Rasenfunk Royal 20/21 - Euer Input zu Mainz

Zwischen dem 23. und 29.Mai nehme ich den Rasenfunk Royal mit je einem Gast pro Verein auf.

Mehr denn je freue ich mich dabei über Input von euch zu den einzelnen Vereinen. Und auch die Gäste sind meist gespannt auf eure Gedanken zum Verein.

Wenn ihr mögt, dann schreibt hier doch mal rein, was eurer Meinung nach wichtig für eine Besprechung der Saison wichtig wäre.

Ich würde diese Form vorschlagen:

Stichwort
Erklärender Absatz dazu. Warum ist das wichtig, wie schätzt ihr das ein.

Stichwort 2
Erklärung dazu. Die Fettung könnt ihr übrigens mit zwei Sternchen vor und nach dem Wort machen oder über das Formatierungsmenü.

Dieses Jahr bekommen alle Gäste wieder eine Frage, die sie beantworten müssen. Das ist manchmal etwas knifflig, auch hier freuen sie sich bestimmt über eure Ideen.

Die Frage lautet:
Wenn dein Verein sich mit einem Wahlslogan vorstellen würde - wie würde er wohl lauten? Und wie wäre die ehrliche Version davon?

Wie immer werde ich hier schreiben, wenn die Aufnahme im Kasten ist.

Danke euch schon jetzt für eure Mithilfe!

An dieser Stelle einmal ein sportlicher Rückblick, der besonders die Rückrunde in den Blick nimmt.

Ausgangslage
Mit sieben Punkten in der Hinrunde, Hickhack in der Kabine (Spielerrevolte) sowie einem Herumschlingern der Spielleistungen um ein kaum noch erkennbares Spielideal seit der Trennung von Sandro Schwarz entschied man sich m.E. dazu, den Prozess wieder stärker zur Handlungsmaxime zu machen getreu dem Motto: Wir sind schon am A…Ende, dann stellen wir uns aber wenigstens für die Zukunft und langfristig gescheit auf.

Prozess
War man zuletzt darauf aus, eine möglichst talentierte Mannschaft zu stellen, die dann schon irgendwie Leistung bringen wird, wurde mit der Installation der neuen sportlichen Führung, sowie mit der Umstrukturierung der Kampfmannschaft (also Stammelf+X) die eigene Spielweise stärker in den Fokus genommen. Mit Da Costa und Kohr bediente man sich zweier Spieler, die von Anfang an mit Intensität glänzten, im eigenen Kader setzte Neu-Coach Svensson auf die Spieler, die er aus der Vergangenheit kannte und durch die er seine Spielidee und seine Arbeitsprinzipien praktisch von Tag eins an auf den Trainingsplatz und auf den Stadionrasen bringen konnte.
Neben Bell und Szalai waren es aber auch die jungen Burkardt und Barreiro, deren Rollen nun mehr gefragt waren und deren Intensität das neue Spiel prägen sollten.

How to get away with Klassenerhalt…again
Wie schon in den Jahren zuvor wird es auch in dieser Saison wieder reichen. Same old same old könnte man sagen…oder?
In meinen Augen läuft es dieses Jahr anders. Waren in den letzten Saisons unter Beierlorzer und Schwarz meistens Kraftakte in einzelnen Endspielen für den Ligaverbleib verantwortlich, so war es in dieser Rückrunde eine gewisse Konstanz (die man natürlich auch gebraucht hat), welche in meinen Augen auf dem Festhalten an Prinzipien und dem Fokus auf den Spielstil basiert. In praktisch jeder PK wurde Svensson nicht müde zu betonen, wie er die Leistung seiner Mannschaft und das Umsetzen des Spiels losgelöst vom Resultat gesehen hat. Was man fairerweise auch als Standard-Medien-Umgang abtun könnte, war in meinen Augen aber eher der ehrliche Umgang mit der eigenen Spielleistung, welchen er m.E. auch in seiner Zeit im eigenen NLZ gepflegt hat.

