Major League Soccer


#1

Grüße aus Kanada,

vielen Dank dafür, dass die letzte Ausgabe des Podcasts sich mit Major League Soccer beschäftigt hat. Ich lebe schon seit einigen Jahren in der Nähe der Pazifikmetropole Vancouver, und es freut mich jedes mal, wenn es die MLS in die deutsche Fussballberichterstattung schafft. Wobei ich hinzufügen muss, dass die diversen Medien in ihren vergangenen Reportagen MLS gegenüber nicht immer fair gewesen waren. Dessen war sich der Rasenfunk aber nicht schuldig. Dessen Erwähnung von Sebastian Giovincos herausragender Saison mit Toronto FC und Berufung zur Italienischen Nationalmannschaft korrigiert eine klaffende mediale Lücke und kann nur dabei helfen, das Image der MLS als eine Operettenliga in Deutschland grundlegend zu verändern.

Ich kann Zuhörer des Rasenfunks die MLS nur empfehlen. Obwohl LA Galaxy drei der letzten vier Meisterschaften gewonnen hat, war die Liga selten so ausgeglichen wie sie jetzt ist. Das Rennen um die Plätze in den anstehenden Playoffs ist sowohl in der Eastern Conference als auch in der Western Conference noch weit. In der Eastern Conference haben noch fast alle Mannschaften eine Chance eines der sechs Tickets für die Playoffs zu lösen. In der Western Conference trennen nur vier Punkte die auf Platz 6 rangierenden San Jose Earthquakes vom Tabellenführer LA Galaxy. Die Qualität der Spiele hat sich stetig über die Jahre verbessert und die Fan-Kultur ist einigen Regionen Nordamerika mit der in Deutschland vergleichbar, sogar hoch überlegen, vor allem im Vergleich mit den teils gleichgültigen Fanszenen in Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg.

Stechenden Beweis dafür findet man vor allem in Toronto und in den großen Städten des nordwestlichen Teils des Kontinents - Portland, Seattle und Vancouver. Deren Mannschaften erhalten jedes Spiel frenetische Unterstützung, oft untermalt mit originellen und durchaus cleveren Choreographien, und haben sich über die Jahre hinweg eine beachtliche Stellung im sportlichen Bewusstsein ihrer Städte erarbeitet. In Vancouver gibt es nicht wenige Fans der NHL Profi-Mannschaft Vancouver Canucks, die neidisch auf die tolle Atmosphäre, die während Heimspiele der Whitecaps herrscht, blicken. Der momentane sportliche Hochflug der Whitecaps spielt dabei natürlich auch eine Rolle. Die Mannschaft kämpft zurzeit um den Supporter Shield, die Trophäe, die an die Mannschaft mit den meisten Punkt nach Abschluss der regulären Saison verliehen wird, und hat beste Chancen auf einen langen Playoff Run.
Als langleidender Fan des HSV wäre das natürlich eine willkommene Abwechslung, trotz der gelungenen Verteidigung der Relegationsmeisterschaft Ende letzter Saison.

Um noch einmal kurz auf den letzten Podcasts zurück zukommen, erwähnte dieser das ehemalige Hertha BSC Talent Lennart Hartmann. Der hatte in 2011 ein Probetraining mit den Vancouver Whitecaps gehabt. Leider entschied sich die Vereinsführung gehen ihn. Okay, jetzt habe ich aber genug herum geplappert, und mach jetzt Schluss. Zuvor möchte ich mich noch einmal beim Rasenfunk für die ausführliche Berichterstattung über die Deutsche Bundesliga bedanken.

Mit freundlichen Grüßen an alle in der alten Heimat,

Euer Wolfgang


#2

Super Kommentar, vielen Dank! Hat es in großen Teilen auch in die aktuelle Schlusskonferenz geschafft.


#3

Hallo Wolfgang,

es freut mich ja sehr zu hoeren dass ich nicht der einzige Kanadier hier im Forum bin. Ich wohne in Ottawa und bin natuerlich Ottawa Fury Fan. So sehr, dass ich sogar einige Jahre einen Ottawa Fury Podcast gemacht habe.

Falls du (oder jemand anders) sich fuer kanadische Fussballer generell interessiert. Ich habe ein riesiges Projekt auf dem ich alle Spieler verfolge. Hier ist die Datenbank, und hier unser Twitter-Konto fuer live updates.

Gruss,

Jon


#4

Das finde ich saustark. Glaub der Ottawa Fury Podcast ist sogar in unserer Podroll mit dabei.


