Danke für den Link bei BlueSky, Max! Aus neutraler Sicht auf jeden Fall unterhaltsam. Jetzt weiß ich, wie man “Da lach ich mir doch den Arsch ab!” bzw. “…ist doch alles blablabla ist das doch” auf Englisch mit spanischem Akzent ausdrückt.
Ich fand es in der Causa überraschend, dass sich die Einschätzung zwischen Fans und Medien diametral zu unterscheiden scheinen. Ich habe mich mal ein bisschen durch die Kommentarspalten geklickt, und die Stimmung scheint doch einhellig pro Riera, verbunden mit Medienkritik zu sein, und das obwohl ich in den vergangenen Wochen das Gefühl hatte, dass Eintracht-Fans auch zunehmend genervt von ihm sind.
Auf der anderen Seite spricht beispielsweise Phil Hoffmeister davon, dass Riera in seiner eigenen Welt leben würde und unterstellt ihm sogar “trumpeske Züge”.
Ist Riera nicht einfach aus Spanien eine ganz andere Medienlandschaft gewöhnt? In Spanien (und vielen anderen Ländern) scheinen sich (Sport-)Journalist:innen ja vor allem als Fans ihrer (lokalen) Teams zu verstehen, die mit Trainer, Verein und Mannschaft gemeinsam am Erfolg arbeiten. Zumindest hab ich das mal wo aufgeschnappt.
Das nehme ich ganz anders war. Ich verfolg spanische Fußballmedien jetzt nicht so intensiv wie deutsche, trotzdem seh ich da im Grunde sehr ähnliche Fraktionen, gibt die boulevardesken Medien und die aus dem Fanumfeld in ähnlicher Ausprägung wie hier, auch da will man gerne mal Schlagzeilen produzieren auf die Leute raufklicken und viele Dynamiken sind 1:1 vergleichbar. Kannst du erklären wie du zu deiner Einschätzung kommst?
(Ein Medium mit dem inhaltlichen Anspruch vom Rasenfunk kenn ich aber noch nicht, falls da jemand eine Empfehlung hat könnt ihr mir gerne eine Nachricht schreiben :D)
ich glaube, Javier Cáceres hat das mal in der SZ so beschrieben, wenn ich mich recht erinnere, dass man in Spanien eben kritische Fragen von Journalisten nicht gewohnt sei, außer es läuft schlecht und/oder jemand hat einen auf dem Kieker. Kann aber auch wer im Rasenfunk oder bei Football Weekly gewesen sein. Jedenfalls eine vertrauenswürdige Quelle.
Darum muss es kein Zeichen von Panik oder Paranoia sein, dass Riera hinter kritischen Fragen eine Agenda vermutet.
Dass es hier wie dort unterschiedliche Facetten des Journalismus gibt, ist eh klar, ich denke es gibt auch bei uns Journalist:innen, die ihre Aufgabe eher unterstützend verstehen als kritisch, und inzwischen wird hier wie dort die Masse des Veröffentlichten einfach clickbait-getrieben sein.
Dennoch scheinen sich auch große Medien in Spanien eher zu deklarieren, Marca und AS gelten als Real-nah und Perez-hörig, Sport und Mundo Deportivo als Barça-Fanzines, um es mal etwas zugespitzt auszudrücken.
Und hier sitze ich und dachte, dass vielleicht auch bei verbreiteteren Medien sowas mal mit Hauch von Kritik versehen sein könnte. Nicht gegen den Spieler, der will um alles weiterspielen. Aber daran das zuzulassen.
Wahrscheinlich ist bei den meisten anderen die Überraschung da auch einfach nicht mehr groß, wegen zu vieler ähnlicher Situationen.
Weiß man, wie man nach Toppmöllers Entlassung ausgerechnet auf Riera gekommen ist? Bislang war das in allen Belangen ein kompletter Griff ins Klo – und das auch ein wenig mit Ansage, wenn man verfolgt, wie es auf seinen bisherigen Trainerstationen so gelaufen ist.
Man wollte da weitermachen wo Toppmöller aufgehört hat und eine langfristige Lösung. Gleichzeitig ist es offensichtlich schwer im Frühjahr einen Trainer zu finden siehe Dortmund letztes Jahr. Da hat man dann zu einem Trainer gegriffen, der in einem kleinen Land sehr erfolgreich ist mit genau dem Fußball, den jeder spielen will. Ist schon irgendwo logisch.
Die Frage ist eher warum es danach plötzlich alles besser laufen sollte mit fast den gleichen Spielern und Toppmöller 2.0. Ich dachte dass es funktioniert aber schon damals war fraglich warum man weiter macht mit dem was nicht funktioniert hat. Natürlich will man nicht immer seine Spielweise ändern aber dann muss man entweder mehr im Winter machen oder kurzfristig akzeptieren dass die Stärken woanders liegen.
Am Ende ist von der Fantasie die Riera damals verkörpert hat relativ wenig übrig geblieben.
Toppmöller wollte halt den Ballbesitzfußball etablieren; wissen wir ja alle. Hat im Grunde nicht so geklappt, was aber durch Einzelkünstler kaschiert wurde. Die waren dann weg. Dazu Verletzungen wichtiger Spieler. Und Wahi durfte er auch nicht ersetzen.