Ist Svensson ein Feuerwehrmann?
Die eigentliche Frage ist, mit was man diese Leistung vergleichen kann, was ja auch im letzten Stichpunkt anklang. In meinen Augen ist es nämlich nicht der klassische Weg der letzten Jahre, in denen man die vielen PS, die ein Rouven Schröder in den letzten Jahren zweifellos in den Kader bekommen hat, nur in vereinzelten Do-or-Die-Spielen auf den Rasen übertragen hat (Frag mal nach bei RB, BVB und co.). Es erinnert eher an die spektakulären Aufholjagden von Teams, die in der Folge mindestens mal zwei, drei Jahre konstant spektakulär spielten, wie etwa Borussia Mönchengladbach 2011/2012 (16 Punkte nach 17 Spielen, sieben Punkte auf NAP–>Wechsel zu Lucien Favre), Mainz 05 1995/96 (15 Punkte nach 17 Spielen–>Wechsel schon in der Hinrunde zu Wolfgang Frank) und Mainz 05 2000/01 (11 Spieltage vor Schluss auf einem Abstiegsplatz–>Wechsel zu Jürgen…du-weißt-schon-wer).

Ausblick
Die Weichen scheinen günstig. Neben dem aktuellen Kader der ersten Mannschaft, der wohl nicht geschlossen verkauft werden muss (Vielleicht können einzelne Großtransfers die Mainzer finanziell weiter stabilisieren, Niakhaté, St. Juste haben ihren MW sicher steigern können), kann Mainz auf einen starken Jahrgang zurückgreifen, der aus der Jugend hochkommt und unter Svensson konstant gute Leistungen gezeigt hat. Besonders im Mittelfeld hat man mit Niklas Tauer, Merveille Papela, Paul Nebel und dem Rückkehrer Eyibil Spieler in der Hinterhand, die zum einen schon erste Profierfahrungen sammeln konnten, zum anderen aber auch das System Svensson schnell auf den Platz übertragen können müssten. Hier ist außerdem zu bedenken, dass man im kommenden Sommer sogar wieder eine Vorbereitung erfährt, in der die bisherigen Inhalte weiter vertieft werden können.

Wahlslogan
Beim Wahlslogan bediene ich mich eines Trainers aus der Verbandsliga Rheinhessen. Das hat hier auch insofern Relevanz, als dass es gelungen sein könnte, die Stadt wieder stärker mit ins Boot (höhö) zu holen, in dem man mit der Verpflichtung Svenssons nicht nur NLZ-DNA, sondern auch alte 05-DNA und mit Co-Trainer Babak Keyhanfar auch Mainz-DNA auf und neben den Platz geholt hat(von der sportlichen Führungsetage ganz zu schweigen).

Mein Wahlslogan ist daher „Erlebnis statt Ergebnis“, der hier in Mainz von Ali Cakici geprägt wurde (ja genau, der ehemalige Co von Thomas Oral bei Ingolstadt). Von der Idee kann ich mir gut vorstellen, dass man das so oder so ähnlich auch in der Mainzer Führungsriege unterschreiben würde. Ist man dabei aber ehrlich und weniger mit der Glaskugel unterwegs, so ist der Elefant im Raum aktuell wohl das klassische "Back to the Roots"

So oder so: Ich bin unfassbar heiß auf die kommende Saison, die gerade in Verbindung mit einer möglichen Rückkehr der Fans ins Stadion eine unfassbare Euphorie entfachen könnte.

P.S.: Ach ja und ich hoffe, dass das jetzt auf die letzten zwei Spiele auch sicher mit dem Klassenerhalt klappt, sonst waren die letzten 45 Minuten streckenweise für die Katz :nerd_face:

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Also…ich schreib vermutlich nicht alles auf einmal, weil Kapazitäten und so, aber ich würde die Saison gerne von Anfang bis Ende aus meiner Sicht kurz beleuchten.

