Kurzpass 123 – Hannover 96 e.V. 5, Martin Kind 0


#1

Ich habe mit Dr. Andreas Hüttl (@Dr_Huettl) über die jüngsten Entwicklungen bei Hannover 96 gesprochen. Wie hat euch die Sendung gefallen?


#2

Moin! Ich fand das Gespräch gut gelungen.

Mfg Olli


#3

Schoene Folge. Man bekommt einen guten Einblick ins Konstrukt Hannover 96 e.V./KGaA was man so von außen manchmal nicht ganz hat.


#4

Tolle Folge, hab viel gelernt. Ich stelle mir schon länger eine Frage,Kind will “der Alleinherrscher” sein.Ok.Legitim.Was hat er vor wenn er das erreicht hat ? Er will effektiv nichts ausgeben (Bespiel die “Allmosen” für die Anteile). Ich bezweifle auch irgendwie,das er oder ein Herr Rossmann und wer da noch in diese “Hannover Gang” ist, plötzlich 100 Million + in den Club steckt um “Dritte Kraft” hinter Dortmund und Bayern zu werden. Was hat er vor ? Vielleicht ließt dein Gast das ja und kann es beantworten.


#5

Vielen Dank, Max, dass dieses Thema Platz im Rasenfunk gefunden hat! Vor allem deine kritische Einschätzung hinsichtlich der fortbestehenden Abhängigkeiten fand ich sehr wichtig. Denn tatsächlich scheint im Vereinsumfeld im Zuge der Euphorie so ein wenig untergegangen zu sein, dass wir Martin Kind wohl auch weiterhin sehen werden, da die jetzt Gewählten ihm gar nicht in die Führung der KGaA reinreden wollen. Und wie du richtig sagst: Inwieweit man dann einen Konflikt mit der jetzt errungenen Macht innerhalb des Vereins gegen das Geld einfach so gewinnt (und WAS man dabei gewinnt) bleibt abzuwarten.

Für alle Hörer, die noch nicht genug von dem Thema haben, hier noch ein Hörtipp: Der Antenne Niedersachsen Podcast zu 96 den Max in der Hinrundenrückschau auch erwähnt hat, hatte im VORfeld der Versammlung zwei Interviews (je ~30 Minuten) mit Vertetern aus beiden Kandidatenlagern geführt. Hier kamen die Kandidaten also selbst zu Wort und den Zielsetzungen der beiden Seiten näherte sich dieses Format somit aus einer anderen Perspektive als hier der Rasenfunkkurzpass. (Überhaupt nicht wertend gemeint!) Ich habe die Folgen erst gestern gehört und finde sie auch nach der Versammlung noch sehr hörenswert, da es einfach sehr interessant ist, die Argumentation der Kandidaten zu hören, die einerseits immer als “Kind-Lager” gelabelt werden, aber sich selbst nicht als ausschließliche Handlanger des Hörgerätemoguls sehen. Wer da also nochmal detaillierte Nachlese betreiben möchte: https://www.antenne.com/mediathek/podcast/der-hannover-96-podcast-id5238.html

