Rasenfunk Royal 18/19 - Saisonrückblick SC Freiburg

#1

Wir nehmen zwischen dem 20. und 29. Mai den nächsten Rasenfunk Royal auf.

Hier ist der Ort, an dem ihr eure Fragen und Anmerkungen dazu los werden könnt. Wie jedes Jahr bringt der Gast fünf Aspekte mit, die ihr oder ihm wichtig zur Beschreibung der vergangenen Saison war. Gerne könnt ihr eure eigenen Vorschläge oder auch Fragen an den Gast hier posten.

Die Zusatzfrage für alle Gäste dieses Jahr lautet: Welches Gericht beschreibt die Saison deines Vereins gut?

Knüpft an das Küchenutensil aus dem Winter an. Erfahrungsgemäß freuen sich die Gäste besonders bei der Zusatzfrage um Tipps aus der Community.

#2

Merkwürdig war die Schwäche im Angriff seit Petersens Verletzung. Das führte dann dazu, dass ganz ordentliche Leistungen nicht in Punkte umgemünzt wurden. Trauriger Höhepunkt war da natürlich das 0:5 in Mainz. So hatte man es der Schwäche der drei Kellerteams zu verdanken, dass man nie wirklich in Abstiegsgefahr geriet.

Ich finde die Angriffsschwäche insofern bemerkenswert, da man eigentlich mit Niederlechner und Höler zwei Stürmer hat, denen man durchaus zutraut, vor dem Tor cool zu bleiben und das Ding zu machen. Dazu kommen die schussstarken Haberer und Waldschmidt.

Unterm Strich bleibt eine Saison, in der es nicht viel zu meckern gab, aber das ganz gute Gefühl stellt sich nicht ein. Welches Gericht dazu passt, weiß ich nicht, aber es fehlen definitiv die Gewürze (=Tore :slight_smile:)

#3

Am Ende bleibt dann halt doch der negative Eindruck hängen, was ich sehr schade finde. Denn eigentlich war es, bis zum 27. Spieltag, eine gute Saison für den SC Freiburg. Ich finde das Team hatte sich defensiv stabilisiert und war auch nach vorne ordentlich. Das sah bis dahin alles besser aus als in der Saison davor.
Hatte man anfangs der Negativserie zumindest noch Torchancen, wurde es die letzten Spiele immer schlimmer.

Mein Eindruck als langjähriger Fan ist folgender: es ist ein extrem sensibles Gebilde in Freiburg. Das Team lässt sich sehr schnell negativ beeinflussen und hat immer im Kopf “es könne etwas schiefgehen”. Ich frage mich so langsam, in wie weit auch der Trainer da eine Mitschuld trägt? Ich bin ein absoluter Streich Fan, halte ganz ganz viel von ihm und wir haben ihm zu verdanken, wo wir stehen. Gleichzeitig sehe ich aber auch, wie er mental und körperlich immer wieder an Grenzen stößt, man das Gefühl hat, dass er immer wieder am Zweifeln ist und sich das irgendwie auf die Mannschaft überträgt. Das mal nur als Diskussionsgrundlage, weil sich bei mir so langsam Zweifel hegen, ob er noch der richtige Trainer ist. D.h. nicht, dass ich nicht weiterhin mit ihm als Trainer leben kann…wie gesagt, er ist und lebt Freiburg wie kaum ein anderer.

Gleichzeitig gebe ich der Mannschaft auch eine Mitschuld. Es zeigt sich für mich, dass diese Spieler nicht ohne Grund bei einem Team wie dem SC Freiburg spielen. Nicht falsch verstehen, das klingt vielleicht härter als es gemeint ist. Denn Einsatz, Wille, und auch fußballerisches Talent kann man den Jungs nicht absprechen. Aber ich denke trotzdem, dass “mental” die letzten Prozentpunkte fehlen, dass solche Spieler bei einem Spitzenclub spielen können. Als Freiburg Fan kann ich damit leben jedes Jahr gegen den Abstieg zu spielen. Gleichzeitig erklärt das für mich aber auch, weshalb selbst auch in einer eigentlichen sorgenfreien Saison nicht mehr möglich ist, weil eben die Klasse fehlt noch mehr rausholen zu können und zu wollen. Kaum war der Klassenerhalt quasi gesichert ging die Leistung bergab.

