Wir haben mit Daniel Cottäus (Chefreporter Deichstube, Buchautor, Instagram) über die Lage bei Werder gesprochen und ganz am Ende spontan auch noch über Daniel Thioune. Wie hat euch die Folge gefallen?
Einen viel besseren Gast gibt es da draußen wahrscheinlich nicht. Ich freu mich aufs Hören!
Wenn das so ist, die Aufforderung an alle Bremen-Fans: Thioune in!
Mir gefällt die Folge sehr gut und sie geht ja auch sehr ins Detail. Allerdings hätte gerne auch noch die Thematik um den Aufsichtsrat behandelt gesehen. Für Uneingeweihte: einige Plätze im Aufsichtsrat wurden bei der letzten MV neu besetzt, dabei wurden die bisherigen AR-MitgliederInnen nicht zur Wiederwahl zugelassen, was nicht so richtig begründet wurde. Dadurch durfte der öffentlich sichtbarste (weil präsent in Podcasts & bei Fanclubtreffen) nicht wieder kandidieren und auch der Frauenanteil ist dabei gesunken. (Jetzt ohne größere Recherche aus dem Gedächtnis, bin nicht perfekt sattelfest bei den Details und kenne die Namen nicht aus dem Stand)
Von den vier Mitgliedern (Mitglieder lässt sich übrigens nicht gendern) wurden Harm Ohlmeyer und Florian Weiß erneut zur Wahl zugelassen (und auch beide gewählt) sowie Dirk Wintermann und Ulrike Hiller nicht zugelassen. Da Christina Reuter gewählt wurde, ist der Frauenanteil gleich hoch wie vorher (1/9), allerdings weiterhin deutlich zu niedrig gemessen an dem selbstgesteckten Ziel von 25% Frauenanteil.
Die Nichtzulassung war allerdings wirklich intransparent und es gab auch andere Geschmäckle (z.B.: zu wenige Frauen zugelassen, um den gewünschten Anteil zu erreichen; Zulassung von Harm Ohlmeyer: er ist Investor und war zum Zeitpunkt der Wahl sogar Sprecher der Investorengruppe, hat das Sprecheramt aber mittlerweile abgegeben).
Nix gegen Daniel Cottäus persönlich, aber für mich passen Rasenfunk und Deichstube irgendwie nicht so zusammen. Die ich sehe mit ihrer Art der Berichterstattung und ihrem Geschäftsmodell eher beim Doppelpass. Das mag nur eine Kleinigkeit sein, aber das ständige referieren auf “Leo” passt da als Bespiel ganz gut.
Inhaltlich waren einige interessante Punkte dabei (vor allem alles was Interna angeht) und ich hab die Sendung gern gehört, vielen Dank.
In der Bewertung der Lage bei “den Fans” und insbesondere der Bewertung von der Arbeit von Clemens Fritz ist meine (zugegeben anekdotische) Wahrnehmung als Fan da doch eine deutlich andere: Ich kenne eigentlich niemanden, bei dem Fritz als Spieler besonders beliebt war und auch seine Ernennung zum Ehrenspielführer haben damals in meinem Umfeld viele nicht verstanden. Ja, er war Teil einer erfolgreichen Werder-Zeit, aber im Endeffekt ist deutlich mehr im Gedächtnis geblieben, dass er auch auf dem Feld für den sportlichen Abstieg stand - seine Zeit als Kapitän war eben die von 2013 bis 2017 und da haben weder Werder noch er persönlich durch starke Leistungen geglänzt, vor allem verglichen mit den Jahren zuvor. Das ist als Persönlichkeit eine ganz andere Nummer als Frank Baumann, Kapitän der Double-Mannschaft und Papierkugel-Held. Dem verzeiht man schon mehr, vor allem weil er bei aller Kritik immer sehr reflektiert und angenehm gewirkt hat. Ganz anders als Fritz, der in der Vergangenheit mehr als ein Mal unbeherrscht oder dünnhäutig gewirkt hat (z.B. als Spieler Trainingsprügelei mit Davie Selke; in der Zweitligasaison Auseinandersetzung mit Niklas Füllkrug; Abwiegeln von Kritik in Interviews) und dem bei vielen eher der Ruf eines “Dampfplauderers” anhängt.