Das_Daw


#6

Also, dass Kind effektiv nichts ausgeben will stimmt so ja nicht. Er hat über Jahre ja Geld in den Verein gepumpt und die Gesellschafter hatten ja auch eine Vereinbarung darüber, dass die Rendite auf ihre Anteile im Verein zur Reinvestition verbleibt (bis letzes Jahr einer der Gesellschafter - nicht Kind - auf die Auszahlung geklagt hat). Darüber hinaus wird immer gesagt: “Die DFL hat seine Förderung als nicht ausreichend für 50+1 angesehen” - aber wirklich aufbereitet hat das glaube ich zum lesen / hören noch keiner. Ich hatte damals nur gelesen, dass Kind dem Verein die (marktüblichen) Zinsen von Darlehen die er dem Verein gegeben hatte, erlassen hat. Dies hat die DFL dann aus seiner Auflistung der Förderung gestrichen, weil das erlassen von Zinsen keine Förderung sei. Aus meiner nichtjuristischen Sicht ist der Verzicht auf Zinsen (die ja unbestritten kein Wucher waren) letztlich auch eine Förderung des Vereins. Wie tief dieser Hasenbau geht weiß ich leider nicht, aber es ist immer billig zu sagen “die DFL hat ja so entschieden”. Ich bin jetzt beileibe nicht unkritisch gegenüber Martin Kind, aber ich glaube eben auch nicht an die Unfehlbarkeit der DFL in ihren Entscheidungen (deren Begründungen im Detail ja niemand kennt!).
Grundsätzlich ist er (und die anderen Investoren) schon bereit Geld zu investieren, aber man erhoffte sich halt klare 50+1 Verhältnisse (und Kritiker werden sagen: trat bewusst auf die Invenstitionsbremse um den Verein die Grenzen aufzuzeigen).

Zum anderen Teil deiner Frage: Also um im deutschen Fußball erfolgreich zu sein, muss man ja nicht um den direkten Champinsleagueplatz mitkämpfen. Für Unternehmer aus der Region Hannover ist es ja schon Mal ein Erfolg wenn der Stadtnahme jedes Wochenende in der Sportschau läuft - denn sonst kommt der nur in den Nachrichten wenn die Stadt nen Kanzler oder nen Bundespräsidenten stellt (oder dessen Frau ein Tattoo hat!). Die Liste ist irgendwo endlos: Unangefochten zu den obersten 10.000 zu gehören, den Standort attraktiver machen, etc.
Unterm Strich denke ich aber, dass allen bewusst ist, dass wenn man Geld in die Hand nimmt und sich dann vielleicht (!) doch irgendwann einen einstelligen Tabellenplatz abonniert hat, dass die Investition in so einen Verein (Für Millionäre wie Kind und Milliardäre wie Rossmann) dann doch ein lohnender Teil des Portfolios ist.
Ich meine es ist ja ggf. auch etwas vergleichbar mit Hoffenheim: Da hat Hopp auch investiert und seine Ambitionen waren ja (offiziell) auch nie deutscher Meister zu werden oder jedes Jahr Championsleague zu spielen. Es lässt sich durch Investition in so einen Verein einfach ökonomisches Kapital verdienen bzw. zumindest in soziales Kapital umwandeln. (Und ggf. auch noch ganz viele Steuern sparen - aber da bin ich kein Experte ;)).

Das_Daw


#7

Hm, kann sein ich kenne Herr Kind nicht. Aber wenn er doch so wie Hopp ,Geld in die Infrastruktur & Jugend stecken könnte, warum ließ oder hört man nie etwas über die Jugendarbeit von 96 ? Will er das erst machen wenn er “Alleinherrscher” ist ? Das nächste Problem ,denke ich wird sein, das man ,auch wenn ordentlich Geld in die Hand genommen wird, du wirst Spieler nicht von Hannover überzeugen ohne RICHTIG gute Gehälter zu zahlen. Hannover ist jetzt in der Außendarstellung nicht dafür bekannt eine der Top 10 Städte Deutschlands mit der höchsten Lebensqualität zu sein. Wie München (Klar zahlt Bayern besser als alle anderen,aber du hast dort auch Lebensqualität) Ich denke auch nicht das die meisten Spieler nach Schalke gehen, weil Gelsenkirchen so “Schön” ist.Aber um mal kurz auf die Förderung einzugehen. Klar hat Kind und vielleicht auch andere Geld in 96 investiert.Aber Vereinsanteile eines Bundesligisten sind mehr “Wert” als das was Kind damals gezahlt hat. 3 Million ist lächerlich.(Bin gerade nicht sicher ob es 3 oder 13 waren)


