Ich wollte mal fragen, wie ihr die „nächste Generation an den Fußball ranführt“. Ich bin 1981 geboren. Da gab es weder Internet noch viele Spiele im TV. Ich saß noch Montags beim Zweitliga-Spiel vor meinem kleinen Röhren-TV. Bei mir in Ennepetal gab es ein Pfingst-Turnier, wo nationale und internationale U19-Mannschaften Massen begeistert haben. Da kam ein Bus mit den roten Teufeln und Hunderte jubelten. Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, die alle haben hier gespielt, und niemand ahnte, was da noch kommen würde
Wir sind oft zu Auswärtsspielen vom FC Bayern gefahren und ja - BUH!!! - ich war begeistert, mein Vater war riesiger Fan. Wir haben immer noch vor Ort Karten bekommen.
Ich selbst war Torwart und habe in meiner Jugend - sicher durch die Pfingst-Turnier-Beziehungen - mehrmals gegen Dortmund, Bochum und Schalke gespielt. Und das absolute Highlight war ein Einlage-Spiel - so war das damals, jugend-Mannschaften spielten im Rahmen der Events vor den Profis - gegen Schalke im alten Parkstadion . Übrigens 2 zu 22, aber ich habe einen Elfer an den Pfosten gelenkt
Ich merke aber für mich, dass ich null Angst habe, wenn ich zu einem Event mit mehreren Tausend Besuchern fahre. Es kribbelt, ich habe mega Vorfreude, aber keine Angst.
Ich hatte dann mal das Glück, einen jungen Schalke-Fan zu seinem ersten Spiel fahren zu dürfen. Und je näher wir den Stadion kamen, desto nervöser wurde er. Heute ist er Schalke-Ultra.
Wie führt ihr neue Fans an den Fußball heran? Wie nehmt ihr ihnen die Angst, sobald die Masse an Menschen überwältigend wird?
Ins Stadion gehen. Und das muss nicht das Bundesligastadion sein, es reicht auch Regionalliga, dritte Liga oder ähnlich sein. Irgendwo, wo es nicht so voll und laut ist. Der Mann meiner Nichte macht es sehr erfolgreich mit Duisburg. Er sagt, er ist bisher nicht der große Fan gewesen, aber um seine beiden Kinder an den Fußball heranzuführen ist der Verein optimal. Die beiden (3 und 6) laufen auch die meiste Zeit im Trikot rum.
Mein Nachbar macht es ähnlich mit Flensburg-Weiche.
Im Volkspark zB ist das für die kleinen to much, zu groß, zu laut, zuviele Menschen, zuviel Gedrängel.
Ich habe den Einstieg mit meiner Tochter (damals 3, jetzt 4) über die Frauen-Bundesliga gewählt. Sie war davon sofort begeistert und würde am liebsten jedes Wochenende hingehen. Zunächst waren wir in Hoffenheim und dann schon mehrfach in Freiburg.
Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass ich so versucht habe, ihr eine Identifikation mit weiblichen Spielerinnen zu ermöglichen. Letztlich hat es dazu geführt, dass sie seit letzter Woche auch selbst zum Training geht und sich ausprobiert.
Ich sehe es ähnlich, dass die großen Stadien bei den Spielen der Männer für sie noch sehr laut und überfordernd sein können.
Ich muss aber auch zugeben, dass ich relativ viel Sport im TV konsumiere. Meist versuche ich, es von ihr fernzuhalten, aber sie bekommt es schon mit und ist dadurch auch „sportlich sozialisiert" – das geht aber über den Fußball hinaus. Grundsätzlich ist das eh etwas, das ich für wichtig erachte: dass sie eben mehr Sportarten kennenlernt und selbst erlebt. Wir waren auch schon bei der Deutschlandtour und häufig begleitet sie mich zu Lauf- und Triathlonveranstaltungen.
Danke für eure Antworten. Bei mir ist das jetzt schon vor 20 Jahren gewesen. Damals haben wir uns in den Schalke-Stehplatz-Block gestellt, aber natürlich ganz oben und Nähe beim Ausgang. Könnte man das heute noch so machen?
Kurze Anekdote: Ein Verwandter eines Freundes hat uns zweimal mit zum Böckelberg genommen. Er war natürlich Gladbach-Fan, wir waren Bayern-Fans. Einmal stand es Unentschieden, wir wollten gehen und kamen am Stehplatzbereich der Fohlen vorbei. Dann hat Bayern den Siegtreffer geschossen und ich - damals zwischen 10 und 12 - achrie laut „Juhu“ Ruhe, alle schauten mich an, aber: Ich habe nicht auf die Frease bekommen
Ich würde sagen, dass kommt sehr darauf an wo du bist. Ich würde mal behaupten, dass es in den meisten Stadien kein Problem wäre, schließlich reden wir von einem Kind. In Frankfurt würde ich allerdings z.B. nicht drauf wetten, da habe ich leider schon mehrfach schlechte Erfahrung mit Eintrachtfans und Umgang mit Kindern in Gästeoutfit gemacht.
Deswegen war ich mit meiner Nichts (4) bisher beim Volksparkfest und 1x bei den HSV Frauen. Werde sie diese Saison sicher auch noch 2-3x zu den Frauen mitnehmen.
Ich habe meinen (inzwischen) Zehnjährigen langsam herangeführt und noch nie schlechte Erfahrungen gemacht.
Sein erstes Spiel war in Mailand, dann Dortmund, Mainz und nochmal Dortmund - jeweils auf der Haupttribüne, ganz entspannt von den Sitzen aus das Treiben beobachten.
Dann mit der Hertha in Düsseldorf schon im Gästebereich, aber noch auf Sitzern (wobei die meiste Zeit ja eh gestanden wird).
Nachdem das alles geklappt hatte, waren wir dann letzte Saison mit dem BVB in Sinsheim auf den Gästestehern. Es gab das übliche grosse Gedränge, die Ultras direkt vor uns, die Fahnen überall um uns herum - das Spiel war kaum zu sehen, aber 90min singen und hüpfen. Ich war anfangs etwas skeptisch, aber er wollte das unbedingt erleben und wir standen so, dass wir schnell hätten gehen können. Um uns herum waren ausnahmslos alle Fans super nett und rücksichtsvoll, es wurde immer darauf geachtet, dass mein Sohn genügend Platz hat und direkt neben mir stehen kann. Es hat grossartig funktioniert und mein Sohn war happy.
Seitdem gehe ich ziemlich entspannt damit um und mal von absoluten Ausnahmespielen (Derby etc) abgesehen, ist der Stehplatzbereich gar kein Problem mehr.
Auch um die Stadien herum haben wir nie schlechte Erfahrungen gemacht. Je nachdem wo wir sind, achte ich aber oft darauf, dass man „neutral“ anreist und z.B. erst im Stadion das Shirt über dem Trikot auszieht. Wahrscheinlich bin ich da aber - wegen schlechter Erfahrungen in der eigenen Jugend - übervorsichtig.
Meine Tochter ist jetzt 6 und fiebert ihrem ersten Stadionerlebnis entgegen. Ich werde es wieder ganz genauso machen und auf einer Haupttribüne bei „entspannten“ Spielen anfangen.
Krass, Danke! Schön, dass es einen Ort gibt, wo man einfach nur Erfahrungen austauschen kann. Fiebere gerade mit der deutschen Mannschaft mit. Habt einfach einen schönen Abend. Liebe Grüße, Andy