Sportverletzungen


#1

Lieber Max, liebe Gemeinde,

erstmal Lob! Der Podcast ist große klasse und ich wüsste schon gar nicht mehr, womit ich meinen Montag anders verbringen sollte als dir und deinen wunderbaren Gästen zuzuhören. Genug Lob.

Nun ein Input meinerseits. Dazu sei gesagt, ich weiß selbstverständlich nicht, wie relevant die Thematik tatsächlich ist und vor allem nicht, wie bereitwillig sich diesbezüglich die Betroffenen äußern.
Letztens auf dem Heimweg von der Uni in der U-Bahn las ich in den Anzeigetafeln eine Kurzmeldung der BZ Sport, die über eine Verletzung des Herthaners Vladimir Darida berichtete. Dieser kämpfte mit einem geschwollenen Zeh, der nach Aussage der BZ nicht nur geschwollen, sondern auch blau war. Um die Problematik etwas einzudämmen, trug Darida beim Trainieren einen Schuh, der an der entsprechenden Stelle aufgeschnitten war, um den Druck von der empfindlichen Stelle zu nehmen. Da ich mir erst vor wenigen Tagen meine Bohrmaschine auf den Zeh habe fallen lassen, konnte ich gut nachempfinden, wie schmerzhaft dies ist und die Vorstellung, mit diesem Fuß jetzt auch noch Fußball spielen zu müssen, war mir ein Greuel.
Aber ich bin ja glücklicherweise kein Fußballprofi.
Nun aber, auch nach der offensive von Mertesacker im Spiegel, habe ich über diesen Sachverhalt nochmal nachgedacht. Der von Mertesacker beschriebene Druck wird ja nicht nur auf die Psyche, sondern auch auf den Körper ausgewirkt. Ich gehe davon aus, dass jeder Fußballer, insbesondere die der Kategorie Weltklasse mehr als einmal in seiner Karriere medizinische Entscheidungen getroffen hat, die aus ärtzlicher Sicht höchst zweifelhaft waren oder vielleicht sogar diametral ärtzlichem Rat entgegenstanden.
Als sich mein bester Freund mal einen Muskelfaserriss zuzog, habe ich erstmal meine Erfahrungswerte aus langjähriger Kicker-Lektüre aufgerufen und war dann sehr überrascht, als mein Freund erst nach 8 Wochen wieder komplett schmerzfrei war. Dies hängt auch definitiv von der Schwere des Muskelfasererisses ab, aber meinem Gefühl nach klingen diese Verletzungen bei Profisportlern sehr viel früher ab als man es im Alltag so mitbekommt.

Mein Vorschlag: vielleicht findest du ja Gesprächspartner sowohl aus dem Spieler- als auch aus dem medizinischen Umfeld, die zu dieser Thematik mit dir ein Tribünengespräch aufnehmen wollen.


#2

Moin Paul,
Ich finde die Thematik auch sehr spannend.
Wenn man über die, im Vergleich zu uns, kurzen Verletzungspausen diskutiert, kommt man wahrscheinlich irgendwann um das Thema Doping nicht mehr drum rum.
Mich würde insbesondere auch die Rolle der Vereine interessieren. Da für diese ja auch immer ein großes finanzielles Fragezeichen hinter jedem Spieler steht, wäre es sehr spannend zu erfahren, wo die meisten Vereine ihren Schwerpunkt legen? Möchte man möglichst kurze Ausfallzeiten mit teils fragwürdigen Methoden (hier berühmt das Kälberblut bzw. Actovegin) und nimmt das Risiko weiterer Verletzungen in kauf? Oder sind die meisten Vereine eher an einer vollständigen Genesung interessiert, um die Gesundheit und somit den Werterhalt nicht zu gefährden?

Ein weiterer Aspekt sind die Häufigkeiten der Verletzungen.
Sind Verletzungsanfällige Spieler wirklich nur vom Pech verfolgt? Gibt es genetische Voraussetzungen, die zb einem Marco Reus keine vollständige Saison erlauben? Oder achten Spieler wie Philipp Lahm einfach viel mehr auf sich und ihren Körper? Kann man hier eine Gewichtung beziffern?

Schöne Grüße


#3

Moin!

Danke erstmal für deinen Beitrag. Sehr gute Fragen.
Die Rolle der Vereine ist in der Tat spannend, denn in der Tat halte ich beide Gangarten für möglich, auch wenn sich die Vereine untereinander bestimmt sehr unterscheiden können. Aber was machst du als Trainer, wenn du weißt, dir steht ein wichtiges Spiel bevor und dein wichtigster Akteur wird nicht mitmachen können, es sei denn, man setzt ihn unter Schmerzmittel. Ich hoffe, dass die letzte Entscheidung dann immer noch vom Spieler getroffen wird, allerdings kann ich mir vorstellen, welch enormer Druck in so einer Situation ausgeübt werden kann. Angefangen von “Wir brauchen dich” bis hin zu: “So läuft das nunmal im Profifußball”.
Zu den Häufigkeiten der Verletzungen: ich denke auch, dass dies vorwiegend dem Umstand geschuldet ist, dass wir Menschen nunmal alle sehr unterschiedlich sind. Jeder kennt wohl Leute in seinem Umfeld, die permanent krank werden und andere (wie ich, glücklicherweise) nicht. Hinzu kommen eventuelle Folgeverletzungen und vermutlich viel Pech (s. Sebastian Schuppans einzige Saison in der Bundesliga ohne Spieleinsatz).


#4

Moin,
Schuppans Verletzung war ja eine Folgeerscheinung der OP und daher eher ein gesonderter Fall. (Hatte Matthias Sammer nicht eine ähnliche bakterielle Infektion im Knie?)
Mich würde im Bezug auf die Häufigkeit einfach interessieren, wie groß der Einfluss von Schlaf, Ernährung, Training, Psyche etc. ist. Mir ist die Reduzierung auf Glück/Pech oder guter/schlechter Körper einfach zu kurz gedacht.