Tribüenengespräch 017 zu Esport


#1

Mal etwas anderes, finde ich. Bin gespannt auf euer Feedback!


#2

Wirklich tolle Folge mit sehr guten und kompetenten Gästen zu einem spannenden Thema, das in Zukunft ohne Frage immer relevanter werden wird.
Auch inhaltlich fand ich die Mischung sehr gelungen, was Erklärungen für “Fachfremde” und Leute, die besser im Thema drin sind, angeht.

Wer’s noch nicht gehört hat: Es lohnt sich.


#3

Ich muss vor allem die Auswahl der Gäste loben. Kompetent und eloquent, da ist das Zuhören purer Genuss und der Informationsgehalt ist zudem sehr hoch. Ich kann diese Folge jeden ans Herz legen.


#4

War interessant mal in die Welt des Esport reinzuschnuppern. Gerade für mich, der ausser ab und an mal ner Runde Online-Golf keine Computer-/Konsolenspiele spielt. Obwohl, streng genommen ist Online-Golf ja auch Esport. Naja, auf jeden Fall kenne ich keines der angesprochenen Spiele.
Zur Definition, was Sport ist: Steckt da ein Verband hinter, der von alten Männern geführt wird, mit null Transparenz und einer Wahrscheinlichkeit nahe 100%, daß der Haufen auch korrupt ist, dann ist es Sport. Sind sie noch nicht soweit, dann kann man es auch noch nicht als Sport bezeichnen


#5

Großartige Sendung, passenderweise am gleichen Tag wie die erste Draft der NBA 2K eSport-Liga, in der 17 der NBA-Franchises ihre eigene eSport Mannschaft gedraftet haben. Übrigens in einem Format, wo jeder Spieler einen Spieler auf dem Feld übernimmt und deswegen das FIFA-“Problem” nicht existiert.

Ansonsten zum Thema Sport. Mitglieder im DOSB sind u.a. Schach, Motorsport, Rhythmische Sportgymnastik und Leichtathletik. Ich glaube nicht, dass man irgendeine Definition für Sport findet, die Schach, Formel 1, Rhythmische Sportgymnastik und 100m-Lauf unter einen Hut bringt und eSports außen vorlässt.


#6

Wenn man sämtliche, sportwissenschaftlich akzeptierte Definitionen von Sport betrachtet, dann lässt sich eSport eindeutig als Sport bezeichnen (http://spolex.de/lexikon/sport/).

Meiner Meinung nach das wichthgste ist die Aufklärung welche körperlichen Folgen denn der dauerhaft erhöhte Cortisonspiegel mit sich bringt und durch was sich Cortison am besten abbauen lässt und dies ist nun mal körperliche Bewegung über einen längeren Zeitraum.

Die Schwierigkeit sehe ich allerdings eher dabei, dass es einfacher ust einfach vor der Konsole sitzen zu bleiben, als sich nochmals für eine Laufrunde zu motivieren.


#7

Ich würde die Verbindung zwischen Videospielen und Sport auch eher kritisch sehen. Nicht weil es uninteressant ist oder keine außerordentliche Leistung, sondern weil es nicht besonders positiv für den menschlichen Körper ist so wie die meisten anderen Sportarten. Heute werden Spiele so konzipiert, dass sie durch geschickte Reize/Belohnungssysteme Spieler bei der Stange halten und so Spieler körperlich inaktiv vor dem Monitor fesseln egal ob sie nun großartige Leistungen vollbringen oder nicht. Das ist bei Sport im klassischen Sinn nicht der Fall wie bei den oben genannten Beispielen von Schach, Motorsport, rhythmische Sportgymnastik oder Leichtathletik. Ich finde dennoch, dass Videospiele durchaus olympisch sein könnten. Nur vielleicht sollte man gar nicht so sehr den Bezug zu Sport herstellen - klingt jetzt natürlich Paradox beim Thema Olympia, da es meiner Meinung in den meisten Fällen Sport nicht ersetzt, sondern etwas anderes ist, was aber durchaus positive Aufmerksamkeit verdient. Für mich ist es im Ergebnis eher ein Wettkampf von Videospielern als Sport, der dennoch taktisch oder technisch sogar interessanter sein kann.


#8

Da übersiehst da eines: Für absolute Topleistungen musst du im Kopf fit sein. Das passiert - wie in anderen Sportarten auch - zu einem bedeutendem Teil über gesunde Ernährung. Dazu hilft dir - und das wurde im Podcast glaub ich ja auch angesprochen - körperliche Fitness ungemein, um die geistige Klarheit zu haben. Bewegung gehört (in der Vorbereitung) auch zum E-Sport dazu.
Ich bin kein Insider, aber ich behaupte jetzt mal, wenn man sich die top E-Sportler ansieht, dann werden die allermeisten von ihnen in gutem körperlichen Zustand sein.

Der (jetzt mal ganz übertrieben) stereotype Gamer, der mit Pizza und Cola vorm Bildschirm sitzt, ist kein E-Sportler, das ist eher wie der Fußballfan mit Bier in der Hand auf der Couch.

Damit hast du natürlich 100% Recht und davon bin auch ich kein Fan (Ich fall da selbst oft genug drauf rein).
Wahrscheinlich müsste das Bewusstsein dafür gestärkt werden, was ich oben geschrieben habe, dass körperliche Fitness auch beim Zocken positiv ist, der Punkt wird in der Regel ja allgemein übersehen. Was natürlich am Ende auch nichts dran ändert, dass es Menschen gibt, die so oder so von Haus aus gar kein Interesse an Bewegung haben.

Edit: Beim nochmaligen Durchlesen seh ichs jetzt erst so richtig, dass das, worauf du wahrscheinlich hinaus wolltest, die Gefahr ist, dass irgendwann E-Sport mit körperlichem Sport “verwechselt” wird, wenn man beides Sport nennt. Die Gefahr sehe ich nicht, da vertraue ich auf den natürlichen Bewegungsdrang.


