Kurzpass 182 – Missbrauchsskandale in der NWSL

Gemeinsam mit Jürgen Kalwa (@americanarena) haben wir die aktuellen Missbrauchsskandale im US-Frauenfußball besprochen sowie die Situation auch hier in Deutschland. Wie hat euch die Sendung gefallen? Hattet ihr von den Entwicklungen in den USA überhaupt gehört vor der Sendung?

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Hui. Ich hatte mich gestern bereits umfassend in das Thema eingelesen – und war überrascht (aber umso erfreuter), als heute dieser Kurzpass in meinem Podcatcher auftauchte. Und dann auch noch mit Jürgen „King“ Kalwa. Daumen hoch!

Hab mich sehr über ein Stück „alter Rasenfunk“ gefreut, in dem es mal nicht um ein aktuelles sportliches Thema geht, sondern um einen größeren Nebenschauplatz, auch wenn es ein trauriger ist.

Für mich war / ist dieser Skandal neu, wenngleich ich schon andere Reportagen und Berichte zu Missbrauchsvorfällen / Misshandlungen im Turnen, Schwimmen, Leichtathletik mitbekommen habe.

Der Druck auf, nicht nur aber vor allem, Sportlerinnen ist enorm, die Schutzräume sind rar, Trainer üben als (auch moralische) Leitfiguren eine große Macht aus. Binsenweisheit: Wo Macht ist, ist auch Machtmissbrauch.

Ich hoffe sehr, dass die US-Frauen ihre Popularität noch stärker einsetzen könne, um zumindest in diesem kleinen Bereich für mehr Sicherheit und Gerechtigkeit zu sorgen.

Mir hat das Gespräch mit Herrn Kalwa gut gefallen, da ich das Thema nur nebenbei mitbekommen habe, habe ich durch diesen Kurzpass mehr darüber erfahren :+1:

Das Thema ist bislang an mir vollkommen vorbei gegangen. Aber um so mehr freue ich mich, dass Max und Jürgen diese Folge aufgenommen haben. Vielen Dank für die Einordnung, die Informationen und das gute Gespräch. Haltet uns da gerne auf den Laufenden, wie sich die Fälle (von Einzelfällen kann man ja leider nicht reden) entwickeln.

Ganz toll!
Ich bin immer wieder begeistert Max, wie du es bei diesen Themen mit deinen Gästen schaffst eben nicht über die ‚juicy details‘ zu sprechen, sondern die Strukturen zu analysieren.
Ich wusste es bis gerade nicht: aber wie habe ich doch Jürgen Kalwa und deine Gespräche mit ihm vermisst! So ein toller Journalist!
Danke für den Kurzpass!

Stimme mit nahezu allem überein, was ihr diskutiert habt; so etwas darf es nicht geben. Die Verantwortlichen müssen dringend Strukturen schaffen, die es den Spielerinnen ermöglichen, solche Vorfälle sofort anzuzeigen, ohne irgendwelche Nachteile befürchten zu müssen.

Bei den Ausführungen zur Einkommenssituation im amerikanischen Frauenfussball könnten sich allerdings Fehler eingeschlichen haben: Allen Vereinen stehen im Rahmen des Salarycap knapp 600000 $ für die Spielerinnen zur Verfügung, die nicht Nationalspielerinnen sind oder aus dem Ausland kommen; bei etwa 20 Spielerinnen ergibt dies durchschnittlich die auch von euch genannten 30000 $ pro Spielerin, wobei das Mindesteinkommen auf etwas über 20000 $ festgelegt worden ist, während die Gehaltsobergrenze bei etwas über 50000 $ liegt.
Bei diesen Beträgen handelt es sich aber nur um das Grundgehalt der Spielerinnen; die Vereine sind darüberhinaus verpflichtet, für Krankenversicherung, Unterkunft und Transport der Spielerinnen zur Spiel- bzw. Trainingsstätte zu sorgen. Vom Grundgehalt müssen die Spielerinnen also „nur noch“ die reinen Lebenshaltungskosten bezahlen. Ich glaube daher nicht, dass sich Spielerinnen der höchsten amerikanischen Fussballliga in einer prekären Einkommenssituation befinden.
Hinzu kommt, dass die überwiegende Zahl der Spielerinnen aus dem amerikanischen Universitätssport stammen und nach erfolgtem Studienabschluss direkt von der Uni in die Vereine gedraftet werden; sie würden wohl kaum an diesem Draftingsystem teilnehmen, wenn sie anschliessend in prekären Verhältnissen leben müssten.

Auch die Sichtweise auf das Einkommen der US-Nationalspielerinnen erscheint mir problematisch; diese verdienen zwischen 90000 und 100000 $, die vom nationalen US-Fussballverband getragen werden, also nicht von der Liga oder den Vereinen. Aus meiner Sicht ist dies jedoch keine Subvention der Vereine, sondern ergibt sich zwangsläufig aus der Tatsache, dass sich der nationale Verband an der Nationalmannschaft dumm und dämlich verdient, weil die Spiele der Nationalmannschaft landesweit im TV übertragen werden und in grossen, meist ausverkauften Stadien stattfinden. Die ca.3 Mio. für die Gehälter der Nationalspielerinnen dürften nur ein Bruchteil der Einnahmen sein.

Im übrigen bin auch ich gespannt, wie es in dieser Liga weitergeht; immerhin kommen in der nächsten Saison 2 neue Mannschaften hinzu.
In dieser Saison bleibt es bis zum letzten Spieltag spannend, wer sich für die Play-Offs qualifiziert; nur die ersten 3 sind durch, während sich der letzte Meister derzeit auf dem undankbaren 7.Platz befindet und das Starensemble aus Florida mit Alex Morgan und der unverwüstlichen Martha bereits raus ist.
Wen es interessiert: Der letzte Spieltag findet am 30./31.10. statt und wird auf den NWSL-Kanälen bei Twitch live gestreamt.