Unter Fans war die Kritik jedenfalls ziemlich laut, als er nach einem undurchsichtigen Prozess vom Aufsichtsrat zum “bestmöglichen Kandidaten” und Nachfolger von Baumann ernannt wurde (und dabei u.a. Andreas Schicker vorgezogen). Rein von außen betrachtet hat Fritz bisher jedenfalls die nötigen Kompetenzen zur sportlichen Führung eines Profivereins nicht nachweisen können. Mein Werder-Umfeld besteht hauptsächlich aus Leuten, die sich eher weniger in Social Media-Kommentarspalten und mehr im Stadion rumtreiben und die in der Regel nicht dazu neigen, irgendwelche Rauswürfe zu fordern, aber momentan finde ich da niemanden, der sich wünscht, dass es mit Fritz über diese Saison hinaus weitergeht. Und dabei geht es nicht (nur) um einzelne Transfers oder die Kaderzusammenstellung, sondern das gesamte Bild, dass seine Arbeit über die letzten Monate abgibt (Werner, Art und Weise der Steffen-Entlassung, Svensson-Absage, diese unfassbare Leihen-Transfermarkt-Nummer).
Minimal zu früh aufgenommen ![]()
Bin jetzt bei der Hälfte und bislang finde ich den Schwerpunkt sehr gut sortiert und aufschlussreich. Insbesondere den Teil zu Steffen und warum er vielleicht die Spieler gar nicht so hinter sich hatte fand ich interessant!
Komisch irgendwie, weil ja das von ihm so gelobt wurde, dass er gut mit Spielern kann und eine Gruppe Formen.
Bislang hilft mir der Schwerpunkt ein differenziertes Bild auf die Situation zu entwickeln.
Ich empfinde die Deichstube als durchaus differenziert. ZB hat bei ihnen ja auch Tobi Escher eine feste Rubrik.
Dass über Spieler mit dem Vornamen gesprochen wird, passiert, denke ich, deutlich schneller bei einem Medium, dass sich allein auf einen Verein fokussiert und den dortigen Personen dadurch deutlich näher ist als der Rasenfunk als vereinsübergreifendes Medium.
Ich fands gut, dass man sehr intensiv auf die Kabine einging. Die ist einfach seit Jahren speziell und vielleicht hätte man früher anfangen sollen, einen frischen Wind hineinzubringen, wie man es mit Stage und Lynen ja erfolgreich geschafft hat. Man kann sich richtig vorstellen, was für multiple Eigeninteressen auf Steffen eingeprasselt sind, neben den eigentlichen Dingen, für die er angestellt wurde und wo man als Bremen große Hoffnung hatte und irgendwie gabs dann niemand, der das Profil nochmal klar gezogen hat.
Das beste war jedoch, dass der erste Pro-Grund für Fritz war, dass er ja Ehrenspielführer ist, was ja schon damals als er den Job bekommen hat, für mich der wichtigste Grund schien ![]()
Im Übrigen halte ich es wie schon bei Boldt: Im Sommer ist eine Neuausrichtung zu spät und man riskiert zusätzlich die nächste Saison zu verhauen. So wie eben der späte Entlassungszeitpunkt von Boldt dazu führte, dass sein Nachfolger kaum Gelegenheit hatte, sich eine Meinung zum Trainer zu bilden was fast zum Nicht-Aufstieg geführt hätte, wäre es nicht eine sehr schwache zweite Liga gewesen.
Absolut. Bei den Mainzer Podcasts, die ich höre, wird auch immer von Nadiem, Bello, Nelly oder Titi (Caci) geredet. Das kommt einfach daher, dass wenn man so viel von auch den vereinsnahen Medien (inklusive wirklicher Vereinsmedien) konsumiert, dann hört man mehr und mehr Leute, die eben nur diese Namen nutzen und man identifiziert sich ja am Ende dann auch so mit dem Team und kennt die Leute in einem Detail, dass ein Nachname irgendwie fast komisch wäre.
Ich fand den Schwerpunkt insgesamt gut, hat für mich einiges zusammengefasst und ein paar Punkte ergänzt, die ich bisher nicht so auf dem Schirm hatte. Vielen Dank.
Beim Thema Kabine kam mir der Gedanke, dass Ole Werner wohl einen guten Riecher hatte. Er hat in einem längeren Prhrasenmäher-Interview davon gesprochen, dass entweder die Trainerposition bei Werder verändert werden musste oder einige zentrale Spieler getauscht werden müssen (oder so ähnlich). Das wäre wohl der Hauptgrund für seinen Abschied gewesen. Scheinbar ist die Kabine nicht so einfach bei Werder.