Ich habe wegen Corona noch nie so unmotiviert auf einen Saisonstart geschaut. Den großen Umbruch nicht durchzuführen (Abgänge von Mateta, Quaison und Niakhaté waren „sehr weit“) war einerseits nachvollziehbar, weil die Qualität ja vorhanden war, hat aber auch Kopfschütteln ausgelöst, weil genug Spieler potentielle Unruheherde waren.

Obwohl Mainz am Ende doch souverän gegen Havelse im DFP-Pokal gewonnen hat, lag Mainz früh hinten und hat das Spiel erst ab Minute 60 gedreht. Szalai damals mit einem Tor.

Nach der fast obligatorischen Niederlage gegen RB, kam es die Woche drauf dann zu dem ominösen Spielerstreik. Die Reaktion der Fans war verheerend, das darauf folgende 1:4 gegen Stuttgart kommt oben drauf, Beierlorzer war einen Tag später weg. Rouven Schröder, der ohnehin bei vielen unbeliebt war, ging auch schwer beschädigt aus der Sache raus. Ich denke, man kann feststellen, dass die Trennung von Beierlorzer zwei Monate zu spät kam. Die Mannschaft hat sich über die geringen taktischen Vorgaben und die Ansprache beschwert. Da Rouven Schröder bei der Verpflichtung Bo Svennsons von Lieferung extra eine „Mainz-Klausel“ reinverhandelt hat, wäre es vielleicht möglich gewesen, bereits damals Svennson zu verpflichten.

Aaaaanyway, der Co-Trainer Jan-Moritz Lichte hat dann übernommen. Mit seiner unaufgeregten Art hatte er einerseits meine Sympathie, aber galt als die Erfolge ausblieben als zu ruhig und zu wenig „Mainz05-like“. Ob es einen richtigen „Lichte-Fußball“ gab, kann ich gar nicht genau sagen, aber er hat geschafft, die Anzahl der Gegentore zu verringern. Abgesehen vom ersten Spiel gegen Union (4:0), hat Lichte eine Bilanz von 10:15 in zehn Spielen. Das klingt nicht mal so unterirdisch wie die Punkteausbeute dann letztendlich war. Von dem Last-Minute 3:1 gegen Augsburg einmal abgesehen, hat Lichte immer nur mit einem Tor Unterschied verloren und zumindest keine Packungen mehr gekriegt. Nach den Niederlagen gegen Köln, Bremen und im DFB-Pokal gegen Bochum musste aber etwas passieren.

Dann kam das Heidelbeben und die Euphorie, die daraufhin entstanden ist, fand ich fast schon negativ befremdlich. Auf der ersten PK mit Heidel, Svennson und Schmidt haben Journalisten „den Christian“ willkommen geheißen und direkt geduzt. Ähm ok…

So…das reicht für´s erste…

Schröder war gar nicht so schlecht, wie er gemacht wurde
Rouven Schröder war Teil dieser Saison und hätte mMn einen ehrenwerteren Abschied verdient gehabt. Dass seine positiven Erinnerungen mit Beierlorzer aus Fürther Zeiten und ein fragwürdiges Krisenmanagement ihm letztendlich zum Verhängnis wurden, braucht man nicht abzustreiten. Aber ich gehöre trotzdem zu einer kleinen Minderheit von 05ern, die glaubt, dass das der richtige Mann zur richtigen Zeit war; und dass seine Leistungen den Klassenerhalt letztendlich mitermöglicht haben.

2016 war das Jahr, in dem Sané für 50 Mio. nach Manchester wechselte und Schalke-Fans ihn für diesen damals noch lächerlich hoch anmutenden Betrag wahrscheinlich auch mit der Schubkarre nach England gerollt hätten. Ein Jahr später Neymar, Dembele, Coutinho. Neue TV-Verträge in den großen Ligen. Plötzlich war der Transfermarkt komplett eskaliert und jeder durchschnittlich talentierte Bundesligaspieler hat 5-50 Mio. in die Kassen gespült bzw. gekostet.

