Die Sendung fand ich-wie meistens-gut.
Mein Gedanken zum Ausscheiden: ich halte nichts von reflexartigen Trainerdiskussionen oder von-wie von Hummels vorgeschlagen-Spielern, die jetzt ihren Rücktritt bekannt geben sollten. Frage an die Runde: im Großen und Ganzen waren der Kader ja nachvollziehbar und soviel andere Spieler gibts ja auch gar nicht, die noch nominiert hätten werden können.Das war mE schon die logische Auswahl. Deutschland hat nicht die Qual der Wahl wie zB Frankreich.
Bei aller Qualität, die gegen Paraguay ausreichend hätte sein müssen, muß ich aber schon fragen, ob die Spieler unter Druck einfach mit individuellen Entscheidungen(das Spiel schnell machen,Positionierung, direkte Flügelverlagerungen ohne 6er-Zwischenstation, Zwei-kontakt-Spiel)zu sehr gestruggelt haben.
Das war sicher in den Taktiksitzungen das Thema:schnell spielen, direkte Verlagerungen etcpp.
Und:warum, wie gegen Ecuador und auch jetzt wieder halten sich manche Spieler nicht ansatzweise an die Vorgaben?Undav- der mit Hackenbällen versuchte, ins Spiel zu kommen, wurde zb von Havertz(der in der Mitte hätte bleiben sollen)sehr bald alleine gelassen.
Der Spielaufbau der IV war zwar solide, weil sie auch kaum bis nie gepresst wurde, brachte jedoch mE zuwenig Esprit.
Und noch etwas war für mich auf individueller Ebene seltsam anzusehen: muß man denn wirklich so oft die Hände im Zweikampf dermaßen offensichtlich einsetzen? Das wurde dann ja auch Anton zum Verhängnis(klar, das hätte nicht VAR-überprüft werden müssen)-aber Anton gibt mit seinem Armeinsatz dem VAR die Chance dazu. Das-bei allem Verständnis für die Drucksituation-war oft einfach nicht clever. Und er war nicht der Einzige, der mit Armeinsatz Körperlichkeit demonstrieren wollte.
Überhaupt: es gab zwar sehr wenige kritische Defensivsituationen, ja-aber genau die eine Situation, die zur Torvorlage führt, war hanebüchen naiv verteidigt(obwohl Paraguay das auch nicht schlecht gemacht hat)-einer dreht sich weg, wegdrehen???Der andere sichert die kurze Tiefe nicht und in der Mitte wird der Torschütze vom 6er oder einem der Abwehrspieler komplett blank gelassen.
Und auch das war symptomatisch: mal zu Null spielen, wenn es nicht läuft-das ist schon auch eine Qualität. Konzentrierte Defensivarbeit des gesamten Teams. Das war mir teilweise zu einfach, wie da Gegentore fallen, weil nicht konsequent die Position/der Raum besetzt wird oder weil die Gefahr nicht gewittert wurde und defensiv zu nachlässig agiert wurde(s.0:1 gg Paraguay oder die Gegentore gegen die anderen Gruppengegner).
Und das ist nun die Frage:warum sind die Spieler unter Druck nicht in der Lage, gegen Paraguay Chancen herauszuarbeiten?”Zu Null”zu bleiben? Offensiv Verantwortung zu übernehmen?Selber zu erkennen, was auf dem Platz nötig ist? Ist das eine Momentaufnahme?Ein generelles Qualitätsthema?Der Umgang mit Druck problematisch? Angst,Fehler zu machen?Sieht zumindest so aus.
Von daher greift es mE jetzt zu kurz, jetzt ausschließlich den Trainer in den Senkel zu stellen.
Der sicher seinen Anteil hatte, indem er an verschiedenen Positionsbesetzungen mE zu lange festhielt und bei dem medialen Dauerfeuer zuletzt auch ein wenig dünnhäutig war.
Aber:falls lediglich ein Wechsel der Trainerposition vorgenommen werden würde, das behebt das Problem nicht. Denn Trainerwechsel gab es bereits und das Ergebnis war jeweils ähnlich-also liegt es nicht allein an der Trainerposition.
Auf versch.Positionen ist aktuell mE zu erkennen, daß zb im NLZ eine Wochenstruktur und Trainingssteuerung wie sie bei den Profis praktiziert wird, im NLZ zu wenig Wiederholungen von Zweikämpfen, 1v1, Abschlußsituationen etc. generieren. Und demzufolge wartet Fußballdeutschland auf Stürmer, auf 6er und vor allem auch auf AVs von Klasse. Und die aktuelle Generation ist ja zum Großteil im NLZ groß geworden.
Wo sind die Alternativen auf manchen Positionen? Mir fällt da Stach als Erster ein-der mit Leeds ein richtig gute Saison gespielt hat. Oder Ginter.
Ein Teil des Misserfolgs betrifft meiner Ansicht nach auch die Tatsache, daß manchen Spieler schlicht auch mit zuwenig Rhythmus und/oder Vertrauen in die eigene Stärke bei der WM ankam. Nmecha, Havertz, Musiala zB- waren vor der WM alle mehr oder weniger lange verletzt. Wirtz wurde in einer stärkeren Liga in Liverpool regelmäßig mal da und mal dort eingesetzt-litt auch allgemein unter der schlechten Situation beim LFC.
Und das könnte man weiterführen.
ich finde es sehr schade, daß Deutschland schon raus ist, ich hätte sie gerne weiter im Turnier gesehen.