Ich kann alles unterschreiben, was Max zum Thema Müller sagt, trotzdem finde ich die Sichtweise, wie sie im SZ-Podcast aufgemacht wird, durchaus auch legitim.
Außerdem kommt mir ein Punkt bei Max zu kurz: ich denke, die Kahn/Brazzo Ära wirkt immer noch nach. Und damit meine ich nicht nur die falschen Spieler und die teuren Verträge und die unnötige Nagelsmann-Entlassung und das noch unnötigere Tuchel-Experiment.
Der Knackpunkt ist mMn, dass Hoeneß und Rummenigge noch traumatisiert davon sind, dass sie es bei Kahn und Brazzo ja genau so versucht haben: nämlich sich zurückziehen, die Verantwortlichen machen lassen und nur einzugreifen, wenn sie der Ansicht sind, dass das Schiff auf einem völlig falschen Kurs liegt. Das ist damals kolossal schief gegangen, weil zumindest Brazzo die falsche Personalentscheidung von H&R war – und weil die Leine in seinem Fall viel zu lang war.
Jetzt führt das dazu, dass H&R sich bei jedem Kleinscheiß einmischen, weil sie Angst haben, dass wieder was falsch läuft. D.h. bizarrer Weise verhalten sie sich jetzt so, wie sie es bei Brazzo & Oli tun hätten müssen, und umgekehrt.
Das ist natürlich auch ein Fehler, der Hoeneß und Rummenigge anzulasten ist, aber eher ein Systemfehler, und ich denke, man sollte auch hier nicht nur auf der persönlichen und emotionalen Ebene argumentieren.
Und einen anderen Punkt habe ich auch noch: die Reus & Hummels-Rausschmisse beim BVB letztes Jahr waren mMn doch ähnlich unwürdig wie jetzt bei Müller. Liegt das daran, dass beide Vereine ähnliche Probleme haben (unklare Strukturen in der Führungsebene, Angst vor sportlichem Abstieg), oder ist das (auch) dem Strukturwandel des Fußballs zuzuschreiben? Siehe das Gezerre um Salah und van Dijk, siehe PSG/Mbappé, Barça/Messi, etc.pp. Wäre doch mal eine Frage, der man nachgehen könnte.