Royal 25/26 – it's a wrap (wahrscheinlich)

Ich möchte als Feedback (bisher KOE, HEI, LEV, BVB, BRE und jetzt LEI gehört) zuerst einmal da lassen, was für ein außerordentlicher Gast im Leipzig-Segment eingeladen wurde. Kannte ihn vorher nicht, bin aber sehr positiv angetan von seiner Art der Gesprächsführung. Immer ruhig, wirkt sehr nahbar und empathisch, nie ausschweifend, sehr fokussiert, ohne dabei zu sachlich oder langweilig zu werden. Würde ihn sofort auf ein Malzbier einladen wollen.

Zudem ist mir jetzt sowohl bei LEV, BVB, BRE als auch LEI aufgefallen, dass Max sinngemäß die Argumentation fährt “Die Zielsetzung, die der Verein nach außen kommuniziert, ist doch albern”, wenn es um die Ambition geht, um die Meisterschaft mitzuspielen. Im Fall von Bremen war es nicht der Verein, sondern die Annahme des Gastes, es könnte zumindest mal wieder um die Conference League gehen.

Ich möchte das gar nicht mal inhaltlich kritisieren, weil ich im Prinzip Max dabei auch Recht gebe. Ich möchte nur anmerken, dass das im Kontext einer guten Moderation eventuell fragwürdig sein kann, wenn dem Hörer die Repetitivität dieser Argumentation derart deutlich auffällt. Das kann den Umständen geschuldet sein (wenn 3 von 4 Leuten sagen, die Erde ist flach, heißt es nicht, dass die Erde flach ist, sondern dass 3 von 4 Leuten Quatsch erzählen und dann muss man es auch genau so benennen).

Es kann aber auch darauf hindeuten, dass eine gewisse Form von, wie soll man es nennen, Zynismus oder Fatalismus in Bezug auf die Sicht auf die Bundesliga Einzug hält. Die kann man zwar inhaltlich begründen, aber sie steigert die Qualität der Moderation ab einem gewissen Punkt nicht mehr.

Ich möchte wirklich nicht klugscheißern und erst recht kein Gedankenprofil von Max erstellen. Ich weiß auch, dass gerade der Anspruch an faktische Korrektheit / Konsistenz den Rasenfunk qualitativ merklich von anderen Sportmedien unterscheidet.

Aber ich möchte darauf hinweisen, dass insbesondere der deutsche Fußball sehr von Bratwurstgeruch-Romantik und Eskapismus lebt und die Rationalisierung der Argumentation (z.B. Fokus auf Finanzkennzahlen) ab einem gewissen Punkt eine eigene Irrationalität in sich birgt. Es klingt irgendwann für mich so, als dass Max das PR-Storytelling ernster nimmt als die PR-Abteilungen der Vereine es selbst tun. Das Thema ist rein aus der Sicht eines Sportjournalisten betrachtet hochspannend. Aber für viele, wenn nicht vielleicht die meisten Hörer bietet es kaum bis gar keinen Mehrwert.

Ich hoffe, ich konnte meinen Punkt verständlich rüberbringen. Das soll nicht wie Knitpicking rüberkommen. Ich bin Max wie immer sehr dankbar für die qualitativ und quantitativ hochwertige Arbeit, die er sich insbesondere mit diesen Royal-Segmenten macht. Ich vermute, dass die ein extrem schlechtes Produktionsaufwand (Zeit für Recherche und Post-Prod)-zu-Nutzen (Reichweitenerhöhung)-Verhältnis aufweisen. Gerade deswegen sind die Royals bei mir und anderen Hörern so beliebt, eben weil sich sonst keiner diese Mühe machen würde.

Ich unterstelle, dass die von mir gemachte Beobachtung nicht darauf beruht, dass Max seine Argumentation mit Absicht genau so geführt hat, sondern es sich aus den Gesprächen mit den Gästen so ergeben hat. Gerade deswegen, weil es mMn im Subtext über mehrere Segmente geschehen ist, würde ich Max wünschen, dass er sich selbst wieder ein ganz kleines bisschen mehr die Fußball-Fan-Brille aufsetzen kann bei der Analyse der Bundesliga.

Das fällt uns allen extrem schwer beim heutigen Fußball, der hyper-kapitalistisch und menschenhandelbasiert ist, Straftäter deckt, intransparent und nachweislich korrupt ist und zu einem Steueroptimierungsmodell im Gewand eines Sportevent-Produkts verkommen ist.

Früher war Fußball mal nur ein nachweislich korrupter gesellschaftlicher Ort der Begegnung verschiedenster Bevölkerungsgruppen, der in seiner Funktion quasi mit einem Gottesdienst verglichen werden konnte.

Aber gerade weil es so schwer ist mit dem Fußball von heute und weil Max hier schon seit vielen Jahren konsistent beweist, dass er die schweren Aufgaben den leichten bevorzugt, würde ich ihm nur ein kleines bisschen mehr "Naivität” (in Ermangelung eines besseren Wortes) aus den ersten 20 Folgen im Jahr 2015 wünschen. Damit will ich jedoch keineswegs sagen, dass die Qualität nachgelassen hat oder früher alles besser gewesen sei.

Ich habe hier im Forum oft genug mein Lob für die verschiedenen Formate zum Ausdruck gebracht und möchte das hier nur als gut gemeinten Gedanken eines Hörers verstanden wissen. Ich möchte einem Moderator nur wünschen, nicht emotional abzustumpfen, wenn man seinen Blick auf 50 Jahre Bayern-Dominanz und die 12. moralisch fragwürdige MCO-Struktur und den 63. Frauenschläger richtet, der vom System Fußball gedeckt wird.

Deine Arbeit ist deswegen so gut, weil du die inneren Widersprüche des Systems aufdecken, klar benennen, aus allen Seiten diskutieren und gleichzeitig eben diese Widersprüche mit einer Prise Humor würzen kannst, anstatt zu belehren oder zu verzweifeln. Dadurch hat der Hörer am Ende der Folge bei aller Kritik am Business trotzdem nur noch mehr Bock auf das kommende Bundesliga-Wochenende (oder die nächste Stammtisch-Diskussion im Freundeskreis) und du meisterst diesen Spagat wie kein Zweiter im deutschen Fußball-Medienzirkus.

LG und ein schönes Rest-Wochenende :heart: