Schlusskonferenz 193 – #08


#1

Wir haben den 8. Spieltag mit Thomas Böker und Christoph Bähr (@christophbaehr) besprochen. Bin gespannt auf euer Feedback!


#2

Die Einschätzung, Hertha habe in den vergangenen Spielen “über seine Verhältnisse” gespielt, kann ich nicht nachvollziehen. Das impliziert doch, man habe Glück gehabt oder unverdient gewonnen bzw. einen Punkt geholt.

Vielleicht kann Torsten Böker mal konkret benennen, auf welches Spiel das seiner Einschätzung nach zutrifft.


#3

Ich will jetzt nicht beurteilen, ob Hertha über seine Verhältnisse gespielt hat, aber die Aussage bedeutet nicht, daß man Glück gehabt hätte oder unverdient gewonnen hätte. Es bedeutet vielmehr, zumindest nach meiner Interpretation, daß die Mannschaft am obersten Level der Leistungsfähigkeit spielt, was man in der Regel nicht lange aufrecht halten kann.

Wie gesagt, ich möchte nicht beurteilen, ob es so ist. Und über die Berliner sagt man das eigentlich schon seit Jahren, aber trotzdem halten die sich eigentlich sehr konstant dort oben. Ob es nun am Ende CL ist, denke ich eher nicht, aber Europa sehe ich schon. Für CL muß alles passen und die anderen auch ihr Potential nicht ausreichend ausschöpfen


#4

Ich bin an sich ein großer Fan, fand allerdings die Diskussion über Kind und seine Beweggeünde gegen 50+1 sehr schwach, weil man doch merkte, dass sehr wenig Ahnung da ist und trotzdem ein abfälliges Urteil über Kind gefällt wurde.
Das Thema ist sowieso sehr aufgeladen, da würde ich mir echt wünschen, dass ihr nicht so ein Urteil fällt ohne euch in das Thema eingearbeitet zu haben.


#5

Ich fand insgesamt eine etwas schwächere Folge. Vor allem auch, weil ich Thomas Böker als Gast nicht mag (zu absolut, sehr rechthaberisch, insg. sehr dominantes Sprechverhalten).

Zur Bewertung Hoffenheims frage ich mich schon wo die sehr positive Sicht der Dinge her kommt. Es wurden drei Siege in der Liga geholt, gegen Freiburg, Hannover und Nürnberg. Die Defensive steht immer noch nicht (sieht man auch gerade im Spiel gegen Lyon) und dass die Leistungen schon die ganze Zeit ansehnlich ist, täuscht nicht darüber hinweg, dass es gegen stärkere Gegner immer scheiße Aussieht, was am Ende rauskommt. Ich finde es hat sich nicht wirklich was verändert seit dem Hannover Spiel, möchte aber hoffen, dass die positive Einschätzung aus dem Podcast stimmt, Anzeichen sehe ich dafür keine!


#6

Naja, gegen Dortmund sah Hoffenheim schon ziemlich stark aus :thinking:

Über Kohfeldt wurde unter anderem gesagt, dass er sehr kommunikativ ist und mit seinen Spielern spricht. Aber ist das wirklich ein Alleinstellungsmerkmal in der Bundesliga? Seine fachliche Kompetenz gehört durchaus zu den stärksten der Bundesliga. Gut möglich, dass der eine oder andere größere Verein in 2-3 Jahren mal anklopfen wird. Aber die kommunikativen Fähigkeiten sind doch auch ein sehr wichtiges Merkmal für einen guten Trainer und ich denke einfach, dass auch Köllner, Sandro Schwarz und Pal Dardai da gut sind.


#7

Ich fand die Folge insgesamt sehr gut und ich habe die Diskussionsrunde sehr gerne verfolgt. Vielen Dank für die tolle Arbeit!


#8

Ich würd dem schon widersprechen wollen, dass Thomas rechthaberisch ist. Ich glaube, dass er in vielen Fällen (Stuttgart, Schalke) einfach recht hatte. Diese Meinung dann auch konsequent zu vertreten, ist sein gutes Recht. Sicherlich will niemand Doppelpass-Stammtischparolen, aber die deutlichen Aussagen waren ja nie anmaßend. Einzig seine Argumentation, dass Hannover dank ihrer Entdeckungen wie Weydandt den 50+1 Antrag ruhen lassen sollten, konnte ich nicht nachvollziehen.

