Giganto WM 2026 - ist DAS die Zukunft des Fußballs

#1

Die 23. WM soll in Kanada, USA und Mexiko stattfinden, und wenn ich mir einige ansehe, was da geplant ist, kommen mir mal wieder Bedenken in welche Richtung der Fußball geht.
Zuerst mal die Stadien, 23(!) Stück, von denen nur 4 unter 60K fassen, 12 über 70K und davon nochmal 5 über 80 K mit dem neuen LA Stadium mit geplanten 100K.
Dann haben wir eine WM in drei Ländern. Von denen in der Verangenheit noch 2 (USA 1994, Mexiko 1986) alleine tragen konnte. Ist das jetzt schon ein Anzeichen, dass eine WM in der aktuellen Größe kaum noch ein einzelnes Land tragen kann, bis auf sehr wenige Ausnahmen?
Dann ist da schon allein die logistische Frage, mit einer Nord-Süd Ausdehnung von 4000 Kilometern wird das wohl eine Herausforderung, von Standort zu Standort zu kommen, je nachdem, wie das Turnier dann geplant sein wird.
Was sagt das jetzt aus über die Zukunft des Fußball? Wird es immer noch weiter und weiter aufgeblasen werden? Auch für nachfolgend WMs dann, ich hab das Gefühl, dass damit, vor Allem mit den Stadiengrößen, schon eine Meßlatte gesetzt wird und es fraglich ist, ob man davon zurück gehen kann? Wenn nicht, grenzt das allein schon die möglichen Kandidaten für weitere WMs noch weiter ein.
In meinem Gefühl ist es dann auch nicht mehr weit hin zu einer Kontinent-WM. Und ich weiß nicht, wie ich das dann finden würde (Wobei, das steht ja schon früher an mit der Europa EM…)
Schöne neue (Fußball) Welt?

#2

Ich hab (bei ran.de) gelesen dass die FIFA bis 2021 16 Stadien auswählen wird. Und die Stadien in den USA, die da gezeigt werden, sind zum größten Teil NFL-Stadien + die Rose Bowl, und die sind erstens schon da und zweitens jetzt schon riesig. Das wäre für mich bei allem Gigantismus eher ein gutes Zeichen wenn da nicht sinnlos neue Stadien gebaut werden die hinterher keiner braucht… wobei ich nicht weiß wie viel Kohle da gegenebenfalls in Renovierung oder Umbauten gesteckt wird.
Kontinent-EM in Europa finde ich auch beknackt, die Kontinent-WM in Nordamerika finde ich jetzt nicht so wild, die USA ist eh schon so groß, da kommt es dann auf ein bisschen Kanada und Mexiko auch nicht mehr drauf an.

#3

Ja das stellt halt für mich die Frage, wie es weitergeht. In den USA sind die Stadien schon da, das stimmt. Wenn das jetzt aber als Messlatte genommen wird für zukünftige WMs (man kann wohl nur hoffen, dass das nicht passieren wird) wirds doch schon eng mit bestehender Infrastruktur bei vielen Ländern. Was im Endeffekt hieße, dass man im Zweifel tief in die Tasche greifen müsste, um diesen dann gesetzten Standard einzuhalten.
Und wenn man sagt, dass es danach wieder kleiner werden kann, frage ich mich dann doch, warum man bei dieser WM dann nur diese “Riesenschüsseln” auswählt, in den USA gäbe es sicherlich genug Stadien in der größe 40K - 60K. Ich könnts noch nachvollziehen, wenn es irgendeine Jubiläums WM Wäre aber die 23 würde ich jetzt nicht als besonders ansehen. Und die erste WM war 1930, also hat man ja auch keine Runde Jahreszahl seit der ersten WM.
Dann geht für mich noch die Größe nicht wirklich mit der Wahl der Länder zusammen (speziell USA), weil die USA bei den Männern ja nicht wirklich Fußball versessen sind, erwarten uns da dann nicht weniger als halb volle Stadien durch große Teile des Turniers? (Wie war das denn bei der 94er WM? Kann sich da hier jemand erinnern wie die ankam?)

#4

Da geb ich Dir recht, wenn das die Messlatte wird dann wär das schlecht. Ich wäre sowieso dafür für WMs im wesentlichenn bestehende Infrastruktur zu nutzen, auch wenn dass die Anzahl der potenziellen Ausrichter stark eingrenzt, und das würde eher für einen Standard um die 50.000 Zuschauer pro Stadion sprechen, mit einzelnen Ausreißern nach oben oder unten.

Ich fände es zwar generell auch schöner die WM mehr an Länder mit großer Fußballbegeisterung und längerer Fußball-Tradition zu vergeben. Auslastungsprobleme erwarte ich aber nicht, Zitat aus Wikipedia zur WM 1994:

Mein Eindruck ist auch, dass in den letzten Jahren in den USA (zumindest auf ESPN.com) viel mehr über Fußball berichtet wird als früher. Vor allem über die Premier League und die Champions League, und die besten Spieler aus den beiden Wettbewerden sind dann ja normalerweise auch bei der WM dabei… Auf der anderen Seite ist die Aufblähung auf 48 Mannschaften da möglicherweise kontraproduktiv.

#5

Ich denke das ist der eigentliche Punkt und gar nicht kontraproduktiv aus Sicht der Fifa- schneller höher weiter heißt für die Fifa doch: mehr Geld. Und wie wurde gleich Geld gemacht? Fernsehlizenzen?

#6

Ich meinte: Kontraproduktiv in Hinsicht auf die Auslastung der Stadien. Zum Gelddrucken ist das natürlich der richtige Weg.

