Rasenfunk Royal 18/19 - Saisonrückblick Hannover

#1

Wir nehmen zwischen dem 20. und 29. Mai den nächsten Rasenfunk Royal auf.

Hier ist der Ort, an dem ihr eure Fragen und Anmerkungen dazu los werden könnt. Wie jedes Jahr bringt der Gast fünf Aspekte mit, die ihr oder ihm wichtig zur Beschreibung der vergangenen Saison war. Gerne könnt ihr eure eigenen Vorschläge oder auch Fragen an den Gast hier posten.

Die Zusatzfrage für alle Gäste dieses Jahr lautet: Welches Gericht beschreibt die Saison deines Vereins gut?

Knüpft an das Küchenutensil aus dem Winter an. Erfahrungsgemäß freuen sich die Gäste besonders bei der Zusatzfrage um Tipps aus der Community.

#2

5 Aspekte…

Ich habe nur einen…
Vor der Saison flachsten wir rum, ob

“Horst ein Held ist oder Heldt ein Horst!”

Nunja, das hat er eindrucksvoll beantwortet.

Thema Gericht:
Das Lieblingsgericht von der Oma zubereitet.
Jedoch, da man vor dem Essen noch Hände waschen möchte, ist der Teller leer, als man wieder zurück ist in der Guten Stube.

#3

Die Saison von Hannover 96 ist eine hoffnungslos versalzene Eierspeise, in die der Wirt völlig ungeniert ständig nachsalzt. Und wenn man sich beschwert, dann setzt er einem erst Kader Loth und dann Alexander Gauland an den Tisch. Damit die einem mal in Ruhe erklären, was man beim Essen alles falsch macht.

Anregung aus der Hörerschaft:

Wird Waldemar Anton jemals wieder der Spieler der letzten Saison?

#4

Ich hatte mir nach Beginn der Saison gewünscht, dass man die 96 Geschichte diese Spielzeit nicht nur von der Warte des Salif Sanè Abgangs erzählen solle – der Wunsch ist auf ganz pervertierte Weise in Erfüllung gegangen. Be careful what you wish for.

Saisonrückblick (der natürlich immer etwas klugscheißend wirkt, weil man die Sachen damals so nicht alle wissen konnte. Aber ich denke zwei wichtige Aspekte sind da nun ganz entscheidend.):

Es gibt denke ich zwei Spiele die ganz entscheidend waren: Zum einen das Auswärtsspiel in Leverkusen, wo man in letzter Sekunde noch den Sieg aus der Hand gab. Da hätte man den zweiten Sieg in Folge (zuvor 3:1 gegen Stuttgart) einfahren können, den vermaledeiten Auswärtsfluch (der ja immer noch anhält) durchbrechen können und wäre auf Platz 13 vorgerückt. Dies erscheint also retrospektiv so ein wenig als ein Zeitpunkt an dem Saisonverlauf noch eine andere Richtung hätte geben können. Insgesamt hat man ja in einigen Spielen durch last minute Entscheidungen Punkte in der Hinrunde liegen lassen (Bremen, Düsseldorf). Mit nur 3-4 Punkten mehr in der Hinrunde wäre die Lage auch noch gar nicht so katastrophal gewesen. Man hätte sich zumindest mal diese unglückliche Ansage mit dem Weihnachtsurlaub gespart.

Der zweite Punkt, der das Erreichen der Relegation wahrscheinlich gemacht hätte: Das Rücksspiel gegen Stuttgart. Am Saisonende betrug der Rückstand auf Stuttgart und den Relegationsplatz jetzt 7 Punkte. Wenn man da nicht 5:1 untergeht, dann ist man auf einmal doch irgendwie ganz nah dran den direkten Abstieg zu vermeiden.

Wäre das alles verdient gewesen? Vermutlich eher nicht. Aber „verdient“ ist im Misserfolg auch keine guter Gradmesser. Denn läuft es für 96 nur eine Spur besser (weniger Verletzungen, die ein oder andere unglückliche VAR Entscheidung weniger) und man verliert nicht 8 Spiele in Folge, dann denkt man in der Kategorie „verdient / erkämpft“ auch schon wieder ganz anders.

