U.U. hat Klopp darauf verzichtet, weil er Baku in Leipzig schon häufiger beobachten konnte.
Ich stimme Martin bei seinem Kimmich-Take größtenteils zu. Und das obwohl ich auch eher einer dieser Kimmich-Hater bin. Mein Problem war nie seine spielerische Qualität. Sondern seit jeher sein Charakter/Auftreten auf dem Platz. Man kann ihn für seinen Ehrgeiz loben. Aber es gibt sonen und solchen Ehrgeiz. Und der Unterschied zeigt sich meiner Meinung nach dann, wenn es mal nicht läuft. Kimmich zählt für mich zu den Spielern, bei denen man sofort merkt, wenn sie gefrustet sind. Weil er diesen Frust auch sehr nach außen trägt. Meist gegen den Schiedsrichter, manchmal gegen Mit- oder Gegenspieler. Und damit ist er für mich niemand, an dem sich eine Mannschaft aus einem Loch ziehen kann. Eher noch jemand, der wie ein Anker diese Mannschaft im Loch hält. Die Idee mit dem Vize-Kapitän finde ich interessant, weiß aber nicht, um es das Problem wirklich löst.
Und auch bei einer andere Sache stimme ich Martin zu. Ich schreibe ja schon länger, dass die Nationalmannschaft meiner Meinung nach mit Dreierkette spielen sollte. Ich mein, wir haben mit Schlotterbeck, Tah, Anton, Thiaw, Bisseck, Jeltsch Sechs! Innenverteidiger auf mindestens internationalem bis Weltklasse-Niveau. Und Talente wie Rosenfelder oder Coulibaly könnten sich ja auch noch dahin entwickeln. Wir wären also auf den Positionen hervorragend doppelt besetzt. Warum also das nicht nutzen?
Zudem käme es auch den anderen Mannschaftsteilen zu gute. Rechts kann Leweling den Flügelverteider spielen, wie er es jetzt seit über einem Jahr überragend bei Stuttgart macht. Und links kommt es Raum und Brown auch entgegen, dass sie sich mehr offensiv einbinden dürfen. Man könnte sogar Maxi Beier wieder nominieren, weil er das ja jetzt wohl auch in Dortmund spielen wird.
Im Sturm spielt man dann die je nach Gegner beste Dreierkombination aus Havertz, Wirtz, Musiala, Undav, Woltemade. Und wenn man ganz verrückt ist könnte man auch mal einen Dreiersturm ausprobieren mit Woltemade-Havertz-Undav und Wirtz auf die Sechs packen oder so. Und wenn die sich nicht durch einen tiefstehenden Gegner durchkombinieren können, dann weiß ich auch nicht mehr.
Aber leider werden wir das wie Martin angemerkt hat sehr wahrscheinlich nicht unter Klopp sehen. Was für mich einer der Gründe ist, warum ich ihm weiterhin skeptisch gegenüberstehe. Ich mein, er hat ja in seiner Antritts-PK gesagt, dass er jeden Stein umdrehen will. Das könnte ihn ja mal jemand bei der nächsten Pressekonferenz fragen, ob er damit auch die Viererkette inkludiert hat oder ob die unantastbar ist.
Ich kann falsch liegen, aber ich würde mich wundern, wenn Klopp JEMALS etwas anderes als Viererkette hätte spielen lassen. Weiß das jemand?
Wurde im Rasenfunk (Klopps Antrittsfolge?) doch erwähnt, oder nicht? Einmal hat er es probiert und übel auf die Mütze bekommen. danach nie wieder.
Hab das nicht gehört oder überhört.
Seit dem hab ich’s fast gar nicht mehr gesehen von ihm, abgesehen von ganz kurzfristigen Umstellungen.
Weil ich auch lieber Podcast ohne Faschisten höre, ist mir der Rasenfunk gleich noch etwas mehr Wert pro Monat. Ich freue mich sehr auf die Lesung in Basel und darauf, endlich andere Hörer*innen aus meiner Wahlheimat kennenzulernen.
