NT263: Kloppstock und Zuckerbrot

Wir haben mit diesen Gästen über die Vorstellungs-PK von Jürgen Klopp gesprochen:

Wie hat euch die Sendung gefallen?

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Spannende Parallele, die Martin da aufmacht, zwischen Schiedsrichtern und Journalisten in Bezug auf Beeinflussbarkeit. Niemand gesteht sich gern ein, dass er sich von den „Bullies“ beindrucken lässt. Ich ärger mich regelmäßig zu sehen, dass genau das bei Schiedsrichtern geschieht. (Siehe WM!) Und was die Journalisten betrifft… das führt jetzt zu weit. (Und Fußball ist auch sicher nicht das wichtigste der Themen, die darunter leiden.) Ich fürchte halt, wer sich dagegen gefeit meint, hat den wenigsten Zugriff auf seine Reaktionen. Die vielleicht manchmal instinktiv und einfach menschlich sind statt moralisch einwandfrei und rational.

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Ich finde die Diskussion um die Ausbildung in Deutschland sehr interessant, würde aber den Kreis sogar noch größer ziehen als nur bis zu den NLZen.

Viele Breitensportvereine, zumindest im Ruhrgebiet, möchten gerne Ausbildungsvereine für die „Großen“, regional z.B. Dortmund, Schalke, Bochum, Essen, sein oder werden und passen dementsprechend die Ausbildung bereits bei den Jüngsten (ab G Jugend) an. In meiner Wahrnehmung heißt das vor allem: Fokus auf das Individuelle. Körperlichkeit, Durchsetzungsfähigkeit, Technik. Alle Kinder werden gleich „erzogen“, unabhängig von vielleicht vorhandenen Veranlagungen. Mein Eindruck ist, dass am Ende alle Kinder alles können sollen, unabhängig von den Positionen, die ihnen vielleicht von der eigenen Veranlagung her liegen.

Dabei zeigt sich mMn bereits sehr früh, welche Positionen Kinder gern spielen und wo sie ihre Stärken ausnutzen können. Wir bilden also keine Spezialisten mehr aus, sondern „Einheitsbrei“, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, von NLZen wahrgenommen zu werden.

Wir hatten das Glück einen Verein und eine Mannschaft zu finden, in der das Mannschaftsspiel der Individualität vorangestellt ist und den Kindern zwar die Möglichkeit geboten wird sich auf allen Positionen auszuprobieren, die Veranlagungen aber vornehmlich berücksichtigt werden, weil die Kinder so an ihr Leistungsmaximum kommen und vor allem Spaß haben.

Die ganze, oft plakative Kritik am FUNiño, geht an der Realität vorbei. Erstens profitieren die Kinder deutlich von Spielzeit und vielen Ballkontakten und zweitens wissen die Kurzen sehr genau, wie sich Gewinnen und Verlieren anfühlt - was so oder so der bescheuertste Kritikpunkt bei der ganzen Sache war.

Abschließend möchte ich noch einwerfen, dass der DFB, statt nur in die Arbeit der NLZen zu gucken, sich vor allem um die Förderung des Breitensports kümmern sollte. Die Vereine arbeiten fast nur mit Ehrenamtlichen, ausgebildete Trainer werden händeringend gesucht und Geld für Material etc. ist immer knapp. Ich glaube viele Talente gehen DE so durch die Lappen.

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Das liegt aber jetzt schon in der Verantwortung der Vereine. Ich kenne einige bei denen Mitgliedsbeiträge aus dem Kinder- und Jugendbereich überproportional in den Erwachsenenbereich fließen. Teilweise kommen auf jedes erwachsene Mitglied 5-6 Minderjährige. Da diese aber keine stimmberechtigte Vertretung in den Versammlungen haben werden ihre Interessen häufig nicht berücksichtigt.
In Vereinen, die das erkannt haben und das entsprechende Geld dann auch für die Trainernnenausbildung investiert wird, stellen sich dann auch die entsprechenden Erfolge in der Jugendarbeit ein. Sowohl mannschaftlich (Aufstiege etc.) als auch individuell (Förderung von Talenten, weniger Verlust von Spielernnen an andere Amateurvereine).

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Das stimmt sicherlich auch, aber selbst wenn Vereine Geld in den Unterbau stecken, bleiben die Mittel knapp.

Bei uns mussten jetzt zB die Beiträge deutlich angehoben werden, weil der Verband in den nächsten Jahren die Beiträge der Vereine verdoppelt. Da wird das Geld wieder aus dem Breitensport herausgeholt.

Zumal dazu kommt, dass sozial Benachteiligte dadurch wieder der Zugang zu Sportangeboten erschwert wird.

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In Hamburg gibt es dieses Programm:

Bei den Beiträgen muss man nach meiber Erfahrung genau hinschauen.
Natürlich gibt es die Vereine in denen alles korrekt abläuft. Aber besonders bei „ambitionierten“ Herrenteams habe ich schon einige Überraschungen erlebt wo Geld wie „verschwindet“. Diese Meldung ist da absolut beispielhaft:

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Hier mal eine Frage:

Wieviel kostet bei euch in den Vereinen der Jahresbeitrag?
Bei uns:
Erwachsene 30€, Familie 45€.
Kind alleine 20€.

Ist imho ein Witz aber bei uns hat man Angst höher zu gehen weil man befürchtet Mitglieder zu verlieren.

Darf man fragen, wo das grob geografisch ist?

Wir zahlen in Nürnberg für nen „Vorstadtverein“ 146€ für unsere Tochter (U18), Familie (2 Eltern, 2 Kinder) wären 224€.

Das ist ja süß :rofl:

Bei uns kostet der Familienbeitrag (Eltern + Kinder u18) 53 €/Monat.
Dazu kommen dann noch Zusatzbeiträge für die jeweiligen Sportarten, die unterschiedlich hoch sind.
Fußball kostet zZ 7 € pP/Monat.

Interessant, welche Abzweigung diese Diskussion genommen hat. Um mal wieder auf den Punkt zu kommen: ja, Klopp ist sicher der bester Bundestrainer, den man sich momentan vorstellen kann, aber sein Umgang mit Journalisten war auch schon in seiner Liverpool Zeit fraglich. Er kann das aufgrund seiner ausgeprägten rhetorischen Fähigleiten immer wieder einfangen, aber ein paar seiner Kommentare fand ich auch wirklich befremdlich.

Gegenüber den Spielern scheint das aber mehrheitlich zu klappen, aber bei Mo Salah kam es auch zu Differenzen. Da hat er aber als Bundestrainer etwas mehr Möglichkeiten über die Nominierung zu steuern, wer dabei bist, ohne den teuersten Spieler auszusortieren. Wenn er allerdings, den gefühlt besten Spieler Deutschlands aussortieren würde, dann mal sehen…

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Sportsfreund Klopp hat die Englische Printpresse überlebt und wird das auch in Deutschland als Bundestrainer schaffen, auch wenn er jetzt 2 Jahre nicht mehr so tief drin gesteckt hat.

Ich glaube für viele Journalisten ist Klopp auch schwer zu greifen, da er ja wenig von sich aus Preis gibt.

Bei der Frage um Kosicke können wir froh sein, dass sie es überhaupt bekannt gegeben haben.

Ich meine wieviele externe Berater gibt es denn schon beim DFB?

Das weiß doch niemand und seine Anwesenheit hätte man auch als enger Begleiter von Klopp begründen können.

Hat mal jemand einen genauen Artikel wie Kosicke mit Bierhoff verbunden war?

Sie hat die gemeinsame Firma aber sonst hab ich keine genauen Sachen gefunden.

Bei der Sache mit ,Die Mannschaft“ hing er nicht mit drin oder?

Finde es geradezu beruhigend, daß Kosicke auch das „Mia san mia“ erfunden hat.

Sonst hätte ich mich noch mehr an das erinnert gefühlt, was Kahn nach seinem Rauswurf von Uli H. hinterhergeworfen bekam, den zu großen Einfluß seiner Berater nämlich.

Bei Martins Ausführungen zur personellen Zukunft auf den Verteidigerpositionen dachte ich mir, es könnte eine schöne Idee sein, das Ganze mal zu vertiefen, etwa in einem Gespräch unter der Überschrift „Klopps Siebenundfünfzig – auf welche Spieler wir in Zukunft achten sollten“.

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500 Einwohner Dorf in Baden.

Journalisten gehen auch nicht zimperlich mit Trainern um, weiß gar nicht, warum das immer gleich Theater gibt, wenn die sich mal was nicht gefallen lassen.

Und zu Unstimmigkeiten mit Spielern kommt es immer mal wieder. Er hat mit Salah so ziemlich alles gewonnen was geht, also hat ers ja scheinbar gut eingefangen.

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Natürlich müssen sich Trainer nicht alles gefallen lassen von Journalisten. Klopp ist aber schon bekannt dafür teilweise besonders empfindlich reagiert zu haben.

Ich ichs noch allgemein die Sendung loben.
Es wurden mal nicht nur die 2 kritischen Sätze von Klopp zitiert und ich bin eig überrascht wieviel sinnvolles er eig gesagt hat. Auf der PK aber auch als Experte bei Magenta.
Sonst habe ich in der Presse nur die Zitate mit „dann bin ich weg“ gelesen.
Differenziert wie immer, der Rasenfunk :+1:t5:

Auch die Ausblicke, was wie verändert werden könnte, taktisch, nominell usw fand ich sehr interessant und hat logisch geklungen!

Es hat viel Spaß gemacht die Sendung zu hören! Danke!

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Tolle Sendung die das ganze sehr gut eingeordnet hat.

