Gelb für Sancho - was meint ihr?

Ich stelle bei mir selber fest, dass es mich extrem stört, dass ein Spieler wie Sancho für seine Solidaritätsbekundung für George Floyd gelb bekommt. Gleichzeitig verstehe ich aber auch, dass die Regeln den Schiedsrichtern keinen Spielraum lassen. Es betrifft in diesem Fall eine Botschaft die 99 Prozent der Menschen unterstützen werden, das ist natürlich nicht immer so (ich nenne Paolo di Canio), aber es wirft meiner Meinung nach im Fall Sancho ein schlechtes Licht auf die Schiedsrichter. Seht ihr Möglichkeiten, wie man besser mit so einer Situation umgehen könnte?

So wie das auf dem Bild da aussieht, hat er sein Trikot ausgezogen. Ist das richtig? Dann hat er die gelbe Karte genau dafür bekommen und das finde ich dann auch richtig. Wirft auch in meinen Augen kein schlechtes Licht auf den Schiri.

Für die Message wird Sancho dann vom DFB bestraft, denn laut Regeln ist das ja verboten. ABER da bin ich dann bei dir, dass sollte sich der DFB doch tunlichst verkneifen. Nicht zuletzt weil er die Message ja die (angelbichen) Werte des DFB wiederspiegelt.

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Er hat sein Trikot ausgezogen, ja. Aber trotzdem fände ich es als Schiedsrichter extrem unangenehm, einem Spieler nach so einer Geste gelb zu zeigen. Sancho hat seine Bühne für ein Statement genutzt und wollte denke ich die größtmögliche Wirkung. Ich empfinde dass als extrem unpassend. Ich würde mir wünschen, dass Schiedsrichter so etwas „übersehen“…

Eine Strafe durch den DFB wäre meiner Meinung nach geradezu absurd.

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Ergänzend: https://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-jadon-sancho-and-co-warum-ihr-protest-gegen-rassismus-um-die-welt-geht-a-3b19c944-9a08-4080-9ff4-07e6d3dc6489

Also laut aktuellen Regeln (wenn ich sie denn richtig verstanden habe) gibt es für Slogans und Botschaften auf T-Shirts unter dem Trikot erstmal keine gelbe Karte. Das war früher wohl auch schon anders. Die Schiedsrichter*innen müssen dies inkl. Text aber im Spielbericht erwähnen und der DFB entscheidet nach dem Spiel über eine Strafe für den Spieler.

Das Ausziehen oder über den Kopfziehen eines Trikots beim Torjubel gibt aber sehr wohl eine gelbe Karte und das wissen die Spieler auch alle. Insofern wurde hier alles richtig gemacht. Zumal sich sein Mitspieler Hakimi ja offenbar „schlauer“ angestellt hat indem er nur sein Trikot hoch gezogen hat.

Es wäre, meiner Meinung nach, auch nicht zumutbar die Schiedsrichterinnen darüber entscheiden zu lassen, ob eine Botschaft nun strafwürdig ist oder nicht. Vor allem bei politischen Aussagen oder Themen die nicht so präsent in der Öffentlichkeit stehen wird das doch sehr schwierig; oder wenn sie in einer Sprache verfasst sind, die der/die Schiedsrichterin nicht versteht. Vermutlich hat man deswegen auch die Regeln wieder geändert (wenn ich das richtig verstanden habe) und über Botschaften wird nach dem Spiel entschieden.

Achso und zum Thema unangenehm…

Frag mal Deniz Aytekin zum Thema Hannover und Gelb-Rote Karte :wink:
Dem war das damals auch „unangenehm“ dass er für Trikot ausziehen und Zaunjubel dem Spieler eine Gelb-Rote geben musste. Ich meine er hätte sogar berichtet, dass er sich beim Spieler „entschuldigt“ hätte, dass er das jetzt tun muß. Aber das zeichnet doch einen guten Schiedsrichter aus, dass er nach den Regeln, im Rahmen seines Spielraums, und nicht nach seinem Empfinden pfeift.

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Das mit Aytekin hab ich auch noch so im Kopf.
Der hat sich regelrecht selbst an den Kopf langen müssen, ob der Regeln. Aber er musste sie nunmal anwenden. :wink:

Die Frage nach „Gelb für Sancho?“ ist ja unstrittig. Trikot ausgezogen, Karte.

Auch die faktische Lage für politische Statements ist, so gesehen, klar und gehört nach Regelauslegung durch den Verband bestraft. In diesem Falle ist es selbstverständlich eine bittere Situation. Im Idealfall bittet der Verband die Spieler symbolisch zur Kasse und sie spendend as Geld im vollen Umfang an Projekte, die antirassistische Arbeit leisten. So hält man die Formalitäten ein und kommt moralisch sauber aus der Sache raus.

