Die Lage bei uns in Düsseldorf habt Ihr gut zusammengefasst. Im Moment gibt es wenig, was Hoffnung macht. Und es ist ziemlich offen, wie es gerade weitergeht. Sicherlich nicht mit Siegen gegen Schalke und in Elversberg, falls doch, darf mir diese Aussage hier gerne um die Ohren gehauen werden! Das nähme ich dann gerne!
Noch ein paar Ergänzungen zu den von Euch angesprochenen Punkten:
Es gibt zuallererst die harten Fakten in der Spielweise, die nicht funktionieren. Nach wie vor (bereits unter Thioune) langsamer und vorhersehbarer Spielaufbau. Der ist unter Anfang jetzt zwar recht konsequent im 2-3 oder mit vier auf einer Linie im Vergleich zum Dreieraufbau bei Thioune, ist aber ähnlich leicht störbar durch die Gegner, darum hilft man sich doch am liebsten mit dem langen Ball auf Itten. Das Tempo auf Außen fehlt auch verletzungs- bzw. krankheitsbedingt (offensiv: Hettwer, Rossmann, lange auch Raimund, defensiv: der genannte Lunddal, aber auch Lenz), so dass es weder Umschalt- oder Überraschungsmomente gibt. Dadurch kommen auch trotz hoher Anzahl (siehe Statistik, Max wird es freuen) kaum brauchbare Flanken auf einen vorhandenen Zielspieler (Itten). Um die wichtigsten Punkte anzureißen.
Meiner Meinung nach wiegen die weichen Fakten aber aktuell noch schwerer. Ich glaube, Ihr habt es versucht, in Worte zu fassen, als Ihr über unser Auftreten in Dresden gesprochen habt. Es fehlt an Emotionalität und auch Aggressivität – also das, was immer gern mit Siegeswillen und dem unsäglichen „sie wollten es mehr!“ umschrieben wird. Rasmussens persönliche Körpersprache ist tatsächliches ein eigenes Thema, das ist gerade bei ihm ein Kritikpunkt, aber Ihr habt ja Recht: Die Mannschaft vermittelt nicht den Eindruck, sich mit aller Kraft gegen drohende Niederlagen zu wehren, das zeigt dann auch exemplarisch eine um 5km schlechtere Laufleistung als der Gegner gegen Dresden, auch wenn dieses Thema immer schwer zu greifen ist. Dies hat mittlerweile nach vielen Jahren auch für einen Bruch zwischen aktiver Szene und Team geführt, das nun zum zweiten Mal auswärts in Folge nicht mit Applaus verabschiedet wurde (2x 1.000km für nix, danke dafür!). Das ist wirklich viele Jahre nicht so gewesen. Dazu kommt das Unterschätzen der Situation bei einigen. Der Spieler war übrigens Muslija, der meinte, die Tabelle sei erst ab dem 20. Spieltag relevant (So spielt er auch aktuell, kleine Polemik am Rande!). Und, ja, wir haben mit Sicherheit ausreichend Qualität im Kader, aber das bringt natürlich nichts, wenn Du es fast eine halbe Saison nicht auf dem Platz zeigst.
Natürlich ist das Selbstvertrauen gerade im Keller, aber es ist offenkundig, dass Markus Anfang es nicht schafft, der Mannschaft diese Verunsicherung zu nehmen oder sie zu einer höheren Intensität zu bringen. Und im Grunde sind wir dann beim Elefanten im Raum. Markus Anfangs Verpflichtung als Trainer konnte man vorher mit großer Skepsis begleiten, wie wir es auch sehr offen getan haben. Viele Leute – auch Marc – haben sich durchaus vorstellen können, dass er Fortuna spielerisch weiterbringen könnte. Das war in Ansätzen vielleicht kurz zu sehen, ist mittlerweile aber komplett verschwunden. Menschlich hat es zwischen Thioune und dem Team immer gut gepasst, da hat der Trainerwechsel nicht geholfen, im Gegenteil – auch nach allem, was ich persönlich aus dem Umfeld höre. Anfangs konstante Schönrederei in der Öffentlichkeit nervt vermutlich eher die Fans, aber jetzt kamen natürlich noch die Aussagen zum rassistischen Vorfall in Dresden dazu. Evas Rant dazu war absolut richtig und fiel in vergleichbarer Form auch bei uns. Das sehen sehr viele in Düsseldorf genau wie ihr und die Auswirkung auf den Kader (Iyoha ist als gebürtiger Düsseldorfer übrigens dienstältester Spieler der Mannschaft und vermutlich sehr stark mit vielen Mitspielern verbunden) und das Binnenverhältnis Mannschaft ↔ Trainer war mit Sicherheit nicht positiv. Ich sehe gerade nicht, wie es erfolgreich in dieser Konstellation weitergehen soll. Unterm Strich steht hier ein desaströser Punkteschnitt von 0,67, er ist aktuell der erfolgloseste Fortuna-Trainer seit über 30 Jahren.
