Rasenfunk Royal - Saisonrückblick 17/18 SC Freiburg


#1

Es ist wieder soweit. Zwischen dem 14. Mai und dem 23. Mai zeichne ich die Royal-Segmente zu allen Bundesligisten auf. Wie immer in einer völlig undurchschaubaren Reihenfolge.

Ich freue mich auch diesmal über Fragen und Input eurerseits. Wie ihr wisst, ist alles rund um den Royal mit hohem Aufwand verbunden - von euch unterstützt zu werden bei der Vorbereitung, hilft mir da sehr.

Folgende Dinge sind für mich interessant:

Welche Spiele waren für den Verein besonders wichtig in der Saison (wie war der Saisonverlauf)?
Wie hat sich der Kader bewährt, mit Blick auf Neuverpflichtungen zu Beginn der Saison und generell?
Gab es wichtige Themen abseits des Platzes?
Wie war die Stimmung bei Fans und Umfeld?
Die Gäste werden wieder eigene Stichpunkte mitbringen, anhand derer wir uns durch die Saison hangeln. Da könnt ihr gerne auch Vorschläge machen, vielleicht schaut der/die ein oder andere hier ja vor seiner/ihrer Aufzeichnung rein.

Die Bonusfrage ist dieses Mal: Die Saison deines Vereins als Seriencharakter - wer ist es und warum?

Da die Bonusfragen immer sehr knifflig sind, freuen sich die Gäste hier sicher auch über Vorschläge. Es bleibt dann ihnen überlassen, ob sie sich daran orientieren oder nicht.

Danke für eure Mithilfe!


#2

Dann fange ich direkt aus der Hüfte und noch vor dem letzten Spieltag mal an:

Kader
Die Verletzungen von Niederlechner, Frantz und Ravet waren offensiv nicht zu kompensieren. Dadurch fehlte jegliche Durchschlagskraft in der Offensive, alle Last lag auf Petersen, der zwar eine sehr gute Saison hatte, es aber alleine nicht richten konnte, auch weil Haberer (wie auch Stenzel) klar unter den Vorjahresleistungen blieben. Kleindienst, Kath und Höler waren (noch) nicht auf Bundesliganiveau. Diese ideenlose Offensive stellte das gesamte Spielniveau Freiburgs in Frage, verstärkt durch die extrem fehleranfällige Abwehr, die weder in der klassischen Vierer- noch in der für den Zuschauer extrem anstrengenden Fünferkette wirklich überzeugen konnte. Gulde, Kempf und Söyüncü sind zwar gute Spieler, aber es gab zu häufig folgenreiche Aussetzer, auch da das (defensive) Mittelfeld, insbesondere in Form von Abrashi und Höfler, verletzt über lange Strecken fehlte. Die hohen Einsatzzeiten des eigentlich nur noch als Maskottchen im Kader geführten Schuster (ja, die Aussage gibt Ärger) und vor allem dessen dabei tatsächlich stabilisierende Wirkung sprechen Bände. Ebenso ist es unglaublich, dass Guédé Fußballgott es mehrfach in den Kader geschafft hat - ein Indiz für den zu knappen Kader, das Mißtrauen gegenüber den Neuzugängen und auch für den fehlenden Nachwuchs aus der Fußballschule dieses Jahr.
Die Neuzugänge waren entweder viel verletzt - Ravet - verletzt und nicht beeindruckend - Sierro - oder überhaupt nicht durchschlagend - Kent, Kapustka. Die einzige positive Ausnahme war lediglich Koch und mit wenigen Abstrichen Lienhart.
Eine positive Erwähnung für Günter sollte nicht fehlen.

Spiele
In Summe hat Streich durch die Ausfälle sehr defensiv spielen lassen, was trotzdem zu vielen Gegentoren geführt hat - bei erschreckend harmloser Offensive. Die wenigsten Spiele waren daher wirklich zum Anschauen. Emotional unglaublich wichtig war das 4:3 nach 0:3 auswärts gegen Köln in der Hinrunde, das die positivste und beste Phase der Saison einleitete. Zu hoffen bleibt, dass auch das hochemotionale 3:2 gegen Köln im Rückspiel eine positive Wirkung auf das noch ausstehende entscheidende letzte Heimspiel hat.
Ansonsten sind natürlich noch die überhaupt nicht lustigen VAR-Themen in Stuttgart und Mainz zu nennen, die noch eine weitere Schippe auf die nicht zündenden Neuzugänge und Verletzungen drauf gepackt haben.
Emotionale Tiefpunkte waren der grauenhafte Kick in Ljubljana gegen Domzale, das Spiel in Stuttgart sowie die komplette Kernschmelze zwischen dem 27. und 31. Spieltag

Weitere Themen
Der Stadionneubau kommt weiter nur im Schneckentempo voran, die Gegner sind immer noch aktiv.

