Wir haben mit Maximilian Müller (Scouting-Analyst bei mvpclub.de, Instagram) über die Lage beim VfL Wolfsburg gesprochen. Wie hat euch die Sendung gefallen?
Bin zwar kein WOB Anhänger, fand die Sendung aber großartig. Ein offensichtlich bestens informierter Experte, der auch (für mich zumindest) spannende neue Werte bespricht. Da wäre auch meine einzige kleine Kritik, wenn solche Begriffe fallen bitte auch kurz erklären und vielleicht auch beschreiben was in die Statistik reinfließt (z.b. game control index, field tilt wert). Danke auf alle Fälle und vielleicht hört man Herrn Müller auch mal bei einer Spieltagsbesprechung, wäre vermutlich auch hochinteressant. Lg.
Interessante Folge:)
Disclaimer, Ich habe noch nie in einem Aufsichtsrat gearbeitet, aber ich frage mich generell, wie es Menschen schaffen können einerseits Oberbürgermeister oder Leiter der Kommunikationsabteilung eines Automobilekonzerns (in der Krise) oder Vorstandsvorsitzender der Porsche Holding oder Vorsitzende des Betriebsrates von VW oder Vorstandsvorsitzender von VW zu sein und gleichzeitig so tief in einer weiteren Branche eingearbeitet sein können, die ja schon sehr anders als ein globaler Autokonzern oder die Kommunalpolitik funktioniert, dass Sie wirklich im Aufsichtsrat eine große Bereicherung für den VfL Wolfsburg sind.
Ich mein, die haben doch alle einen sehr stressigen Berufsalltag. Mich würde daher wirklich interessieren, wie viele Stunden im Monat Sie sich wirklich mit dem VfL Wolfsburg da noch beschäftigen können. Ich fänd wirklich interessant zu wissen, wie so ein Aufsichtsrat arbeitet und funktioniert.
Ich schließe mich dem Lob an. Wirklich ein sehr angenehmer und guter Gast.
Wenn ich dann in solchen Folgen höre, wie klar ein Gast seine detaillierten Gedanken formuliert, der 2010 noch 6 Jahre alt war, fühlt man sich schon ein bisschen alt. Respekt vor der Leistung:)
Es gibt ein Tribünengespräch aus dem Februar 2018 mit Chris Ehrenberg über seine Zeit als Aufsichtsrat bei Nürnberg. Vielleicht hilft dir das weiter.
Kann ich nur zustimmen, toller Gast - öfter mal einladen!
Der Aufsichtsrat ist nur für die Leitplanken zuständig. Sein wirksamstes Werkzeug ist die Personalpolitik im Vorstand. Ansonsten geht es darum, aufzupassen, dass der Vorstand keinen Blödsinn macht.
Der größte Zeitaufwand ist, die Berichte zu lesen, die größte Schwierigkeit, sie zu verstehen.
Das Problem bei den Aufsichtsräten im Fußball ist, dass sie der Ansicht sind, “man muss nicht 100mal die Linie hoch- und runterrennen, um Ahnung vom Fußball zu haben” (Zitat Manfred Ertel). Sprich, sie beschäftigen sich mit Dingen, von denen sie keine Ahnung haben, für die sie nicht da sind und dessen sie sich nicht bewusst sind.
Maxi war ein richtig cooler Gast mit einer angenehmen Mischung aus Emotionen und rationalen Gedanken. Sehr interessant zu hören, auch wenn das Thema frustierend ist.
Das ist schon schräg als Eintracht Braunschweig Anhänger beim Wolfsburg im Aufsichtsrat zu sitzen. Aber generell ist die Arbeit in einem Aufsichtsrat entspannter als man denkt. Man entscheidet ja nichts, sondern kontrolliert nur Entscheidungen. Das bedeutet, wenn die anderen in eine Richtung argumentieren folgt man denen in der Regel mit einer Mischung aus Nicht-W
issen oder Sympathie. Das ist weniger der Ort, wo einer auf den Tisch haut und sagt, so geht es nicht weiter.
Ja aber wäre das nicht @HakunaMatata punkt? Um Entscheidungen zu kontrollieren muss ich doch nachvollziehen können wieso sie getroffen wurden und Alternativszenarien abschätzen können.
Also um das am Beispiel von Transfers zu machen:
Ich muss doch wissen ob die Transfersumme die vom Manager in den Raum geworfen wird für den Spieler angemessen ist, ob man für eine ähnliche Summe eine bessere Alternative verpflichten könnte und ob der Spieler charakterlich und sportlich überhaupt passt. Das ist von meiner außen Ansicht schon eine ganze Menge Wissen die ich mitbringen sollte/muss um eine vernünftige Kontrollinstanz zu sein.
Wenn ich nur sage „Das was der Manager mir erklärt scheint sinnig“, dann brauch ich das nicht, dann seh ich aber auch nicht wie man seine Kontrollwirkung warnehmen will.
„Ja im Fußball werden mal 15 Millionen für Spieler ausgegeben, also scheint der Transfer im vernünftigen Rahmen“, kommt mir nicht allzu sinnvoll vor.
