Rasenfunk Royal 20/21 - Euer Input zu Mainz

Zwischen dem 23. und 29.Mai nehme ich den Rasenfunk Royal mit je einem Gast pro Verein auf.

Mehr denn je freue ich mich dabei über Input von euch zu den einzelnen Vereinen. Und auch die Gäste sind meist gespannt auf eure Gedanken zum Verein.

Wenn ihr mögt, dann schreibt hier doch mal rein, was eurer Meinung nach wichtig für eine Besprechung der Saison wichtig wäre.

Ich würde diese Form vorschlagen:

Stichwort
Erklärender Absatz dazu. Warum ist das wichtig, wie schätzt ihr das ein.

Stichwort 2
Erklärung dazu. Die Fettung könnt ihr übrigens mit zwei Sternchen vor und nach dem Wort machen oder über das Formatierungsmenü.

Dieses Jahr bekommen alle Gäste wieder eine Frage, die sie beantworten müssen. Das ist manchmal etwas knifflig, auch hier freuen sie sich bestimmt über eure Ideen.

Die Frage lautet:
Wenn dein Verein sich mit einem Wahlslogan vorstellen würde - wie würde er wohl lauten? Und wie wäre die ehrliche Version davon?

Wie immer werde ich hier schreiben, wenn die Aufnahme im Kasten ist.

Danke euch schon jetzt für eure Mithilfe!

An dieser Stelle einmal ein sportlicher Rückblick, der besonders die Rückrunde in den Blick nimmt.

Ausgangslage
Mit sieben Punkten in der Hinrunde, Hickhack in der Kabine (Spielerrevolte) sowie einem Herumschlingern der Spielleistungen um ein kaum noch erkennbares Spielideal seit der Trennung von Sandro Schwarz entschied man sich m.E. dazu, den Prozess wieder stärker zur Handlungsmaxime zu machen getreu dem Motto: Wir sind schon am A…Ende, dann stellen wir uns aber wenigstens für die Zukunft und langfristig gescheit auf.

Prozess
War man zuletzt darauf aus, eine möglichst talentierte Mannschaft zu stellen, die dann schon irgendwie Leistung bringen wird, wurde mit der Installation der neuen sportlichen Führung, sowie mit der Umstrukturierung der Kampfmannschaft (also Stammelf+X) die eigene Spielweise stärker in den Fokus genommen. Mit Da Costa und Kohr bediente man sich zweier Spieler, die von Anfang an mit Intensität glänzten, im eigenen Kader setzte Neu-Coach Svensson auf die Spieler, die er aus der Vergangenheit kannte und durch die er seine Spielidee und seine Arbeitsprinzipien praktisch von Tag eins an auf den Trainingsplatz und auf den Stadionrasen bringen konnte.
Neben Bell und Szalai waren es aber auch die jungen Burkardt und Barreiro, deren Rollen nun mehr gefragt waren und deren Intensität das neue Spiel prägen sollten.

How to get away with Klassenerhalt…again
Wie schon in den Jahren zuvor wird es auch in dieser Saison wieder reichen. Same old same old könnte man sagen…oder?
In meinen Augen läuft es dieses Jahr anders. Waren in den letzten Saisons unter Beierlorzer und Schwarz meistens Kraftakte in einzelnen Endspielen für den Ligaverbleib verantwortlich, so war es in dieser Rückrunde eine gewisse Konstanz (die man natürlich auch gebraucht hat), welche in meinen Augen auf dem Festhalten an Prinzipien und dem Fokus auf den Spielstil basiert. In praktisch jeder PK wurde Svensson nicht müde zu betonen, wie er die Leistung seiner Mannschaft und das Umsetzen des Spiels losgelöst vom Resultat gesehen hat. Was man fairerweise auch als Standard-Medien-Umgang abtun könnte, war in meinen Augen aber eher der ehrliche Umgang mit der eigenen Spielleistung, welchen er m.E. auch in seiner Zeit im eigenen NLZ gepflegt hat.

Ist Svensson ein Feuerwehrmann?
Die eigentliche Frage ist, mit was man diese Leistung vergleichen kann, was ja auch im letzten Stichpunkt anklang. In meinen Augen ist es nämlich nicht der klassische Weg der letzten Jahre, in denen man die vielen PS, die ein Rouven Schröder in den letzten Jahren zweifellos in den Kader bekommen hat, nur in vereinzelten Do-or-Die-Spielen auf den Rasen übertragen hat (Frag mal nach bei RB, BVB und co.). Es erinnert eher an die spektakulären Aufholjagden von Teams, die in der Folge mindestens mal zwei, drei Jahre konstant spektakulär spielten, wie etwa Borussia Mönchengladbach 2011/2012 (16 Punkte nach 17 Spielen, sieben Punkte auf NAP–>Wechsel zu Lucien Favre), Mainz 05 1995/96 (15 Punkte nach 17 Spielen–>Wechsel schon in der Hinrunde zu Wolfgang Frank) und Mainz 05 2000/01 (11 Spieltage vor Schluss auf einem Abstiegsplatz–>Wechsel zu Jürgen…du-weißt-schon-wer).