#8

Also ich weiß tatsächlich nicht, ob man das in den überregionalen Medien nciht lesen konnte, aber 96 hat doch für 18 Mio das neue NLZ gebaut und dafür auch ganz gute Noten gekriegt. (https://www.sportbuzzer.de/artikel/nlz-so-geht-es-weiter-mit-der-96-drei-sterne-akadademie/) Außerdem hat man für den Verein letztes Jahr auch noch für 10 Millionen ein Breitensportzentrum gebaut (http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Hannover-96-Startschuss-fuer-das-neue-Vereinszentrum), weil man “im BReitensport in Deutschland die Nr. 1 werden will” (Kind). Das ist zwar alles nicht aus Philantrophie geschenen, sondern man hat den Verein dafür seine letzten Anteile (ich meine diese in der Folge auftauchenden 15%) versilbern lassen. Aber ich denke nicht, dass man Kind vorwerfen kann, dass er dort in den letzten Jahren nichts in die Wege geleitet hat (bspw. auch das Geld für die Wintertransfers diese Saison) - es wird sich dann eher dran aufhängen ob er als Investor davon profitiert oder sich daran bereichert hat.
Aus seiner Sicht gibt er absolut verständlich nicht mehr Geld für die Vereinanteile aus als er muss und verweist auf das Geld, was er ohnehin schon in den Verein gesteckt hat. Das ist von außen halt insgesamt (wie gesagt, detaillierte Einsicht in diese Aufstellungen hat ja nur die DFL) teilweise schwierig zu bewerten. Nur aus Liebe zum Sport steckt er da wohl kein Geld rein - aber das ist vielleicht auch ein zu hoher Anspruch. Es bleibt nichtsdestotrotz eine Vollkatastrophe dass er quasi selbst den Preis bestimmt für den er den Verein an sich verkauft hat.
Daher zu deiner Ursprungsfrage: Die Investoren wollen einfach ihr Geld anlegen und sportlich dürfte sich das ggf. rentieren wenn man vom Niveau der so in die Kategorie “das etwas bessere Mainz” kommt und dann dauerhaft nicht allzuweit von Europa weg ist. Der Erfolg ist wichtig, da die regionale Konkurrenz (Bremen, Wolfsburg, Hamburg und Eintracht Braunschweig) stark ist.

Das_Daw

PS: Also Hannover ist eigentlich in allen “Lebensqualitätrankings” immer vorne mit dabei. Gute Verkehrsinfrastruktur, enorm grün und viel Naherholung direkt in der Stadt (Eilenriede, Maschsee), noch überschaubar aber als Landeshauptstadt mit einem wirklich reichhaltigen Kulturangebot. (Was man auch immer auf so rankings gibt, aber hier landete Hannover 2018 unter den besten 10 Städten Europas in puncto Lebensqualität: http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Hannover-belegt-Spitzenplatz-in-Europa-Studie-bescheinigt-grosses-wirtschaftliches-Potenzial ) Also ich würd vermutlich lieber nach Hannover ziehen wollen, als nach Sinsheim.
Mit der Außendarstellung des Vereins, das lässt sich denke ich binnen weniger Saisons regeln: Wenn du Erfolg hast und Spieler merken, dass der Verein sie weiterbringt (Europa, nächsthöhere Clubebene, etc.) dann bekommst du auch gute Leute. Ich meine Mainz bekommt die aus Frankreich ja auch geangelt (und bezahlt!) - und das ist auch nicht Hamburg oder München. Man muss halt nur vernünftigt einkaufen (looking at you Mr. Heldt).


#9

Eine sehr gelungene Sendung. Habe dadurch weitere Einblicke in Hannover 96 erhalten und finde das dies ein gutes Beispiel dafür ist, dass Investoren nicht das Allheilmittel sind. In Zukunft auch gerne weitere Kurzpässe zu Entwicklungen in Vereinen, die man als Aussenstehender nur beiläufig mitbekommt.