Nebenbei, @MR_SV , bin zwischendurch in die Spielgeistfolge 5 abgebogen und bin geflasht. Folge 6 steht schon auf dem Herd ![]()
@EisernesFohlen, bzgl. meiner Antwort auf eine Frage von dir im anderen Faden muss ich dich noch vertrösten, bis ich da durch bin. Mir war ja klar, dass die Thematik „deutsche Fußballkultur“ komplex ist…aber das muss ich erstmal verdauen
- Bis vorgestern wusste ich nichts vom „Spielgeist“, das als (lahme) Entschuldigung.
ich denke, man sollte es so lösen wie die Franzosen: einfach nach 60 Minuten einen frischen Weltklassespieler einwechseln. Dann ist auch die griechische oder die paraguayische Abwehr möglicherweise müde und man schießt die Tore eben hintenraus. So wie mit Undav halt, wenn man ihn nicht in die Startelf stellt und deswegen einwechseln kann.
Das ging jetzt mit den zwei Kadern nicht, aber in Zukunft sollte sich diese Variante ergeben. Man muss dann nur noch den deutschen Sportjournalist:innen klar machen, dass ein Spieler nicht automatisch »degradiert« wird, wenn er nicht in der Startelf steht. Und dass ein Sieg auch dann zählt, wenn man die Tore erst in den letzten zehn Minuten schießt.
Ich hätte eine Frage zur Kimmich-Diskussion: Häufig wird diese Diskussion ja unter dem Aspekt zusammengefasst, dass Kimmich seine Mitspieler schlechter machen würde. Das sehe ich persönlich nicht so. Allerdings reißt Kimmich sehr viel Verantwortung an sich. Er vermittelt seinen Mitspielern dann schnell das Gefühl: Gebt mir den Ball, ich kümmere mich. Gegen Griechenland konnte man das auch wieder ganz deutlich beobachten. Er überschätzt dabei m.E. aber oft seine eigenen Möglichkeiten, weil er eben kein Kreativspieler ist, der unter Druck immer neue Lösungen findet oder ein Spiel allein durch seine Ideen öffnen kann. Stattdessen wird das Spiel dann oft statisch und vorhersehbar, weil alle nur noch auf Kimmich gucken und alle anderen sich zunehmend weniger aktiv in die Lösungsfindung einbringen. Was ich damit sagen will: Kimmich macht seine Mitspieler nicht unmittelbar schlechter, er entzieht ihnen aber oft die Verantwortung. Und je mehr Verantwortung sich bei einem Spieler bündelt, desto weniger übernehmen andere und desto eher verliert die Mannschaft dadurch als Ganzes an Kreativität, Flexibilität und Eigeninitiative. Sehr ihr das auch so bzw. lässt sich das irgendwie mit Zahlen belegen?
Zumindest ein interessanter Gedanke. Faktisch unterfüttern könnte ich das im Moment nicht, da müsste man sich in mehreren Spielen erstmal Frame für Frame durchklicken, um abzuschätzen, welche Alternativen zu den erfolgten Ballaktionen und Bewegungen ohne Ball es gegeben hätte und ob es bei bestimmten Mustern Häufungen von Kimmich-Aktionen gibt.
Vom Eindruck her könnte es schon sein. Ich bin ja an sich pro Kimmich, gerade WEIL vieles über ihn läuft und er auch nicht ständig den allergrößten Quatsch macht. Dann wiederum dämmert von Ferne eine Erinnerung: an Paul Breitner. Der hat nach seiner Rückkehr aus Spanien eine Saison in Braunschweig gespielt, und da kamen aus Spielerkreisen genau solche Vorwürfe: Er hätte alles an sich gezogen, sich in jeder Situation auch ohne Notwendigkeit in den Mittelpunkt gestellt (zB ist er wohl übers halbe Feld gespurtet, um einen Einwurf selbst auszuführen…). Das wäre jetzt ein Zerrbild, natürlich. Vielleicht könnte es aber Kimmich und seine Mannschaft allein schon entlasten, ihm zu vermitteln, dass er nicht alle paar Sekunden den großen Moment erschaffen muss. Auch mit schierer Anwesenheit auf dem Platz ist er wertvoll.