Und dann seid Ihr ja auch beim großen Thema Sport- (und Kommunikations) Vorstand Klaus Allofs gewesen. Der hat sich als Spieler (als Trainer in Düsseldorf weniger, 98/99, google it!) natürlich einen Legendenstatus erspielt, als Sportvorstand wurde er immer – mitunter auch wirklich zu Unrecht – kritisch gesehen. Da gab es auch wirklich gute Entscheidungen in der Vergangenheit, aber wir wissen alle, das zählt im Fußball nicht. Die Fehler bei der Zusammenstellung des aktuellen Kaders und der Trainerwechsel dürften ihm neben einigen kommunikativen Schwächen diese Saison zum Verhängnis werden, da sein Vertrag im nächsten Sommer ausläuft und man nun im Dezember entweder verlängern oder sich trennen müsste, Stichwort Lame Duck. In der aktuellen Stimmungslage wäre aber eine Vertragsverlängerung selbst bei einem 10:3 Sieg gegen Schalke nicht vermittelbar. Der entscheidende Fehler, der Allofs (und womöglich auch Sportdirektor Christian Weber) ihren Job kosten dürfte, ist, zum einen nach Shon Weissman nicht die Frage gestellt zu haben, welche Wirkung vor allem die Dinge und Handlungen einer Person außerhalb des Platzes auf einen Verein haben könnten, sprich die Frage zu stellen, ob das hier menschlich überhaupt passt. Stattdessen hat man den Sport rein isoliert betrachtet, indem man sagte, der Fußball unter Thioune ist schlecht, wir brauchen besseren Fußball, den Anfang oft hat spielen lassen. Dass Anfang bei keiner seiner Stationen ein Team während einer Krise übernommen und herausgeführt hat, sondern stattdessen bei allen Krisen stets entlassen wurde, weil man ihm die Lösung nicht zutraute, hat man gnadenlos unterschätzt. Das Team benötigt einen Trainer, der die Verunsicherung löst und aber auch gleichzeitig den Leistungswillen stärkt. Anfang ist dieser Trainer ganz offensichtlich nicht. Der uns in Düsseldorf bekannte Uwe Rösler hat genau das in Bochum beispielsweise geschafft. Der, dessen Namen wir in Düsseldorf nicht nennen, wird auch von mir hier noch nicht ausgesprochen werden.
Wie geht es nun also weiter? Es ist tatsächlich alles möglich. Der Aufsichtsrat sucht aktuell nach einem Nachfolger für Allofs. Vermutlich ist es klug, diese Person dann die Trainerfrage beantworten zu lassen, wobei es bei ausbleibender Wende vor Weihnachten – man kann es sich auch mit meinem für gewöhnlich durchaus vorhandenen Optimismus kaum anders vorstellen – eigentlich auch keine andere Konsequenz als einen erneuten Trainerwechsel geben kann. Anders als in Fürth sind finanzielle Mittel durchaus vorhanden, sodass es im Winter auch Veränderungen am Kader geben dürfte.
Es ist aber gut möglich, dass schon vorher jetzt im Dezember der große Knall folgt und sich Fortuna Düsseldorf im sportlichen Bereich vollständig neu aufstellt. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Was für eine Albtraumsaison!