Max Vortrag bei subscribe8


#1

Schöner Vortrag Max. Ich find es ist dir neben anderen Dingen gut gelungen, rauszustellem was dein bzw. euer Anspruch an das Format ist.
Spanmemd fand ich die Zielsetzung das Ganze unabhängig von den Bedingungen des etablierten Medienbetriebs, irgendwann einmal als Lebensunterhalt zu betreiben.
Hierzu habe ich zwei Fragen: Weiß jemand, ob es Podcasts in Deutschland gibt, die finanziell so ertragreich sind, dass die Betreiber davon leben können? (Auch wenn das natürlich eine weite Kategorie ist)
Und an Max und Helmi: Wie steht ihr zu dem Schritt von Böhmermann und Schulz mit einem Podcasts zu einem Streamingdienst zu wechseln? Habt ihr über solch einen Schritt nachgedacht und käme er grundsätzlich in Frage?

LG
Niklas


#2

Hi Niklas,

danke für das Kompliment und die Fragen.

Erstmal kurz zur Vollständigkeit für diejenigen, die den Vortrag nicht gesehen haben: hier ist er.

Es gibt ein paar Beispiele für auch finanziell erfolgreiche Podcasts in Deutschland, auch wenn ich nicht weiß, inwieweit sie sich tragen. Denn auch wenn die Summen von außen gesehen hoch sind, muss man Hostingkosten, Steuern und anderes noch abziehen, das vergisst man als Spender häufig.

Sicher haben Tim Pritlove und Holger Klein mit ihren Formaten einen Weg gefunden, ihr Leben zu finanzieren. Ganz oder zumindest zum Teil. Dann gibt es Podcasts wie zum Beispiel den Aufwachen Podcast, der sehr offen mit seinen Spenden umgeht - da kommen manchmal erkleckliche Summen zusammen, aber über die Zeit muss man da auch immer wieder die Hörer zu motivieren.

Bei Patreon gehören zu den erfolgreichsten Podcasts in Deutschland Radio Nukular, Got Nexxt vom lieben Dré und Bits und so. Medienkuh, Podcast UFO und Co. könnte man auch nennen. Alle verfolgen unterschiedliche Ansätze, meines Wissens nach kann aber niemand nur von seinem Podcast leben. Da muss schon viel reinkommen, wenn man ehrlich ist.

Für den Rasenfunk will ich vor allem kurz den Gedankenimpuls geben, dass ab irgendeinem Punkt auch unsere Gäste an den Einnahmen beteiligt werden müssten. Das darf man nicht vergessen, erhöht aber natürlich den Kapitalbedarf wenn man sich ein Leben in München finanzieren muss. Nur kurz damit es mal angemerkt wurde.

Zu deiner Fest und flauschig Frage: Aus ganz vielen Gründen ist eine Kooperation mit solchen Dienstleistern keine Option für uns. Ich spreche da erstmal für mich, @Helmi wird aber in einigen Punkten zustimmen, denke ich: Die Streaminganbieter sind keine Podcastplattformen und sie wollen auch keine werden. Sie wollen nur Reichweite in den relevanten Zielgruppen. Woran man das merkt? An der technischen Infrastruktur, die nicht für Podcasts gemacht ist, an Themen wie Geoblocking bei Fest und flauschig (inzwischen behoben, aber zeigt das Unverständnis gegenüber dem Medium Podcast) und zuletzt auch an den rechtlichen Rahmendaten: Im Standardvertrag, der einem Normalo wie uns vorgelegt werden würde, verzichten wir auf Rechte an unseren eigenen Sendungen und werden gleichzeitig an den Einnahmen durch uns (durch Werbung zwischen den Podcastfolgen) nicht beteiligt. Das sind jetzt erstmal nur ein paar Gründe gegen den Gang zu Spotify und Co, ich habe noch mehr auf Lager.

Unter dem Strich glaube ich übrigens auch, dass man seine Reichweite durch so etwas nur kurzfristig steigern kann. Ich kenne niemanden, der mit Spotify mehr als einen Podcast hört. es ist eben auch keine Podcastplattform.

Hab leider gerade keine Zeit meine ganzen Beispiele zu verlinken, ich trage das heute Abend noch nach.