#9

Ich vertraue jetzt nicht so sehr auf den Bewegungsdrang der Menschen wie du, aber sonst war dein Gedanke aus dem Edit im Grunde mein Punkt.

Bisher war Sport im Grunde eng mit körperlicher Aktivität verbunden. Klar, gibt es Ausnahmen, aber statistisch sind diese nicht relevant. Videospiele hingegen haben deutlich mehr Spieler als Schach etc. Ich finde bei ESport die Vermengung aus einer Marketingperspektive sinnvoll, aber für die Menschen eher nicht. Videospiele in ihrer momentanen Form haben einfach viele Nachteile, die körperlicher Sport und selbst Schach nicht hat. Trotzdem schmälert dies für mich nicht die interessanten Aspekte von ESport sind nur eben auch ein Teil der gleichen Medaille.


#10

Aber es ist ja eine Fehlauffassung Sport sei per se gut für den Körper. Gerade der Sport den wir als Fans von Leistungssport verfolgen ist alles andere als gesund, man schaue sich nur die zahlreichen Fälle von Invalidität nach erfolgreicher Profikarriere an.


#11

Hallo zusammen,
Bei der Bezeichnung von ESport als Sport (mit rechtlicher Annerkennung - in Arbeit durch Frau Bär/CSU) geht es für den Esport um Annerkung der Gemeinnützigkeit und damit um finanzielle Förderung durch uns alle.
Ich möchte daher noch eine weitere Perspektive auf das Thema eröffnen. Den Einfluss von digitalen Spielen auf das Gehirn. Eine große Mehrheit der unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchungen (in der Wissenschaft finden sich immer gegenteilige Aussagen, daher sind Metaanlysen wichtig) weisen darauf hin, dass

  • Digitale Spiele ADS-verwandte Symptome hervorrufen (bei Spielen positiv: Reize in der Perepherie erkennen und darauf reagieren. Im wahren Leben unpraktisch: sich ständig von allem ablenken lassen)
  • Schüler*innen die spielen im Schnitt schlechtere Noten haben (eine Kombination aus simplen Zeitmangel (nicht so schlimm) und schlechtere Selbstkontrolle (schlimm weil Voraussetzung fürs Lernen “dran bleiben”)
  • Spieler*innen von Ballerspielen zwar nicht zur Waffe greifen (wie der Gast richtig gesagt hat), aber (zumindest zeitweise) geringeres Empathie-Empfinden haben (Beispiel-Experiment: Nach Ballerspiel stellte Schauspielerin einen Unfall nach. Nach Ballerspiel halfen die Personen weniger und weniger schnell)
    Positive Befunde finden sich, bis auf wenige Ausnahmen, nur in Untersuchungen mit wirtschaftlichen Drittmitteln.
    Ich spiele selbst gern am Computer und will es nicht grundsätzlich verteufeln und/oder so tun als ob es unsäglich schlecht wäre. Aber ich trinke auch gerne Bier. Und da weiß ich ja auch, dass es nicht uneingeschränkt zu empfehlen ist und würde nicht wollen, dass es steuerlich gefördert wird.
    Steile These zum Schluss: Digitale Spiele sind ein riesen Markt und es geht um viel Geld. Um nichts anderes geht es den beteiligten Firmen. Der Sport sollte sich nicht zum Steigbügelhalter für Nintendo, Playstation und Co machen lassen, nur um ein Krümel vom Kuchen abzubekommen…

#12

Es ist im Grunde keine Fehlauffassung, dass Sport in Maßen für den Körper gut ist. Es gibt natürlich immer Ausnahmen, wo das nicht zutrifft. Dennoch kann eine zu hohe Intensität Probleme verursachen da gebe ich dir Recht. Trotzdem ist es deutlich schwieriger zu viel Sport zu betreiben als zu viel Videospiele zu spielen, da beim Sport das Feedback durch den Körper leichter wahrnehmbar und schwerer zu ignorieren ist. Fast jeder der Sport macht und auch schon mal mehrere Stunden Videospiele am Stück gespielt hat, kann das ganz gut nachvollziehen glaube ich :).
Schnikolas Anmerkungen zu dem Thema waren auch unter anderem die Grundlage warum ich in meinen vorherigen Posts die Verknüpfung zwischen Sport und Videospielen kritisch sah.


#13

Da gehe ich eher mit wechslgeruecht mit.
Viele Sportarten, auch im Hobbybereich sind nicht besonders gesund. Wie viele Hobbyfußballer enden mit Muskelfaserrissen, Bänderrissen oder gar Knochenbrüchen jedes Wochenende im Krankenhaus? Ich denke Esport ist hier im Vergleich nicht besonders “gefährlich”.
Trotzdem denke ich, dass Esport vielleicht nicht unbedingt Olympisch werden muss. Nach meinem Gefühl sollten sich bei Olympia Athleten im körperlichen Wettbewerb gegeneinander messen. nach dieser Definition würden aber auch andere Sportarten wie Schach und Bogenschießen rausfallen.


#14

Der HSV geht im eSport eigene Wege

von Nicole Lange am 05.10.2018 um 11:18
Der Hamburger SV will sich dem Thema eSport als Breitensport öffnen und hat am Donnerstagabend in der Raute seine eSport-Abteilung vorgestellt. Um dieses Projekt sinnvoll in der Vereinsstruktur zu platzieren, wird die Idee allerdings beim HSV e.V angesiedelt sein. Und so unentschlossen der HSV anfangs dem eSport gegenüber wirkte, so strukturiert präsentierte er sich nun mit guten Ideen für die Zukunft.