jo die deutlich höhere Spritzigkeit von Union war in der Tat gut zu sehen. Viel bessere Laufwege, konsequenteres Nachrückverhalten, mutigere Boxbesetzung, etc. Zwei Heimspiele in Folge, keine Verlängerung im Pokal und ein zusätzlicher Tag Regeneration gegenüber dem HSV können da aber nur ein Teil der Erklärung sein. Union geht fast ohne Ersatzbank ebenso auf dem Zahnfleisch.
Was mir beim HSV insbesondere fehlt, ist das Spiel durchs Zentrum. Außen machen Eggert und Wucher es ganz okay. Eggert reißt viele Kilometer ab, es fehlt in den entscheidenden Momenten aber oft an Präzision. Wuchers Ballaktionen haben mehr Qualität, sie kann aber nicht die selben Kilometer wie Eggert auf der anderen Seite machen. Die (guten) ersten 20 Minuten hatten viel damit zu tun, dass Wucher ordentlich nach vorne angetrieben hat.
Aber im Zentrum ist das Ballbesitzspiel beschränkt auf “Ball zu Wrede und dann gucken alle gemeinsam zu was sie damit macht”. Selbst wenn sie den Ball gegen mehrere Gegenspielerinnen behauptet, rückt im Zentrum niemand nach um die Räume zu nutzen, die sich dadurch ergeben, dass Wrede mehrere Spielerinnen bindet. In der Folge kann sie den Ball entweder direkt auf Brunnthaler durchstecken, was selten klappt, oder auf Außen verlagern, was dem Gegner Zeit zum verschieben gibt. Von Machtens und Büchele gibt es im Zentrum kaum Unterstützung. Und das hat aus meiner Sicht wenig mit fehlender Kraft aufgrund des Pokalspiels zu tun, sondern zieht sich durch die Saison und ist eher eine Frage der Qualität.
Die Lösung müsste eigentlich Mikolajova sein, die auf dem Papier die beste zentrale Mittelfeldspielerin des Kaders ist, bisher aber noch überhaupt nicht in der Bundesliga Fuß fasst. Theoretisch wäre sie die Mitspielerin, die Wrede im Zentrum braucht um richtig Fußball spielen zu können.
Fairerweise darf man aber nicht vergessen, dass hier zwei Aufsteiger mit vollkommen unterschiedlicher Philosophie aufeinandertreffen. Union hatte trotz der ganzen verletzten Spielerinnen immer noch 777 Spiele Bundesligaerfahrung und einen Altersschnitt von 26.5 Jahren auf dem Platz. Der HSV 233 Bundesligaspiele und einen Altersschnitt von 22.5 Jahren. Da ist ganz klar die Erwartungshaltung, dass ein Team ein gewisses Grundniveau abrufen kann, während das andere Team sich im Laufe der Saison entwickeln muss. Ich bin mir bloß nicht so sicher, ob die Entwicklung wirklich kommt oder ob es nicht genau wie bei Union doch noch etwas mehr externe Qualität benötigt.
Blöd für den HSV: der Kicker hat kurzerhand einen zusätzlichen Abstiegsplatz eingeführt 
Union landete zwar keinen Befreiungsschlag, hat aber weiterhin vier Punkte Vorsprung auf den HSV, der den Relegationsplatz belegt.