Auch hier wieder Historisches (und NEIN, ich stelle Kimmich jetzt nicht mit den im Folgenden Genannten gleich): Cruyff zog ebenfalls immer alles an sich, schaute selten zu, was die anderen zu machen gedachten: Er bestimmte das, zeigte oft genug an, wohin man laufen sollte. Dagegen Bruno Conti (zeitlich ein klein wenig später): Über den konnte auch viel laufen, aber er konnte auch ohne Ball einfach in eine bestimmte Richtung schauen, das reichte oft schon; und Feldherrngesten wie das Anzeigen der Richtung waren ihm fremd. Er hatte kein Problem damit, auch andere ans Pult zu lassen.
Martin und Max, eure Analyse zu Kimmich und auch zu Wirtz fand ich sehr treffend. Ich würde den Bogen noch stärker zuwischen den beiden schlagen: Kimmichs grösstes Problem ist für mich, dass er manchmal das Gefühl hat, sich um alles kümmern zu müssen. Wenn es nicht läuft, übernimmt er zu viele Aufgaben, macht das Spiel dadurch unruhiger und vernachlässigt seine Kernaufgaben, aus meiner Sicht weil er helfen will, man kann es aber auch so interpretieren dass er den Mitspielern noch zutraut es hin zu bekommen. Dazu passt auch wenn er den Ball mit 6 Berührungen quer zwischen Mittellinie und gegnerischen Strafraum führt, anstatt ihn mit einem Kontakt 4 Meter zum Nebenmann weiterzuleiten.
Gerade deshalb könnte Wirtz die ideale Ergänzung für ihn sein: Er (Wirtz) kann den Rhythmus variieren, Tempo herausnehmen und wieder anziehen. Wenn Kimmich stärker darauf vertraut, dass andere Verantwortung übernehmen, könnte das beiden helfen: Kimmich würde sich klarer auf seine Stärken konzentrieren, während Wirtz mit Kimmichs Rückhalt die Freiheit hätte, seine Qualitäten bestmöglich einzubringen.
Für mich bleiben daraus vor allem zwei Fragen: Wie bekommt man das Zusammenspiel und gegenseitige Vertrauen zwischen Kimmich und Wirtz optimal hin? Und wie integriert man Musiala nach seiner Rückkehr, der ja auch am liebsten auf der Zehn spielt?
Erstmal wie immer gute Folge
@GNetzer Ich bin ehrlichgesagt von deiner Verwendung des Wortes " Larmoyanz" verwirrt bei Derry Scherhant. Das Zitat ging ja sinngemäß „Ich hab bei Scherhant eine fast schon Larmoyanz festgstellt. Nach dem Motto, Du lässt mir den Flügel offen, dann geh ich da jetzt durch.“
Bei wiktionary sind Synonyme zu Larmoyanz " Synonyme:
[1] Rührseligkeit, Sentimentalität, Tränenseligkeit, Weinerlichkeit"
Wäre Larmoyanz nicht das Gegenteil, dass also Scherhant eine Aktion frustriert abbricht, also z.b. zum Mitspieler passt, weil der gegnerisches Verteidiger zu gut ist, die Mitspieler nicht gut mitarbeiten und zu wenig Platz da ist?
Ich meinte Nonchalance. Da war ich wohl etwas müde oder dumm oder beides.
Ah danke für die Erklärung ![]()
Ich glaube, für den Anfang würde es reichen, wenn man schaut, wie oft er sich zurückfallen lässt, um den Ball hinten „abzuholen“ und ob dieses Verhalten zunimmt, je länger ein Spiel 0:0 steht oder die Mannschaft zurückliegt. Bei Bayern hat man das Szenario leider nicht so oft, deswegen ist es dort m.E. auch kein Problem. Die Beobachtung verstärkt sich, wenn es nicht so gut läuft. Aber wie gesagt, aktuell alles nur gefühls- bzw. beobachtungsbasiert.
Es würde mich schon sehr wundern, wie und warum du so plötzlich und nur für diesen klitzekleinen Moment dumm geworden wärest. Also einigen wir uns doch auf müde.
Machen wir das als Podcast?