Edit: das war eher als Einschränkung gemeint als als Widerspruch, das hätte ich klarer formulieren können.
Es stimmt natürlich, dass er übertrieben oft meckert, das nervt mich dann auch. Er hat da auch eine recht ausgeprägte Mimik, drum wird das gern eingefangen von den Kameras.
Könnte man den ganzen Diskurs hier zusammenfassen mit: Menschen werfen Kimmich vor nicht absolute Weltklasse zu sein?
Kimmich hat einfach das Pech, dass sein Aufstieg im Nationalteam einherging mit dem Abfall der Leistung der „Mannschaft“. Dabei ist Korrelation ja nicht gleich Kausalität. Wenn er immer anspielbar ist, was ja seine Rolle ist, aber der Rest des Teams nicht (weil Taktik oder persönliche Qualität fehlen?), dann führt das halt dazu, dass er immer angespielt wird aber niemanden hat den er anspielen kann. Mathematisch wäre Kimmich, auf Grund seiner Qualität, quasi eine „Ballsenke“ in welcher der Spielfluss versickert.
Sein persönliches Auftreten auf dem Feld gegenüber Schiris hilft dann auch nicht Ruhe und Selbstvertrauen auszustrahlen.
Natürlich kann ein Rodri noch ein bischen mehr nach vorne erzeugen, klar. Aber nur weil es einen besseren Spieler in einem anderen Team gibt, muss es nicht heißen, dass Kimmich ein Handicap im deutschen Spiel ist. Mir kommt die Diskussion vor, als wäre die Argumentationskette:
Kimmich wichtigster Spieler für Deutschland, ergo: Kimmich verantwortlich für Leistung Deutschlands
Deutschland spielt schlecht, ergo: Kimmich spielt schlecht
Überspitzt formuliert: Wenn nur einer arbeitet und dabei ein Fehler passiert, ist es einfach den einen, der arbeitet, zu beschuldigen. Während der Rest die ganze Zeit Daumen drehend daneben stand und gar nichts beigetragen hat.
Weißt du was ich als frech empfinde?
Dieses, Martin Rafelt gegenüber herablassende „Fanboy von Kimmich“, „Poster von Kimmich“ und dein arrogantes „lass gut sein, Martin“.
Und ich finde frech, als „normaler Zuschauer“, der vllt gut mal einen C Schein hat, Kimmich zu beurteilen und Experten Meinungen zu ignorieren.
Kimmich hat Guardiola, Löw, Ancelotti, Kovac, Flick, Nagelsmann, Kompany, Klopp, Matthäus, Rafelt, Eckner, Escher auf deiner Seite…
Ich mag den ganzen Post, aber den Satz möchte ich hervorheben, so schön find ich das
Das klingt so selbstverständlich, stößt mir aber auch des öfteren in der Bewertung von Spielern auf: „XY ist kein Name eines All-Timers hier einsetzen“. Ok, das stimmt, allerdings sind das fast alle anderen Spieler weltweit auch nicht, deswegen können wir ja jetzt nicht die Mannschaft von XY vom Spielbetrieb abmelden.
ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: er hätte zurücktreten sollen.
Wenn er in 1 1/2 Jahren in sehr guter Form ist und sein Profil dem Nationalteam weiterhin fehlt, kann er immer noch den Kroos machen und für ein Abschieds-Turnier zurückkommen.
Mit Kimmich zu spielen ist für den Rest des Teams so, wie mit Schwimmflügeln zu schwimmen. Offensichtlich müssen sie erst einmal lernen, ohne Kimmich zu spielen. Und wenn sie gelernt haben, ohne Schwimmflügel zu schwimmen, kann man Kimmich eventuell wieder hinzufügen.
Aber jetzt zum X-ten Mal zu versuchen, ein Team um Leader Kimmich herum aufzubauen, ist ein Fail mit Ansage.
Angeblich steckte hinter den „Hohl ihn dir Karim!“ Rufen während des Spiels gegen Griechenland, der Versuch eines Zuschauers ein paar Rassisten (und wohl auch Bayern-Hater) in den Reihen hinter ihm zu kontern. Die sind dann auch in der Halbzeit gegangen, nachdem noch einige andere Zuschauer gegen sie aufgestanden sind. So steht es zumindest in der Frankenpost.
Der Artikel ist hinter einer Paywall, die aber leicht mit archive. ph zu umgehen ist. Da ich mir nicht sicher bin, ob das hier gestattet ist, poste ich erstmal keinen Link zum archivierten Artikel.
Meine Gedanken gehen da in eine ähnliche Richtung. Kimmich hat sich in seiner Karriere mit viel Arbeit und Akribie zu einem Spieler entwickelt, der in seinem Spiel sehr wenige Fehler macht. Deswegen spielt er im Zentrum und deswegen wird er von den Mitspielern oft angespielt, wenn sie keinen anderen Plan sehen.