Stimmung
Die Stimmung empfand ich trotzdem als gut, sieht man mal von etwas mehr Pöblern im Block beim Auswärtsspiel in Hamburg ab. Streichs Nervenkostüm ähnelt allerdings der Abstiegssaison.

Ansonsten zittere ich dem Samstag entgegen und habe mal die Relegationsspiele geblockt. Erfahrungsgemäß sieht der SC in entscheidenden Spielen immer sehr schlecht und nervös aus, so dass auch der Abstieg eine nicht unwahrscheinliche Option ist. Und zum Seriencharakter - angesichts der an den Werbepartnern erkennbaren steigenden Provinzialität, oh, natürlich Heimatverbundenheit (die vermutlich auch mit einem finanziellen Abgehängtwerden einhergeht), wäre eine Serie wie „Die Fallers“ oder „Hannes und der Bürgermeister“ (muss man alles nicht kennen, Lokalmüll auf dem Dritten) sehr angemessen.

Mehr nach Nachdenken und dem Samstagsspiel.


#3

Nochmal ergänzend zur Saison des SC.

  • Klassenerhalt!
  • Ich möchte nicht wieder die Geschichte „jedes Jahr muss der arme SC so viele Abgänge verkraften“ hören. Natürlich wurden die beiden kreativsten Offensivspieler abgegeben und konnten leider nicht ansatzweise ersetzt werden. Und wie immer war der Wechsel nicht für alle Spieler karrierefördernd, Grifo hat der Wechsel - fast erwartungsgemäß - sportlich nicht gut getan. Aber: das trifft andere Vereine auch. Nürnberg blutet jedes Halbjahr für wenig Geld aus und steigt trotzdem auf. Somit ist es mal an der Zeit, diese Dauerentschuldigung ad acta zu legen. Denn der SC ist inzwischen nicht mehr alleine mit der Situation.
  • Die Story von Petersen wird immer als „der unverzichtbare Torschütze“ erzählt, maximal noch als der Joker, der jetzt 90 Minuten ran darf. Dahinter steckt aber, dass er inzwischen viel mehr rennt, kämpft und läuft, viel mehr presst und damit tatsächlich die Streichsche Weltanschauung voll erfüllt. Das ist eigentlich der Mehrwert: weiter treffen trotz viel besserer Defensivarbeit. Die Kombination, die vorher Niederlechners Stärke war, macht ihn so unersetzlich.
  • Zur generellen Situation: die goldenen Zeiten sind vermutlich trotzdem vorbei. Eine ordentliche Fußballschule und Nachwuchsarbeit sind kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Dass man dort wenig bezahlen kann und will ein Nachteil, auch wenn es als Pädagogik verkauft wird. Die Talente werden tendenziell von den Retortenclubs abgegrast, die darin ein Geschäftsmodell sehen und mit Infrastruktur punkten können. Nicht ohne Grund waren unter den letzten „Stars“ der FFS oder des Vereins ja tendenziell eher Spieler, die woanders nicht mehr gewollt waren, die man aber doch entwickeln konnte - bspw. Grifo und Philipp. Aber mehr ist nicht geblieben. Dass der SC finanziell abgehängt ist, als letzter Bundesligist erst einen Ärmelsponsor gefunden hat (den kommunalen Stromversorger…), das Stadion auf sich warten lässt, sind weitere Symptome, dass außer dem Biotopcharakter kaum noch Alleinstellungsmerkmale übrig sind.
  • Bei den enttäuschenden Neuzugängen hatte ich Terrazzino vergessen, der zwar mehr Spielzeit hatte und auch einige gute Aktionen, aber auch im zweiten Anlauf nicht wirklich integriert wirkt.

#4

Noch ergänzend zu Pischdi (oder auch, was ich etwas anders sehe)

Kader
Die Offensiv Einkäufe fürs Mittelfeld (Kent, Kapustka, Ravet, Terrazzino haben einfach nicht funktioniert. Einzig noch (mit Abstrichen) Terrazzino. Ravet wäre eine große Hilfe geworden, aber leider sehr lange verletzt.

Hier frage ich mich manchmal auch, wie sehr das an Streich liegt. Er ist glaube ich schon auch stur und wenn er mit jemand nicht kann, dann ists vorbei. Francis Coquelin ist da so ein Beispiel, war ja mal von Arsenal ausgeliehen, hat kaum gespielt und war dann unter Wenger Stammspieler.

Ja er kann junge Spieler gut ausbilden, aber man muss mit seiner Art auch zurecht kommen und er verlangt viel von ihnen und er überfordert sie auch (wissentlich).

Verliehene Spieler

  • Fabian Schleusener ist einer der Top-Torschützen in der 3. Liga und an den KSC ausgeliehen
  • Mats Møller Dæhli wäre so einer fürs Mittelfeld. Ist ja aktuell bei St. Pauli. Kann nicht sagen wie er sich entwickelt hat. Wurde im Winter an der Leiste operiert, hat aber die letzten Spiele in der 2. Liga wieder mit gemacht. Er ist ja mein <3 Spieler beim SC
  • Lucas Hufnagel ist beim Club in Nürnberg, hat aber kaum gespielt
  • Jonas Föhrenbach ist beim KSC und hat fast alle Spiele gemacht.

Stadion
Ist glaube ich eigentlich in Plan. Die Erschließung ist in vollem Gange und Zitat von der Website

"Das Baurechtsamt hat die Nachbarbeteiligung zum Baugenehmigungsverfahren anlässlich des geplanten Neubaus eines Fußballstadions im Wolfswinkel eingeleitet. Parallel dazu führt die Stadt auch noch ein Bebauungsplanverfahren durch, das im Sommer 2018 abgeschlossen werden soll. "

Freiburger Fussballschule, Nachwuchs
Es gibt in der Jugend wieder einige vielversprechende Talent, z.b. in der U19 Yannik Keitel, der auch in der Nationalmannschaft spielt. Außerdem ist die U19 wieder im Pokalfinale.

Mit SR Colmar gibt es nun eine tiefere Kooperation, was ein wichtiges Puzzleteil sein kann, um die Talente aus der Grenzregion besser integrieren zu können.
https://www.scfreiburg.com/news/sc-freiburg-kooperiert-mit-sr-colmar-football-association

Marketing Abteilung
Ich finde der SC macht hier zu wenig aus den Möglichkeiten. Er wird regelmäßig als einer der beliebtesten Vereine der Bundesliga gerankt https://www.scfreiburg.com/news/sc-mit-starken-markenwerten und schafft es dann z.b. nicht Werbeflächen zu vermarkten oder bekommt mit Mühe einen Stadionsponsor.

Ich finde da läuft was falsch und der SC macht sich zu klein. Aber ok, ich habe ehrlich gesagt auch zu wenig Ahnung was da möglich wäre :slight_smile:

Christian Streich
Lieber Max, ich kann deinen Ansatz von der letzten Schlusskonferenz verstehen (ausgebrannt, kam an die Grenzen). Aber einerseits ist CS nach jeder Saison fix und alle. Sobald er dann aber Urlaub hatte und sich nicht die ganze Zeit über nicht geklappte Transfers aufregt, ist er wieder bei 100%. Und, ich hatte es hier schonmal geschrieben, ich finde er hatte immer eine Idee was er machen und verbessern will und wie er mit dem arg limitierten Kader (Verletzungen, Qualität) Punkte holen will. Wenn man die Pressekonferenzen vor den Spielen sieht, dann war er da immer aufgeräumt und mit einem Plan.

Kommende Saison
Ich glaube der SC wird entspannt 12. Solange nicht noch irgendwas seltsames im Sommer passiert und der halbe Kader weg gekauft wird.

Die Achse mit Schwolow, Gulde, Höfler, Franz, Petersen, Niederlechner + Ravet. Das könnte eine schöne Saison werden.

Serienheld
Bob der Baumeister.
“Können wir das schaffen, jo wir schaffen das” und einfach immer weiter arbeiten und arbeiten und arbeiten …


#5

Amir Abrashi habe ich vergessen
Nachdem er sich im März beim Spiel gegen Hertha Berlin das Kreuzband gerissen hat, hat der SC 5 Spiele in Folge verloren. Er ist ja sowas wie ein Mini-Vidal und war in der Zeit, als er gespielt hat sehr sehr wichtig. Nach seiner Verletzung ist da erstmal einiges im Mittelfeld zusammengebrochen.

Ausfälle
Vor der Saison hätte ich NIE gedacht, dass der SC mit den Langzeitausfällen von

  • Niederlechner
  • Höfler
  • Frantz
  • Abrashi

die Klasse halten kann …


#6

Danke euch für den Input! Aufzeichnung folgt dann heute Abend.