#5

Ja stimmt, den hab ich selber mal vorgeschlagen, hehe.


#6

Gruesse aus Washington mit drei Jahren Verspaetung. Ich bin noch nicht so lange als Rasenfunk-Hoerer dabei, deswegen kannte ich die Folge nicht (waere mal wieder Zeit fuer eine neue, Max :grin: ?) -

gerade als ebenfalls langleidender HSV-Fan kann ich vieles von Wolfgang unterschreiben. Das Niveau der MLS ist vielleicht, mit einigen Ausreissern nach oben, bestenfalls zweite Bundesliga-Durchschnitt. Aber in der vergangenen Saison die irre Aufholjagd von DC United mitzuerleben, war besser als alles, was ich mit dem HSV in den letzten acht Jahren mitmachen musste. Mit der Ankunft von Rooney in der Winterpause ist DC United vom letzten in der Eastern Conference mit 10 Spielen ohne Niederlage in folge auf Platz 4 gelangt. Sie schieden dann leider in der ersten Playoffrunde nach Elfmeterschiessen aus. Zeitgleich zog der Verein vom alten Redskins-Stadion ins neue kleinere Audi Field um, das mich vom Bau stark an das Millerntor erinnert. Nach acht Jahren HSV hatte ich einfach das Gefuehl, mir das einfach verdient zu haben - wobei bei mir direkt posttraumatische Belastungsstoerung einsetzte, als ich im DC United Kader Zoltan Stieber entdeckte.

Ein Wort zur Fankultur: DC United hat fuer US-Verhaeltnisse eine recht aktive und laute Szene, vor allem dank der riesigen lateinamerikanischen Community in der Gegend, die auch viele suedamerikanische Gesaenge mitbringt. Abgesehen von den grossen Szenen an der Westkueste und vielleicht Detroit ist Washingtons Fanszene wohl die aktivste in der MLS. Angenehm finde ich hier, dass die Kurve wesentlich bunter ist als in den meisten deutschen Stadien. Der Frauenanteil ist sehr hoch, viele Kinder sind auch auf den Stehplaetzen dabei und die Atmosphaere ist zwar laut, aber nicht unangenehm aggressiv. Ich habe mittlerweile einige amerikanische Freunde und Freundinnen das erste mal zu einem Fussballspiel gebracht und, aehnlich wie es auch Wolfgang beschreibt, sind alle erstmal begeistert von der Stimmung, die in US-Sportarten ja meistens eher aus der Konserve kommt.

Hier ist ein toller Artikel ueber die Stimmung im Stadion mit ein bisschen Hintergrund zur Entwicklung des Clubs: https://www.nbcsports.com/washington/dc-united/audi-field-not-dc-uniteds-stadium-its-their-supporters-stadium

LG,

Kolja


#7

Hi Kolja,

vielen Dank für deine Antwort. Es macht immer wieder Spass, von Menschen zu hören, die Teil der HSV Gemeinschaft sind, sich aber auch für Major League Soccer interessieren. Die Schnittmenge zwischen diesen beiden Fangruppen könnte man großzügig als überschaubar bezeichnen. Mein Mitleid für das frühe Ausscheiden von D.C. United. Ich habe die Aufholjagd von D.C. United mit großem Interesse verfolgt, und es hätte mir gefallen, wenn Rooney und Co. eine Runde weiter gekommen wären. Aber Columbus war insgesamt die bessere Mannschaft, und wenn man so schlecht Elfmetern schießt, dann kann man sich nur selber an die Nase fassen. Apropos tolle MLS Partien. Das Rückspiel zwischen Seattle und Portland war wirklich atemberaubend. Deutschlands Fussballfunktionäre könnten sich etwas von den hiesigen Playoffs abschauen. Persönliche Frage: wann und warum hat es dich nach D.C. verschlagen?
Okay, bis bald.
Wolfgang


#8

Ich habe Columbus gar nicht besser gesehen, was aber auch ein meiner eingeschrankten Objektivitaet und meiner Stehplatzlage gelegen haben mag. Kurz vor Ende der regulaeren Spielzeit hatte United nochmal zwei Riesenchancen, die gerne mal reingehen. Was das Elfmeterschiessen angeht, stimme ich Dir aber zu. Sehr anti-climactic, was sie da am Ende abgeliefert haben.

Vor drei Jahren zum Masterstudium nach Boston, dann Job in DC angefangen und aus privaten Gruenden (Partnerin) hier temporaer haengen geblieben.