Er steht mit seiner gesamten fußballerischen Persönlichkeit nun so sehr für den Ansatz und das Bestreben, möglichst wenige Fehler zu machen, daß er damit andere Mitspieler der Mannschaft, deren Kapitän er ist, überfordert, wenn sie versuchen, das nachzuahmen.
Und so wird aus einer Partie, in der nach vorne und nach hinten nicht viel geht und das eigentlich 1:0 (Paraguay) oder 0:0 (Griechenland) ausgehen sollte, ein 1:1 bzw. 0:1, weil dann irgendjemand doch einen Fehler macht, aus Angst und im Bestreben, ja keinen Fehler zu machen.
Deswegen kann man das Problem letztlich nicht zu aller Zufriedenheit auflösen. Wenn es darum geht, die besten Spieler aufzustellen, muß Kimmich spielen, weil er kaum Fehler macht. Aber um ihn herum eine funktionierende Mannschaft zu bauen, wird immer wieder scheitern, solange die Spieler, die sonst zur Verfügung stehen, die sind, die sie sind.
Dann haben wir wohl nachträglich mindestens einen neuen MVP
Weil dann ist das ja mal ne richtig starke Leistung das so durchzuhalten und auch eine schöne Nachricht
Ich verstehe wirklich absolut nicht wieso wir genau diese Personaldebatte nach diesen zwei Spielen führen. Zum einen ist Kimmich ist einer der besten deutschen Spieler. Punkt. Das ist keine Einzelmeinung, sondern breiter Konsens im deutschen und internationalen Fußball. Und zum anderen war es nicht „die deutsche Nationalmannschaft“ die in diesen zwei Spielen, in Summe, entäuscht hat. Es war der erste von zwei Kadern eines groß angelegten Castings. Die Hälfte der Bayernspieler ist gar nicht dabei gewesen. Max hat zu Recht, wie ich finde, darauf hingewiesen, dass wir wahrscheinlich die meisten der nominierten Spieler nicht wieder bei der Nationalmannschaft sehen werden.
Ich will stattdessen lieber bei dem Thema Fehler machen einhaken. Da gab es in meinem Ohr einen Bruch der Kommunikation zwischem @MR_SV und @GNetzer. Ein Lieblingssatz meines Lieblingsprofs den ich immer noch gerne hervorkrame ist dieser:
Wenn sie bei mir bestehen wollen müssen sie nicht alle Aufgaben richtig lösen. Aber sie dürfen nirgendswo grob falsch antworten.
In der Langfassung: Sie müssen als Ingenieur*in das nötige Bauchgefühl und den Überblick entwickeln, dass sie auf den ersten Blick erkennen ob ein Rechenergebniss plausibel ist oder nicht. In der richtigen Größenordnung. Heißt dann in einer Klausur: unplausibles Ergebnis durchstreichen, „nicht plausibel“ daneben schreiben, nächste Aufgabe anfangen. Das gibt dann noch mindestens einen Punkt.
Zurück zum Fußball. Ja, Max, Spieler machen Fehler. Und zu versuchen alles daran zu setzen dass kein einziger Fehler passiert ist ein Irrweg. Aber was Martin da aufgezählt hat sind nach meinem Verständnis grob falsche Antworten, und noch dazu auf Fragen die nicht besonders schwer waren. Und das darf auf dem Niveau nicht passieren.
Ballack wurde oft vorgeworfen, er könne die „großen“ Spiele nicht gewinnen. Da hat man auch gern mal vergessen dass Fußball meistens zu elft gespielt wird. Der ganze Vizekusen-Kram wurde auch gerne mal an ihm aufgehängt.
Ich kann mich aber nicht dran erinnern das vor 2010 jemand der Meinung war die N11 wäre ohne ihn besser als mit, und selbst als es dann ohne ihn in Südafrika gut lief ist seine Rückkehr glaub ich an den erwarteten Auswirkungen auf die Teamchemie gescheitert, nicht am sportlichen.
ich muss sagen, der Idee kann ich sogar durchaus was abgewinnen, der Mannschaft die Schwimmflügel abzunehmen, um sie zum selber Schwimmen zu zwingen. Allerdings bin ich überzeugt (hier endet die Analogie zu den Schwimmflügeln), dass Kimmich auch für eine Mannschaft ein Benefit ist, die schwimmen kann.
War mir bei der Fehlerdiskussion nicht ganz sicher, ob Max da nicht einfach nur seine Rolle als Moderator der Sendung eingenommen hat und einen Gegenpol zu Martin schafft.
Aber da Max irgendwie immer auf eine andere Ebene auswich, mag es auch sein, dass beide etwas aneinander vorbeigeredet haben.
Fehlt nur noch das in die Hose gesteckte Trikot als Vorurteil. Aber gut, es ist schon was dran. War für mich bei Lahm aber kaum anders. Den fand ich im Vergleich zu Ballack auch eher milchbubihaft