Zum Thema Deichstube musste ich schon schmunzeln als Daniel Cottäus behauptet er hätte sich mehr Zeit für den Trainer gewünscht. Gleichzeitig räumt er ein, dass der Druck auch von den Medien und der Deichstube zu hoch war, als dass es weitergehen könnte. Das ist schon irgendwie scheinheilig.
Ergänzung: irgendwie ist bei mir auch der Eindruck entstanden, dass es schon im Bereich des Möglichen liegt, dass Svensson Bremen “abgesagt” hat, um einer Absage von Bremen uzvor zu kommen. Er steht damit natürlich besser da, ob Werder ihn wirklich lieber gehabt hätte als Thioune bin ich mir nicht mehr so sicher.
Wir durften Daniel Thioune in Düsseldorf zuletzt 3,5 Jahre erleben. Wie Ihr auch schon gesagt habt, ist er ein überragender Typ, menschlich über jeden Zweifel erhaben. Klar in seinen Aussagen, rhetorisch stark, sympathisch, dazu ehrlich und ein Sportsmann, der bei unsportlichem Verhalten auch einmal die eigenen Spieler kritisiert. Auf der Ebene habe ich kaum Bedenken, er wird auch mit der Mannschaft gut zusammen kommen. 2022 hat er in Düsseldorf bewiesen, dass er eine Mannschaft - wenn auch in der 2. Liga - unten raus führen kann. Und wenn es vor allem darum geht, die Köpfe frei zu bekommen und den Verein im Abstiegskampf auch nach außen hin zu moderieren, dann ist ihm das absolut zu zutrauen.
Die fehlende Erstligaerfahrung hat jeder Bundesligatrainer am Anfang, in Hamburg und Düsseldorf ist medial kaum weniger los als in Bremen, ich glaube nicht, dass dies ein Faktor ist.
Kommen wir zum Sportlichen. Da hat Max vollkommen richtig darauf hingewiesen, dass er größtenteils in Düsseldorf Viererkette gespielt hat. Im Winter 24/25 gab es mal eine kurze Abkehr zur 3er/5er Abwehr, aber ansonsten war die 4er Kette, meist im 4-2-3-1 oder je nach Interpretation 4-3-3 sein Go-To System. Auch, wie man vernehmen konnte, auf Wunsch der Mannschaft, die sich darin am wohlsten fühlte (interessanterweise spielt Fortuna zuletzt unter Anfang zunehmend erfolgreich mit 3er-Kette). Aber so gesehen passt dies nicht unbedingt zu den von Euch geäußerten Vorstellungen des Werder-Teams, aber Thioune ist da weder dogmatisch noch unflexibel, sodass er sich da durchaus den Stärken des Teams anpassen kann und wird.
Das ist auch ein guter Übergang zu seiner Spielidee, die - wenn auch nicht so extrem wie bspw. bei einem Lukas Kwasniok - durchaus von Anpassungen an den jeweiligen Gegner lebt, auch wenn die Defensivformation dabei meistens gleich blieb. Der eigene Stil war in Düsseldorf zuletzt eher von einem abwartenden Defensivstil geprägt. Böse Zungen sprachen fast von passiv. Zuletzt war es auch weniger Kurzpassspiel und eher lange Bälle, um das Gegnerpressing zu überspielen auf einen entsprechenden Zielspieler. Aber das ist natürlich auch immer von der Qualität der eigenen Spieler abhängig. Größter Kritikpunkt hier: eine gewisse Eindimensionalität zuletzt, die gerade für das Offensivspiel nicht förderlich war. Und da kommen wir zu meiner Skepsis. Nach allem, was ich höre, drückt der Schuh momentan vor allem in der Offensive und da ist von meinem Eindruck her Steffen eigentlich der geeignetere Trainer. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass Thioune auch stets von starken Offensivindividualisten wie Christos Tzolis profitiert hat.
Grundsätzlich kann ich mir schon vorstellen, dass er mit seiner Energie das Team erreicht und auch vielleicht die ein oder andere Blockade lösen kann. Ob er es dann auch taktisch schafft, Bremen weiterzuentwickeln, das wird die spannende Frage der nächsten Wochen.
Ich drücke Bremen und Daniel Thioune auf jeden Fall die Daumen.