Ich erhoffe mir eine spielerische Weiterentwicklung in der kommenden Saison. Es lief diese Saison teilweise schon besser als in der letzten Saison. Nichts desto trotz muss da noch mehr kommen, das ist klar.

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#4

Da mir eine Einordnung der Saison des SC momentan noch etwas schwer fällt, will ich an dieser Stelle die Saison des SCF in groben Zügen Revue passieren lassen und diese anschließend bewerten.

In den ersten Spielen der Saison befand man sich in einer klassische Findungsphase, wobei insbesondere in den ersten beiden Heimspielen gegen die Eintracht (0:2) und den VFB (3:3) die angekündigte spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft bereits klar zu erkennen war. Das Spiel gegen Stuttgart markierte dann den Beginn einer spürbaren Stabilisierung der Leistungen. Von Spieltag drei bis Spieltag elf verlor man mit dem 1:4 in Augsburg nur eine Partie, wobei diese relativ müde Leistung am Ende einer intensiven englischen Woche nachvollziehbar war. Nachdem sich Streich anschließend gegen Mainz (1:3) klassisch “vercoacht” hatte, folgten - das 0:2 in Dortmund ausgenommen - gegen Bremen (1:1) und Leipzig (3:0) erneut fußballerisch hervorragende Auftritte.

Die Spieltage 15 bis 21 stellten dann trotz teilweise hinsichtlich der gewonnenen Punkte scheinbar erfolgreichen Begegnungen einen eindeutigen Rückschritt in der Entwicklung des SC dar. Die Mannschaft wirkte in der englischen Woche am Ende der Hinrunde sehr müde und schien meiner Meinung nach auch nur bedingt dazu in der Lage, gegen die “Kellerkinder” mit der allgemeinen - sicher auch der eigenen - Erwartungshaltung angemessen umgehen zu können.

Nichtsdestotrotz verlor der SC zwischen Spieltag 20 und 27 nur einmal (0:2 in Leverkusen). Neben dem - auch aufgrund der Situation des Gegners - furiosen 5:1 Sieg gegen Augsburg bleiben aus dieser Phase fußballerisch die Spiele in Gladbach (1:1) sowie die erste Halbzeit gegen die Bayern (1:1) positiv in Erinnerung.

Mit dem aufgrund des “Schneckenrennens” im Keller abnehmenden Druck wuchs der spielerische Anspruch der Mannschaft, was auch in der Öffentlichkeit entsprechend kommuniziert wurde. Beginnend mit dem abstrusen 0:5 in Mainz, in dem man die Mainzer zunächst so sehr beherrscht hatte, dass ich mir Gästeblock mehrmals verwundert die Augen reiben musste, verlor man bis heute fünf der letzten sechs Partien. Da diese Phase nach wie vor aktuell ist, ist auch meine Erinnerung daran am frischesten und trübt die Saisonbilanz doch spürbar. Dennoch sollte man nicht außer Acht lassen, dass die Spiele bis auf die Begegnung gegen Hannover vergangene Woche, allesamt auch ungemein positive Aspekte mit sich brachten. In Leipzig lieferte man beispielsweise eine insgesamt wirklich gute Auswärtspartie ab und verlor nur denkbar knapp - und auch eine Woche zuvor war das 0:4 gegen den BVB nicht annähernd so deutlich wie es sich im Nachhinein liest.

Rückblickend sind auch die Durststrecken im Laufe der Saison teilweise nachvollziehbar. Auf den ganz offensichtlich sehr talentierten Roland Sallai musste man monatelang verzichten, auch Petersen und Waldschmidt fielen immer mal wieder aus. Hinzu kommt mit dem lange Zeit verletzten Robin Koch der Spieler im Kader, der meiner Ansicht nach das größte Potential im gesamten Kader mitbringt. Solche Ausfälle, vor allem die der Offensivspieler, kann ein Verein wie der SC Freiburg einfach auf Strecke nicht permanent auffangen. Klingt wie die “alte SC Leier”, ist aber nun mal nach wie vor Fakt.

Positive Entdeckungen der Saison sind neben Luca Waldschmidt und Sallai, der in seinen wenigen Einsätzen vielversprechende Ansätze bot, allen voran die Gebrüder Schlotterbeck. Beide haben einen starken linken Fuß, beide sind schon jetzt nach wenigen Einsätzen total abgeklärt und insbesondere Keven fiel wiederholt mit unglaublich mutigem und präzisem Aufbauspiel auf. Ich denke und hoffe, dass uns die beiden in den kommenden Jahren noch viel Freude bereiten könnten. Zu erwähnen ist außerdem Keeper Alex Schwolow, der die bislang beste Saison seiner Karriere spielte.

