LEV: Chaos in Alonsos Schatten

Wir haben mit Sebastian Bergmann (Rheinische Post, Twitter, Bluesky) über Leverkusen gesprochen. Wie hat euch die Sendung gefallen?

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Also sehr interessante Sendung, ich hab aber eine Anmerkung die zu beiden Sendungen passt die heute veröffentlicht worden sind.

Ich verstehe beim besten Willen nicht, wo das Anspruchsdenken von Leverkusen und Raba herkommt. Wieso steckt und kommuniziert man Ziele die (wahrscheinlich) utopisch sind?

Dass irgendjemand anderes als Bayern Meister wird ist doch wirklich so wahrscheinlich wie das Weihnachten und OStern auf den selben Tag fallen. Leverkusen hatte, meiner Meinung nach, einen der besten Trainer der Welt, den besten deutschen Innenverteidiger, den besten deutschen Mittelfeldspieler und zwei (!!) hervorragende Stürmer, zusätzlich zu einer restlich sehr gut besetzten Mannschaft und hat es nur so geschafft überhaupt Meister zu werden. Die Europaleague haben sie ja trotzdem nicht gewonnen. Dass sowas in den nächsten Jahren wieder passiert halte ich für… nicht ganz so sicher.

Bayern ist das einzige deutsche Team was man international zu den Top 8 zählen kann, für alle anderen Bundesligisten ist es doch schon ein Riesenerfolg aus der ersten K.O. Runde in der Championsleague zu kommen?

Raba hat meiner Meinung nach die insgesamt bessere Quote was Transfers und Trainer angeht, bei denen halte ich „zweitbeste Mannschaft Deutschlands“ für angemessen. Aber für Leverkusen kann es meiner Meinung nach nur darum gehen sich soweit zu fangen, dass man (relativ) sicher die Top 4 erreicht, da klopfen Stuttgart und Frankfurt ja doch mehr oder weniger konsequent an…

Zum Rest der Sendung:

Ich glaube im allgemeinen hat mir der doch relativ positive Blick von Sebastian gut gefallen. Ich selbst sehe zwar vieles anders (schlechter), aber ich fand seine Sichtweisen meistens gut dargelegt und begründet.

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Kann ich nur unterstreichen. Was rauchen die da auf der Schäl Sick alle, und kann ich bitte fürs lange Wochenende was ab haben? :stuck_out_tongue:

Bayer hat vor drei Jahren an der Slotmaschine die quadruple Ananas aus perfektem Trainer, fantastischem Kader, innovativer Taktik, und - last but not least - zutiefst indisponiertem Klassenbesten gezogen. Das war damals schon nicht der Beginn einer neuen Era, um so weniger wird eins den jetzt herbeireden oder schreiben können. Was Bayer in der zweiten Saison unter Alonso und danach erlebt hat ist nichts anderes als die Regression zur Mitte.

Aber wenn selbst die Presse solche Thesen raushaut wie: „Leverkusen muss nächstes Jahr die Europa League gewinnen“ ist wirklich offensichtlich wie weit das delulu da reicht. Jeezus. Das ist doch kein Dorfvereinpokal. Freiburg hat es mit einer grandiosen Pokalsaison ins Finale geschafft, eine Halbzeit gegen den sechsten der Premier League gut mitgehalten, und dann klar und deutlich verloren. Bloß weil Bayer es jetzt mal wieder nicht bis in die CL geschafft hat müssen sie gewinnen? No way.

Wenn Bayern oder PSG es aus welchem Grund auch immer mal nur in die EL schaffen müssen sie gewinnen. Bayer muss gewinnen wollen. Feiner, aber bedeutsamer Unterschied.

Anyway, pass the popcorn, die Ego-implosion wenn sie im Achtelfinale rausfliegen wird episch.

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Solche Aussagen sind immer ein bisschen Schall und Rauch für mich. Es ist sehr einfach in den Äther hineingesprochen dass man Meister werden will aber bewertet wird am Ende doch immer so als ob die CL das Ziel ist. Daher stört mich das eher wenig.