@LBBDK Die Geschmäcker sind hier offensichtlich verschieden. Ich komme selbst nicht aus Bremen, bin nicht wirklich nah dran am Geschehen, und fand Daniel Cottäus’ Perspektive auf die Dinge in diesem Gespräch sehr interessant und informativ.
Es gibt nie den einen perfekten Gesprächspartner für so einen Schwerpunkt, der alles abdeckt. Fan, Fußballphilosoph, Taktik-Spezialist oder lokaler Sportjournalist: Die Perspektive ist jedesmal eine andere. Anders als bei der Hoffenheim, Heidenheim, Bielefeld oder Darmstadt ist Werder auch kein Verein, wo man 10 Jahre in Folge zweimal im Jahr einen Rasenfunk-Schwerpunkt mit ein und derselben Person machen würde (keinerlei disrespect; Grüße gehen raus an @der_loeser).
Ein Redakteur bei der Deichstube ist in einer etwas speziellen Position: Man kennt die einschlägigen handelnden Personen seit Jahren und muss sich bei keiner PK mehr selbst namentlich vorstellen. Insgesamt gibt es eine große Nähe zum Verein - ich wäre fast geneigt (qua Ferndiagnose von hier aus Leipzig), die Kreiszeitung Syke inkl. Deichstube zu einem Teil der Werder-Familie zu erklären. Siehe auch die Schaaf-Biographie inkl. Lesetour. Aus dieser Nähe zum Verein ergibt sich vermutlich, dass man nur zögerlich den Kopf eines Werder-Verantwortlichen fordern wird, mit dem man dreimal in der Woche zu tun hat, und auf den man für die eigene Arbeit auch ein Stück weit angewiesen ist.
Andererseits: Der Unmut der Fans fokussiert sich aktuell stark auf Clemens Fritz. Mir persönlich hat Daniel Cottäus geholfen, die Binnenperspektive von Werder besser zu verstehen. (Verstehen und akzeptieren sind hier zwei verschieden paar Schuhe.) Unter Werder-Fans wird gern kopfschüttelnd daran erinnert, dass Clemens Fritz seinerzeit im Ergebnis eines ausgefeilten Recruiting-Prozesses zum bestmöglichen Baumann-Nachfolger gekürt wurde, und sich hier u.a. gegen Andreas Schicker durchsetzen konnte. Sehr wahrscheinlich ist Schicker der um Längen bessere Manager. Und andererseits wird bei Werder aus Gründen der Organisationskultur absehbar eher jemand wie Clemens Fritz „funktionieren“.
Ich bin nach dem Hören dieser Rasenfunk-Folge von Clemens Fritz immer noch nicht überzeugt. Ich bin aber weniger optimistisch als vorher, dass Werder allein durch eine Veränderung auf seiner Position entscheidend vorankommen würde.
Gute Folge bisher, danke an Max und Daniel (dessen Buch ich übrigens gerade gestern angefangen hatte - gutes Timing)! Eine Sache würde ich ergänzen, als die Verletzungen aufgezählt wurden, haben beide Felix Agu vergessen, den ich fast als den schwerwiegendsten Ausfall sehe.
Klar, Weiser fehlt natürlich auch und ist im Vakuum betrachtet sicherlich der bessere Spieler. Aber rechts hat man Sugawara, der zwar auch seine Schwächen hat, aber zumindest die Position klar und verlässlich besetzt.
Während links Friedl und Mbangula aushelfen mussten, wo ihr ja auch im Podcast erwähnt, dass ihnen das nicht unbedingt gut tat. Und man auch den eigentlich schon aussortierten Deman, an dem es ja im Winter wohl Interesse gab, nicht verkaufen konnte etc.
Aber zur Frage im Titel der Folge, es war auf jeden Fall der erste Trainerrausschmiss aus sportlichen Gründen bei Werder, an den ich mich gerade erinnern kann (mag sein, dass ich wen vergesse), der mich nicht spontan optimistischer macht, als ich es davor war. Ich denke, der Hauptteil der Probleme Werders liegt woanders.
Und meine größere Sorge ist eher, wie nach einem Klasssenerhalt (da bin ich schon noch eher zuversichtlich, aber man wird sehen), der Kader für nächste Saison gemacht werden soll, wo man einerseits einen großen Gewinn machen muss, den man die letzten Transferperioden über herausgeschoben hat, aber eigentlich schon ohne die Leihspieler keinen funktionsfähigen Kader hat.