#3

Wie Max schon vermutet hat, stimme ich ihm da weitestgehend zu. Ich will zu Böhmermann/Schulz noch ergänzen: Ich glaube denen ist der Podcast egal. Wenn irgendwann etwas nicht mehr passt, wird der Vertrag mit Spotify gekündigt (bzw. läuft aus) und das nächste Projekt an anderem Ort bzw. auf anderer Plattform gestartet. Böhmermann alleine könnte wohl das Stammpublikum problemlos mitnehmen. Als Podcast ohne B-Prominenz-Host bist du darauf angewiesen Hörerschaft aufzubauen und ein Plattformwechsel fügt dir hohen Schaden zu. Daher achten wir recht intensiv darauf wo der Rasenfunk auftaucht und haben uns aus diesem Grund bisher auch gegen andere kleinere Plattformen entschieden die uns die Kontrolle nehmen in dem sie unseren eignetlichen Feed intransparent auf ihre Plattform spiegeln. Heruntergebrochen könnte man wohl sagen, dass uns der langfristige, stabile Ansatz lieber ist als “Reichweite um jeden Preis” und “bestmögliche Kommerzialisierung”.


#4

Erstmal vielen Dank für die ausführlichen Antworten an euch beiden. Wirklich spannend einen Einblick in die Rahmenbedingungen zu bekommen. Vor allem den Punkt zur Vertragsgestaltung finde ich an dieser Stelle wirklich ein wenig desillusionierend. Irgendwie geht das doch an einer Internetwirklichkeit vorbei. Man entzieht den Podcastmachern die Rechte und auf der anderen Seite, weiß doch jeder, dass Podcasts (z.B. auch Fest und Flauschig) sowieso allgemein zugänglich gemacht werden. Ich hätte ehrlich gesagt gedacht, dass es für einen Anbieter wie Spotify eine enorme Chance darstellen würde qualitativ hochwertige Produkte anzubieten/mitzuproduzieren; erst Recht in einem Segment, welches von ihnen noch nicht erschlossen wurde. Dass man die Macher von guten Inhalten, dann aber nicht so einfach abspeisen kann, ist ja irgendwie klar.

Ich kann da nur für mich sprechen, aber für mich wäre ein interessantes und vielfältiges Podcastangebot, welches einfach und übersichtlich dort dargestellt wird, durchaus ein Grund mir dort einen Premiumaccount zu machen. Vergleichbar mit bspw. Netflix: klar kann ich mir die Inhalte dort auch anderweitig angucken, aber die Kompaktheit, Übersichtlichkeit und auch recht verlässliche Qualität die dort angeboten wird, sind für mich ein gutes Argument. Dort probiere ich dann auch mal Sachen aus, von denen ich vorher noch nichts gehört habe, einfach weil ich davon ausgehe dort eine gewisse Qualität zu bekommen. Analog würde ich das bei Podcasts wohl auch sehen. Wenn bspw Spotify so etwas erreichen würde, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass so neue Hörergruppen erreicht werden könnten.
(Ich hoffe, das Ganze ist jetzt nicht zu wirr verglichen)

Böhmermann/Schulz sind natürlich nicht der Maßstab, weil beide natürlich recht präsente Medienfiguren sind, die andere Möglichkeiten haben ihre Positionen zu vertreten. Vor allem aber glaube ich, dass ihnen das Medium Podcast ziemlich am allerwertesten vorbei geht… Aber das ist ein anderes Thema.


#5

Also zumindest die Jungs von “Auf ein Bier” finanzieren sich mittlerweile ausschließlich über Patreon (und die beiden von Stay Forever könnten es auch wohl, aber die arbeiten beide noch). Aber um an solche Erträge zu kommen muss man wahrscheinlich mal Chefredakteur gewesen sein, respektive schon eine gewisse Bekanntheit und Fanbase aufweisen.


#6

Ja, und vor allem: Exklusive Inhalte bieten. Und das wollen wir nicht, was unserer Finanzierung aber schadet.

Ist bei den genannten Beispielen aber ein wichtiger Punkt. Siehe dazu u.a.: https://sendegate.de/t/spielepodcasts-und-bezahlschranken-via-patreon/4212/3


#7

Erstmal vorweg: Schöner Vortrag ich hab ihn jetzt auch gehört (“Dank” dem grandiosen Internet hier nämlich mit 144p und deswegen quasi als Podcast, passt ja auch viel besser :wink: ).

Das mit den exklusiven Formaten und Inhalten ist natürlich richtig. Ist wahrscheinlich ähnlich wie bei Kickstarter. Da werden (gefühlt) auch keine Projekte unterstützt “um etwas in die Welt zu bringen”, sondern fast ausschließlich wenn es eine Gegenleistung gibt. Ich bin mir auch sicher, wenn es das Tribunengespräch als monatliches Exklusivformat geben würde, dass eure Einnahmen höher wären.

Ich finde eure Strategie jedenfalls lobenswert und hoffe das es sich langfristig auszahlt.