Bei Leverkusen überraschen mich so Ziele trotzdem nicht. Wenn man dort gegen irgendwas kämpft dann dass das eine Jahr eben das eine Jahr bleibt. Keiner will jetzt wieder seinen Platz in der Traube unter Bayern einnehmen und in der Bundesliga steht zwischen realistisch und utopisch nur eine einzige Tabellenposition.

Prediction für 2027: man wird Alonso nachtrauern und den nächsten Alonso suchen und von der Saison enttäuscht sein.

Ich fand die Folge insgesamt jedoch gut und interessant, aber würde bei der Erwartungshaltung auch gewisse Probleme sehen. Was eine gute Erwartungshaltung ist, weiß ich jedoch auch auch nicht… Das Problem haben ja auch die anderen Spitzenmannschaften (außer Bayern).


Etwas allgemeines: Wahrscheinlich werde ich nur langsam ein alter weißer Mann, aber ich finde es seltsam, wenn Journalisten Funktionäre mit dem Vornamen nennen.:sweat_smile:

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Habe ja länger nichts mehr geschrieben, hatte aber nichts damit zu tun, dass es vorher zu den Folgen nichts positiv oder negativ zu kommentieren gegeben hätte, lediglich die Zeit meinerseits :slight_smile:

Nach dieser Präambel:

Hinsichtlich der Saisonzusammenfassung und vor allem in Hinsicht auf den Ausblick bin ich da doch sehr bei Max in der Einschätzung:

Hoffentlich laufen die Verantwortlichen und wir als Fans nicht in eine Kloppisierung des Anspruchs und vor allem des Suchens:

Alonsos Zeit in Leverkusen war die absolute Ausnahme und dass bspw. beim BVB so lange auch noch Klopp nachgetrauert wird/wurde, liegt ja auch daran, dass das die absolute Ausnahme war. Die Zeit ging länger, aber vor allem die Jahre 2011-2013 sind ja auch da (quasi) nicht replizierbar.

Die Konstanz der Inkonstanz war in der Folge auch mehrfach Thema, was ja auch vor Alonso immer wieder Thema bei Leverkusen war (ehrlicherweise seit 2001/2002 was die letzte absolute Ausnahmesaison ist an die ich mich als Fan aktiv erinnere - und auch da dachten wir das kommt niemals wieder - und über 20 Jahre Abstand würde ich auch mal großzügig zu nie wieder zählen).

Woher das diese Saison aber hätte kommen sollen, frage ich mich schon und wie die Verantwortlichen (unabhängig von ten Hag) dachten, dass es klappt (mit der Champions-League)

Mal zum Vergleich:

Erweitere Stammspieler Saison 23/24, die mindestens länger als eine Saison im Kader stehen:

Hradecky, Tapsoba, Hincapie, Kossounou, Tah, Frimpong, Andrich, Palacios, Wirtz, Schick, (Adli) = 10 bis 11

Saison 25/26: Tapsoba, Grimaldo, Andrich, Palacios, Garcia, Schick, Palacios = 7

Dabei kann man über die Klasse von Andrich und Garcia acuh noch streiten, vor allem in dieser Saison, aber selbst, wenn man das außer acht lässt, sind es immer noch weniger Spieler, die länger im Verein sind und eine größere Rolle spielen.

Wenn man dann noch einrechnet, dass der Abwehrchef, der Kapitän, der Mittelfeldorganisator und der beste Spieler, der bisher unterm Bayer-Kreuz gespielt hat, gegangen sind, finde ich die Saison in der Gesamtbeurteilung vom Ergebnis zumindest okay bis gut. Die Erwartungshaltung, auch in der Fanszene, war einfach nicht den Ansprüchen angemessen, vom Ergebnis her gedacht.

Viel eher stört mich, dass über die gesamte Saison eigentlich kein klarer Stil mehr zu erkennen war, außer wir wollen über Ballbesitz dominieren - am Ende kamen die Flügelüberladungen mit Flankenwechseln auf die rechte Seite zurück als Cullbreath gespielt hat - aber ansonsten war man viel von individueller Klasse abhängig (und Kontern, da müsste Leverkusen ja wieder auf Platz 2 hinter den Bayern gelandet sein).

Bestimmte Entscheidungen habe ich nicht immer verstanden, aber da muss ich auch sagen, dass da die Frage ist, inwieweit mir als Außenstehender eine Beurteilung zusteht (Warum spielt Andrich immer - vor allem in der Phase im März, wo er mit individuellen Fehlern gegen Union und Heidenheim bspw. zumindest mal hätte rausrotieren können; welche Rolle spielt Garcia vor allem im Defensivverbund; warum keine Formationsanpassung - die beiden Halbstürmer hinter Schick/Kofane hatten im defensiven Pressing immer so unfassbar lange Wege, das war im Stadion kaum auszuhalten das anzuschauen) - was ich mich aber frage ist: Hatte Hjulmand nicht genug Zeit oder hat er nicht die Idee und verwaltet eher das, was spielerisch bereits da ist?

Und das wäre für mich die wichtigste Frage, dass das geklärt wird - denn in der Beurteilung bezüglich akuter Verbesserungen kommt mit Hjulmand zu schlecht weg (vor allem die Aussage er habe sich übernommen). Er hat einen Kader mit ganz vielen Neuen, vielen Angeschlagenen/Verletzten (ben Seghir, Tape, Tella, Palacios, Bade, Afrika-Cup um mal ein paar zu nennen) in der Situation einer Dreifachbelastung und er soll bitte noch in die Champions League kommen übernommen und das Ziel knapp verpasst; übernommen hat er sich vom Ergebnis aus meiner Sicht eher nicht.

Freue mich über weitere Gedanken anderer dazu, das war nur das, was mir jetzt nach der Folge initial eingefallen ist :slight_smile:

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Ich hatte heute erst die Gelegenheit die Sendung zu hören. In weiten Teilen Stimme ich mit der Analyse überein.

Aber in meinen Augen wird bei der Diskussion um die Pfiffe gegen Flecken und Tillmann zu sehr der Fokus auf das Anspruchsdenken der Fans gelegt. (ins besondere bei Flecken)

Bei Flecken ist ein großer Punkt, dass durch seinen Transfer der Publikumsliebling Hradecky “vom Hof gejagt wurde”. Nur damit Flecken, der mit großem Lob um sein fussballerisches Talent gekommen ist am Anfang der Saison mit vielen Fehlern und Unsicherheiten auffällt.

Ich habe noch viele Fanstimmen im Ohr die an dieser Stelle gesagt haben, dass sie lieber Hreadecky im Tor gehabt hätten, weil man eben keine Verbesserung zu Flecken gesehen hat.

Bei Tillman bin ich überrascht, dass ihr so lange über seine Saison sprechen konntet, ohne seinen kampfgeist bzw. Einsatz zu erwähnen. Ja, am Ende geht ihr kurz auf die Körpersprache ein. Aber ich sehe das kritischer. Tillman ist der “Toptransfer” (zu mindest wenn man nach Ablöse geht) und dementsprechend hoch war die erwartungshaltung vor der Saison. Aber er arbeitet nach hinten wie ein Vini Jr. oder ein Mbappe zu besten Zeiten. Ich erinnere mich an viele Szenen, in denen er selbst den Ball verliert und dann nicht hinterhergeht sondern seine Mitspieler laufen lässt.

Dazu kommt dann noch sein sehr lässiges Spiel nach vorne, das ist er für mich der klassische Instagramfussballer. Hauptsache man macht moves die in Reels gut aussehen. In dem Rahmen möchte ich ein Heimspiel im Dezember hervorheben, in dem er beim Stand von Unentschieden 6! mal den Ball mit der Hacke spielt. 4 mal bekommt direkt der Gegner den Ball und 2 mal kann ein Mitspieler nur mit viel Mühe in einem Zweikampf den direkten Ballverlust verhindern. Seitdem ist er bei mir unten durch. Und er ist in anderen Spielen auch mit Tricks aufgefallen die nahe des Strafraums für unruhe gesorgt haben vohne dass eine Notwendigkeit bestand.

Ich denke, das haben viele andere Fans auch gesehen und ihn deswegen irgendwann mal mit Pfiffen bedacht. Es lag nicht nur an der Körpersprache. Die mangelnden Ergebnisse (in Form von Toren und Vorlagen) sind dann die logische konsequenz, bzw. die Kirsche auf der Sahne.