Man kann Rouven Schröder vieles vorwerfen und tut das auch, aber der Mann hat nachgewiesen, dass er über ein mehr als solides Netzwerk verfügt und Verhandlungsgeschick bei Transfers mitbringt. Die Liste der Namen, die entweder profitabel weiterverkauft wurden und/oder bundesligataugliche Stammspieler geworden sind, brauche ich hier nicht zu wiederholen, jeder kann das bei Interesse schnell recherchieren und sich sein eigenes Bild dazu machen. Die Liste ist auch länger als bei vielen anderen (ehemaligen) Bundesligisten im gleichen Zeitraum. Selbst meine SGE-Freunde haben jahrelang neidisch nachgefragt, wie wir das immer wieder schaffen, unsere Cordobas und Mutos so teuer zu verkaufen.

Transfermarkt im 6. Gang + eigenes Verhandlungsgeschick = Perfect Match
Wenn ich den Zeitraum seiner Tätigkeit, den damaligen Zustand des Transfermarktes und Schröders Fähigkeiten im Bereich Networking+Transfers berücksichtige und all das zusammenrechne, bleibe ich dabei: Speziell für diese Zeit war das vermutlich die Idealbesetzung (weil Eberl und Rangnick halt zu groß für Mainz sind). Ich unterschlage nicht, dass der Mann in der Außenkommunikation persönliche Fehler eingestehen muss, denn sein Standing war bei der Mehrheit der Fans nie wirklich gut; aber seine Kompetenzen haben in nicht geringem Maße dazu beigetragen, dass Mainz immer noch Erstligist ist und Schalke, Hamburg, Hannover eben nicht. Wir stehen nicht zuletzt auch dank ihm finanziell auf gesünderen Beinen als diese Klubs. Und das kommt mir bei all der berechtigten Kritik einfach zu kurz.

Papa zu ersetzen ist nicht leicht
Ich persönlich glaube, dass Rouven Schröders größtes Problem bei Mainz nicht die eine oder andere Fehlentscheidung war, sondern, dass er der Nachfolger von Christian Heidel war und seine Beziehung zu den Mainzer Fans sich mit Amtsantritt verhielt wie die eines engagierten Stiefvaters, der sich die Aufgaben in der Familie zu Herzen nahm, aber von seinen Stiefkindern nie eine faire Chance bekommen hat; vielleicht weil es zu viel Schmerz bereitet hätte, jemand anderes als Papa Heidel in sein Herz zu lassen. Wenn Schröder etwas richtig gemacht hat, hat man ihn toleriert und gesagt: „Das ist auch sein Job“, aber viele Mainzer haben auch nur darauf gewartet, dass er Fehler macht, um ihn dann durchbeleidigen zu können; das hat man besonders in den sozialen Netzwerken gut nachverfolgen können. Bei Heidels Antritts-PK stellt hingegen keiner wirklich nachdrücklich kritische Fragen zu seiner Zeit auf Schalke; und die Transferbilanz von Schalke unter Heidel ist bundesweit bekannt. Auch für die meisten Fans ist es selbstverständlich, dass mit Heidel „der Erfolg zurückkehrt“ und diese Überzeugung hinterfragt man gar nicht erst kritisch. Es hat Schröder sicher auch nicht geholfen, dass rund um Strutz, das neue Stadion etc. politische Themen im Verein eskalierten, zu denen er als der Neue dann auch noch Stellung beziehen sollte, was aus meiner Sicht einfach nur undankbar war; eine Lose-Lose-Situation.