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Das finde ich eine gute Lösung.

Ja, das wäre sicherlich der beste Weg.
Man könnte aber auch schlicht die Frage stellen, ob das Engagement gegen Rassismus überhaupt eine politische Botschaft ist und nicht vielmehr eine Gesellschaftliche?
DFL und/oder DFB engagieren sich (glaubwürdig oder nicht ist eine andere Frage) gegen Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem. In den Regeln wird von „politischen, religiösen oder persönlichen Slogans“ gesprochen und schließt gesellschaftliche Statements nicht aus. Aber das ist vielleicht auch Streit um des Kaisers Bart und wird der Situation bzw. der Wichtigkeit der Botschaft nicht gerecht.

Ist auch eine Chance für den DFB zu seinen Worten zu stehen: symbolische Strafe für den Spieler und Aufstockung des Betrages durch den DFB. Wäre doch was. (Internationale) Solidarität fängt nämlich bei Jedem und vor der eigenen Haustür statt.

Hier habt ihr das offizielle Statement

Im Spiel gegen den SV Werder Bremen am Samstag (30. Mai) trug Schalke-Spieler Weston McKennie eine Armbinde mit der Aufschrift „Justice for George“.
Warum soll hier eine Untersuchung durch den DFB-Kontrollausschuss erfolgen?
In den vom zuständigen International Football Association Board (IFAB) verabschiedeten und vom DFB übernommenen Regeln zur Saison 2019/2020 heißt es unter anderem: „Die Ausrüstung darf keine politischen, religiösen oder persönlichen Slogans, Botschaften oder Bilder aufweisen. Spieler dürfen keine Unterwäsche mit politischen, religiösen oder persönlichen Slogans, Botschaften oder Bildern oder Werbeaufschriften mit Ausnahme des Herstellerlogos zur Schau stellen. Bei einem Verstoß gegen diese Bestimmung wird der Spieler und/oder das Team durch den Wettbewerbsorganisator, den nationalen Fußballverband oder die FIFA sanktioniert.“ Die Schiedsrichter müssen mögliche Verstöße gegen diese Regelung nicht ahnden. Die Untersuchung der Sachlage obliegt im Falle des DFB dem Kontrollausschuss.

Gleiche Regel trifft auch auf die Spieler Jadon Sancho und Achraf Hakimi von Borussia Dortmund zu, die im Spiel gegen den SC Paderborn am Sonntag (31. Mai) ein Shirt mit der Aufschrift „Justice for George“ unter ihrem Trikot trugen und dieses beim Torjubel zur Schau stellten.
Doch warum wurde Jadon Sancho verwarnt? Die Gelbe Karte, die der Offensivmann der Dortmunder nach seinem Torjubel zum zwischenzeitlichen 2:0 sah, hatte nichts mit der Solidaritätsbekundung des Angreifers zu tun. Schiedsrichter Daniel Siebert handelte hier nach geltendem Regelwerk. Regel Nummer 12 („Fouls und unsportliches Betragen“) besagt, dass ein Spieler, der sein Trikot beim Torjubel auszieht oder über den Kopf zieht, wegen unsportlichen Betragens verwarnt wird. „Dies ist gemäß Regel Nr. 12 klar als regelwidriges Verhalten definiert und unabhängig von einer politischen Botschaft zu sehen“, erklärt Lutz Michael Fröhlich, Sportlicher Leiter der Elite-Schiedsrichter beim DFB.

Als Sancho das zweite Tor geschossen hatte, habe ich mir gedacht, dass doch ein anderer Spieler ihm das Trikot ausziehen könnte um die gelb-rote zu vermeiden.

An Aytekin erinnere ich mich auch noch. Und du hast in der Tat recht wen du sagst, dass ein Schiedsrichter natürlich keine Partei ergreifen darf und kann - somit ist Gelb wohl in der Tat unausweichlich. Sonst wäre die Regelauslegung ja nach politischer Ausrichtung des Schiedsrichters. Ich bleibe allerdings der Meinung, dass eine Strafe durch den DFB völlig unangebracht wäre. Dann bestraft der DFB eine Botschaft, mit der er ansonsten jede nicht für Werbung verwendete freie Oberfläche verwendet…

Zum Glück gibt es keine weiteren Konsequenzen…

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„Im konkreten Fall handelt es sich aber um gezielte Anti-Rassismus-Aktionen der Spieler, die sich damit für Werte stark machen, für die der DFB ebenfalls steht und immer eintritt. Daher werden keine Verfahren eingeleitet, auch bei vergleichbaren Anti-Rassismus-Aktionen in den nächsten Wochen nicht.“ (Dr. Anton Nachreiner)

Versteh ich das richtig: Es erfolgen keine Sanktionen, da sich die Aktionen auf einen ganz akuten Einzelfall beziehen? Ich meine, sorry. Sämtliche antirassistische Aktionen von Spielern sind gezielt.

