Wir haben mit Julia Möhn (Geschäftsführerin von Fußball kann mehr, Instagram, LinkedIn) über den aktuellen Jahresbericht von Fußball kann mehr und ihre Arbeit generell gesprochen. Wie hat euch die Sendung gefallen?
Sommerloch ist auch ein Fremdwort für Max.
DB kündigt Verspätung an und der Rasenfunk veröffentlicht ein Tribünengespräch. Perfektes Timing und freue mich schon auf das Tribünengespräch. ![]()
Dass der Fußball stockkonservativ ist, war ja keine Überraschung, aber es ist dann schon erschreckend, wenn man so etwas noch einmal hört. Ich frage mich ja immer, was zB ein Herr Hoeneß sagen würde, wenn er so ein Podcast hören würde, der für mich sinnbildlich für den „alten“ Fußball steht und ob da wirklich ein Problembewusstsein besteht. Beim Tribünengespräch mit Jupp Nehl hatte ich zB nicht das Gefühl, dass er ein Problembewusstsein dafür hatte.
Dazu finde ich es immer erschreckend, dass ich, der sich schon als überdurchschnittlich informierter und kritischer „Fußballfan“ einstufen würde, solche Projekte immer erst durch den Rasenfunk erfahre. Danke dafür! Macht für mich den Rasenfunk ein bisschen aus. Es gibt wenige andere (Fußball-) Podcasts, die nicht nur informativ sind, sondern auch extrem bei der Selbstreflexion helfen…
Beim Thema bezüglich Positionen mit sportliche Verantwortung machen die Männer sich doch viel zu einfach. Als ob es keine Frauen geben würde, welche die nötige Qualifikation haben, wobei ich generell bezweifle, dass die Qualifikation immer der Hauptgrund für die Verpflichtung von Positionen im sportlichen Bereich sind… und darin dürfte schon ein Problem liegen.
Mich würde zB wirklich interessieren, wie der Recruiting-Prozess von Horst Heldt bei Union Berlin aussah.
Als ich den Podcast gehört habe, musste ich an die Rooney Rule bei der NFL denken. Haltet ihr so etwas für den (Männer-)fußball als „radikale“ Lösung für möglich?
Danke für das interessante Tribünengespräch. Ich habe gerade schon versucht, diesen Jahresbericht mal darauf hin durchzusehen, wie es mit meinem Club, dem SV Darmstadt 98 aussieht und mein Eindruck ist, dass nicht berücksichtigt ist, dass wir seit Jahren im Präsidium mit Anne Baumann eine Frau (…ja, leider nur eine Frau) haben, die für die Finanzen zuständig ist. Ich habe „Fußball kann mehr“ gleich mal angeschrieben. Ich hätte sie ins Top-Management verortet, aber vielleicht sind da nur die drei männlichen Geschäftsführer geführt.
Danke für dieses Tribünengespräch.
Der Rooney Rule wird mWn nicht nachgesagt, irgendetwas radikal gelöst zu haben. Nur die Zahl der erzwungenen Lippenbekenntnisse ist sprunghaft gestiegen. Haufenweise Fake-Interviews ohne ernsthafte Einstellungsabsicht.
Die Rule wurde wegen der klaren Diskrepanz zwischen der Zahl der afroamerikanischen Spieler einerseits (weit über die Hälfte) und Cheftrainer/Management anderseits (gegen Null) eingeführt. Ein solches Missverhältnis gibt es im BL Fußball vielleicht ebenfalls was die Hautfarbe angeht, nicht aber was das Geschlecht angeht. Die Rule ist also bezüglich des Geschlechts keine Lösung, weil es aus Sicht der Rule kein Problem gibt.
Radikal in der Hinsicht, dass ich mir schon vorstellen würde, dass der Aufschrei ziemlich groß wäre, wenn man für Führungspositionen auch immer eine Frau interviewen müsste, wenn Sie extern besetzt wird. Nein, die Regel hat das Problem nicht gelöst, aber es wäre ein Hebel, um mindestens mehr Frauen mal ins Gespräch zu bringen, was schon einmal eine Verbesserung wäre.
Aber ja, der Vergleich hinkt natürlich bezüglich des Grundes der Rooney Rule, da es im Männerfußball tatsächlich weniger Spielerinnen gibt, aber es war halt meine erste Assoziation, da ich mich gefragt habe, was wohl eine Lösung sein könnte.
Ich habe beim Anhören auch wegen der gleichen Beobachtung in den Bericht geschaut und ihn überflogen. Sie wie ich es verstehe, könnte das „Problem“ sein, dass die Präsidiumsmitglieder in Darmstadt alle ehrenamtlich sind (ich weiß nicht wie das in den anderen Konstrukten die es im Bereich der DFL so gibt ist) und so wie ich es im Tribünengespräch verstanden habe, bezieht sich der Bericht ausschließlich auf bezahlte Verantwortungsträger:innen. Dadurch kommen „klassische“ Vereine wie Darmstadt mit ehrenamtlichem Präsidium und ohne Aufsichtsrat (weil die Mitgliederversammlung das Kontrollgremium ist) automatisch in zwei der Listen nicht vor und das weibliche Präsidiumsmitglied wird auch nicht mitgezählt. Ändert natürlich nichts daran, dass es bis ist, dass in der Statistik, wo man berücksichtigt wird, auch nicht gut da steht.
Ich warte jetzt einfach mal, was „Fußball kann mehr“ mir auf meine Mail antworten wird. Vielleicht antwortet Julia Möhn ja auch hier im Forum.