Da muss man ja schon hoffen, dass man mit Coulibaly alleine den nötigen Gewinn machen kann und noch ein bisschen was übrig hat. Und dass dann die für die Transfers Verantwortlichen plötzlich ein deutlich besseres Händchen haben, und Soforthilfen für die Mittelstürmerposition, die Außenverteigerpositionen (je nachdem wie Weiser und Agu aus ihren Verletzung zurückkehren), und in der Innenverteidigung finden. Plus noch dringend benötigten Ersatz für einige Positionen. Da wird es wirklich einen großen Umbruch brauchen, bei dem diejenigen, die ihn wohl gestalten werden müssen, mich bisher noch nicht davon überzeugt haben, dem gewachsen zu sein
Folge fand ich super. Den Part mit Horst Steffen als Pädagoge fand ich beim heutigen Hören noch würziger, da mit Thioune jetzt ja einfach ein gelernter Erziehungswissenschaftler geholt wurde, von denen wimmelt es ja vermutlich im Profifußball jetzt auch nicht.
Zu Clemens Fritz hat mich die Aussage gewundert, dass seine Position, wenn überhaupt, im Sommer prüfen sollte. Ich gehe davon aus, dass die sportlich Verantwortlichen jetzt bald recht intensiv in der Vorbereitung für den Sommer sind, egal wie die nächsten Monate laufen, man muss da ja richtig viele Entscheidungen bei Personalien treffen. Alleine schon wegen den Leihen (wo der HSV übrigens mehr hat als Bremen, es aber circa ein Viertel so oft als Problem thematisiert wird). Das heißt: wenn du ab Sommer 2026 jemand anderen an der Position von Fritz haben wollen würdest, der eine Transferperiode gut vorbereitet, müsste man da jetzt demnächst eine Entscheidung treffen. Das Argument mit dem Chaos kann ich natürlich nachvollziehen, das gäbe es aber bei einem Sommerwechsel mindestens genauso sehr, das kenne ich ja aus Hoffenheim ![]()
@MettMitkartoffel hat das schon gut zusammengefasst. Ich meine, dass DT im Abstiegskampf der Bundesliga grundsätzlich eine sehr gute Besetzung ist. Fürs Teambuilding m.E. eine Topbesetzung. War bei der Fortuna bis zuletzt ein Sympathieträger. Und viele Fortuna-Fans, die die Entlassung (wenn auch in keinster Weise de Nachfolge) als letztlich unvermeidlich einschätzten, haben es menschlich total schade, dass es mit diesem sympathischen und authentischen Menschen einfach nicht mehr weiterging.
Wie @GNetzer richtig anmerkte, sind die Experimente mit der Dreierkette bei der Fortuna allerdings ziemlich daneben gegangen.
Ich wünsche Werder und DT, dass es an der Weser klappt!
gegen starke Gegner (bspw Bochum in der Relegation) habe ich es so in Erinnerung, dass es häufig ein sehr flaches 4-3-3 war, also mit drei 6ern statt zwei 8ern. Ist das richtig?
Das man trotz dieser defensiven Positionierung Chancen herausgespielt hat, lag an der (für die zweite Liga) außergewöhnlich hohen individuellen Klasse von Tanaka und Johannesson. Erst nachdem Thioune diese individuelle Klasse im Mittelfeld genommen wurde, hat er versucht, das Zentrum durch Umstellung auf 3 IVs zu schließen.
Auf Bremen übertragen wäre das Mittelfeldzentrum im 4-3-3 angeordnet Stage-Lynen-X und bei X fehlt mir ehrlicherweise jegliche Fantasie, wer diese tief interpretierte 8er Rolle als Gegenstück zu Stage ausfüllen soll. Am ehesten Bittencourt, aber wohl kaum für 90 Minuten. Auf gar keinen Fall Schmid oder Puertas, die könnten das (äquivalent zu bspw Appelkamp) nichtmal in der zweiten Liga auf dem Niveau von Tanaka+Johannesson machen. Und dahinter wirds ganz dünn, da bist du dann eigentlich schon bei U19 Spielern Adeh/Covic.