#7

Kritik am Gigantismus des Fußballs ist ja nicht direkt neu, aber du nennst einige interessante Punkte. Ich neige dazu, dir in den meisten Punkten zu widersprechen.

Erweiterung auf 48 Teams: Am meisten hieran stört mich, dass es auf Dreiergruppen hinausläuft. Denn Dreiergruppen haben die unschöne Eigenschaft, dass am letzten Spieltag ein Team spielfrei hat. Das wird leider zu vermehrtem Taktieren à la Frankreich-Rumänien bei der U21 führen.
Dass die Zahl der teilnehmenden Teams ansteigt, finde ich ok. Man darf nicht vergessen, dass es 2019 einfach deutlich mehr Länder gibt als bspw. 1985 (Sowjetunion, Balkan) und deutlich mehr Länder, die sich per Qualifikation um die Teilnahme an der WM bewerben. 48 Länder beim Finalturnier in 2026 entspricht dem Verhältnis erfolgreiche/unerfolgreiche Qualifikation von 1994.

Ausrichtung durch mehrere Länder: Finde ich sogar explizit super. De facto kann schon länger kein “kleines” Land mehr alleine eine Fußball-WM ausrichten (Sonderfall Katar außen vor). Eine gemeinsame Nord-WM von Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen? Top! Eine DACH-WM? Ebenso. Eine WM in Algerien, Marokko und Tunesien? Her damit!

Geographische Distanz: easy. Wird man natürlich berücksichtigen und kein Team wird das erste Gruppenspiel in Kanada und das zweite in Mexiko bestreiten müssen. Für den Fan, der dem Team im Camper hinterherfahren will, wird es vielleicht schwierig. Aber auch das ist nichts Neues, denn auch die USA alleine (94) oder Russland (18) waren mit langen Wegen verbunden. Und in den USA kann man sich auch ganz gut per Flugzeug von A nach B bewegen.

Größe der Stadien: Auch das ist nicht neu und für die Fans doch super. Erhöht die Chance, an bezahlbare Tickets zu kommen.

#8

Was in meine Kritik implizit noch mit reinkommt ist der ökologische Gesichtspunkt. Was du zu einer mehr Länder WM sagst, stimmt schon, ich denke nur, dass das von gewissen Parametern abhängig ist. Zum Beispiel eine Skandinavien WM fände ich auch toll, aber vergleich da mal die geografische Ausdehnung, das macht das alles händelbarer. Und auch, wenn sich mehrere kleinere Länder zusammenschließen, die allein zu klein sind, wäre absolut zu befürworten.
Diese geplante WM fällt für mich aber aus mehreren Gesichtspunkten da raus. Zuerstmal aus dem Gesichtspunkt, dass selbst so ein wirtschaftlicher Riese wie die USA das nicht mehr allein stemmen kann, interpretiere ich eher als rote Linie in hinsicht auf “die ganze Sache ist zu teuer”.
Und dann die Sache mit der Fliegerei. Wenn man ein Turnier hat mit mehr Teams als bisher, heißt das auch, mehr Teams als bisher müssen Fliegen, auch bei den Distanzen. Natürlich kann man etwas regelnd eingreifen in den Gruppenphasen aber wie sieht das aus sobald es in die KO Runden geht. Und mehr Teams die hin und her fliegen müssen, heißt auch, mehr Fans insgesamt, die dann auch fliegen (müssen). Und das ist aus meiner Sicht genau die falsche Richtung der Entwicklung. Können wir uns 2026 noch so etwas leisten? Ich wäre wirklich interessiert daran, mal durchgerechnet zu bekommen, was so eine WM an CO2 / etc output ergibt mit allem einberechnet im vergleich zu den letzten WMs. Ich befürchte, es kämen sehr hohe Werte dabei raus.
Aber das interessiert ja wohl die Fifa nicht. Aber es sollte sie interessieren. Man sollte doch imo bei Einreichungen von WMs auch auf ein ökologische Konzept und “Klimafreundlichkeit” achten. (Looking at you, Katar WM)

#9

Bei der Stadionauslastung hab ich eigentlich keine Bedenken. Bisher war es doch immer so, dass es deutlich mehr Anfragen als Tickets gab. Und gerade die Fans aus Südamerika werden sicher zahlreich anreisen zu den Spielen. Schwierig wird es aber sicher für Fans, die mehrere Spiele sehen wollen. Da gehts nicht nur ums Fliegen und Hotels. Auch bei den Visa wirds umständlich. Vielleicht wird dem Ein oder Anderen die Einreise in die USA dann verweigert.

Und auch die Sache mit den 3er Gruppen oder dem Weiterkommen der Gruppendritten bei 4er Gruppen ist kompliziert. Hat man ja gerade erst bei der Frauen WM gesehen. Da weiß man oft erst nach dem letzten Spiel in der letzten Gruppe wo es am Ende hingeht.

@ Josef:

Du sagst das Verhältnis von Teilnehmern zu Nichtteilnehmern der Endrunde ist etwa so wie 1994. Das mag vielleicht sein. Aber inzwischen haben wir auch sehr viele kleine Verbände bekommen, die praktisch überhaupt keine Relevanz haben (Gibraltar z.B. oder einige Kleinstverbände in Südostasien). Natürlich kann man jede Inseln im Pazifik in die FIFA aufnehmen und so die Gesamtzahl der Verbände erhöhen. Da sollte man vielleicht Regeln aufstellen wann so ein Verband aufgenommen werden darf. Zum Beispiel sollte man einen regelmäßigen Ligabetrieb vorraussetzen mit mindestens 12 Teilnehmern oder so. Aber die kleinen Verbände haben halt alle eine Stimme zur Wahl des Präsidenten, da schaut man eben nicht so genau hin…