Ich persönlich muss sagen, dass ich kontroverse Diskussionen rundum den Fußball im Rasenfunk lieber mag als z.B. Gäste die die Hälfte der Spiele nicht gesehen haben und ja generell “nicht so nah dran sind”.

Zu der Einschätzung rund um Schalke: erst einmal, tolles Niveau der Diskussion. Aber in den meisten Teilen muss ich auch sagen, dass Schalke noch sehr positiv wegkommt bei den Leistungen, die man zeigt. Der Vizetitel war bereits auf wackligem Gerüst gebaut und vielen knappen Siegen durch Standard-Toren zu verdanken. Gleichzeitig waren viele, eigentlich bessere Teams durch vielerlei Gründe schwächer waren als erwartet (Dortmund, Leipzig, Gladbach, Hoffenheim und Leverkusen in Teilen) Tedesco hat natürlich trotzdem tolle Arbeit geleistet, indem er eine überdurchschnittliche Defensive zusammengebaut hat. Ich erinnere mich aber an das Tribünengespräch mit Sammer, wo er auch angemerkt hat, dass Schalke kein Bollwerk sei und in einer normalen Saison eher 8-10. werden sollte. Wie so häufig gilt tatsächlich: einfach mal auf Sammer hören

Aus meiner Sicht ist Schalke mit dem Ziel CL schon sehr optimistisch in die Saison gestartet. Die drei talentiertesten Spieler (Meyer, Goretzka, Kehrer) wurden abgegeben. Die Dreifachbelastung kommt bis mindestens Dezember hinzu, wodurch wenig Zeit für Tedescos detaillierte Arbeit bleibt. Das hilft natürlich den neuen Mittelfeldspielern Rudy, Mascarell und Serdar überhaupt nicht. Hier verstehe ich generell die Zusammenstellung nicht wirklich, da ich nicht glaube, dass Rudy und Mascarell zusammen spielen können. Mascarell ist eher einer für die Doppel-6, während Rudy seine beste Zeit als alleiniger 6er vor einer Dreierkette hatte. Diese Dreierkette hat Tedesco aber abschaffen müssen, weil Sané in ihr nicht klarkommt anscheinend. Das ist natürlich ein massiver Setback, da sich durch diese Änderung nahezu jede Position und deren Aufgaben verändert. Gerade der Verkauf von Kehrer dürfte ihnen noch sehr schmerzen, vielleicht mehr als die erhaltenen 37 Millionen es wieder gut machen können. Es gibt nun nur noch drei fitte IV, von denen nur zwei Dreierkette können. Rechts hinten gibt es mit Caliguiri und Schöpf nur gelernte Mittelfeldspieler.

Zudem muss ich Thomas in dem Punkt zustimmen, dass ich bei Schalke selten das Gefühl habe, dass die besten Spieler auf ihren besten Positionen spielen, da das System sehr stark am Gegner ausgerichtet ist. Eigene Abläufe, gerade offensiv, können sich da kaum einstellen. Zudem glaube ich, dass Tedesco defensive Attribute wie Laufverhalten, Pressingstärke im Vergleich zu offensiven Qualitäten stärker bewertet. Durch nichts anderes kann ich mir die viele Spielzeit von z.B. di Santo erklären. Einmal ein Vergleich: Der laufstarke “Zerstörer” McKennie nimmt Sahin in Manndeckung. Der 6 Tore Mann Duda von Hertha nimmt Rudy in Manndeckung. So geht Schalke unglaublich viel Qualität nach vorne verloren.

Sicher steckt in ihrem Kader kein Guardiola-Fußball. Aber ein offensiverer Tempo-Fußball muss auch bei S04 möglich sein. Ein Vorschlag für´s nächste Spiel:
Fährmann - Caliguiri, Sané, Nastasic, Mendyl - Mascarell, McKennie - Schöpf, Harit, Konoplyanka - Burgstaller
Das ist eine Mannschaft mit viel Tempo, fußballerische Klasse, die aber in vielen Teilen trotzdem defensive Stabilität gewähren kann. Zudem hat ja selbst ein Harit oder Konoplyanka eigentlich nie derartige defensive Schwächen gezeigt, dass sie nicht zusammen aufgestellt werden dürften.