In diesem Zusammenhang muss dann doch tatsächlich hinterfragen, warum überhaupt im raum stand, diese Aktionen zu sanktionieren. Wolfsburg macht sich ohne schon extrem für Antihomophobie stark (Regenbogen-Binde, jetzt auch das Regenbogen Sponsorenlogo). Dafür werden sie schließlich auch nicht belangt. Oder gibt es dafür eine gesonderte Genehmigung?

Würde mich interessieren, was passiert wäre, würden derzeit nicht der Mord um Floyd und die danach ausgebrochenen Proteste existieren.

So gut es natürlich ist: Aber bei mir bleibt dann doch ein vor der Fifa kuschender DFB und eine sich reinwaschen wollende Fifa hängen. Ich will denen auch nicht unnötig ans Bein pinkeln, aber zu jedem anderen Zeitpunkt wären die Spieler doch 100%ig zur Kasse gebeten wurden.

Der DFB lässt sich maximal viel Spielraum für künftige „Vorfälle“, soviel ist klar.

Provokante Frage: Was würde passieren, wenn ein Spieler eine pro-Qatar Botschaft zeigen würde? Das wären ja auch Werte die der DFB vertritt…

Büchse der Pandora!

Dann öffnest Du mit der gleichen Begründung auch die Möglichkeit ungestraft das Gegenteil zu postulieren!

Nein, stimmt nicht. Das eine stimmt mit den Statuten des DFB überein, das andere nicht.

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Bitte?

Wenn man sagt, dass das Engagement GEGEN Rassismus keine politische Botschaft ist, wie kann dann das Gegenteil eine politische Botschaft sein?!

Wie bigott ist denn bitte das?!

Wenn es OK ist zu sagen: #blacklifematters , warum sollte man dann den Gegenpart nicht betonen dürfen?! vgl. Aussage von Drew Brees.
Das kann ich ja persönlich daneben finden, aber mehr dann bitte nicht.

Gehen wir aber mal von diesem stark emotionalisierten Thema weg.

„Danke Jesus“ wäre OK, aber „Danke FSM“ nicht?
Oder „Ich danke mir, da ich mir alles selber erarbeitet habe und nicht an Gott glaube“?!

Wie soll denn das durchgesetzt werden.
Entweder erlaubt oder nicht, entweder Sanktion oder nicht.

Aber nach aktueller Wetterlage das zu entscheiden, erachte ich als weitreichendes Problem.

Man stelle sich vor, dass ein Spieler ein T-Shirt trägt, in der aktuellen Lage, auf der steht: „Ich stehe hinter der Polizei!“ und vielleicht noch eine USA- Flagge daneben.

Dann passiert Deiner Meinung nach was?!

Du machst den Widerspruch eigentlich gut deutlich. Die rassistische Ideologie IST politisch. Der Antirassismus ebenso. Das wird im konkreten Fall des Widerstands gegen den institutionalisierten Rassismus der Polizei in den USA nur noch deutlicher.

Die DFL und internationalen Richtlinien haben in erster Linie den Zweck die Vermarktung des Fußballs von Störfaktoren und unangenehmen Themen fernzuhalten, dafür eine Drohkulisse aufzubauen und ggfs. eingreifen zu können. Unpolitisch sein oder Politik irgendwo rauszuhalten heißt nun mal die Bestätigung der bestehenden Verhältnisse. Bei politisch opportunen Themen oder zur Besänftigung/ Deeskalation macht es aber häufig Sinn keine Bestrafung zu verhängen. Im konkreten Fall ist es auch die örtliche Distanz, durch die es vielen Leuten plötzlich leicht fällt etwas gegen Rassismus zu sagen, sowie die Tatsache, dass das Thema durch die Masse der Proteste und die aktuelle mediale Aufmerksamkeit zu groß ist um es irgendwo komplett rauszuhalten (und es dadurch auch keinen Druck durch irgendwelche wichtigen Vermarktungspartner gibt). Daher würde die Reaktion bei Themen wie dem Mord an Oury Jalloh oder der Repression von Uiguren bestimmt etwas anders aussehen.

Daher halte ich die Argumentation Antirassismus ist nicht politisch für falsch. Die Ablehnung sollte vielmehr gegen diesen § 36 und ähnliche Richtlinien gehen.