Ich mochte die Folge, auch das Gladbach-Segment.
Torlinientechnik:
@GNetzer Du hast, glaube ich, von 12,5 cm Genauigkeit oder so ähnlich geredet (finde die Stelle gerade nicht). Hast du dafür eine Quelle? Der im Millernton verlinkte schwatzgelb-Artikel ist ein paar Jahre alt, kommt aber auf 20-30+ cm Fehlerbereich.
Ich habe versucht eine aktuelle Genauigkeit herauszufinden (via einfachem Googeln) - es war nicht möglich. Man kann die BuLI-Behauptung von wenigen Millimetern finden, aber keine technischen Daten. Btw finde ich auch keine Aussagen zum Fehlerquotienten: Da für die Abseitserkennung gemessen und errechnet wird, muss es statistisch eine Quote geben, die aussagt, wie oft die Erkennung daneben liegt (sowohl falsch-positiv als auch falsch-negativ).
Kann ich auch nicht finden. Was ich finden kann, sind die 90%, die in der Folge vorkamen: Die beziehen sich aber auf 90% der Zeit hat die Technik funktioniert und es musste nicht ‘per Hand’ eine Linie gezogen werden. Die Schiri GmbH framte das nur anders:
So wurde die Technologie laut Schiri GmbH in der laufenden Saison „in rund 90 Prozent der Fälle“ in der Bundesliga und 2. Liga „erfolgreich und zuverlässig angewendet“. In den restlichen zehn Prozent wie zuletzt auf St. Pauli wurden mögliche Abseitspositionen „manuell durch die bewährten Prozesse überprüft“, wie etwa kalibrierte Abseitslinien.
Sie sagen also nichts über die Fehlerquote aus, aber wenn 10% die Fehlerquote wären, dann wäre das ein ziemlich hoher und kein niedriger Wert.
Im Übrigen bin ich hellhörig geworden, wenn ich höre, dass Bundesligaspiele anscheinend sehr unterschiedlich mit Kameras ausgestattet sind. Das bedeutet, dass die Fehlerwahrscheinlichkeit der Technologie auch von Spiel zu Spiel schwankt.
Kurzum: Die sollen einfach anfangen, für jedes Spiel die Messungenauigkeit auszuwerfen und sich anzeigen lassen, ob innerhalb der Messungenauigkeit ist (dann kein Abseits, im Zweifel für den Fußball und den Stürmer) oder eben nicht (dann auch Abseits). Dafür braucht es keine Linie und Diskussionen über Dicke und Pixel. Dafür müssen einfach Daten ausgeworfen werden und jemand muss die dann bitte in eine Ansage im Stadion übersetzen.
Kurzer von-Schirach-Hinweis Aktualitätshinweis:
Wer eine Talkshow sieht, sieht in der Regel Multimillionäre miteinander quatschen. Wer einen Politiker reden hört, hört in der Regel einem Multimillionär zu. Das braucht man nicht an Schirach festmachen.
Trotzdem möchte ich nur ganz kurz daraufhinweisen, dass Schirach wunderbar zur Torlinientechnik-Diskussion passt:
Vor Jahren hat die ARD “Terror - ihr Urteil” ausgestrahlt. Ein hochgradig manipulativer und clever gemachter Film, der ‘eine Debatte lostreten sollte’ über die Frage, ob man das Leben weniger zugunsten des Lebens vieler Opfern kann (etwas sehr zugespitzt). Basierend auf einem Schirach-Theaterstück und unter dessen Mitarbeit.
Der Film hat damals über die ganze Strecke das Thema aus allen Seiten versucht auszuleuchten, er hat es dem Zuschauer nicht leicht gemacht zu entscheiden, und dem Zuschauer ein moralisches Für-und-Wieder angeboten. Schauspielerisch war alles schön, dramaturgisch war der Film on point und nach dem Film konnte man abstimmen, ob man den Angeklagten (bei Schirach geht nur was mit Jura) jetzt für schuldig oder unschuldig hält. Klingt also tatsächlich nach einem Debattenbeitrag. War es nicht. Denn Lars Eidinger durfte als Verteidiger die letzten Minuten die vierte Wand durchbrechen und die Zuschauer quasi direkt ansprechen, während Martina Gedeck als Staatsanwältin nicht ‘direkt’ mit dem Publikum redete. Das fiel ehrlich gesagt kaum auf, hatte aber eine große Wirkung auf die Sogkraft der gesagten Worte.
Mit der Torlinientechnik ist es ähnlich: Man verkauft mir das als neutrales Ding, aber unter der Haube steckt mehr und fehlerfrei ist halt nicht - man glaubt aber mir das so verkaufen zu müssen und zu können.