Ausblick
Die Weichen scheinen günstig. Neben dem aktuellen Kader der ersten Mannschaft, der wohl nicht geschlossen verkauft werden muss (Vielleicht können einzelne Großtransfers die Mainzer finanziell weiter stabilisieren, Niakhaté, St. Juste haben ihren MW sicher steigern können), kann Mainz auf einen starken Jahrgang zurückgreifen, der aus der Jugend hochkommt und unter Svensson konstant gute Leistungen gezeigt hat. Besonders im Mittelfeld hat man mit Niklas Tauer, Merveille Papela, Paul Nebel und dem Rückkehrer Eyibil Spieler in der Hinterhand, die zum einen schon erste Profierfahrungen sammeln konnten, zum anderen aber auch das System Svensson schnell auf den Platz übertragen können müssten. Hier ist außerdem zu bedenken, dass man im kommenden Sommer sogar wieder eine Vorbereitung erfährt, in der die bisherigen Inhalte weiter vertieft werden können.

Wahlslogan
Beim Wahlslogan bediene ich mich eines Trainers aus der Verbandsliga Rheinhessen. Das hat hier auch insofern Relevanz, als dass es gelungen sein könnte, die Stadt wieder stärker mit ins Boot (höhö) zu holen, in dem man mit der Verpflichtung Svenssons nicht nur NLZ-DNA, sondern auch alte 05-DNA und mit Co-Trainer Babak Keyhanfar auch Mainz-DNA auf und neben den Platz geholt hat(von der sportlichen Führungsetage ganz zu schweigen).

Mein Wahlslogan ist daher „Erlebnis statt Ergebnis“, der hier in Mainz von Ali Cakici geprägt wurde (ja genau, der ehemalige Co von Thomas Oral bei Ingolstadt). Von der Idee kann ich mir gut vorstellen, dass man das so oder so ähnlich auch in der Mainzer Führungsriege unterschreiben würde. Ist man dabei aber ehrlich und weniger mit der Glaskugel unterwegs, so ist der Elefant im Raum aktuell wohl das klassische "Back to the Roots"

So oder so: Ich bin unfassbar heiß auf die kommende Saison, die gerade in Verbindung mit einer möglichen Rückkehr der Fans ins Stadion eine unfassbare Euphorie entfachen könnte.

P.S.: Ach ja und ich hoffe, dass das jetzt auf die letzten zwei Spiele auch sicher mit dem Klassenerhalt klappt, sonst waren die letzten 45 Minuten streckenweise für die Katz :nerd_face:

Also…ich schreib vermutlich nicht alles auf einmal, weil Kapazitäten und so, aber ich würde die Saison gerne von Anfang bis Ende aus meiner Sicht kurz beleuchten.

Ich habe wegen Corona noch nie so unmotiviert auf einen Saisonstart geschaut. Den großen Umbruch nicht durchzuführen (Abgänge von Mateta, Quaison und Niakhaté waren „sehr weit“) war einerseits nachvollziehbar, weil die Qualität ja vorhanden war, hat aber auch Kopfschütteln ausgelöst, weil genug Spieler potentielle Unruheherde waren.

Obwohl Mainz am Ende doch souverän gegen Havelse im DFP-Pokal gewonnen hat, lag Mainz früh hinten und hat das Spiel erst ab Minute 60 gedreht. Szalai damals mit einem Tor.

Nach der fast obligatorischen Niederlage gegen RB, kam es die Woche drauf dann zu dem ominösen Spielerstreik. Die Reaktion der Fans war verheerend, das darauf folgende 1:4 gegen Stuttgart kommt oben drauf, Beierlorzer war einen Tag später weg. Rouven Schröder, der ohnehin bei vielen unbeliebt war, ging auch schwer beschädigt aus der Sache raus. Ich denke, man kann feststellen, dass die Trennung von Beierlorzer zwei Monate zu spät kam. Die Mannschaft hat sich über die geringen taktischen Vorgaben und die Ansprache beschwert. Da Rouven Schröder bei der Verpflichtung Bo Svennsons von Lieferung extra eine „Mainz-Klausel“ reinverhandelt hat, wäre es vielleicht möglich gewesen, bereits damals Svennson zu verpflichten.

Aaaaanyway, der Co-Trainer Jan-Moritz Lichte hat dann übernommen. Mit seiner unaufgeregten Art hatte er einerseits meine Sympathie, aber galt als die Erfolge ausblieben als zu ruhig und zu wenig „Mainz05-like“. Ob es einen richtigen „Lichte-Fußball“ gab, kann ich gar nicht genau sagen, aber er hat geschafft, die Anzahl der Gegentore zu verringern. Abgesehen vom ersten Spiel gegen Union (4:0), hat Lichte eine Bilanz von 10:15 in zehn Spielen. Das klingt nicht mal so unterirdisch wie die Punkteausbeute dann letztendlich war. Von dem Last-Minute 3:1 gegen Augsburg einmal abgesehen, hat Lichte immer nur mit einem Tor Unterschied verloren und zumindest keine Packungen mehr gekriegt. Nach den Niederlagen gegen Köln, Bremen und im DFB-Pokal gegen Bochum musste aber etwas passieren.

Dann kam das Heidelbeben und die Euphorie, die daraufhin entstanden ist, fand ich fast schon negativ befremdlich. Auf der ersten PK mit Heidel, Svennson und Schmidt haben Journalisten „den Christian“ willkommen geheißen und direkt geduzt. Ähm ok…

So…das reicht für´s erste…