Unterm Strich das Wichtige richtig gemacht - Mainz bleibt Eins und: Eine gesunde Beziehung braucht Reibungspunkte, um zu wachsen
Ich sag es ganz ehrlich: Ich bin einerseits der Meinung, dass es richtig war, Heidel im Winter zurückzuholen, in erster Linie um das Umfeld zu beruhigen; andererseits bin ich auch froh, dass er zwischenzeitlich mal nicht bei uns war (obwohl ich bei seinem Abschied im Q-Block stand und wir alle ihn hochemotional und tränenreich verabschiedet haben), nicht nur wegen der Transfers auf Schalke - ja, da gehören auch Scouts dazu, aber am Ende muss einer ja seinen Namen unter die Verträge setzen - sondern auch, weil Mainz diese Auszeit vom Heiland gebraucht hat, um weg von ungeduldigen Europa-League-Ambitionen im Fanumfeld und zurück zu den Basics zu kommen, zu Fragen wie: Für welche Werte stehen wir als Verein eigentlich? Welcher Fußball definiert Mainz 05? Welches Ambiente definiert Mainz 05? Das sind keine Fragen, die entstehen, wenn alles reibungslos abläuft und die immergleichen Führungskräfte sich gegenseitig lobhudeln, sondern dann, wenn Reibung entsteht; wenn nach Ewigkeiten ein neuer Sportchef kommt, wenn nach Ewigkeiten ein neuer Präsident kommt und man wider Willen aus seiner Komfortzone gerissen wird.

Da darf man sich als Fan dann auch mal kritisch mit dem Klub auseinandersetzen und sich z.B. über ein saft- und kraftloses 0:1 zuhause gegen Bremen in der Hinrunde tierisch aufregen; wenn daraus eine positive Energie entsteht, der Wunsch nach Veränderung, der Wunsch nach Aufbruchstimmung; wenn man das Gefühl vermittelt bekommt, dass der Verein alles in seiner Macht stehende tut, um einen unmöglich geglaubten Klassenerhalt zu schaffen (über Änderungen auf Führungspositionen, über eine alles in allem gewagte Abgabe von Mateta, über Wintertransfers selbst aus Frankfurt), dann ist es das aus meiner Sicht wert gewesen. Man kann Svenssons Leistung z.B. wesentlich mehr würdigen, als wenn er das Team auf Platz 11 übernommen hätte, wage ich mal zu behaupten. Und dann ist mir eine emotionale Achterbahnfahrt wie dieses Jahr lieber als fünf farblose Saisons in Folge, in denen man still und heimlich Jahr um Jahr 1-2 Schritte zurück macht, aber die sportlichen Konsequenzen jener Negativentwicklung nicht verheerend genug sind, um sie rechtzeitig zu erkennen und eine echte Veränderung herbeizuführen (looking at Werder Bremen). Auch wenn in den letzten Jahren nicht alles Gold war, was glänzte, so hätte ich mir doch ein wenig mehr Respekt Schröder gegenüber gewünscht und hoffe, dass auch in der Fanszene ein Lerneffekt eintritt, damit man bei einem unweigerlich irgendwann erfolgenden Abschied Heidels nicht die gleichen Fehler im Umgang mit einem neuen Sportvorstand wiederholt, ohne zu sagen, dass das eine Einbahnstraße sei; ein Vorstand muss so oder so erstmal Leistung erbringen, bevor der Respekt gezollt wird, das ist klar. LG :heart:

Gut zweiter Teil, zweite Halbserie.

Die Erwartungen bei mir - und ich denke, vielen - waren nicht existent. Selbst als sich die Leistungen und daraufhin auch die Ergebnisse stark verbesserten, war zumindest ich skeptisch. Eine längere Phase ohne Niederlage gab es seit verdammt langer Zeit nicht mehr. Bei aller Euphorie und Mannschaft der Stunde usw. sollte dennoch festgehalten werden, dass alle Siege extrem knapp waren. Alle Siege mit nur einem Tor Unterschied (Lewandowski bedankt sich hierbei bei Alexander Hack). Bo Svennson wurde auch niemals müde zu betonen, dass Leistungen vor Ergebnissen liegen und manche Siege von der Leistung her besser waren als manche Unentschieden. Das ist für mich ein Indiz für eine neue Leistungskultur, die sich etabliert hat. Wer im Training nicht ans Äußerste geht, landet auf Bank/Tribüne. Außerdem hat Svennson verraten, dass er sich an Trainingsübungen aus der Tuchel-Zeit bedient hat. Das bedeutet, die Spieler konstant zu stressen, sodass im Training die Entscheidungsfindung umso leichter fallen. Letzteres hat gerade im Offensivbereich gefehlt.

