#26 – Euer Input für Schlusskonferenz 272

Geisterspieltag:
Ich fand es sehr ungewohnt und dennoch überwog die Freude nach 7 Wochen endlich wieder live Sport zu sehen. Auch wenn für einen Schalker diese “Freude” nach spätestens 60 Minuten vorbei war so ist man dennoch froh wenn wieder ein wenig “Normalität” einkehrt.

Masken/Abstandhaltung:
Hier schließe ich mich manchem Vorredner an das wenn sowieso regelmäßig getestet wird dann braucht es auf der Bank und Kabine keine Maske und beim jubeln muss es zwar nicht so ausarten wie bei Hertha aber trotzdem sollte man sich zusammen freuen können.

Vorbildsfunktion:
Hier fand ich die Pressekonferenz vom FC Augsburg und das Statement von Heiko Herrlich absolut inakzeptabel und um einiges schlimmer als der Jubel der Hertha Spieler.

Genau das ist eben nicht der Fall.

Mir gibt das sportlich und in Punkto Unterhaltungswert einfach so wenig, dass ich meine Freizeit nicht weiter nach den Anstoßzeiten ausrichten werde.

Hallo,
ich kann verstehen, wenn man die Thematik von Jubel und Körperkontakt für absurd hält. Und vielleicht gar nicht diskutieren will. Natürlich gibt es viele Punkte, die tatsächlich in sich nicht unbedingt logisch sind und in denen es viel um Symbolpolitik im Hygienekonzept geht. Die Spieler haben auf dem Platz ständig Kontakt, und was mag hier der Jubel ändern. Das ist ein valides Argument, das ich verstehe.

Bei der mal wieder eigenwilligen Debatte um Hertha BSC muss ich aber dennoch sagen, dass hier ein weiterer Punkt aufgemacht wird: Vertrauen.
Das ist eines der höchsten Güter in der gesamten Krise. Vertrauen in die Politik, in die Erkenntnisse der Wissenschaft und gerade bei den aktuellen Öffnung in das verantwortungsbewusste Handeln jedes Einzelnen.

Bei den Fussballvereinen kommt noch hinzu, dass das Hygienekonzept massiv auf Vertrauen in die richtige Umsetzung innnerhalb der Mannschaften basiert. Es sind z.B. anscheinend die Mannschaftsärzte usw. die die Tests durchführen. Gerade die Geschichte von Medizinern im Sport ist leider voll von Beispielen (in nahezu allen Sportarten), in denen nicht die Gesundheit des Athleten, sondern der sportliche Erfolg, finanzielle Interessen usw. handlungsleitend waren. Hier geht es viel darum, welche Leistungs- und Organisationskulturen vorherrschen.

Nun zum Fall Hertha. Im Gegensatz zu anderen Mannschaften, bei denen wir es höchstens vermuten können, wissen wir (Danke Kalou), dass Hertha hier einige Defizite vorzuweisen hat(te). Vergleicht man die Jubelpraxis der einzelnen Vereine, ist schon auffällig, dass sehr viele darum bemüht waren, hier gewisse Formen zu wahren. Entweder weil die Spieler das selber so durchgesetzt haben oder weil es Vereinsverantwortlichen gelungen ist, das durchzusetzen. Es ist gerade angesichts der Vorgeschichte augenfällig, dass ausgerechnet bei Hertha BSC hier ein Defizit besteht. Ich habe angesichts mehrerer Indizien doch einige Zweifel bekommen, ob man Hertha und der dort herrschenden Vereinskultur Vertrauen kann, mit der aktuellen Lage umgehen zu können. Ich mag das etwas zu hoch aufhängen und es mag Zufall sein. Ich verstehe, die Argumente, die auf Absurditäten hinweisen. Aber irgendwie lässt es mich nicht ganz los. Ich fände es besser, wenn die Tests bei den Spielern von externen Stellen durchgeführt würden (Kostenübernahme natürlich durch die Vereine). Bei allen Mannschaften. Aber insbesondere bei Hertha BSC.

Ich kann auch verstehen, dass man zu dem Schluss kommt, dass Abstandsregeln unsinnig sind, wenn die Spieler doch eh Kontakt haben. Aber aus wissenschaftlicher Sicht denke ich nicht, dass es tatsächlich Unsinn ist. Man steckt sich ja nicht bei jedem Kontakt sofort an. Schon mal gar nicht bei einem Zweikampf mit Bein-an-Bein oder Hüfte-an-Hüfte Kontakt. Die einzelnen Kontakte dauern auch meistens nur wenige Sekunden. Dazu alles im Freien. Wenn man dann im Gegensatz dazu den Kopf des Mitspielers in seine Hände nimmt und Stirn an Stirn steht… Da stehen die Chancen für eine Übertragung einfach deutlich höher, weil man dem Mitspieler direkt ins Gesicht atmet.

Natürlich wird getestet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Infizierter auf dem Platz steht ist sehr gering. Aber eben nicht 0. Ein gutes Konzept sichert sich ab und verlässt sich nicht nur auf eine Maßnahme. Für den Fall, dass also tatsächlich ein Infizierter am Spiel teilnimmt, ist es sinnvoll die Kontakte zu minimieren. Gerade mit den eigenen Teamkollegen hätte man ansonsten ja auch weniger Kontakt, da man mit denen keine Zweikämpfe führt. Man steht höchstens mal in der Mauer nebeneinander.

