Ich habe drei Anmerkung zur Diskussion zum das Schweiz-Spiel:
Zur Spider-Cam-Szene: Auf Grundlage der Videos, die ich gesehen habe, kann ich eine Berührung am Kabel nicht erkennen. In Zeiten der modernen Fußbälle (grade von adidas) ist ein Ball, der plötzlich nach unten fällt, nichts, was wir nicht schon gesehen hätten. Und mit einem entsprechenden Drall (Stichwort: Magnus-Effekt) lässt sich die Flugbahn m.E. gut erklären. Dazu kommt dann noch, dass der Chip im Ball keinen Ausschlag gezeigt hat. Die On-Field-Entscheidung war Tor. Auf welcher Grundlage hätte der VAR denn da eingreifen sollen? Wir sind hier ja wohl meilenweit von einer klaren Fehlentscheidung entfernt. Und wenn der Eingriff auf der anderen Seite pro Argentinien erfolgt wäre, dann hätten sich alle aufgeregt, dass das ja wohl wieder Messi-Bonus wäre. Niemand kann mit auch nur annähernder Sicherheit sagen, dass der Ball das Kabel berührt hat. Und wenn man sich nicht sicher ist, greift man als Schiedsrichter und als VAR nicht ein.
Zur Embolo-Szene: Das war keine reine Auslegungsänderung von Collina, sondern basiert auf einer Änderung im Protokoll durch das IFAB. Die Stelle, die Jürgen zitiert hat, wurde zur neuen Saison geändert. Dabei wurde insbesondere der Passus “Das eigentliche Vergehen darf dabei nicht überprüft werden, es sei denn, es betrifft [die anderen Eingriffsgründe]”. Dass dieser Passus gestrichen wurde, spricht meines Erachtens stark dafür, dass die entsprechende Anwendung vom IFAB tatsächlich so gewollt ist. Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es um so Szenen wie den Platzverweis gegen Maxi Arnold (?) damals gegen Stuttgart (?), wenn ich das richtig erinnere, also als ein Spieler mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde, obwohl der andere eigentlich die Karte verdient gehabt hätte.
Ansonsten möchte ich die Verschwörungstheorie von Jürgen bitte ganz deutlich kritisieren. Argentinien hatte Glück mit Entscheidungen, hatte Pech mit Entscheidungen, vielleicht etwas mehr Glück, aber nichts, was solche Unterstellungen rechtfertigen würde. Und die angegebene Strafstoßszene war bei weitem nicht so eindeutig wie sie Jürgen und die Ägypter darstellen (dass der Trainer dann das Rassismuszeichen als Protest gegen die SR-Leistung missbraucht, finde ich btw ein No-Go). Danke auch an Eva für das klare Statement in dem Kontext.
Was ich bei der Geschichte zu Rot bei Hand-vorm-Mund etwas vermisse: es soll ja tatsächlich nur dann angewandt werden, wenn eine “Konfrontation” vorliegt, also nicht bei jedem normalen Gespräch unter Fußballern. Jetzt ist es aber ein leichtes, aus einem normalen Gespräch eine Konfrontation zu machen, wenn man sich nur laut genug beschwert. Dann wird nur noch nach der Reaktion bewertet und sollte diese Regel jemals flächendeckend umgesetzt werden, werden wir eine Epidemie haben an Spielern, die mithilfe dieser Regel Platzverweise schinden wollen.
Zu 3 und der Rassismus-Geste: ich finde es furchtbar, dass das überhaupt keine Rolle spielt im Diskurs. Entweder hat ein Nationaltrainer dieses Zeichen missbraucht oder es gab tatsächlich einen rassistischen Vorfall (bei den Argentiniern auch gut möglich), so oder so müssen Journalisten da einfach mehr nachfragen, bei Hassan, beim Schiri, bei Infantino, das ist überhaupt nicht passiert.
hatte im Schiri-Thread schon die beiden Versionen zitiert:
Alte Version: “If the referee penalises an offence and then gives the wrong player from the offending (penalised) team a yellow or red card, the identity of the offender can be reviewed”
Neue Version: “If the referee penalises an offence but has clearly misidentified the player who committed that offence, only the identity of the offender can be reviewed.”
Auch in der neuen Version steht “that offence”. Offensichtlich sind davon solche Fälle wie Karazor vs Arnold gedeckt, wo Arnold Karazor stempelt aber Jablonski in der Hektik die Füße falsch zuordnet und dem Opfer gelb zeigt. “Das Vergehen” war Stempeln und mit dem neuen Protokoll muss der VAR den Schiri darüber informieren, dass der Schiri dem falschen Spieler gelb gezeigt hat.