Stichwort 1
Am beeindruckensten ist m. E. die…Mentalität oder genauer gesagt der Teamgeist und die Resilienz der Mainzer. Unter Bo Svennson lag Mainz insgesamt ca. 290 Minuten (!) im Rückstand in ca. Das bedeutet, dass oft die Null gehalten wurde bzw. selten verloren wurde.
Stichwort Teamgeist. Dazu zwei eventuell alberne Beispiele. Wenn ich mir die Torjubel in der Hinrunde mit denen der Rückrunde vergleiche, sieht man wie sehr sich alle Spieler für den Torschützen freuen und zusammen eskalieren. Das war bei den „Mateta-Eckfahne-umtreten“ mal anders. Außerdem erinnere ich mich an die Reaktion der Mannschaft als Zentner im Spiel gegen Augsburg ´nen krassen Torwartfehler begeht und quasi so das Spiel verliert. Direkt nach dem Gegentor ist die gesamte Mannschaft zu Zentner gegangen und hat ihn noch vor Anpfiff wieder aufgebaut und nicht alleine gelassen. In der Form hab ich sowas noch nie gesehen.

Der Wahlslogan lautet „Sie kennen mich.“ mit Christian Heidels Gesicht. Er kann machen, was er will, die Leute lieben ihn und Fehler werden einfach verziehen. Jeder Nachfolger (aka nur Rouven Schröder) wird es sehr schwer haben.
Die ehrliche Version wäre wohl, dass niemand sonst eine faire Chance als Nachfolger erhält, Fehler überzeichnet und eigene Fähigkeiten geringer geschätzt werden, während unter´m Don natürlich alles toll war.

Puh, vielleicht fällt mir noch was ein, aber jetzt erstmal nicht mehr…

Mainz bleibt Mainz?
Bo Svensson hat unfassbares aus dieser Mannschaft herausgeholt, aber bleibt Mainz dieses Mainz oder ereilt Mainz ein ähnliches Schicksal wie andere Vereine, denen in der Rückrunde zeitweise alles gelang?

Man darf bei aller berechtigten Euphorie nicht übersehen, dass das so genannte Matchglück in der Rückrunde durchaus bei Mainz lag:

  • Sieg gegen Union durch einen Elfmetertor und 40 minütiger Überzahl
  • Ausgleich gegen Leverkusen durch zwei späte Tore in der Nachspielzeit
  • Siegtor in Gladbach in der 86. Minute
  • Siegtor gegen Freiburg in der 84. Minute
  • Siegtor in Köln in der 91. Minute

All die späten Tore sind natürlich auch eine Art Qualität (Ausdauer, Konzentration), jedoch hätten diese Spiele gut und gerne auch Unentschieden ausgehen können.

Es gab in der jüngeren Vergangenheit mehrere Vereine, bei denen das Pendel in der Folgesaison dann leider nicht mehr so häufig in die eigene Richtung ausschlug:

  • Bremen Saison 2016/2017: von den letzten 14 Spielen nur 3 verloren
    Bremen Saison 2017/2018: Nouri nach 10 Spieltagen entlassen (0 Siege)

  • Bremen Saison 2018/2019: Rückrunde nur 2 Niederlage (Bayern/Düsseldorf) - Tabellenplatz 8
    Bremen Saison 2019/2020: lange Zeit 17 - am Ende glücklich in die Relegation gerettet

  • Köln Saison 2019/2020: Gisdol übernimmt an Spieltag 14 und verliert gegen Union - Köln damit 18.; danach 8 Siege und 2 Niederlagen (Bayern/Dortmund) und Köln steht nach 25 Spieltagen auf Platz 10;
    Rest der Saison dann schwach und auch in der Saison 2020/2021 - Abstiegskampf bis zur Trainerentlassung nach dem 28. Spieltag

Ich würde gerne einmal wissen, was ihr glaubt, weshalb es bei Mainz nicht so läuft wie in den drei oben genannten Beispielen.