Mich würden ja auch Statistiken dazu mal interessieren, wer tatsächlich wie lange Kontakt mit wem hat. Ich achte jetzt auch etwas mehr darauf, aber so viele „gefährliche“ Situationen finde ich gar nicht. Auch bei Ecken warten zum Beispiel alle mit Abstand zueinander. Da bilde ich mir zumindest ein, dass es weniger Gedränge gibt als früher, in der Zeit bevor der Ball in der Luft ist.

Hertha finde ich auch leicht bedenklich. Hat da der komplette Club nicht verstanden, um was es geht? Oder interessiert es sie nur nicht? Einmal kann sowas ja passieren, aber danach sollte man doch sensibilisiert sein, und sich Mühe geben, nicht wieder aufzufallen.


Zum Spieltag: Ich finde, die Spiele lassen sich gut schauen. Bei den Spielen ohne emotionalen Bezug meinerseits stört es mich nicht sonderlich. Klar, es ist schon etwas merkwürdig, dass es so still ist. Aber mit Zuschauern habe ich da eben auch keine großen Emotionen, da passt diese etwas sterile Atmosphäre irgendwie.
Ein abschließendes Fazit ziehe ich dann aber erst, wenn mein Verein gespielt hat. Aktuell kann ich noch nicht einschätzen, wie sich das anfühlen wird.

Hier mal meine Beobachtungen des 26. Spieltages (insb. des Revierderbys aus Sicht eines schwatzgelben). Ich gehe dabei nur auf den Spieltag ein, für eine fundierte Meinung zur Fortsetzung im Generellen muss ich noch etwas in mich gehen.

Auf dem Platz:
Zunächst hatte ich schlimmstes erwartet, als ich die Startformation von Dortmund gesehen habe, aber ich war dann doch (sehr) positiv überrascht. Insbesondere Dahoud und Akanji hatten meine Erwartungen übertroffen und sind deutlich stärker aus der Pause wiedergekommen. Vermutlich können sie ohne die Nörgler auf den Tribünen nun befreiter aufspielen und ihre Qualitäten zeigen. Meint ihr, dass solche „sensiblen“ Spieler jetzt deutlich mehr Spielzeit bekommen werden während den Geisterspielen? Eventuell gibt es jetzt einen leichten Shift weg von „Mentalitätsmonstern“?
Ansonsten war es schön zu sehen, dass Guerreiro und Brandt da weiter machen wo sie aufgehört hatten. Bin gespannt wie sich die Auswärts-Borussia nächste Woche schlägt.

Neben dem Platz:
Ich war erfreut davon, dass der Verein zumindest nicht versucht hat die leeren Tribünen zu „verstecken“ oder ähnliches. Im Gegenteil, ich hatte fast den Eindruck sie hätten versucht es maximal merkwürdig zu gestalten mit YNWA und Feier vor der Süd nach dem Spiel.
Generell war es interessant zu sehen welche Vereine große Banner auf ihren leeren Blöcken hatten:

  • mit Banner: Düsseldorf, Hoffenheim, Augsburg
  • ohne Banner: Union, Köln, Frankfurt, Dortmund

Ein Muster in dieser Verteilung zu finden überlasse ich den Lesern. (Ein Tip: die eine Gruppe hatte ausnahmslos über 97% Stadionauslastung, die andere Gruppe unter 93%)
RaBa war dabei der einzige Club der Banner von Fans im Stadion hatte.

Hinter dem TV:
Für mich fühlte sich das Spiel an, wie ein Testspiel im Trainingslager, nur dass die Spieler nicht so müde waren wie sonst. Dementsprechend entspannt konnte man das Revierderby auch verfolgen… was irgendwie nicht der Sinn des Ganzen ist.
Ein Derby ist aber kein normales Spiel, daher warte ich noch einmal eine Woche ab, wie interessiert man ein „normales“ Geisterspiel verfolgen kann.

Erstes Fazit:
Ich glaube mit Geisterspielen kann man Menschen die schon Fußballfans sind halten und auch unterhalten. Aber neue Fußballfans gewinnt man so nicht, ohne dass man sie mit ins Stadion nimmt und sie dort die Atmosphäre und Emotionen erleben können. Es ist halt nur ein Methadon…

Randbemerkung:
Geht es eigentlich allen Vereinen so, dass die Berichterstatter konsequent Spieler verwechseln? Damit meine ich nicht in der Liveübertragung wo es schnell gehen kann, sondern in Sportschau/Sportstudio oder auch im Spielbericht vom Kicker. Früher meistens Akanji/Diallo/Zagadou, aber jetzt auch Brandt/Haaland. Mir fällt es natürlich zumeist bei meinem Verein auf, daher kurze Frage an die anderen: Ist das häufig? Wem darf man noch trauen? :wink:

EDIT
Ich sehe gerade, dass Köln doch ein paar Trikots auf der Tribüne verteilt hatte. Möchte dies der Form halber nur richtig stellen.

1 Like

Danke für euren Input! Sendung startet bald.