Bei der WM hatten wir aber zwei mal die Szene, dass aus einem Tritt/Beinstellen per VAR eine Schwalbe gemacht wurde. Es wurde also nicht “das Vergehen” dem korrekten Spieler zugeordnet, sondern wie Jürgen richtig sagt die Situation von Grund auf neu bewertet, also ein auf dem Feld fälschlich bewertetes Foul gestrichen und eine auf dem Feld übersehene Unsportlichkeit bestraft.
Es ist also beides wahr: das Protokoll wurde geändert, so dass Vergehen nun auch Spielern des gegnerischen Teams zugeordnet werden können. Aber ebenso ist zweifelhaft, ob von dem Wortlaut wirklich gedeckt ist, eine komplette Situation von Grund auf neu zu bewerten.
Der Tonfall, den Jürgen da anschlägt, macht es in der Folge halt umso schwieriger, die eigentlich problematischen Aspekte der gezeigten Schiedsrichterleistungen angemessen zu thematisieren. Es ging da fast schon unter, daß Eva richtigerweise die uneinheitliche Handhabung mancher Regel angesprochen hat.
Diese uneinheitliche Regelauslegung ist letztlich aber auch Folge der Turniergröße. Es ist nahezu illusorisch, von einer Vielzahl von Schiedsrichter*innen aus sehr unterschiedlichen Kontexten für ein Turnier auf den Punkt dann eine einheltliche Linie zu erwarten. Das wird zum Beispiel beim Vergleich der Foulspiele von Messi gegen Algerien und Quansah gegen Mexiko deutlich. Und hier waren in beiden Spielen schon erfahrene Schiedsrichter (Marciniak bzw. Faghani) im Einsatz.
Jede Turniererweiterung trägt damit letztlich dazu bei, daß eine einheitliche Linie bei der Spielleitung immer schwieriger wird und ist auch deswegen kritisch zu sehen.
Vielen Dank für die (mal wieder) sehr interessante Sendung!
Was Harry Kane und den Golfausflug mit Trump angeht: Ich verstehe ja, dass die meisten Profi-Fußballer sich wenig mit Tagespolitik auseinandersetzen. Trotzdem bin ich immer wieder schockiert, dass die Wenigsten offenbar über so etwas wie einen moralischen Kompass verfügen. Ich warte (und hoffe) immer noch auf den ersten prominenten Spieler, der kritisiert, was gerade in den USA vor sich geht. Beim Finale gäbe es ja eigentlich eine großartige Bühne, Trump durch einen symbolischen Akt bloßzustellen – etwa, indem man ihm den Handschlag verweigert oder etwas Ähnliches. Aber selbst ein sonst so kritischer Geist wie Mbappé wird sich vermutlich brav die WM-Medaille umhängen lassen (sollte Frankreich überhaupt gewinnen).
Zu Jürgen Klopps diversen Verpflichtungen noch folgende Ergänzung, weil es in der Sendung aus meiner Sicht nicht thematisiert wurde: Der SPIEGEL hat neulich einen ganz interessanten Artikel veröffentlicht, in dem auch auf die etwas merkwürdige Verquickung zwischen MagentaTV-Kommentator und Bundestrainer in spe eingegangen wird. Das hat sich ein wenig Geschmäckle, finde ich.
Wie kommst du zu der Schlussfolgerung dass wir dann viele Platzverweise bekommen? Meine Schlussfolgerung wäre, dass Spieler halt aufhören während des Spiels sich die Hand vor den Mund zu halten .
Ich denke die Hand vorm Mund ist einfach zu sehr in der Gewohnheit vieler Spieler, sodass es erst die Platzverweise geben muss, ehe sie aufhören. Aktuell ist ja aber auch fragwürdig, ob diese Regel überhaupt so bleiben wird, die UEFA wird sie ja nicht übernehmen.
In dem Zusammenhang ein KICKER Zitat von Uli Hoeneß, normalerweise ja kein Kind von Traurigkeit, aber hier mit Haltung, wie ich finde:
Deshalb plant Hoeneß keinen Besuch vor Ort, auch wenn er nach eigenen Angaben während des Turniers, das noch bis zum 19. Juli läuft, sogar kostenlos im Haus eines Bekannten in Florida hätte wohnen können. „Aber ich hatte überhaupt keine Lust, zu dieser WM zu reisen. Und selbst wenn ich Lust gehabt hätte, sie wäre mir vergangen, als man mir die bevorzugte Lage des Hauses nannte.“
Nur fünf Minuten von der angebotenen Unterkunft entfernt liegt nämlich das Anwesen des US-Präsidenten Donald Trump in Mar-a-Lago.