Letztendlich glaube ich, dass Tedesco sich vielem was ich angeführt habe, auch bewusst sein wird. Er will ja auch keine Erfolglosigkeit Bei Aue hat er ja auch vergleichsweise attraktiven Ballbesitzfußball spielen lassen. Ich glaube einfach, dass offensiv mit den Leuten viel mehr möglich ist, als das was aktuell geboten wird. Denn bei allem Respekt, Schalke darf sich von Werder Bremen oder Hertha gerade zuhause eigentlich nicht immer den Spielverlauf diktieren lassen. Kohfeldt ist kein Trainer, der sich leicht verarschen lässt. Als Tedesco auf Raute umgestellt hat, hat Kohfeldt kurzerhand eine Dreierkette und eine zweite Spitze eingewechselt um die alte Stabilität wiederherzustellen. Auf eine nächste Umstellung hätte er womöglich wieder reagiert. Ich hoffe einfach, dass die Mannschaft demnächst wieder selbstbewusster und agierender auftritt, um dieses Projekt “Laptop-Knappen” voranzutreiben. Denn bei aller berechtigten Kritik, die Trainerdiskussion ist das letzte womit sich dieser Verein gerade beschäftigen sollte.


#9

Ich hab schon ein bisschen drauf gewartet, dass der Argumentationsstil von Thomas Böker manchem wieder aufstoßen wird, aber ich gehe da mit @nacho voll mit, ich empfinde das als leidenschaftliches und dabei kenntnisreiches Diskutieren und finde es gut. Er ist ja nie unfair zu den MitdiskutantInnen. War so, wie es diesmal war, auch ein guter Mix!

Fiel mir neulich auf: Schalke wie Stuttgart, die in der letzten Saison bzw. Halbsaison mit wenig attraktivem Fußball sehr erfolgreich waren, stehen nun schlecht da. Liegt es womöglich auch daran, dass die Liga besser geworden ist und so ein Fußball nicht mehr durchkommt…?
Mag ne steile These ins Blaue sein - widerlegt mich gern…! :wink:


#10

Ja da habe ich ein bisschen emotional formuliert :slight_smile:
Aber ich finde diese Einschätzung einer Verbesserung merkwürdig. Die Mannschaft spielt eigentlich schon die ganze Zeit gut, verschenkt das aber immer durch Aussetzer in der Defensive (meist individuelle), das Spiel gestern Abend war ein Paradebeispiel. Und auch Nürnberg ging durch einen solchen Aussetzer erstmal in Führung. Gegen Gegner aus dem unteren Tabellendrittel reicht es dann manchmal, aber gegen stärkere, abgezocketere Mannschaften eben nicht. Das geht schon die ganze Saison so und war auch am Wochenende nicht anders, daher der Einwand.

Widerspruch!

Zustimmung!


#11

Naja, die Saison ist noch kurz und wenn man sieht wie stark Hoffenheim in der Rückrunde war, würde es mich nicht wundern, wenn sich Hoffenheim in der Hinsicht verbessern wird im Laufe der Saison :wink:


#12

Ich fand Thomas Böker zwar gefühlt auch etwas überpräsent im Vergleich zu Christoph Bähr aber an seiner Art habe ich mich jetzt nicht gestört.

Die gelobte Verbesserung von Hoffenheim konnte ich auch nicht ganz nachvollziehen. In meinen Augen kommt die zu früh und würde bis auf wenige Ausnahme nicht wieder jeder jeden schlagen in der Liga wären sie vermutlich auch nicht auf Platz 8 mit diesen Ergebnissen. Aber kann ja noch kommen.

Zum Schwerpunkt möchte ich noch ergänzen, dass ihr euch ja die Frage gestellt habt, ob Kohfeldt Krisenmanagement kann. Da hat es mich schon etwas erstaunt, dass da komplett außen vorgelassen oder vergessen wurde, dass er ja schon durchaus “schwere Zeiten” im Verein hatte. Als Co-Trainer von Skripnik am letzten Spieltag im Endspiel gg Frankfurt die Relegation verhindert und danach als Trainer der Zweiten, im Grunde auch ein Jahr lang gegen den Abstieg aus Liga 3 gearbeitet.