Wie der Fußballgott es möchte, gibt es passend zur Abseitsdiskussion gleich das nächste Beispiel beim DFB-Pokal Spiel zwischen Leverkusen und Dortmund.
Das ist nun die Analyse, die wir im TV sehen. Es mag Abseits sein, aber puh… basierend auf diesen Bildern von einer klarer Fehlentscheidung zu sprechen, finde ich schon mutig.
Wer tut das? Beim Abseits ist es eine binäre Entscheidung: Ja oder nein. Dementsprechend ist ein Millimeter-Abseits genauso zu behandeln wie ein Meter-Abseits. Bei aktueller Regelauslegung und -definition.
Das bezweifelt niemand. Die Regeldefinition ist eindeutig. Der Zweifel besteht in der Messung und in der Frage, wer wen überzeugen muss.
Nehmen wir mal ein anderes Beispiel: Zwei Sprinter laufen die 100m und es gibt ein Fotofinish. Per Regeldefinition wird der Sprinter gewonnen haben, der die Ziellinie als erster überquert hat. Darin besteht kein Zweifel.
Es steht nun ein Schiedsrichter auf der Ziellinie und sagt, dass Sprinter A gewonnen hat (die Feldentscheidung). Wenn ich nun als „alter weißer Mann“ am Seitenrand stehe und zum Schiedsrichter rufe, dass ich mit meiner Armbanduhr die Zeit der beiden Sprintern - mit besten Wissen und Gewissen - gemessen hätte und ich festgestellt habe, dass Sprinter B eine kürzere Zeit als Sprinter A gebraucht hätte, weswegen ja eindeutig und regeltechnisch der Sprinter B das Rennen gewonnen haben muss, dann würde der Schiedsrichter wahrscheinlich rausrufen, dass ich dies überhaupt nicht so genau messen könnte und die Entscheidung des Schiedsrichters würde wahrscheinlich nicht geändert werden, da die Zweifel, die ich durch meine ungenaue Messmethode (Armbanduhr) erzeugt habe, nicht groß genug sind. Die Feldentscheidung würde daher stehen bleiben. Ganz egal nun, ob der Schiedsrichter oder ich als alter weißer Mann tatsächlich Recht haben. Der Schiedsrichter hat das Privileg des ersten calls und ich hätte ihm ja das Gegenteil zeigen müssen, was ich mit meiner Armbanduhr leider nicht konnte.
Wenn wir nun ein ähnlichen Fall betrachten und ich gegen Adeyemi sprinten müsste und der besagte Schiedsrichter aus irgendeinem Grund glauben würde, dass ich das Rennen gewonnen habe und der Alte-weiße-Mann-Assistent an der Seitenlinie reinrufen würde, dass Adeyemi 10 Sekunden gebraucht hat und Hakuna Matata eher 20 Sekunden gebraucht hat, dann wären die Zweifel wahrscheinlich groß genug, damit ich mich trotz der Feldentscheidung Adeyemi (knapp) geschlagen geben müsste und mein Pokal abgeben müsste.
Wenn wir nun den Exkurs vom Sportplatz verlassen und zum VAR zurückkehren, dann kommt halt die Komponente hinzu, dass der Beobachter, der Assistent mit der Armbanduhr im vorherigen Beispiel, tendenziell ein genaueres Ergebnis als der Schiedsrichter mit seinem ersten Call abliefern wird. Das Prinzip ist aber doch weiterhin das selbe - mindestens verstehe ich die Ausführungen von Alex Feuerherdt so. Der Schiedsrichter macht seinen ersten Call „kein Abseits“. Ich messe nach und stelle fest, dass mit meiner Messmethode der Spieler 1cm im Abseits ist. Wenn wir nun aber eine Messungenauigkeit von ±10+ cm haben, ist halt aus meiner Sicht schon mutig zu behaupten, dass der erste Call „sicher“ falsch ist.