Also sehe ich auch bei Thioune wieder eine Fünferkette. Werner und Steffen haben ja bei Bremen nicht aus Überzeugung Fünferkette spielen lassen, sondern weil ihre Analyse ergeben hat, dass du mit diesem Kader drei IVs brauchst, um die fehlende Kadertiefe im zentral defensiven Mittelfeld zu kompensieren. Dazu noch die Thematik mit den sehr offensiv orientierten Außenverteidigern. Auf ihren vorherigen Stationen haben beide genau wie Thioune fast ausschließlich Viererkette spielen lassen und laut Transfermarkt spielt Werner bei Raba jetzt auch wieder durchgehend Viererkette.
Irgendein Bittencourt&Stark Konstrukt ![]()
Ne, also im ernst, bin völlig bei dir. Stark hatte zwar tatsächlich laut tm.de fast 100 Spiele als 6er, aber die stammen alle aus seiner Zeit bei Hertha&Nürnberg.
Ich wüsste auch tatsächlich gar nicht, welche Aufstellung ich präferieren würde momentan.
Die Spiele in Freiburg und gegen Bayern drängen nun erstmal auch zu nem defensiverem Ansatz, vor allem weil Thioune gerade erst angekommen ist und das doch häufig die go-to-Lösung ist in solchen Momenten.
Bei Freiburg bereitet mir deren Bank bzw. Flexibilität große Sorgen. Da sind nach Auswechslungen einerseits nicht so große Leistungsabfälle zu erwarten und zweitens kommen teils ganz neue Profile rein, auf die man auch vorbereitet sein muss. Das ist bei Freiburg, wie ich finde, extremer als bei den meisten Teams.
Wenn Beste&Treu auf einer Seite spielen und Manzambi mit angreift, hast da theoretisch ne Lücke, die Maxi Eggestein aufgrund geringer Geschwindigkeit nicht schließen kann. Da könntest überladen, also für Werder offensiv links.
Scherhant wird in Sugawaras Rücken Platz finden, um in die Mitte zu ziehen, sprich der RIV - vermutlich Malatini - müsste dort häufig übernehmen können.
Grifo macht mir tatsächlich aus dem Spiel keine großen Sorgen und wäre mir entsprechend lieber. Bei Standards ist er natürlich immer eine absurde Gefahr, aber das kann man Werder dann ggf. nicht unbedingt ankreiden, außer das Foul wäre super unnötig oder die Mauer steht albern.
Gegen Bayern stellt sich vermutlich die Frage, ob man einfach zwei schnelle Spitzen möchte oder einen Spieler, um die Bälle festzumachen.
Alternativ könntest ein 5-4-1 mit Doppelsechs, normalen LM (Grüll/Mbangula) und RM (Schmid) spielen, vorne Njinmah, und einfach hoffen, dass er vorne 1-2 mal das Laufduell gewinnt und trifft.
So wären die AV nicht allein, sprich du kannst Olise/Diaz/x mindestens situativ doppeln und im Zentrum Manndeckung spielen. Wenn du Stage auf Kane ansetzt (ähnliche Physis) und Kane sich fallen lässt, hättest bei nem Ballgewinn sofort unseren Topscorer offensiv postiert ![]()
Wie man mit der Mannschaft danach gegen fcsp&Heidenheim spielen möchte bereitet mir Kopfzerbrechen. Tabellarisch betrachtet müssen die ja noch doller gewinnen als Werder (davon ausgehend, dass sie nicht an Sp.21&22 an Werder vorbeiziehen).
Ach ich weiß es nicht, @Kaer rette uns bitte ![]()
Wie so oft, kam es immer darauf an, wie man das interpretiert. 23/24, also auch in der Relegation war es meist besagtes 4-2-3-1 ohne Ball, mit Ball 4-3-3. Aber die vermeintlich vorgezogene Position - 10er stimmt dann in der Tat nicht - wurde gerne mal von einem 8er übernommen wie beispielsweise Ao Tanaka, den ich weder als 6er noch als 10er bezeichnen würde. Zusammen mit Engelhardt (weitere individuelle Klasse, die ihm 24/25+ fehlte) und Sobottka war das schon eine kompakte Zentrale. Grundsätzlich übrigens auch ein Stilmittel Thiounes, das ZM allein personell zu überladen, um dort die Kontrolle zu gewinnen. Ob das mit Bremen qualitativ möglich ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
24/25 wurde eine ganze Weile so weiter gespielt, aber als im Herbst die Tabellenführung verloren ging und Fortuna aus den oberen Rängen flog, stellte er Anfang Dezember auf ein 3-5-2 um. Jóhannesson spielte eine größere Rolle, er hat aber nicht die gleiche Defensivqualität wie Tanaka oder Engelhardt, ist dafür offensiv stärker. Dennoch stimmt es natürlich, dass er weniger Qualität zur Verfügung hatte. Der Systemwechsel hatte zwei weitere Gründe: 1. Fortuna war mittlerweile ziemlich ausrechenbar geworden, die Gegner auf Positionierungen und Spielaufbau eingestellt, außerdem kam Jamil Siebert nach langer Verletzung als IV zurück, Thioune wollte aber Hoffmann und Oberdorf personell nicht opfern. Fortan war die Zentrale immer aus einem 8er (meist Jóhannesson) und einem klaren 6er (Zimmermann, Heyer) besetzt. Nach dem Winter ging es aber meist (mit wenigen Ausnahmen) zurück ins alte 4-2-3-1, auch weil die Mannschaft sich dafür ausgesprochen hatte.