Ein wilderer Ritt durch eine Saison, als den der 05er durch die Spielzeit 20/21, ist schlicht nicht denkbar. Man stelle sich vor, Schalke wäre diesen Weg gegangen - ganze Jahrgänge von Filmschulen hätten Dokus darüber produziert. Es würde Podcasts und ein 11Freunde-Sonderheft geben. So geschah eines der größten Wunder der Bundesliga-Geschichte halt (mal wieder!) „nur“ in Mainz - wobei die Besonderheiten des Standorts selbst zum Happy End beigetragen haben.

#BOsitivität
Alle Lobeshymnen auf Bo Svensson sind berechtigt! Aber was hat er nun wirklich anders gemacht, als die an diesem Kader verzweifelten Trainer vor ihm? Imho hat er es neulich in einem SZ-Interview auf den Punkt gebracht, als er nach den viel zitierten „Mainzer Tugenden“ gefragt wurde. Bo erklärte: „Alle Spieler, die hierherkommen, müssen wissen, dass man erst mal was in die Gruppe hineingibt, bevor man als Einzelspieler etwas zurückbekommt - und nicht umgekehrt.“ That’s it! Es klingt so selbstverständlich, war es aber in den letzten Jahren bei zu vielen Spielern nicht, die nach Mainz gelockt worden waren, mit der Aussicht darauf, sich weiterzuentwickeln, den next step ihrer Karriere gehen zu können.
Ich glaube, Mara hatte in einem Schwerpunkt schonmal beschrieben, dass aus dem Sprungbrett ein Durchlauferhitzer geworden war, einige Spieler nur so viel und so lange an Mainz investieren wollten, bis Dortmund oder ein Verein aus der Premier League mit dem Jackpot-Vertrag wedeln würde. Mit Aaron Martin und JP Mateta wurden zwei Spieler, auf die das definitiv zutraf, sofort nach Übernahme durch Heidel/Schmidt/Svensson abgegeben. Schon war der ganze Kader auf Linie gebracht, die Winter-Neuzugänge eingeschlossen.
Ich will daraus den vorherigen Trainern und Rouven Schröder keinen Vorwurf machen, denn das Modell hätte wirtschaftlich gut und sportlich halbwegs weiter funktionieren können, zumindest bis das Stadion (auch ohne Pandemie) komplett leer gewesen wäre. Mit der Entlassung von Sandro Schwarz war aber der letzte Zipfel dieser Mainzer Tugenden schon zur Tür raus. Ein gutes Jahr später war die Talfahrt dann nur noch mit dem ganz großen Cut zu stoppen - der eben hieß: Zurück in die Zukunft. Und damit ist’s mir auch für die kommende Saison nicht bang um Mainz 05.

Das Bellwerk
Mainz hatte in der Hinrunde eine ständige Dysbalance: Stand man hinten safe, ging nach vorne gar nichts (siehe das 0:0 in Berlin), probierte man es mit offensiverer Aufstellung, wackelte die Abwehr. Unter Bo Svensson blühte plötzlich Stefan Bell wieder auf. Der Stefan Bell, dessen Vertrag nur noch einmal zu reduzierten Bezügen verlängert worden war, weil er schon so lange dabei ist. Mit den schnellen und technisch sehr sicheren Moussa Niakathé und Jeremiah St. Juste an seiner Seite bilden die drei eine sehr stabile letzte Reihe.
(Ich glaube übrigens, dass keiner der Genannten im Sommer gehen wird - außer jemand legt eine absolute Fabelsumme auf den Tisch.)

Die Frage nach dem Wahlslogan ist leicht zu beantworten, denn der Verein benutzt und lebt ihn längst: Mainz bleibt.