Trainer:

Im Hannoverliebt podcast wurde mal gesagt „Thomas Doll hat es nicht geschafft die positiven Entwicklungen in der Mannschaft zu unterdrücken“ – was irgendwie herrlich zynisch war. Man sollte sich von den erträglichen Ergebnissen am Ende der Saison nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass Doll es zwischendurch nicht geschafft hat, irgendetwas zu bewirken. Er hat (bei zwei Spielen weniger) einen Punkt weniger geholt als Breitenreiter in der Hinrunde. Doll kann also nicht der Mann für die zweite Liga sein. Man kann zwar einerseits argumentieren, dass es keinen Trainer gibt, der mit dem 96 Kader und dem Krankenstand, den Klassenerhalt geschafft hätte. Andererseits wäre mit einem Sieg gegen Stuttgart und einem weiteren Unentschieden die Relegation drin gewesen. Also hätte ein besserer Trainer den direkten Abstieg doch vermeiden können? In jedem Fall erscheint Doll als eine der schlechtmöglichsten Wahlen für den Trainerposten und das fast schon mit Ansage. @HerrKaliban hatte im Hinrundenroyal als Mangel „Nicht mal mehr Standardtore“ in den Raum geworfen und das habe ich auch mehrfach im Forum bemängelt. Es blieb aber auch in der Rückrunde bei einem Elfmeter, und zwei Toren nach Freistoß (eins davon ET Weiser von B04). Also ein läppisches selbsterzieltes Tor nach Ecke / Freistoß unter Doll…

Da wäre es sogar noch besser gewesen, mit Breitenreiter abzusteigen, denn dann hätte man wenigstens einen vernünftigen Trainer für den Aufstieg. Jetzt zahlt man Abfindungen an Breitenreiter und Doll (es ist ja immer kein Geld da!) und muss wohl für Liga 2 noch einen weiteren Trainer unter Vertrag nehmen. Welcher Trainer von Qualität sich das antun will unter Martin Kind, mit einem ausgedünnten Kader, ohne Geld, mit einem Neuling als Sportdirektor den angepeilten direkten Wiederaufstieg in Angriff zu nehmen, weiß ich tatsächlich nicht. Call me crazy: Breitenreiter hat noch Vertrag, daher sollte Martin Kind ihn einfach wieder einstellen, notfalls nachdem er vom Kokenhof in Burgwedel auf Knien bis zu Andrè gekrochen ist. Ansonsten gerne Risiko gehen mit der Hannoverwahl Alexander Keine mal was riskieren, aber bitte keinen Doll und keinen der üblichen Verdächtigen.

Verletzungen:

Hier will ich es kurz machen, weil das jetzt ja in der Schlusskonferenz 33 schon angeklungen ist und bereits auch zur Halbserie so im Royal besprochen wurde: Es ist da einfach maximal unglücklich gelaufen. Neben den Prominenten Bebou / Füllkrug / Maina waren halt mit Prib und Hübers ebenfalls auch noch weniger prominente Namen verletzt, die hier hätten helfen können. Von den „Stützen der Mannschaft“ war nur Anton fit, der zu oft neben sich stand, und hin und wieder Schwegler, der aber im Grunde die ganze Saison nicht ein gutes Spiel gemacht hat. Viel wichtiger ist daher aber in diesem Zusammenhang die

Kaderzusamenstellung:

Denn hier ist sicherlich (auch von mir) in der gesamten Saison schon am meisten drüber geschrieben worden. Denn wenn die Neuzugänge mal nicht verletzt waren, konnten sie den Verlust der wichtigen Stammkräfte nicht auffangen. Haraguchi irgendwie bemüht, aber glücklos. Asano konnte nie so integriert werden, dass er was abruft. Akpo direkt KzH bis DzE, Bobby Wood ein einziger Fremdkörper, etc. Vielleicht nur noch Anmerkungen zu zwei Spielern:

Walace, der hier im Rasenfunk schon immer kritisch gesehen wurde, weil er nicht ins Spielssystem passte, hatte ich ja wenigstens anfangs noch eine stabilisierende Wirkung zugeschrieben. Die verlor er aber zusehends. Der Neuzugang ist im Nachhinein eigentlich nur noch zu erklären, dass man dachte „der ist erst 24 und wenn der hier halbwegs gut einschlägt verkaufen wir den für das dreifache“ – aber in der Rückrunde im Grunde ein Nichtfaktor.

Jonathas, schon letzte Saison ein merkwürdiger Transfer gewesen, der in keine Philosophie passte. Wie kommt man darauf nen 30 jährigen Wandervogel zum teuersten Vereinskauf zu machen? Nachdem es irgendwie nur so leidlich geklappt hatte letzte Saison, man ihn mit viel Mühe verschifft hatte, holt man ihn dann zurück. Er dankt es damit, dass er (wie wohl auch Walace) sich in den letzten Saisonspielen immer vorher krank gemeldet hat, wenn er nicht in der Startaufstellung stehen sollte.