Fazit: im Vergleich zur letzten Saison war diese Runde des SC fußballerisch deutlich verbessert. Mitentscheidend war hierfür meiner Meinung nach, dass man mit Luca Waldschmidt endlich den gesuchten Philipp-Ersatz für das Spiel zwischen den Linien gefunden hat sowie zunächst mit Sallai und später mit Grifo die individuelle Qualität in der Offensive insgesamt doch enorm steigern konnte. Mit Dominique Heintz und den Schlotterbecks erfuhr die ohnehin gut besetzte Innenverteidigung ein zusätzliches Upgrade. Hannover und Düsseldorf (in Phasen) ausgenommen, empfinde ich die aktuelle (Ergebnis-) Krise auch als nicht so verheerend, wie sie von vielen gemacht wird. Meine These: wäre man nicht frühzeitig bereits so sicher gewesen, hätte man gegen Ende der Saison

  • erstens den spielerischen Ansatz nicht derart konsequent (und riskant) erweitert
  • und zweitens die Spiele neben der Taktik sicher auch mental um einige Prozentpunkte intensiver angenommen.

Auch wenn die letzten Wochen den Gesamteindruck der Saison etwas trüben, bin ich in Anbetracht aller geschilderten Umstände und des Standortfaktors Freiburg zufrieden mit dem Verlauf der Saison 18/19.

#5

Die letzten Spiele lassen die ganze Saison in einem sehr schwachen Licht erscheinen. Über die Saison verteilt kam als Fan eigentlich nie eine wirkliche Abstiegsangst auf. Beim Saisonende sollte man zwischen den guten Spielen gegen die oberen Tabellenhälfte und den Spielen gegen Düsseldorf/Hannover differenzieren .
In letzteren beiden war die Leistung teils indiskutabel, ich würde das aber eher auf die Steine die den Spielern vom Herzen gefallen sind schieben als auf wirkliche spielerische Probleme. Ich glaube mit der Sorge um den Klassenerhalt hätte man einen sehr anderen SC in diesen Spielen gesehen. Dennoch sehe ich schon eine gewisse Parallele zum Hinrundenende dieser und zur letzten Saison, wo man auch jeweils gegen die direkten Konkurrenten nicht punkten konnte und dann noch in die Bredouille kam.

Zwei Sachen finde ich noch erwähnenswert:

  • Im Rasenfunk wurde sehr viel weniger über Christian Streich und seine emotionalen Ausbrüche diskutiert. Auf der Rasenfunk-Skala scheint es dort eine emotionale Beruhigung von Christian Streich gegeben haben.
  • Nach der Minutentabelle, ist der SC sehr abhängig von den ersten 5 Minuten in seinen Spielergebnissen. Er liegt in der Tabelle nach 5 Minuten auf dem zweiten Platz hinter Leverkusen. Die Tore sind in diesen Spielen auch sehr entscheidend gewesen, da der SC wenn man diese rausrechnet nur noch auf dem 16. Range einen Punkt hinter Stuttgart liegt.

Für mich ist die Saison ein klassischer Yufka Döner, man beißt rein und weiß nicht so richtig was einen bei diesem erwarten wird. Im ersten Moment ist man dann auch sehr unzufrieden (Frankfurt, Hoffenheim). Es wird dann eigentlich ganz geil, nur am Ende wird es nochmal richtig eklig, weil man zu langsam war und sich die ganze Saucensuppe unten gesammelt hat.

#6

Aus Zeitgründen nur eine kurze Idee aus der regionalen Küche. Die Saison des SC war eigentlich passend zur Jahreszeit ein Spargelgericht, selbstverständlich mit Spargel aus dem Markgräflerland. Dummerweise ging alles zu lange und die Spargel sind leider nun zum Ende hin verkocht und Matsch. Und der gekochte Schinken wellt sich vielleicht auch schon leicht wie alter Fleischkäse an der Autobahnraststätte. Aber hey - es ist und war tatsächlich eine Saison mit Spargel. Und ganz leckerer Hollandaise: die Unentschieden gegen München und einige sehr schöne Heimsiege.

#7

Danke euch für den Input, die Vorbereitung der Aufzeichnung ist abgeschlossen