsten Spieler immer wieder verkauft werden.

Wie Max aus meiner Sicht zurecht bewertete hat die Eintracht in dieser Saison keinen qualitativ ausreichend Kader für die CL. Dies ist an den Ergebnissen in der CL gut erkennbar.

Offensichtlich hat der Kader auch nicht die Qualität, sich das Selbstbewusstsein in der Bundesliga wieder zu erarbeiten. Wie auch, wenn die Mannschaft in der kritischen Phase im Dezember ohne Sturm, ohne zentrales offensives Mittelfeld, ohne defensives Mittelfeld und verunsichern Torwart und Abwehr auflaufen muss?

Und Herr Krösche, der diesen Kader (in einer CL-Saison!) zu verantworten hat entlässt seinen Trainer um einen Impuls zu setzen?

Ich habe kein gutes Gefühl und dieses schlechte Gefühl wird leider durch die beiden Spiele nach Toppmöller bestätigt. Was bleibt der Eintracht, wenn Herr Krösche die Verantwortung für diese Kaderplanung übernimmt und zurücktritt?

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