Betreffend Abseits: Ich glaube, es ist das gleiche Problem, dass man in grossen Unternehmen sieht. Wenn ich auf dem Bolzplatz aus dem Abseits zurück gepfiffen werde, rege ich mich auf und habs am Abend vergessen. Wenn es um Millionen und Millionen und Arbeitsplätze geht, willst du Grauzonen vermeiden. Es soll nur Schwarz und Weiss geben. Du willst Fakten und Daten auf deren Grundlage du Entscheidungen treffen willst, weil dir das eine Rechtfertigung gibt, wenns schief läuft. Bei Grauzonen und Bauchgefühl machst du dich im Misserfolg angreifbar. Und dabei ist den Menschen völlig egal, ob die Datenerhebung Müll war
Wenn ein Stürmer einen Mikromilimeter im Abseits war, willst du sagen können: Ja oder Nein. Und auf keinen Fall willst du subjektiv entscheiden ob es ein Vorteil war und ggf. damit die eine oder andere Mannschaft in den Abstieg oder zu den Champions League Millionen oder einen Trainer zum Arbeitsamt schicken. Ob das dem Spiel zuträglich ist? Wohl nicht. Aber nachvollziehbar ist es, weil sonst am nächsten Tag auf dich draufgeprügelt wird
Warum eigentlich: Warum hätte er schon früher freigestellt werden sollen, wenn man mit ihm doch ein Projekt angehen wollte? Wäre es nicht viel erwartbarer gewesen, dass man ihm die nötige Zeit gibt? Und man hat das auch getan und man hätte auch zumindest bis zur Winterpause durchgezogen, hätte nicht Sandro Wagner von sich aus Zweifel gehabt und die letzte Motivation vermissen lassen. Wenn der Trainer selbst nicht mehr an sein Einwirkungsmöglichkeiten glaubt.
Und warum ventiliert man eigentlich ständig Entlassungen? Weil man die Leute unterhalten möchte? Ein Wunder, dass Blessin noch Trainer von Pauli ist. Oder Henriksen in Mainz.
Mit Thorup, mit Thorup wäre man natürlich in ruhigem Fahrwasser mit Entwicklungspotenzial. Erinnern wir uns: Jess Thorup stand vor einem Jahr nach einer 1:5-Klatsche in Kiel selbst vor dem aus. Er konnte die Wende schaffen und aus dem Abstiegskandidaten die vorübergehend beste Abwehr Europas formen. Dabei hatte er allerdings auch sehr sehr viel Spielglück bei dem man dem FCA eben dauernd vorhielt, wie unattraktiv er spielte - eine Zumutung - und dem armen FC St. Pauli, trotz 80 min ohne Chance noch zwei Punkte “stahl”. Wie in der Vorsaison konnte oder wollte die Mannschaft die Spannung nicht hochhalten. Eine Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb wäre möglich gewesen - vertändelt. Auch locker zu erreichende bessere Tabellenplätze, die mehr Fernsehgelder bedeutet hätten.
Ständig wurden einem mangelnde Ambitionen vorgehalten, aber als man welche entwickelte… öhm… der arme Jess Thorup,.
Man sei auf den Blender Sandro Wagner reingefallen. Kann man so sehen, vor allem, da er offenbar selbst die Lust am Job verloren hat. Allerdings war er eine der heißesten Aktien auf dem Trainermarkt. Man konnte ihn haben. Wer hätte abgeraten? Selbst jetzt sind noch viele Journalisten sehr gnädig mit ihm (er ist wohl allgemein recht beliebt), sagen ihm immer noch eine große Trainerkarriere voraus. Ich glaube der FCA hätte mit ihm noch weiter gemacht bis mindestens zur Halbzeit. Markus Weinzierl stand noch viel schlechter da in seiner ersten Saison. 7 Punkte nach 13 Spieltagen. Der neu dazugekommene Stefan Reuter hielt an ihm fest..
Also bitte kommt uns nicht damit, dass Sandro Wagner schon früher geflogen wäre, wenn er nicht Sandro Wagner wäre. Er wäre vllt. sogar gar nicht geflogen, wenn er nicht dünnhäutiger wäre als er vorgibt und wirkt. Ab der Leipzig-Pleite zuhause und dem anschließenden Pokal-Aus wirkte er nachgerade geschockt. Das ist eben der Nachteil eines Trainers ohne derartige Erfahrungen. Aber hätte man das voraussehen können (sollen)?
Oder ein „wir wissen es nicht genau, tun aber so, als wüssten wir’s, und machen daraus dann wieder eine vermeintlich binäre Entscheidung.“ Siehe Ausführungen oben. Der Aspekt fehlt leider in so gut wie jeder Diskussion.
Ich glaube nicht, dass ich das so definitiv formuliert gesagt habe, denn ich habe selbst nicht an eine Entlassung geglaubt. Auch weil wir im FCA Schwerpunkt ausgearbeitet haben, wie viele der Probleme aktuell eigentlich alte sind.
Dennoch finde ich den Gedanken interessant, wie ein anderer Trainer, mein Beispiel war Simonis, in einer ähnlichen Situation begleitet worden wäre. Warum der Gedanke dich offenbar so aufregt, weiß ich nicht.
War er das?