Ich glaube das stimmt so nicht. Ich glaube jeder Mensch hat einen moralischen Kompass. Nur wie dieser ausgerichtet ist ist sehr unterschiedlich. Und offenbar sind viele Fußballprofis der normalen Welt so weit entrückt, dass Probleme der Durchschnittsbevölkerung kaum noch eine Rolle für ihren moralischen Kompass spielen. Sondern da geht es halt dann ganz viel darum, wenn ihre “Bros” kritisiert werden o.ä.
Also ich halte das Thema, dass Argentinien bevorzugt wird auch für plausibel angesichts der ganzen anderen Tricksereien der FIFA. In der SZ gibt es dazu auch einen Beitrag:
Ich würde zwischen Verschwörungen und Verschwörungstheorien deutlich unterscheiden. Letztere sind ja nicht so etwas wie mehr oder weniger unausgegorene Hypothesen über eine vermeintliche Verschwörung. Sondern der Versuch, einen ganz großen Zusammenhang zwischen allem Möglichen herzustellen. Da ist dann z.B. der „jüdische Finanzkapitalismus“ verantwortlich für die Corona-Pandemie, den „verbrecherischen Impfzwang“ und den „systematisch betriebenen Bevölkerungsaustausch“. Nur mal ins Blaue zusammenfabuliert, stellvertretend für allerlei derartigen Unfug.
Einzelne Verschwörungen gibt es hingegen selbstverständlich auch in demokratisch verfassten Gesellschaften. Nur lassen die sich nicht ohne gewaltige gehirnakrobatische Verrenkungen zu einem schauerlichen Gesamtbild zusammenfügen. An diese notwendige Differenzierung musste ich beim Anhören des Gesprächs denken. Da kannte ich den Artikel von Thomas Kistner noch nicht, hatte aber genau diesen Eindruck einer auf Messi als Doppelweltmeister und Cashcow für Infantinos weiteren Pläne abzielenden Hintergrundaktivität gewonnen. Natürlich auch deswegen, weil der FIFA in dieser Hinsicht alles zuzutrauen ist.
Ich konnte die Abwehr von Verschwörungstheorien gut verstehen, die ich genau wie Max, Eva und Martin entschieden ablehne. Und doch fand ich, dass Jürgen da zu Unrecht in einer Ecke landete, in die er nicht hingehört. Denn er hatte sich nicht für eine allumfassende Verschwörungserzählung stark gemacht, sondern nur eine merkwürdige Häufung von Argentinien begünstigenden Entscheidungen angeführt. Sollte da ein Plan dahinterstecken, könnte man es im Sinne der von mir angeregten Unterscheidung schon eine Verschwörung nennen.
Jetzt bin ich mal gespannt was bei diesem Spiel zur Verschwörung/Verschwörungstheorie, oder wie auch immer, herhalten muss!?
England konnte nach der Führung nicht mehr, platter als ein Rochen.
Oder wollte evtl auch nur das 1:0 halten?
Jedenfalls war es am Ende ein verdienter Sieg für Argentinien…
Ja, England hatte wohl keine Körner mehr. Da sehe auch ich nichts Verdächtiges am Sieg der Argentinier.
Es geht ja auch nicht darum, ihnen etwas zu unterstellen. Allerdings scheint dieser Eindruck entstanden zu sein. Warum? Keine Ahnung. Dass man der FIFA und speziell Infantino nicht vollkommen vertraut, ist jedenfalls auch mir unbegreiflich.
Mich nervt das, dass man Argentinien nicht Mal ohne Verschwörungstheorien betrachten kann und dann entsprechende Referees einsetzt
Die 2. HZ war rotz von England
Aber in der 1. HZ durfte Argentinien alles machen
Gelbfouls, Ball wegschlagen, den Ref angehen, Gegner mit dem Kopf umräumen, schubsen
Aber das was mich daran nervt: das ist die Taktik von Argentinien
Das ist nichts neues
Und es gibt immer wieder Refereeteams, die die nicht in die Schranken weisen
es ist und bleibt halt scheiße
Da versucht man seinen Kindern bei zu bringen nach den Regeln zu spielen, damit es schön für alle ist und dann kommen da Männer, den es nur ums Gewinnen geht und benehmen sich wie Kinder die beim Mensch Ärger dich nicht nicht ertragen raus geschmissen zu werden
Hmm im WM Finale also ein Trainer, der sich über die U-Mannschaften im Verband hochgedient hat und ein Trainer, der Löw’esque als Co-Trainer in den Job gestolpert ist.
Und der DFB verprasst währenddessen das gesamte Verbandsvermögen für den dritten erfolgreichen Vereinstrainer nachdem die letzten beiden gescheitert sind.