In einer perfekten Welt gibt es irgendwann:
Montag: Schlusskonferenz Buli
Dienstag: Kurzpass CL Vorschau
Mittwoch: Schlusskonferent CL, Kurzpass CL Vorschau
Donnerstag: Schlusskonferent CL, Kurzpass EL (Fokus auf dt. Teams)
Freitag: Schlusskonferent EL (Fokus auf dt. Teams), Kurzpass Buli Vorschau
1 pro Monat: Tribünengespräch

Ich drück die Daumen :slight_smile:


#8

Alter und wann hab ich mal Feierabend? :smiley:

Bitte nicht vergessen, dass ich alleinerziehender Zwillingspapa bin. Ein paar freie Momente brauche ich schon noch. Genieße es derzeit SEHR, dass ich CL und EL zwar sehen kann, aber nicht muss.


#9

Der Nachsatz “Fokus auf dt. Teams” bei der EL war der Beitrag zum Feierabend :smiley: :wink:

Im Ernst, das war natürlich die perfekteste aller Welten mit 48Stunden-Tagen und fußballverrückten Zwillingen. Eigentlich wollte ich damit nur sagen, dass ich es euch wünsche irgendwann vom Rasenfunk leben zu können und weiterhin solch hochklassigen Content zu produzieren ohne den, und damit übertreibe ich nicht, mein Fußball-Wochenende nicht mehr komplett ist (wie vor ein paar Wochen schmerzhaft bewußt geworden). Danke nochmal für die vielen unterhaltsamen und informativen Stunden :)!


#10

Nochmal zu Patreon:

Wie wäre es denn, wenn ich statt exklusiven Inhalten zumindest ein paar Stretchgoals ausloben würdet.
Nichts wirklich gravierendes, aber sowas wie:
1000$ - ein “Abschluss”-Kurzpass zur CL Gruppenphase
1500$ - eine Schlusskonferenz zum DFB Pokal Finale
2000$ - eine Schlusskonferenz zum CL Finale

Das sollte sich vom Aufwand her (hoffentlich) in Grenzen halten und trotzdem hätten einige, die sich vielleicht aktuell denken, “wozu spenden, gibt ja auch so alles” zumindest einen kleinen (oder weiteren) Anreiz, ein paar Dollar in den Pott zu werfen :slight_smile:


Mehr Patreon Goals!
#11

Ja, wäre eine Möglichkeit, da hast du schon Recht.


#12

Ich gehöre selbst zu den Patreon-Spendern von “Stay Forever” und finde deren Ansatz eigentlich nicht schlecht: Das Hauptprodukt ist weiterhin frei verfügbar, und ein paar eigens neu entwickelte, spannende Zusatz-Formate verschwinden hinter der Pay-Wall, für die man mit 5 Euro im Monat Zutritt erhält. Die Macher weisen auch deutlich darauf hin, dass Patreon keine “harte” Paywall ist, sprich, dass man sich auch nach ein paar Monaten einmal für einen Monat zahlend anmelden, alles runterladen, und sich wieder abmelden kann. Dann haben sie immer noch wenigstens einmal die 5 Euro eingesammelt.

Ich frage mich, warum das für Fußball-Inhalte nicht auch möglich sein soll. Auch da gäbe es ja “zeitlose Zusatzformate”. Jetzt ist natürlich das Problem des Rasenfunks, dass es bereits ganz viele Formate frei zugänglich gibt, und es sicherlich den Hörern sehr übel aufstoßen würde, wenn z.B. der Kurzpass plötzlich hinter der Paywall verschwindet, das “Tribünengespräch” wiederum wegen seiner Relevanz möglichst frei zugänglich sein soll, und du andererseits aber vermutlich gar nicht die Kapazität hast, eine “CL-Schlusskonferenz” oder eine “Zweite LIga Konferenz” oder ein “Kurz-Tribünengespräch” als neues Feature für die Paywall auf die Beine zu stellen.

Und natürlich stellt sich für den Hörer immer die Frage, wie viel kann er eigentlich zahlen? Ich höre mehrere Dutzend Podcasts, zahle aber natürlich nicht für alle. Vermutlich wäre es sogar ideal, wenn sich einige gute Fußball-Podcasts zusammentäten und gemeinsam 5-10 Euro im Monat verlangen. Das Geld, das dabei zusammenkäme wäre selbst durch alle Podcasts geteilt vermutlich immer noch mehr, als die meisten aktuell vom Hörer bekommen.


#13

Der Max war übrigens auch bei der Subscribe9 wieder dabei. Hier der Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=x1-fN9ywL20