Das führte zu unansehnlichen Fußball. Da hat die Führung interveniert und gesagt „so geht das aber nicht“. Also gab es die Gegentorflut; nach der Intervention von oben.
Riera ist u.a. deswegen gekommen (angeblich auch wg. fehlendem Teamgefüge, glaubt man Ausführungen zwischen den Zeilen).
Was macht er? Stabilisiert die Abwehr (was Dino nicht „durfte“; s.o.) und versucht das Teamgefüge durch Positionswechsel ein wenig durchzurütteln.
Jetzt haben wir in Frankfurt eine noch stärker verunsicherte Mannschaft und gute Individualisten die angepisst sind (siehe Doans Tor-„Jubel“ letzte Woche). Kalimuendo habe ich – meiner Erinnerung nach – zu Dinos Zeiten stärker in der Mitte gesehen. Warum Ebnoutalib bis heute auf seinen Einsatz nach Verletzung warten musste weiß niemand. Das Experiment mit Brown geht – meiner Meinung nach – auch nicht auf.
Für das Knacken von Abwehrriegeln war mal Mario Götze geholt worden. In meinen Augen könnten Doan und Uzun durch Einzelaktionen so etwas ebenfalls machen – wenn sie mal (gemeinsam) zum Einsatz kämen.
Und jetzt habe ich noch nicht die Entscheidung des Managements beleuchtet, zu Beginn der Saison die Achse Trapp – Tuta – [immer fehlender Ersatz für Rhode] – Ekitike zu unterschätzen (s.o. auch „Teamgefüge“). Und eine Abwehr fängt eben auch mit der Organisation durch den Torwart an. Aber Krösche hat halt bei Santos Dollarzeichen in den Augen gehabt. Obwohl man schon im ersten EL-Einsatz von Santos gesehen hat, dass da noch einiges fehlt. OK, dafür spricht, dass man auch langfristig auf der Position agieren wollte.
Aber da sind halt von der Führungsetage her entscheidende Fehler gemacht worden. Die Dino irgendwann nicht mehr auffangen konnte und Riera… naja, was er kann weiß ich nicht einzuschätzen. Vielleicht ist er ein Blender, vielleicht versucht er einfach die Scherben irgendwie zusammenzukleben. Mir fehlt da aber ein erkennbarer Plan. Bei Dino wusste man z.B. immer, dass ab der 70ten ein spielerischer Wechsel stattfindendet. Riera wechselt den neuen Offensivman in der 86ten ein; naja…
Ich kann übrigens sehr viele Handlungen im Einzelnen, mit jeweiligem Handlungsdruck, nachvollziehen. Sei es von Krösche (Erwartungen, Transfermarkt, veränderte Stellung der SGE), von Toppmöller (das Stadion „anzünden“) oder auch von Riera (sogar seine PKs, die ich inhaltlich gar nicht so problematisch fand). Aber so ist das halt, wenn sich mehrere Fäden verheddert haben. Und, wenn man Jahr für Jahr die hohe Qualität an Spielern weggibt (weggeben muss) und letztlich immer ein gewisses „Mittelmaß“ (nicht menschlich abwertend gemeint, aber ich weiß es nicht besser zu umschreiben) zurück bleibt. Irgendwann lässt sich das nicht mehr auffangen. Wobei das eher auf Spieler wie N’dicka, Pacho, Marmoush und Ekitike zutrifft.
[Edit] eigentlich müsste man auch mal die Veränderungen in der medizinischen Abteilung beleuchten und auf psychologische Dingen im Saisonverlauf eingehen. Sei es die CL, sei es das Hinspiel gegen Gladbach, was rückblickend ein Knackpunkt war
Ist das wirklich so? Was ich so von den Eintracht-Fans aus meinem Umfeld höre ist eher neutral gegen Rieras auftreten, aber kritisch gegenüber den Ergebnissen und auch den Leistung der Manschaft, was dann halt auch auf die “Gesamtbewertung” von Riera durschlägt (sind jetzt 1 Sieg, 2 Unentschieden, 3 Niederlagen in den letzten 6 Spielen LDWLDL, der Sieg gegen Wolfsburg war mindestens etwas glücklich, gegen Leipzig war es gefühlt ein klassenunterschied). Ich mein, er geht in das Spiel gegen den HSV rein mit der Aussage “Mein Plan ist es zu gewinnen” und “how nice the atmosphere was this week” (da würde ich ihm aber zugute halten, dass er Englisch als Fremdsprache spricht, wenn das ein “native speaker” so formulieren würde, würde da eine Menge Unterton mitschwingen für mich, so war es glaube ich einfach als Feststellung gedacht, wie gut die Woche lief), sagt nix über Taktik und hält eine 6 minütige Wutrede, und dann verlierst du gegen den HSV 1:2, nach dem du 1:0 führst. Wie machst du dich da als Trainer nicht angreifbar?! Und es gibt ja durchaus diskutable Personalentscheidungen, die man zumindest so oder so diskutieren kann. Ich wäre sehr überrascht, wenn es da aktuell Stimmen gibt, die ihn positiv sehen in Frankfurt.