Strukturell ist die WM 2026 nicht mit der WM in Katar zu vergleichen. Während in Katar ganz offensichtlich EIN Unrechtsregime samt Apartheids-Gesellschaft seine Soft-Power ausbauen wollte und Sportswashing in Reinstform betrieb, haben wir es 2026 mit einer anderen Situation zu tun.
- findet die WM in Nordamerika statt, sodass Mexico und Kanada Mitausrichter sind.
- war Katar schon vor der WM-Vergabe ein autoritärer Petrostaat mit verheerender Menschenrechtssituation im Inland sowie Financier internationaler Terrororganisationen, während die USA immerhin den Anschein einer (zugegeben dysfunktionalen) Demokratie aufrechterhielten und in der vergangenen Dekade von ihrer Interventions- und Putschvorliebe in Mittel- und Südamerika auf Distanz gegangen sind. Mexiko hat sich derweil zum besseren entwickelt, was auch an der diametral entgegengesetzten Landesführung liegt.
Ja, es stimmt, dass Kanada und Mexiko nur jeweils 13 bzw. zusammen 26 von 102 Spielen ausrichten und die USA als im Zerfall befindliche Demokratie den Hauptteil der Spiele ausrichtet (76), aber diese Gesamtsituation ist nicht mit Katar vergleichbar.
Wie die FIFA eindrucksvoll bewiesen hat, ist es auch vollkommen egal, ob in Deutschland 3 Mio. Zuschauer weniger einschalten. Am Ende des Tages werden ausreichend Leute in die Stadien pilgern und sich dem Spektakel in seiner pompösen Form ohne Murren und Knurren unterwerfen. Da ist einzelnes “Konsumerverhalten” relativ irrelevant.
Dieser Verband hat sich mit der Inszenierung D. Trumps als Friedensapostel dermaßen als unzurechenbar geoutet, dass eine Reform von Innen heraus oder auf Basis einer kollektiven Boykottmaßnahme nahezu ausgeschlossen ist.
Es bliebe der Weg einer Neugründung bzw. des Schaffens einer groß inszenierten Alternativ-Weltmeisterschaft, in der Spieler und Teams mit Rückgrat auflaufen. Ähnliches wurde 1936 mit der alternativen Olympiade in Spanien bzw. Katalonien probiert, ehe der Falangisten-Putsch gegen die Republik deren Ausrichtung verunmöglichte.
Schlussendlich geht es bei der WM allerdings auch nur untergeordnet um Fußball und prädominant um Macht im übelsten Machiavellischen Sinne. Der Menschheit wird mit diesem Wettbewerb in dieser Form einmal mehr vorgeführt, dass der Status Quo alternativlos ist. Denn die European Super League-Entscheidung des EuGH hat uns doch eigentlich die Möglichkeiten an die Hand gegeben, Alternativen zur FIFA und ihren dämlichen Wettbewerben zu schaffen, nur fehlt uns dafür die Vorstellungskraft, weil Reformen ausgeschlossen erscheinen und neue Wettbewerbe, die sich dezidiert anderen Werten verschreiben, dadurch in weite Ferne rücken.
Zudem wird einem als passioniertem Fußball-Fan, der einfach nur Suriname und Curacao live in Action sehen will, durch katastrophale Management-Entscheidungen in der FIFA-Führungsetage die Lust am Sport geraubt, was die eigentliche Tragik ist.
Sportlich finde ich die Aufstockung nämlich ziemlich attraktiv, immerhin wäre eine WM mit Fußballzwergen wie Suriname, Curacao, Jordanien, Haiti, den Kap Verden oder Italien vor der Vergrößerung fast undenkbar gewesen.
Einziges Manko: es bleibt beim Übergewicht der europäisch-südamerikanischen Teams. Warum die UEFA und der CAF bei nahezu gleichgroßer Anzahl an Nationalverbänden 16 zu 9 Teilnehmer stellen, lässt sich kaum sinnvoll begründen. Warum CONMEBOL sogar mehr als 50% (6 von 10) seiner Nationalverbände entsenden darf, ist noch weniger sinnvoll herzuleiten.