„Argumentation aus persönlicher, männlicher Perspektive ohne strukturellen Überbau“ – das möchte ich wirklich nur sehr ungern so stehen lassen.
Ich habe hier, in diesem, Forum, tatsächlich über die vergangenen Jahre sehr viel über mich, über gesellschaftliche Themen und auch über Fußball gelernt und auch die offene Diskussionskultur total geschätzt. Aber mittlerweile wird hier leider zunehmend undemokratisch agiert, weil Diskussionen an manchen Stellen nicht passend bezeichnet werden oder, wie hier passiert, den Diskutanten „der strukturelle Überbau“ abgesprochen wird. Das sind ziemlich krasse Aussagen, die in einer solch hierarchischen Struktur (Podcast-Betreiber – Podcast-Forums-User) äußerst problematisch sind und eine vermeintlich offen vorgelebte Diskussionskultur sehr negativ beeinflussen.
Ich bestreite weder, dass es strukturelle Probleme gibt (siehe letzter Satz), noch behaupte ich, dass es überhaupt keine Probleme gibt. Aber dazwischen gibt es unendlich viele Grautöne.
Dass ich aus männlicher Perspektive formuliere, ist naturgegeben so, dafür kann ich leider nichts. Sollte man dann für die Zukunft überlegen, dass man Diskussionen über Feminismus/Sexismus nur noch von Frauen durchführen lässt? Ist das die Lösung? Schon allein den Begriff „Nutzwert“ in Bezug auf Frauen höre ich tatsächlich so zum ersten Mal (interessanterweise von jemandem (sic!), der anderen sagt, was in Bezug auf das Thema richtig und falsch ist).
Aber: Wie soll denn eine Gesellschaft mit patriarchalen Strukturen abgeschafft werden, wenn man Männern per se abspricht, darüber diskutieren zu dürfen/können? Ich beanspruche ja nicht, dass ich weibliche Erfahrungen diesbezüglich besser kenne, aber wenn nur Betroffene sprechen dürfen, können viele gesellschaftliche Themen gar nicht mehr diskutiert werden.
Ich versuche persönlich und beruflich aktiv, Themen, die beispielsweise Mädchen und ihre Geschlechteridentität stärken, in meiner Arbeit zu integrieren (struktureller Überbau z. B. hier: Vervecken, Dries & Hannover, Bettina (2015): Yes I Can! Effects of Gender Fair Job Descriptions on Children’s Perceptions of Job Status, Job Difficulty, and Vocational Self-Efficacy. Social Psychology.). Ich schreite aktiv ein, wenn ich inadäquates Verhalten wahrnehme, in welche Richtung auch immer.
Aber jede Pauschalisierung, egal zu welchem Thema, bringt niemanden und nichts weiter, alle Männer sind Sexisten, jedes Kompliment ist sexistisch, alle Frauen haben immer Nachteile, das stimmt einfach nicht. Dass man diese Perspektive nicht aufmacht, um sie ggf. in Verbesserungen einfließen zu lassen, empfinde ich als sehr schade. Dazu bot das „Kompliment“-Beispiel vielfältige Anschlussmöglichkeiten, auch aus meinen persönlichen Erfahrungen und Einstellungen. Nicht objektifizierte Komplimente sollten z. B. immer okay sein.
Damit beende ich hiermit aber auch meine Diskussionsbeiträge.