Transferpolitik:

Spieler schlagen nicht ein – das ist irgendwo normal. Aber dass in dieser Saison so gar keiner verfangen wollte ist schon bemerkenswert. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass alle nicht zum Kaderkonzept passen. Ich erinnere da immer noch an den Namen „Andermatt“. Der wurde ja nach den Erfahrungen des letzten Abstiegs installiert, um in Sachen Transfers und Sportdirektor ein Konzept zu installieren, welches Fehlschläge durch das Prinzip der „Vier-Augen“ Bewertung minimiert. Irgendwie ist dann aber Andermatt klammheimlich zurück in die Schweiz gegangen und die ganzen guten Vorsätze waren wieder dahin. (Wenn der Experte weiß warum das Modell scheiterte, würde mich das sehr interessieren! Medial war damals kaum etwas zu hören). Stattdessen sollte dann der zweimal wechselwillige Heldt zum Geschäftsführer Sport befördert und mit umfangreichen Befugnissen ausgestattet werden. Das wurde zweimal verschoben (zuletzt glaube ich in den März dieses Jahres?) und am Ende dann doch irgendwie nicht vollzogen!? Gleichzeitig wurde die schon beschlossene Vertragsverlängerung mit Kaderplaner Zuber nicht offiziell gemacht und sein Vertrag nicht ausgehändigt. Nun plant Zuber aber doch nochmal den Kader? Das ist genau dieselbe Scheiße wie damals bei Dirk Duffner, nur im Quadrat. So wie sich diese Sportdirektorensache nach außen darstellt, ist sie nicht vermittelbar.

Zukunft:

Deshalb bin ich was die Zukunft angeht auch extrem pessimistisch. Denn alles was da jetzt an neuen Konzepten ventiliert wird, wurde beim letzten Abstieg auch versprochen und dann bei erster Gelegenheit über Bord geworfen. Mal wieder ein „Hannover“-Konzept – haben wir alles schon xmal gehabt. „Zukünftig sollen nur noch Transfers für Spieler getätigt werden, die ins Mannschaftskonzept passen“ – da fragt man sich, unter welchen Gesichtspunkten früher Spieler verpflichtet wurden. Zumal man das früher auch schon gesagt hat und genau dieser Aspekt der Grund für die Installation von Andermatt war, den man dann doch wieder abgesägt hat. Es gibt also viel Alten Wein in neuen Schläuchen, der jetzt wieder ausgeschenkt wird, um die Nerven des Umfelds zu beruhigen – allein ich will nicht mehr trunken werden.

Man erinnere sich auch an folgende Episode: Im Dezember sagte Martin Kind, wir wollen nicht denselben Fehler machen wie beim letzten Abstieg und im Winter den Trainer (Schaaf) wechseln, noch zwei bis drei neue verpflichten und dann trotzdem absteigen. Das ist dann fast haargenau das, was man vier Wochen später gemacht hat: Den Trainer dann doch noch zu einem unglücklichen Zeitpunkt gewechselt, doch noch zwei Spieler geholt (wenn auch geliehen) und bei Kagawa war man dem Vernehmen nach dann doch wieder bereit, mit der Mettwurst nach dem Schinken zu werfen… Es ist zum Mäuse melken mit 96!

Daher bin ich persönlich auch nicht so euphorisiert wie das Übrige Hannoverumfeld von den neuen Personalien mit Stallgeruch. Ich habe den „Löwen von Sevilla“ als Spieler immer geliebt, aber ich weiß halt nicht, ob sich das spielerische Talent von Jan Schlaudraff jetzt auch direkt in Fähigkeiten als Sportdirektor übersetzen lässt. Immerhin hat er in diesem Bereich kaum gearbeitet. Das Konzept Cherundolo und Lala noch ins Boot zu holen, sehe ich daher ebenso kritisch: Zum einen macht der Status Vereinslegende die Personen nicht zu guten Entscheidungsträgern und zum anderen sehe ich durchaus ein Problem zu viele Heroen in die Verantwortung zu nehmen. Wer soll die denn noch kritisieren können und was passiert wenn es scheitert? Ähnlich wie es jetzt zu Pal Dardei in einer Schlusskonferenz von Max gesagt wurde: Was soll danach noch kommen? Man hat dann alle Ehemaligen mit gravitas irgendwie verbrannt und was kommt dann? Es ist dann keiner mehr da, an dem man sich aufrichten könnte.

