NT268: Wird frau so klara WM-Favorit?

Wir haben mit diesen Gästen über die Spiele gegen Australien und Japan gesprochen:

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Aua. Max der tut echt weh :face_with_spiral_eyes:

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Allgemeine Gedanken zum Japanspiel:

Also, ich frage mich ja schon was man manchmal erwartet. Japan gilt seit langem, nach Spanien, als das technisch stärkste Team im Passspiel und das hat man in den ersten 15 Minuten bis zum 0:1 auch gemerkt. Bei zwei Teams, die im Grunde(!) auf die gleiche Art und Weise spielen wollen (offensiv orientiert, schnelles Umschalten, kurze Abstöße, Ballbesitz, mit Pässen durchkombinieren statt lange Bälle) ist die Frage ja immer, wer das am besten macht bzw. wer es schafft den Gegner in die Defensive zu zwingen in die er eigentlich nicht will. Selten habe ich ein Spiel gesehen, in dem der Kontrast zwischen dem Spiel vor dem Gegentor und dem danach, so offensichtlich war.

In den ersten 15 Minuten war Japan einfach dominanter. Sie waren flinker, passicherer und reaktionsschneller. Jede Aktion – egal ob normales Pressing, Gegenpressing, Verlagerung, Dribblings oder Pässe – wirkten bei Deutschland im Vergleich träge und 1-2 Schritte zu langsam. Das Gegentor war so nur eine Frage der Zeit und dann passierte es auch durch einen Aussetzer in der Inennverteidigung. Das wirkte dann wohl wie ein Weckruf.

Meiner Einschätzung nach hat keine Mannschaft nach dem 0:1 sonderlich anders gespielt. Dass es die taktische Idee des japanischen Trainers war sich nach einer 0:1 Führung in der 15 Minute quasi im Dauer 4-4-2 Defensivmodus bis zur ca. 80 Minute zu befinden, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Deutschland hat einfach auf einmal alles besser gemacht und die restliche Spielzeit das Heft in der Hand gehabt, anders kann ich das nicht beschreiben.

Alles wurde (reaktions)schneller und energischer. Das Gegenpressing funktionierte wie auch das Tiki-Taka hin- und hergepasse zur Entlastung und Verlagerung (bei ca. Minute 61 gibt es z.B eine Szene, wo Japan wirklich alt aussieht wie ich finde) und das hat man mMn auch an den Gesichtern der japanischen Verteidigerinnen ablesen können. Die 4-2-4 Raumdeckung beim gegnerischen Abstoß hat Stellenweise zum Zungeschnalzen gut funktioniert, sodass sich die japanische Torhüterin zum ungeliebten langen Ball gezwungen sah, was fast immer Ballverlust bedeutete (mag auch an einer gewissen Verunsicherung und Risikoscheu gelegen haben, in die man Japan erfolgreich versetzt hatte). Klar könnte das zu einem Problem werden, aber war es ja nicht. Ist mir ehrlich gesagt etwas zu theoretisch diese Sorge. Man kann das Gedankenspiel ja auch einfach mal umdrehen und die japanische Brille aufsetzen. Was sieht man denn dann alles für Probleme bei sich und was hat dann Deutschland alles richtig gemacht?

Ich finde die einzige deutsche Spielerin, die während des gesamten Spiels (trotz ein paar guter Aktionen) irgendwie nicht richtig reingefunden hat, war Jule Brand.

Klar, am Ende kann man immer darüber diskutieren, dass diese Spielweise schon gegen bereits passabel tief verteidigende Gegner eigentlich nie zum großen Chancenfest wird (weder bei Deutschland, noch bei Japan, noch bei Spanien). Ein langer Ball im Umschaltkonter reicht dann häufig für das Gegentor und um das Ergebnis zu bestimmen. Aber was soll ich sagen? Ich mag einfach diese Art Fussball zu spielen und habe daran mehr Spaß als z.B. am technisch defizitären long-ball Konterfest der USA. Ist ja letztlich Unterhaltung und die funktioniert bei mir nun einmal nicht primär über das Ergebnis, auch wenn ich mit dieser Meinung recht einsam dastehen werde.

PS: Franziska Kett hat das Potential eine der besten LAVs der Welt zu werden.

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Ich sehe zu wenig Frauenfußball, um das sicher sagen zu können, aber in meinen Augen hat Dallmann in den letzten 12-18 Monaten nochmal zugelegt und gefällt mir wirklich sehr gut. Ich finde, dass sie aktuell vielleicht die beste deutsche Spielerin ist. Ein bisschen schwierig, weil man Torhüter, Verteidiger, Offensive etc. nicht vergleichen kann, aber vielleicht ist sie aktuell die beste Offensivspielerin. Meiner Meinung nach aktuell auch besser als Bühl, weil ich sie in der Entscheidungsfindung besser finde (gegen Japan hatte Bühl ein paar Aktionen, wo sie die falsche Entscheidung trifft).
Was mich zu Freigang bringt: Ich kann ihre Leistungen in Frankfurt nicht einschätzen, aber im DFB-Dress sehe ich bei ihr immer wieder Schwächen in der Entscheidungsfindung und allgemein auf konstant hohem Niveau sehe ich sie auch nicht. Gleichzeitig ist sie 28, ist immer noch bei Frankfurt, ihr droht die Dopingsperre und sie hat sich in drei unterschiedlichen Trainer-Ägiden beim DFB nie richtig durchsetzen können (da waren auch Verletzungen dabei, ich weiß). Dann würde ich auch hinter einer Dallmann auf eine jüngere Spielerin als Ersatz setzen als auf Freigang, der vielleicht auch ein bisschen was fehlt. Gleichzeitig ist man im Sturm gut aufgesstellt, hat jüngere Optionen und wenn ich das (auch in der Folge) richtig verstanden habe, funktioniert sie in Frankfurt gut in einem Duo mit Partnerin. Das wird es aber in absehbarer Zeit beim DFB nicht geben und dann weiß ich nicht, wo mehr als ein Kaderplatz (wenn überhaupt) für Freigang herkommen soll.

Tatsächlich würde ich noch zwei Dinge aus den beiden Spielen mitnehmen:
Einerseits wie weit man tatsächlich ist. Man schafft es in Aktivität zu kommen auch wenn man mal in einer schwierigen Phase ist, dem Gegner das eigene Spiel über längere Phasen aufzudrücken und sich nicht zu sehr aus der Ruhe bringen zu lassen. Ich fand das eigentlich ziemlich reif, wie man phasenweise gespielt hat (und es hat Spaß gemacht zuzusehen).
Andererseits hat man aber auch absehbar (noch) ein Abwehrproblem, falls der DFB auf Kleinherne oder Küver zurückgreifen muss: Kleinherne hat mir defensiv eigentlich etwas besser gefallen, aber in einem Turnierspiel würde sie ziemlich gegen japan vom Platz fliegen und sieht insgesamt in der Situation wirklich nicht gut aus. Küver fehlte defensiv manchmal ein bisschen die Stabilität und das Aufbauspiel unter Druck war gegen Australien unterirdisch und gegen einen besseren Gegner (oder einen der besser in Form ist) muss man dann aufpassen nicht hinten reingedrängt zu werden oder sich gleich mehrere Dinger zu fangen.
Allerdings hat man da ja auch noch etwas Zeit, um das zu verbessern.