Was mich wenig überrascht ist, dass bei vielen Personen aus dem Presseumfeld die „Ansage“ von Klopp kritisch gesehen wird, was ich verstehe aber ich finde das Klopp da durchaus Recht hat. Ich finde zwar nicht dass die Kritik an diejenigen geht die Sportjournalismus immer noch versuchen seriös zu betreiben, sondern die Boulevardisierung des Sportjournalismus, ob gewollt oder ungewollt, fördern, allen voran Springer. Weil in dem Buisness die News, die schnell geklickt wird, wichtig ist um Werbepartner und Co zu fördern. Das meinte auch Klopp mit „den nicht Nominierten Anrufen der sich dann beschwert nicht nomniniert worden zu sein.“ Das sind vor allem negative News, oder im krassen erleben wir das ja seit einigen Jahren bei Transfernews, was da lanciert, gepusht und geteilt wird, Hauptsache Aufmerksamkeit und Marktmacht. Man kann auch allgemein ein Faß darüber aufmachen inwiefern die Presse die allgemeine schlechte gesellschaftliche Stimmung ausnutzt, aber der deutsche Sportjournalismus hat da bezüglich dt. Nationalmannschaft durchaus seinen Teil dazu beigetragen wie der Fan über das Team denkt und die Vorfreude sich auch in argen Grenzen hielt. Das parallel dazu wie mies auch im allgemeinen die Kommunikation des DFB im allgemeinen ist.

Dafür gehe Ich mit dem „In Schutz nehmen“ von Nagelsmann, wie es Klopp getan hat, nicht mit. Weil Nagelsmann einfach eine gewisse Nähe zur Bildzeitung hat(te) seit dem er in München ist. Und es fiel auch auf dass News 1-2 Tage vor offiziell werden immer eine Bildschlagzeile bekommen hatten. Als bestes Beispiel die Kadernominierung. Und das flog ihm jetzt am Ende um die Ohren, auch wenn das in keinster Weise Bild „entschuldigen“ sollte, aber das war schon eine seltsame Gemengenlage.

Das Draufhauen ist besser vermarktbar als das Positive. Und die Presse macht da halt am Ende doch etwas zu gerne mit.

Ein Thema, was ich eigentlich noch anbringen wollte, wo mich auch eure Gedanken interessieren würden (ggf. Erfahrungen damit wie frühere Bundestrainer das gehandhabt haben):

Wie geht Klopp, der mE zumeist relativ direkt und ehrlich kommuniziert, damit um, wenn ein Spieler eben nicht Gas gibt, oder nicht der Mannschaft hilft oder er ein anderes Profil lieber mag?

Du kannst den dann ja nicht öffentlich aufhängen und sagen „der wirkte auf mich, als hat er keinen Bock“ oder „ja, der pennt hallt zu viel aufm Platz, das ist scheiße für unseren Fußball“. Oder auch einfach „ihr überschätzt den alle, so gut ist der nicht“. Das geht ja alles nicht, gerade wenn du irgendwann in der Zukunft vielleicht doch noch mal mit dem zusammenarbeiten willst. Aber auch sonst ist das ja krass karriereschädigend.

Es ist Nagelsmann und Löw mE auf die Füße gefallen, dass sie solche Sachen nicht glaubwürdig kommuniziert haben und ihnen dann nachgesagt wurde, dass die einfach „ihre Lieblinge nominieren“. (Was ja übrigens deren gutes Recht und durchaus vernünftig ist, weil „ihre Lieblinge“ ja deshalb ihre Lieblinge sind, weil sie denen zutrauen, ihren Fußball am erfolgreichsten umzusetzen. Das muss man aber erklären.)

Klopp schafft’s zwar ganz gut, immer auf so negative Dinge noch positive Perspektiven zu finden und das nachvollziehbar zu machen, aber in dem konkreten Fall scheint mir das schwierig, zumal diese Themen ja nicht weggehen.

Kann mir bspw. nach seinen Magenta-Auftritten vorstellen, dass Nmecha einen SEHR schweren Stand haben wird. Und es ist denkbar, dass der in den nächsten zwei Jahren von Teilen der Öffentlichkeit zum besten deutschen Mittelfeldspieler hochgejubelt wird. Was sagt er dann?

Meine Prognose, wenn ich drüber nachdenke, ist vielleicht sowas: „Wir sind aktuell keine Nation, die uneingeschränkt Weltklasse ist und einfach über ihre individuelle Klasse was reißt, das haben wir ja alle gesehen. Wir müssen als Mannschaft funktionieren, es muss jeder zu jeder Minute ans Maximum gehen, damit wir eine Chance haben, was zu holen. Und das ist nicht einfach und das heißt dann, dass hier und da auch einer, der herausragende Fähigkeiten hat und der sicher auch in vielen Situationen helfen könnte, mal den kürzeren zieht gegenüber einem, der vielleicht limitierter ist, aber sich einfach noch mehr reinhaut und noch mehr in den Dienst der Mannschaft stellt.“

Das ist sicher eine Logik, die einerseits recht ehrlich ist und andererseits in Fußballdeutschland wahrscheinlich gut ankommt.

Aber vermutlich wird das das Thema nicht erledigen, sondern er muss das dann immer wieder begründen und irgendwann wird’s schräg.

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Im ersten Moment dachte ich, das sind Nagelsmann-Zitate zu Undav und El Mala :grimacing: