#22 Euer Input zum 22. Spieltag

Es steht die Besprechung des 22. und letzten Spieltags an. Wieder ist mit Carmen Höfflin eine ehemalige Fußballspielerin (u.a. beim SC Freiburg und SC Sand) am Start. Dazu gesellt sich Philipp Eitzinger (Twitter , Bluesky, Mastodon , @ballverliebt.eu ).
Im Gegensatz zu sonst werden die Spiele nicht einzlen analysiert, sondern im Hinblick auf die gesamte Saison besprochen.
Aufnahme startet wie immer am Montagabend.
Wir freuen uns über Euren wertvollen Input.
Und sehr gerne könnt ihr euch noch bei der Wahl von MVP, Unsung Heroine und Moment der Saison beteiligen. Das Ergebnis wird dann in der Sendung verkündet.
Siehe https://mitmachen.rasenfunk.de/t/mvp-wahl-23-24/6130

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Moment der Saison

war für mich am 2. Spieltag das Interview mit Fabienne Michel nach der Partie Frankfurt-Wolfsburg, als sie nach Sichtung der Videos sagte, der ausgebliebene Elfer-Pfiff beruhte auf einem Wahrnehmungsfehler ihrerseits. Ich empfinde höchsten Respekt und Hochachtung sich hinzustellen und offen zu sagen, es war leider ein Fehler, wie sie im Spiel die Spielsituation wahrgenommen hat, ohne Ausflüchte oder Entschuldigungen.

Mich hat das nachhaltig beeindruckt, und dazu animiert den Schiedsrichterinnen mehr Aufmerksamkeit zu widmen.
(Ich habe mir die Szene vielmals angeschaut und kann nachvollziehen, wie sie zu ihrer Entscheidung kam, Frohms rechtes Bein geht raus, der Ball fliegt zur Seite, im Blickwinkel der Schiedsrichterin sieht es aus als sei der Ball gespielt, die Frontkamera zeigt aber, dass Anyomi eine Zehntelsekunde eher den Ball nach links gespitzelt hat, also Foulspiel im Strafraum.
Im Rückspiel gab es auch eine strittige heftig diskutierte Szene im Torraum beim 1:0. Interessanterweise hat Carmen Höfflin bei Nina im Podcast #84 dazu ihre beachtenswerte Einschätzung gegeben, ob Bewertung als Foulspiel oder nicht, keine schwarz-weiss-Entscheidung.)

Uffrescher der Saison

Schiedsrichterinnen in der Kritik und Männer als Problemlösung – haha.

Die Diskussion war ja etwas seltsam, da sollten im hehren Sinne der Chancengleichheit Männer endlich auch die Frauen pfeifen dürfen, weil ja geschlechtsunabhängig nur Leistung zählt, sonst nichts, (was alle Frauen im Fussball ja nur bestätigen können)

Die Rahmenbedingungen der Frauen an die der Männer angleichen? Hat das jemand ernsthaft und nachdrücklich gefordert? Hab nichts gehört. Männer bekommen eine Grundsicherung ab 59.000 €, Frauen pfeifen komplett ehrenamtlich, neben dem Job, in ihrer Freizeit, mit Trainingsprogramm, mit Spielvorbereitung.
(Die Spanierinnen haben mit Erfolg gestreikt, um die Bedingungen der Schiedsrichterinnen an die der Männer anzugleichen, ein Spieltag fiel aus, Männer solidarisierten sich.)

„Nicht mehr hinnehmbare qualtitative und quantitative Mißstände.” Hat irgendjemand mal einen Faktencheck zu der Aussage Herrn Cankayas probiert, offensiv die Quote der Fehlentscheidungen von Männern und Frauen zu vergleichen? Ich habe eine einfache Rechnung gemacht, mit bekannten Zahlen der Männer.

In der Hinrunde kam der VAR insgesamt 117-mal zum Einsatz, bei 77 der 153 Partien wurde der VAR zu Hilfe gezogen. In 63 Fällen kam es zur Änderung der ursprünglichen Entscheidung der Unparteiischen auf dem Feld. (Sport1)

Umgerechnet auf die Frauen

In der Hinrunde kam der VAR 50-mal zum Einsatz. In 27 Fällen kam es zur Änderung der ursprünglichen Entscheidung der Unparteiischen auf dem Feld.

Bei 66 Partien in der Hinrunde hätten die Frauen ergo bei 50 Überprüfungen 27 Fehlerkorrekturen gut, heißt: Tor, Elfer, rote Karte.

Gab es in der Hinrunde 27 solcher Fehlentscheidungen?

Wie fällt der Vergleich Profi-Pfeifer Männer zu Hobby-Pfeifer Frauen aus?!

Ich bleib auch sehr skeptisch bei den Lösungen „VAR“ oder „Männerschiris einsetzen“ (statt langfristig Ausbilderung und Förderung intensivieren) und kann auch nicht mit empirischen Daten dienen, aber finde schon dass es diese Saison immer wieder Fehlentscheidungen von einer Qualität gibt, die man im Profibereich der Männer so lange nicht mehr sieht. Allein das aberkannte Tor für Freiburg heute zum nicht-3:1 war schon mehr als haarsträubend. Ca. 3 Meter (!) kein Abseits, drei (!!) Abwehrspielerinnen zwischen Herzog und Hoffmann, keine gegenläufige Bewegung - auch mit viel gutem Willen für die Schwierigkeit dieses Jobs geht das einfach nicht. Zum Glück in einer sportlich bedeutungslosen Partie und am Ende auch egal für den Spielausgang.