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Berechtigte Frage. Ich denke, ergebnistechnisch wurde in der Rückrunde überperformt. Dazu kommt, dass Mainz relativ selten in Rückstand geriet. Ob der jetzige Fußball funktioniert, wenn gegen irgendeine Mauermannschaft das 1:0 erzielt und sich dann dem Spiel verweigert, weiß man nicht.
Ich halte die Wahrscheinlichkeit eines totalen Einbruchs in der nächsten Hinrunde für gering. Eher pendelt Mainz sich wieder zwischen Platz 10 und 15 ein.

Meine Antwort beruht mehr auf Gefühl und wenigen Beobachtungen als auf belastbaren Zahlen:

Grundsätzlich würde ich dir zustimmen, dass knappe Spielverläufe gerne im Zusammenhang stehen mit schwer zu wiederholenden Spielverläufen.
Mein Eindruck war aber eher, dass Mainz auch in knappen Spielen aggressiv geblieben ist und so viele Situationen erkämpft/spielt/erwieauchimmert hat, die das Potential hatten, in einem Luckypunch zu münden.

Hier war zum einen die Haltung erkennbar, in jedem Spiel seine offensiven Momente zu erzwingen, die es so in Beierlorzers und Lichtes Zeiten eher selten gab.

Ergänzt wurde diese Haltung aber auch mit einem Plan für jedes Spiel sowohl für die Offensive als auch für die Defensive, der zugegebenermaßen auch öfter gut als schlecht gegangen ist.

Von der Taktik her gab es gerade offensiv immer die Möglichkeit, tief zu spielen, was gegnerische Teams gezwungen hat, entweder zu zocken(schlechte Idee, frag mal nach bei Manuel N. aus G(M)), oder aber sich hintenreinzustellen, was unter anderem den stark verbesserten Standards in die Karten gespielt hat.

Zur anderen Seite der „Glücksmedaille“ gehört nämlich auch, dass Mainz zu den Mannschaften mit den häufigsten Alutreffern gehörte, was eben auch dafür sorgt, dass Ergebnisse knapper und dramatischer ausgehen.

Zum Schluss ist m. E. zu sagen, dass man sich grundsätzlich weniger von Toren, als von der Anzahl guter Chancen/potenzieller Abschlusssituationen leiten lassen sollte (wobei ich das sage, ohne ebensolche Zahlen zu Mainz gerade parat zu haben😬), um die Wiederholbarkeit der eigenen Leistungen evaluieren zu können und in dieser Hinsicht war mein Eindruck positiver als bei den genannten Beispielen. Dazu kommt, dass ja - Schröder sei Dank - ein nach wie vor talentierter Kader zur Verfügung stand und hoffentlich auch weiter steht.

Ok, ich wollte eigentlich nur kurz antworten🙈

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Nachhaltigkeit wird groß geschrieben - und keinen interessiert’s

Seit mehr als 10 Jahren stößt Mainz 05 viele Projekte zum Thema Nachhaltigkeit an. Im Oktober gab es dazu eine Podiumsdiskussion mit Ex-Präsident Keller und Expert*innen aus der Stadt, dem Verein und der Wirtschaft, was der Fußball zum Thema beitragen kann. Interessiert hat die Diskussion fast niemanden, obwohl Fanabteilung und Verein mächtig die Werbetrommel gerührt haben. Die Zugriffszahlen auf dem YouTube-Kanal lassen leider keine andere Deutung zu. Dass der Verein die Anreise der Gastmannschaft kompensiert und andere Bundesligisten mal zum Nachdenken bei diesem Thema bringt, wird allgemein überhaupt nicht thematisiert. In der Fußball-Bubble scheint das Thema gar nicht anzukommen, obwohl sich die Fankurven dankenswerterweise zu vielen Themen mittlerweile positionieren. Vielleicht nehmt Ihr das Thema ja mal auf und bringt es in die Kurven. Würde mich freuen :slight_smile:

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Danke für eure Gedanken, Aufzeichnung startet gleich.