Verstehe mich nicht falsch, ich mag Wagner, weil er irgendwann bei DAZN gerafft hat, dass er vielleicht doch nicht der größte ist und mal ein bisschen seine großen Töne zurückfahren muss. Ich kann mir auch vorstellen, dass er ein guter oder sehr guter Trainer sein kann.
Aber Sandro Wagner war vor dieser Saison ein medial sehr gut vernetzter Trainer ohne Pro-Lizenz, der es vorher auf seinen zwei (!) Stationen jeweils knapp 2 Jahre ausgehalten hat.
Eine davon war ein Viertligist, die andere der Assistenztrainer des Nationaltrainers.
In seiner Spielerkarriere ist er durch markige Worte, großes Selbstbewusstsein und noch größeres Sendungsbewusstsein aufgefallen und hat gefühlt jedes Jahr den Klub gewechselt (die längste Zeit war er bei Hertha (3 Jahre)),
Ein Mann mit Ambitionen also und ohne erkennbares Konzept, denn weder in der 4. Liga noch in der Nationalmannschaft musste er für eine BuLi-Mannschaft planen.
Das ist kein heißer Scheiß.
Das ist kalkuliertes Risikoinvestment des FCA: Wagner kriegt eine Bühne, der FCA Aufmerksamkeit. Geht es gut, dann hat man für 1-2 Jahre einen besseren Platz in der TV-Geldertabelle gesichert und etwas für die Sponsoren getan. Geht es schief, dann wird man halt wieder zur grauen Maus, aber man kann sich als mutig inszenieren.
Mir kann jedenfalls niemand erzählen, dass einer von beiden (Wagner oder FCA) wirklich geglaubt hat, dass das länger als zwei Jahre gehen würde.
Und ja, ich glaube auch, dass viele andere Trainer seit längerem deutlich mehr mediales Feuer gekriegt hätten. Das haben historisch auch Augsburg-Trainer (Baum, Weinzierl, Thorup).
EDIT: Vielleicht ist es der Pepi-Transfer der Trainer-Transfers.
Wer weiß, vielleicht ist Wagner dann auch in zwei jahren mit Feyenord erfolgreich?
Ach, wär das schön, mal eine “Sandra Wagner” als TrainerIn in der 1. Männer-Bundesliga. Na, vielleicht ja irgendwann Sabrina Wittmann, die mit Sandro Wagner aktuell am DFB Pro Lizenz-Lehrgang teilnimmt.
Was ich an dieser ganzen Abseitsdiskussion spannend finde ist, alle fokussieren sich auf die Abseitslinie, die mittlerweile unter einem Mikroskop betrachtet wird. Meinem Verständnis nach bedarf es zweier Messpunkte. Der 2. Messpunkt wird aber niemals gezeigt. Wann verlässt der Ball den Fuß/Kopf?
Wann wird der 2. Messpunkt unter dem Mikroskop betrachtet?
Ich bin auf das Erklärvideo von Alex Feuerherdt gespannt.
Das wurde schon geändert, weil es die Videoüberprüfung präziser macht: Entscheidend ist nun der Kontakt mit dem Ball und nicht wann der Ball Fuß oder Kopf verlässt.
Haarspalterei, und in fast allen Situationen irrelevant, aber was wäre bei so einem “Schienbeinroller”, einem futsalesquen Schulter- und Nackenroller o.ä., wo der Ball nicht nur den einen Kontakt hat?
befürchte der ist dafür nicht der richtige Ansprechpartner, da eher keinerlei technische oder Naturwissenschaftliche Kompetenz hat.
Als er noch CollinasErben Influencer und nicht DFB-Pressesprecher war, hatte ich mal eine Diskussion mit ihm auf Twitter, wo er mir erklären wollte, in einem zweidimensionalen Kamerbild ein Lot zu fällen sei eine eindeutige Operation und nicht vollkommene Willkür des Anwenders
Alles klar, jetzt verstehe ich auch warum sich alle auf die Abseitslinie konzentrieren. Man hat also eine Konstante eingeführt um den Entscheidungsprozess (vermeintlich) zu vereinfachen. Was mich aber daran stört ist immer noch das Mikroskop welches angesetzt wird. Einen dynamischen Prozess mit Kameras die mehr fps als das menschliche Auge erfassen können im Fußball zu verwenden erscheint mir nicht zweckführend. Es macht die Linienrichter/in obsolet, denn sie sind nicht im Stande dies zu erkennen. Hinzu kommt noch das gleiche Höhe = 0 ist. Der viel zitierte Ermessensspielraum ist somit auch = 0, im mathematischen Sinne.