Ich hatte es ja schon geschrieben, Thioune wird sich schon den Gegebenheiten des Kaders anpassen und nicht gnadenlos sein Ding durchziehen, weshalb er vermutlich auch erst einmal in der 3er/5er-Ketten Formation starten wird. Es würde mich aber zumindest nicht wundern, wenn man in Bremen im Laufe der Rückrunde auch einmal die 4er-Kette zu Gesicht bekommt.
Die Geschmäcker sind hier offensichtlich verschieden. Ich komme selbst nicht aus Bremen, bin nicht wirklich nah dran am Geschehen, und fand Daniel Cottäus’ Perspektive auf die Dinge in diesem Gespräch sehr interessant und informativ.
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Ein Redakteur bei der Deichstube ist in einer etwas speziellen Position: Man kennt die einschlägigen handelnden Personen seit Jahren und muss sich bei keiner PK mehr selbst namentlich vorstellen. Insgesamt gibt es eine große Nähe zum Verein - ich wäre fast geneigt (qua Ferndiagnose von hier aus Leipzig), die Kreiszeitung Syke inkl. Deichstube zu einem Teil der Werder-Familie zu erklären. Siehe auch die Schaaf-Biographie inkl. Lesetour. Aus dieser Nähe zum Verein ergibt sich vermutlich, dass man nur zögerlich den Kopf eines Werder-Verantwortlichen fordern wird, mit dem man dreimal in der Woche zu tun hat, und auf den man für die eigene Arbeit auch ein Stück weit angewiesen ist.
Ich hoffe das ist oben bei mir durchgekommen, aber ich formuliere es nochmal ganz deutlich: Ich hab wirklich gar nichts gegen Daniel Cottäus persönlich und fand die Folge auch gut und informativ.
Ich hab nur große Probleme mit dem Geschäftsmodell der Deichstube, welches (neben den zahlreichen tatsächlich vorhandenen Informationen die sie bekommen) zu großen Teilen aus reißerischen Clickbait-Überschriften und vielen Spekulations- und Meinungsartikeln besteht. In Kombination mit der von dir beschriebenen Nähe und Abhängigkeit vom Verein halte ich den ganzen Laden für ein perfektes Beispiel für Vieles, was im modernen Fußballjournalismus schief läuft und damit für mich quasi den Gegenentwurf zum Rasenfunk. Die müssen aufgrund des Geschäftskonstrukts als komplett Werder-bezogene, kommerzielle Ausgründung halt täglich massenhaft an Werder-Content produzieren und das geht eben stark zulasten der Qualität und in meinen Augen auch der journalistischen Standards - da können die einzelnen Mitarbeiter*innen ja individuell nicht mal unbedingt immer was dafür. Ich will damit auch nicht fordern, dass man keine Deichstuben-Redakteure mehr einlädt (Gendern bei 0 Frauen in der achtköpfigen Redaktion unnötig), das wäre ja völlig vermessen. Meine subjektive (Bremer) Fan-Sichtweise dazu zu äußern war mir aber trotzdem wichtig.
Ansonsten: Daniel Thioune empfinde ich in seinen Auftritten als sehr angenehm und sympathisch und hoffe, dass es ihm gelingt, sportlich das Ruder rumzureißen. Wichtig wäre dafür in meinen Augen vor allem (ganz phrasenhaft), den Offensivpielern Selbstvertrauen zu geben und Mbangula, Schmid und Stage entsprechend ihrer Stärken einzubinden. Ich bin verhalten optimistisch, was den Klassenerhalt angeht.