Trauriger Tiefpunkt ist dann der finanzielle Nackenschlag durch den Abstieg. Nicht nur die Fernsehgelder: Mir will nicht in den Kopf, warum man jetzt jeden guten Spieler deutlich unterhalb der nicht gerade üppigen Ausstiegsklauseln verscheuern muss. Füllkrug, 12 Mio festgeschrieben, Werder zahlt erstmal nur 6-8 Mio. Bebou? Schlappe 10 Millionen, aber Hoffenheim überweist erstmal nur 8,5 Mio, weil Bebou ja verletzungsanfällig ist. Wie kann man sich denn nur so runterhandeln lassen? Kind ventiliert seit Monaten, dass kein Geld da sei. Warum sagen denn die Investoren nicht mal, dass sie bereit seien Geld in die Hand zu nehmen, um Spieler notfalls auch zu halten? Und sei es nur, um den Preis auf dem Niveau der festgeschriebenen Ablösen zu bekommen. Klar macht es sich immer schlecht Spieler gegen ihren Willen zu behalten, aber dann geht Bebou halt nach England oder er überzeugt Hoffenheim 10 Mio zu zahlen. Füllkrug war letzten Sommer noch für 18 Millionen gehandelt worden, hat ne Ablöse von 12 Mio und geht jetzt für 6-8 Mio. Es will mir nicht ins Hirn warum man hier jetzt Millionen verbrennt. Hätte man sich hier nicht cleverer verhalten können? Schaden die Investoren sich hier nicht selbst? Wenn Anton und Co jetzt auch noch alle für die Hälfte gehen – von diesem finanziellen Substanzverlust kann sich der Verein gar nicht erholen.

Daher bin ich extrem pessimistisch was eine zeitnahe Rückkehr in die Bundesliga angeht. Die finanziellen Verluste sind durch die schlechten Transfers zumindest relativ viel höher als beim letzten Mal und das macht einen Neuanfang schwer. Diese immer wieder beschworene „Zweitligakarthasis“ halte ich für einen Mythos. Für keinen Verein ist es heilsam mal abzusteigen, weil man sich dann neu aufstellen kann und dann einfach wieder aufsteigt. Kann man ja mal beim „großen“ HSV nachfragen, wie gut das so funktioniert. (I am looking at you Mr. Kühne!) Ich höre jetzt dieselben Versprechungen wie beim letzten Abstieg und ich habe nicht das Gefühl, dass 96 letztes Mal komplett geläutert wieder aufgestiegen ist. Oder hatte irgendwer das Gefühl nach dem letzten Ab- und Aufstieg war 96 ein anderer Verein? Es sind irgendwie zweckoptimistische Märchen, die man sich erzählt, aber der Verein wird gerade in seiner Entwicklung um Jahre zurück geworfen, während andere ein oder zwei Schritte nach vorne machen. Wo die anderen Traditionsvereine, die so ins Trudeln geraten sind, abgeblieben sind, kann man bspw. bei Max‘ Kurzpass zum FCK entsetzt nachhören!

Welches Gericht beschreibt die Saison:

Ist ja glaube ich eine Frage die aus dem Hinrundenpodcast ausgekoppelt wurde, denn da hatte der Max bereits gesagt, der Kader von 96 wirke wie „ein unausgebackener Kuchen […] also die Sardelle im Streuselkuchen stört dann doch“ . Diesem Rezept vom Max ist im Grunde nichts hinzuzüfügen, außer vielleicht, dass es keinen Deut besser schmeckt, wenn es von einem abgehalfterten Beikoch aus Ungarn zubereitet wird.

Die Antwort zur Royalfrage hat sich Max also im Hannoversegment selbst vorweggenommen. Naja, so war 96 in dieser Spielzeit wenigstens mal irgendwo Erster :wink:

Das_Daw

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#5

Über das Leverkusenspiel habe ich mich ja im von Dir zitierten Podcast auch genauso geäußert.

Wer 2:1 führt und in den letzten 20 Sekunden einen Freistoß in der gegnerischen Hälfte hat und mit einem Fehlpass herschenkt, der muss bestraft werden.
Mit dem 2:2 und dem Abstieg. Symptomatisch!

Das Stuttgartspiel ist natürlich der anderen Punkt, aber es war der März.

Man spielte:

Damals waren Stuttgart, Augsburg und Schalke alle in Schlagdistanz.
Man holte aber exakt 0 Punkte.

Man stelle sich das ganze Mal mit sechs Punkten vor.

So oder so war das der unfähigste und unnötigste Abstieg der mir bekannt ist.
Und er wird richtig, richtig teuer werden, denn die zweite Liga wird nächstes Jahr kein Selbstläufer.

Zumal man die Chance auf einen frühen Aufbau bereits verschenkt hat…
(Thema Sportdirektor suche)