Nein. Du musst Leute einstellen, die so kompetent sind, dass du ihnen vertrauen kannst. Die Entscheidung, ob für die 15 Mio nun Spieler A oder Spieler B kommt, ist operatives Geschäft.
Und du musst eben sicherstellen, dass diese kompetenten Leute in deinem Sinne handeln. Also wenn du zB sagst, safety first, dürfen sie zB nicht Keita oder Boniface holen, um mal bekannte Beispiele zu nennen. Und dass sich der Vorstand dem vom Aufsichtsrat gegebenen Wertesystem unterwirft.
Einzelne Transfers hat der Aufsichtsrat nicht zu bewerten.
Und da kommt der Knackpunkt im Fußballbuisiness. Viele Aufsichtsräte mischen sich da zu sehr ein.
Okay, ich ging davon aus, dass das wie ich von Bayern es kenne „übliche Praxis“ wäre…
Aber auch wenn ich die Grundfunktion nehme, dann sind Aufsichträte doch zur Kontrolle da und dann muss ich doch auch einzelne Transfers bewerten können? Nicht die Entscheidung treffen ob er gemacht werden darf oder nicht, aber im Nachhinhein bewerten ob die Entscheidung richtig war. Wie soll ich denn richten ob jemand eine gute/schlechte Arbeit macht, wenn ich nicht beurteilen kann unter welchen Bedienungen eine Entscheidung getroffen wurde.
Beim gleichen Beispiel von oben: Ein Spieler für 15 Millionen zu kaufen kann genauso ein Schnäppchen/ein normaler Transfer/ oder komplett überbezahlt sein. Ich kann doch keine Arbeit kontrollieren ohne ein tieferes Verständnis der Arbeit zu haben?
Es sollte vor allem um die wirtschaftliche Risikobewertung gehen. Also die Frage „Können wir uns diesen Transfer leisten?“. In vielen Clubs gibt es Grenzwerte (Investitionssumme + Folgekosten bzw. operative Kosten) ab denen der Aufsichtsrat um Zustimmung gefragt werden muss.
Es geht weniger um die Frage ob ein Spieler zum Verein passt oder die sportliche Qualität. Das kann dann noch eher auf Vorstandsebene Thema sein. Je nach Organisationsstruktur.
Damit die richtigen Transfers getätigt werden können, brauchst du den richtigen Vorstand. Den zu finden und zu installieren, das ist die Aufgabe des Aufsichtsrates.
Mal ein Vergleich zu der Wirtschaft. Meinst du ernsthaft, ein Aufsichtsrat von zB BMW kann beurteilen, ob die Software, die ein Entwickler gerade entwickelt hat, gut ist, fehlerfrei läuft oder ähnlich? Davon hat der keine Ahnung. Trotzdem ist er der Aufsichtsrat des momentan erfolgreichsten Autobauers. Der wird auch nicht wissen, wie sich ein BMW-Motor vom Mercedes-Motor unterscheidet. Das ist nicht seine Aufgabe.
Nein, aber ich bin der Meinung dass der Aufsichtsrat bei BMW einschätzen muss ob die Richtung die der Vorstand einschlägt in die richtige Richtung geht? Also wenn der Vorstand bei BMW sagen würde sie bauen jetzt nur noch 200PS Autos, dann ist es nach meinem bisherigen Verständnis die Aufgabe des Aufsichtsrats zu sagen: „Hey da sehen wir ein Problem“ und gegebenfalls den Vorstand auszutauschen?
Du bringst es doch meiner Ansicht nach selber auf den Punkt, „… den richtigen Vorstand zu finden und zu installieren“. Aber ich kann doch nur bewerten ob ein Vorstand gute Arbeit macht, wenn ich seine Arbeit beurteilen kann. Als Aufsichtsratmitglied muss ich nicht jeden Spieler kennen den meine Verantwortlichen und ihre Scoutingabteilung beobachtet, aber ich brauche doch ein grundlegendes Verständnis von Kriterien nach denen die Spieler ausgewählt werden, üblichen Ablösesummen für bestimmte Spieler und ähnliches. Wie gesagt, sonst verstehe ich nicht wie ich eine Bewertung/Kontrolle meines Vorstandes/der Verantwortlichen durchführen soll?
Das ist sonst wie in den Vereinen in denen ich Vorstandsmitglied bin, dass der Vorsitzende Ideen hat und dran arbeitet und der Rest halt sagt „passt schon“. Das geht im Ehrenamt, aber doch nicht bei so großen Wirtschaftsunternehmen.
Um mal zu einem anderen zentralen Topic zu kommen: Ist denn die Einzahlung ins Rasenfunk-Phrasenschwein geleistet worden? ![]()
Sehr gute Folge mit einem tollen Gast. Da war so viel Kenntnis da, dass Max sich getrost tief ins Thema rein nerden konnte, und trotzdem blieb es auch für Außenstehende zugänglich und nachvollziehbar.
So macht mir sogar Wolfsburg Spaß.